Anlagestrategien

Anlagestrategien im Vergleich: 3 Schritte für einen nachhaltigen Vermögensaufbau

Valeria Nickel, 18.07.2018

Mit Geldanlage reich werden wie Warren Buffet & Co – wer wünscht sich das nicht? Insgeheim hofft wahrscheinlich jeder fleißige Anleger, eine Goldgrube unter seinen Investitionen zu entdecken. Allerdings beruht der Erfolg eines Anlegers in 99 % der Fälle nicht auf einem glücklichen Zufall. Vielmehr ist die richtige Anlagestrategie der Schlüssel zu einem wachsenden Vermögen. Eine Anlagestrategie ist der Plan, nach dem ein Investor seine Investmententscheidungen trifft. Sie beschreibt eine bestimmte, längerfristige Vorgehensweise bei der Asset Allokation, beim Handel mit Aktien, ETFs, Anleihen, Optionen, Zertifikaten oder beim Risikomanagement.

Anlagestrategien unterteilen sich in aktive und passive Methoden

Wenn Sie versuchen, einen Informationsvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern einzusetzen und ihrer Meinung nach inkorrekte Bewertungen von Wertpapieren zu nutzen, um an den Finanzmärkten gewinnbringend Geld anzulegen, betreiben Sie aktives Vermögensmanagement. Sie bemühen dabei also Ihre Intelligenz. Kennzeichen dafür sind einerseits das „Stock-Picking”. Dabei sucht sich der Anleger bestimmte Aktien oder Anleihen heraus, die auf Basis der ihm zur Verfügung stehenden Informationen die attraktivsten Anlagemöglichkeiten versprechen. Ein anderes Merkmal ist das abgepasste Timing: Der Investor wählt aktiv den günstigsten Zeitpunkt, um in einen Markt einzusteigen – zum niedrigsten Kurs – oder auszusteigen – zum höchsten Kurs. Das dritte Kennzeichen ist das Ziel der Überrendite, also die Ambition, besser zu sein als der Markt. Aktive Fondsmanager wählen dafür einen Vergleichsindex, eine sogenannte Benchmark, die sie schlagen wollen.

Passives Vermögensmanagement dagegen verzichtet darauf, vermeintlich besonders attraktive Wertpapiere herauszupicken, Kurse vorauszusagen oder nur zu ganz bestimmten Zeitpunkten ein- und auszusteigen. Der Anleger will nicht die Rendite eines Vergleichsindex übertreffen, sondern diesen nachbilden und eine vergleichbare Rendite bei vergleichbarem Risiko erzielen – also praktisch ein Spiegelbild eines Marktes oder eines Marktsegments schaffen. Prognosen, Berichte und Meinungen von Analysten spielen dann keine Rolle mehr.

1 | Aufbau eines Portfolios

Ihre Anlagestrategie beginnt beim Aufbau Ihres Portfolios. Ein Portfolio setzt sich aus vielen unterschiedlichen Anlageklassen zusammen:

Unterschiedliche Anlageklassen

Im Grunde kann Ihr Portfolio alles enthalten, von dem Sie sich kurz- oder langfristig eine Wertsteigerung versprechen.

Wichtig ist dabei jedoch, dass Sie diversifizieren. Neben Chancen auf (Kurs-)Gewinne birgt jedes einzelne Wertpapier und jedes Anlageobjekt auch Verlustrisiken. Einerseits gibt es titel- oder objektspezifische Risiken, die der Geldanlage selbst innewohnen. Zum anderen gibt es Marktrisiken, die aus der Entwicklung der einzelnen (Wertpapier-, Immobilien- oder Rohstoff-) Märkte resultieren. Zudem besteht bei Anlagen in fremden Währungen ein Währungsrisiko. Ob die Gattung, Branche oder das Unternehmen – als Anleger sollten Sie verschiedene Szenarien durchdenken, um auf Zusammenbrüche in jedem der Felder vorbereitet zu sein. Dabei ist besondere Aufmerksamkeit geboten: An der Börse gibt es mehr Korrelationen, als man auf den ersten Blick meinen mag. Wer nur in Aktien investiert, ist beispielsweise nicht sicher vor einem Aktien-Crash. Um besser zu diversifizieren, kann der Anleger alternative Investments wie zum Beispiel Crowdinvesting-Projekte beimischen.

