Abgeltungssteuer

7 Tipps zum Sparen bei der Abgeltungssteuer

Valeria Nickel, 29.05.2018

Wie schön ist es, als Anleger sein Geld für sich arbeiten lassen zu können – ohne viel Aufwand und mit ein wenig Glück wird es Monat für Monat mehr. Jedoch wird die Freude über Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne schnell getrübt: Seit 2009 wird die Abgeltungssteuer auf alle Kapitalerträge erhoben. 25 % der Gewinne sind dann einfach weg.

Was ist die Abgeltungssteuer?

Die Abgeltungssteuer – die laut Duden übrigens auch in der Variante „Abgeltungsteuer” geschrieben werden kann – ist eine Steuer auf Kapitalerträge. Privatpersonen müssen von den Kapitalerträgen, die ihnen nach dem 31.12.2008 zufließen, 25 % an den Staat zahlen. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5 % und eventuell 8-9 % Kirchensteuer. Der Steuersatz von 25 % ist einheitlich, das heißt, dass nicht mehr nach dem individuellen Steuersatz besteuert wird.

Als die Abgeltungssteuer 2009 auf den Vorschlag von Peer Steinbrück eingeführt wurde, war dies ein neuartiger Ansatz, um die Steuerflucht der Vermögenden zu unterbinden. Der neue Steuersatz ist für die meisten nämlich niedriger als eine individuelle Besteuerung. Allerdings wird diese Lösung nicht mehr als zeitgemäß angesehen, weil die Staatengemeinschaft der Steuerflucht den Kampf angesagt hat und die Steuerbehörden enger zusammenarbeiten. Deshalb wird in allen Parteien über die Abschaffung der Abgeltungsteuer diskutiert.

Erträge aus Kapitalvermögen

  • Zinserträge aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten (z.B. Sparkonto, Tagesgeldkonto)
  • Erträge aus Forderungswertpapieren (z.B. verzinste Anleihen, Pfandbriefe, Zertifikate)
  • Dividenden (z.B. aus Aktien, Genossenschaftsanteilen oder GmbH-Anteilen)
  • Wertzuwächse beim Verkauf von Aktien, Anleihen oder Fonds
  • Zinsen aus festverzinslichen Wertpapieren wie Geldmarkt- und Rentenfonds
  • Zinsgewinne aus einer Kapitallebensversicherung
  • Erträge aus Investmentfonds oder Termingeschäften
  • Erträge aus Genussscheinen und offenen Immobilienfonds
  • Gewinne aus dem Handel mit Derivaten

Ausnahmen, die in der Einkommensteuererklärung eingetragen werden müssen:

  • Auslandskonten
  • Verkauf einer Lebensversicherung
  • Erstattungszinsen vom Finanzamt
  • Zinsen aus einem Darlehen an Privatpersonen

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Wie funktioniert die Abgeltungssteuer?

Derjenige, der die Zinsen, Dividenden und Kursgewinne schuldet – z.B. eine Bank – behält die Abgeltungsteuer direkt ein und führt sie anonym an das Finanzamt ab. Deshalb wird die Abgeltungssteuer auch „Quellensteuer” genannt, da sie bereits an ihrem Ursprung abgezogen wird. Das gilt auch für Erträge aus ausländischen Wertpapieren, wenn sie in einem inländischen Depot verwahrt werden. Mit diesem gesonderten Steuerabzug ist die Steuer auf Kapitaleinkünfte grundsätzlich abgegolten, man muss diese also nicht mehr in der Steuererklärung angeben.

Die Ausnahmen, die nicht der Abgeltungsbesteuerung unterliegen, müssen dagegen zum Zwecke der Nachholung der Abgeltungssteuer weiterhin erklärt werden. Das bisherige Halbeinkünfteverfahren, ein Verfahren zur steuerlichen Entlastung von Einnahmen aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, wurde durch das Teileinkünfteverfahren ersetzt. Demnach werden Einnahmen aus Dividenden und aus der Veräußerung von Kapitalgesellschaftsanteilen, die im Betriebsvermögen gehalten werden, nicht mehr mit 50 % sondern mit 60 % der Einkommensteuer unterworfen. Darüber hinaus kommt das Teileinkünfteverfahren zur Anwendung, wenn die Beteiligung innerhalb der letzten 5 Jahre die 1 %-Grenze überschritten hat.

Seit einer Reform des Investmentsteuergesetzes zum 01.01.2018 werden Investmentfonds zudem auf Fondsebene versteuert. Mehr zu den Änderungen können Sie in unserem Beitrag zum Thema Fonds lesen.

Außerdem wurde mit der Einführung der Abgeltungssteuer die Spekulationsfrist abgeschafft. Sie betrug bis dahin 1 Jahr und erlaubte es, dass Veräußerungsgewinne nach Ablauf der Frist steuerfrei waren. Nun werden grundsätzlich alle realisierten Kursgewinne besteuert.

Gut zu wissen: Die Abgeltungssteuer in anderen EU-Ländern

Eine Kapitalertragsteuer wird auch in den meisten anderen europäischen Ländern erhoben. Oftmals gibt es dort jedoch Ausnahmen für bestimmte Arten von Einkünften oder lange Anlagezeiträume. Der Steuersatz reicht von 10 % in Griechenland und Luxemburg bis 59 % auf kurzfristig realisierte Kursgewinne in Dänemark. Deutschland gehört im Vergleich zum Durchschnitt eher zum oberen Feld.

Tipps zur Abgeltungssteuer

Selbstverständlich lautet die erste Frage bei allen Steuertipps: Kann man die Steuer umgehen? Grundsätzlich ist schon die Abgeltungssteuer an sich für besserverdienende Anleger eine legale Möglichkeit, die Besteuerung von Zins- oder Kursgewinnen zum hohen persönlichen Steuersatz zu umgehen. Darüber hinaus gibt es 7 Punkte, auf die man bei der Geldanlage achten sollte, um hohe Steuern zu vermeiden.

1 | Freibeträge

Aufwendungen wie beispielsweise Depot- oder Bearbeitungsgebühren werden in pauschalierter Form über einen sog. Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 € (bzw. 1.602 € bei Ehegatten) berücksichtigt. Durch einen Freistellungsauftrag bei der Bank, Sparkasse, Bausparkasse oder Versicherung kann man seinen Kapitalertrag ohne Abzug der Steuer erhalten. Sie sollten daher dafür sorgen, dass Sie am besten schon bei Konto- oder Depoteröffnung einen korrekten Freistellungsauftrag erteilen, um unerwünschte Steuerzahlungen von Anfang an zu vermeiden. Oft haben Anleger mehrere Konten – Festgeld, Tagesgeld, Sparbuch, usw. Da gilt es, die Freibeträge sinnvoll zu splitten und geschickt auf die verschiedenen Sparbücher, Tagesgeldkonten und Aktiendepots zu verteilen. Im Idealfall wird bei keinem Konto der Sparer-Pauschbetrag überschritten. Im weniger idealen Fall liegt der Ertrag bei einem Konto unter dem Freibetrag, während der andere darüber liegt. Dies sollten Sie vorher überschlagen und berechnen.

2 | Werbungskosten

Früher konnten Werbungskosten auf Kapitalerträge, wie zum Beispiel Depotführungsgebühren, abgesetzt werden. Nun können tatsächlich anfallende Kosten im Zusammenhang mit Kapitaleinkünften nicht mehr steuermindernd geltend gemacht werden, da es den Sparerpauschbetrag gibt. Deshalb haben die Finanzbehörden tatsächliche Aufwendungen, die den Pauschbetrag überschritten hatten, nicht bei der Abgeltungssteuer anerkannt. Dies hat zu einer Reihe von Gerichtsverfahren geführt, bei denen der Bundesfinanzhof (BFH) bisher allerdings die restriktive Sichtweise der Finanzverwaltung bestätigt hat. Es ist derzeit nicht mit Entscheidungen zugunsten der Steuerpflichtigen zu rechnen.

3 | Nichtveranlagungsbescheinigung

Wenn Sie keine Einkommensteuer zahlen müssen, können Sie für Ihre Kapitalerträge eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) bei Ihrem zuständigen Finanzamt beantragen. Die Nichtveranlagungsbescheinigung dient dazu, dass auf Kapitalerträge keine Kapitalertragsteuer einbehalten wird. Nichtveranlagungsbescheinigungen können max. für eine Gültigkeitsdauer von 3 Jahren ausgestellt werden. Die Gültigkeit endet regelmäßig zum 31.12. des betreffenden Jahres.