Eine per se perfekte Anlagestrategie gibt es nicht – Ihre persönliche Situation spielt immer eine wichtige Rolle!

Zudem müssen Sie sich schon beim Aufbau des Portfolios entscheiden, was für ein Anlegertyp Sie sind. Dazu zählt, welche individuelle Risikobereitschaft Sie besitzen, welche Anlageziele Sie verfolgen, welche Renditeerwartung Sie haben und welcher zeitliche Anlagehorizont Ihnen zur Verfügung steht. Eine Anlagestrategie richtet sich nämlich nicht nur nach objektiven Kriterien wie zum Beispiel der fundamentalen und technischen Wertpapieranalyse sowie allgemeinen Entwicklungsaussichten eines Marktes, sondern auch nach der finanziellen Situation und persönlichen Präferenzen des Investors.

Für eine persönliche Bewertung Ihrer Kapitalanlage gibt es das „magische Dreieck”: Rendite – Sicherheit – Verfügbarkeit. Der Anleger muss entscheiden, wie er welchen Punkt gewichten möchte. Dies hängt beispielsweise von den Wirtschafts- und Markttheorien ab, die er grundsätzlich vertritt. Andererseits spielt aber auch Ihr Alter eine gewisse Rolle: Wer gerade erst anfängt, Vermögen aufzubauen, kann beispielsweise höhere Risiken eingehen und sich eine geringere Verfügbarkeit des Kapitals leisten. Für jemanden, der kurz vor dem Renteneintritt steht, könnte dagegen die Sicherheit des Anlageprodukts der entscheidende Punkt sein.

magisches Dreieck

Sobald das Portfolio-Gerüst steht, sollten Sie sich um Ihr Risikomanagement kümmern. Viele Privatanleger überlegen sich zwar sehr genau, in welche Assetklassen sie Geld investieren möchten und wie sie diese gewichten, blenden dann aber häufig die Risiken der Geldanlage aus und treffen keine Vorkehrungen für den Ernstfall. An der Börse sollten Sie sich zumindest Stop-Loss-Kurse setzen, um sich vor Kursverlusten zu schützen oder Gewinne abzusichern.

2 | Vergleich der einzelnen Anlagestrategien

Man kann aktiv oder passiv investieren, in einzelne Aktien oder in Fonds, eine Immobilie einbeziehen oder auch nicht. Es gibt unzählige Anlagestrategien. Nachfolgend ein kleiner Überblick:

Anlagestrategien im Überblick
Growth-Strategie Anleger, die in wachstumsstarke Unternehmen investieren und auf ein großes Umsatzwachstum hoffen, verfolgen die sogenannte Growth-Strategie. Diese findet sich vor allem an Hochtechnologiemärkten wie der Softwareindustrie und in der Informations- und Biotechnologie wieder. Die Aktien dieser meist sehr jungen Unternehmen stehen ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Genau deshalb weisen sie jedoch oft ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf. Ein hohes KGV bedeutet, dass der Aktienkurs (die Marktbewertung) des Unternehmens im Vergleich mit seinen erwirtschafteten Gewinnen hoch ist. Doch nicht nur an der Börse, sondern auch mit Crowdinvesting in Start-Ups, können Sie diese Anlagestrategie verfolgen und hohe Gewinne erzielen.
Value-Strategie Value-Investoren suchen gezielt nach unterbewerteten Unternehmen, deren Potential für Kursanstiege sie aufgrund einer Fundamentalanalyse als hoch einstufen. Die Fundamentalanalyse basiert im Gegensatz zur Chartanalyse nicht auf einer Betrachtung von vergangenen Chartmustern, sondern auf betriebswirtschaftlichen Daten und dem ökonomischen Umfeld eines Unternehmens – den sogenannten Fundamentaldaten. Prominente Vertreter des Value Investing sind Warren Buffet oder Joel Greenblatt. Value-Aktien sind beispielsweise Daimler oder Coca-Cola.
Buy-and-Hold Strategie Diese klassische Strategie setzt auf die langfristige Ergiebigkeit von Geldanlagen und verzichtet auf das Market-Timing. Denn sie geht davon aus, dass es kaum möglich ist, die günstigsten Ein- und Ausstiegszeitpunkte am Finanzmarkt zu finden. Die größten Kursbewegungen würden nämlich innerhalb sehr kurzer Zeitspannen erfolgen. Außerdem könne die Spekulation an den Märkten über kurze Zeiträume für erhebliche Über- und Untertreibungen sorgen. Daher können Kurse vorübergehend stark von ihren langfristigen Durchschnittswerten abweichen. Auf lange Sicht setzen sich aber die Fundamentaldaten eines Unternehmens durch, die das Wirtschaftswachstum, die Unternehmensgewinne und somit die Börsenkurse bestimmen. Ein bekannter Verfechter dieser Strategie war André Kostolany. Sein berühmtester Ratschlag war wohl, in die Apotheke zu gehen, sich Schlaftabletten zu besorgen, einzunehmen, einige internationale Standardwerte zu kaufen und ein paar Jahre zu schlafen.
Antizyklische Strategie Eine weitere Anlagestrategie ist, bestimmte Aktien zu kaufen, wenn die Mehrzahl der Marktteilnehmer pessimistisch ist; und wieder zu verkaufen, sobald die Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hat. In der Realität ist diese Antizyklische bzw. Contrarian-Strategie aber kaum durchzuhalten. Einerseits ist es kaum möglich, Kurswenden hervorzusagen. Dies versucht zwar die Sentimentanalyse: Sie erforscht die Anlegerpsychologie in bestimmten Marktsituationen. Allerdings ist fraglich, ob die Stimmungen der Anleger dabei helfen können, Vermutungen über zukünftige Kursverläufe zu erarbeiten. Andererseits fordert es dem Anleger eine fast übermenschliche Psyche ab, permanent gegen den Strom zu schwimmen. Außerdem kann er nur schwer mit langfristig steigenden oder fallenden Aktien umgehen.
Prozyklische Strategie/ Momentum-Strategie Beim gegenteiligen Ansatz zur Contrarian-Strategie kauft der Anleger vor allem Wertpapiere, von denen er in Kürze einen beschleunigten Anstieg erwartet.
Dividenden-Strategie Die Vorgehensweise der Dividenden-Strategie ist es, gezielt Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite für sein Portfolio auszuwählen, wodurch regelmäßige Ausschüttungen garantiert sind. Die Dividenden sind nicht zu unterschätzen. Nicht nur Kurssteigerungen erhöhen die Rendite, sondern auch gute Dividenden.
Size-Strategie Blue Chips“, die umsatzstärksten Aktien großer börsennotierter Unternehmen, unterliegen langfristig geringeren Kursschwankungen als Nebenwerte. Sie zeichnen sich durch ein hohes Handelsvolumen und ein höheres Engagement institutioneller Investoren aus. Wenn der Anleger gezielt diese Unternehmen mit einer stabilen Umsatz- und Ertragslage auswählt, geht er geringere Risiken bei der Geldanlage ein.
Index-Strategie Wer passiv anlegen möchte, kann Anlageprodukte wählen, die einfach einen Index oder mehrere Indizes abbilden. Dies sind passive Fonds – oder auch ETFs genannt. ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Funds. Die Rendite entspricht dem jeweiligen Index, den sie abbilden. Sie variiert je nach Region und Schwerpunkt des Index.

3 | Strategie auf No-Gos überprüfen

  • Der Performance hinterherjagen: Investoren tendieren dazu, Anlageprodukte auszuwählen, die sich kürzlich gut entwickelt haben. Sie hoffen darauf, von der steigenden Tendenz zu profitieren. Meist ist die größte Entwicklung jedoch dann bereits vorbei.
  • Zu viel Selbstvertrauen haben: Instinkte sind gut – Kontrolle ist besser. Es ist von Vorteil, eine neutrale dritte Partei die eigenen Investmentideen überprüfen zu lassen. Das kann ein Finanzberater sein, ein vertrauenswürdiger Freund oder auch ein Investment-Club.
  • In Kostenfallen tappen: Beim Streben nach hoher Rendite geraten die Kosten für die Geldanlage häufig in den Hintergrund. Aktiv gemanagte Produkte versprechen zwar oft höhere Zinsen als passiv gemanagte, aber sie benötigen auch viel mehr Einsatz und eine dauerhafte „Behandlung”. Deshalb verursachen sie erheblich höhere Kosten. Mit passiven Anlagestrategien lassen sich die Kosten deutlich niedriger halten, da kein aktiver Manager seine Intelligenz dafür einsetzen muss. Dies kommt wiederum der Rendite zugute.

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