4 | Verlustverrechnung

Eine weitere Möglichkeit, Steuern zu verringern, ist, den Gewinn zu verringern. Dies geschieht durch die Verrechnung des Gewinns mit Verlusten. Eine Verlustverrechnung erfolgt bei der Abgeltungsteuer jedoch nur innerhalb der Einkünfte aus Kapitalvermögen. Verfügt man über ein Tagesgeldkonto und ein Aktiendepot, liegt die Vermutung nahe, dass man seine Zinserträge vom Tagesgeld um mögliche Kursverluste bei Aktienverkäufen kürzen kann. Diese Vermutung ist leider falsch. Es können innerhalb eines Jahres nur noch Gewinne und Verluste aus einer Anlageklasse miteinander verrechnet werden. Verluste aus Aktienverkäufen können gegen die Gewinne hochgerechnet werden; der Zinsertrag aus einer Anleihe mit einem möglichen Kursverlust bei dem Verkauf des Papiers.

Wichtig ist, dass Sie Verluste mitteilen: Wenn Sie bei einer Anlage zeitweilige Verluste hinnehmen müssen, sollten diese in der Steuererklärung angegeben werden. Ansonsten werden diese nicht mit den Erträgen an anderer Stelle verrechnet.

5 | Veranlagungswahlrecht

Wer unter 20.000 € im Jahr verdient, hat einen dementsprechend niedrigen persönlichen Steuersatz, der sogar unter dem Abgeltungssteuersatz von 25 % liegen kann. Will man vermeiden, dass die Abgeltungssteuer höher ist als die individuelle Steuer, so kann man dies mit der Angabe der Kapitaleinkünfte in der Einkommensteuererklärung tun, bei der die individuelle Besteuerung gilt. Ein Antrag beim Finanzamt genügt und man bekommt das Recht, sich die Differenz zur einbehaltenen Abgeltungssteuer wieder auszahlen zu lassen. Allerdings müssen dann auch sämtliche Kapitalertragsarten auf diese Art versteuert werden.

6 | Alternative Geldanlagen

Die Abgeltungssteuer lässt sich auch generell durch bestimmte Anlageformen umgehen, die von ihr weniger oder kaum betroffen sind. Beispiel kapitalbildende Versicherungen: Die Erträge durch fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen sind anteilig erst zum Ende der Laufzeit zu versteuern. Das beinhaltet Kursgewinne sowie Ausschüttungen bzw. Dividenden. Die Besteuerung im Alter erfolgt zum bis dahin meist geringeren Steuersatz. Ebenso von der Abgeltungssteuer ausgenommen sind die klassische Lebensversicherung sowie staatlich geförderte Altersvorsorgemodelle wie Riester- oder Rüruprenten.

7 | Pauschbeträge von Kindern

Auch Kinder haben jeweils ihren eigenen Sparerpauschbetrag von 801 €. Wer zum Beispiel eine Geldanlage für die spätere Ausbildung oder den Start ins selbstständige Leben tätigt, kann diese über die Steuer-ID des Kindes laufen lassen und so den Freibetrag sinnvoll nutzen.

Abgeltungssteuer bei BERGFÜRST

BERGFÜRST bietet Ihnen die Möglichkeit, ohne Mindestinvestitionssumme in Immobilienprojekte zu investieren und so Zinsen von 5,0 % bis 7,0 % pro Jahr zu erzielen. Steuern auf Ihre Zinserträge (inkl. Kirchensteuer) werden dabei automatisch von dem jeweiligen Emittenten an das Finanzamt abgeführt. Um den Ihnen zustehenden Sparerpauschbetrag geltend zu machen, können Sie bei BERGFÜRST bequem und zeitsparend online einen Freistellungsauftrag erteilen.
Sollten Sie es versäumt haben einen Freistellungsauftrag für ein vergangenes Jahr erteilt zu haben, können Sie den Sparerpauschbetrag in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Dafür erhalten Sie am Ende des Jahres einen Transaktionsausweis, welcher Ihre realisierten Gewinne oder Verluste durch den Kauf oder Verkauf von Beteiligungen aufzeigt.

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