Abgeltungssteuer

Sieben Tipps zum Sparen bei der Abgeltungssteuer

Valeria Nickel, 31.07.2019

Wie schön ist es, als Anleger sein Geld für sich arbeiten lassen zu können – ohne viel Aufwand und mit ein wenig Glück wird es Monat für Monat mehr. Jedoch wird die Freude über Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne schnell getrübt: Seit 2009 wird die Abgeltungssteuer auf alle Kapitalerträge erhoben. 25 % der Gewinne sind dann einfach weg.

Sie wissen bereits, was die Abgeltungssteuer ist und wie sie funktioniert? Lesen Sie hier unsere sieben Tipps zum Steuersparen.

Was ist die Abgeltungssteuer?

Die Abgeltungssteuer (auch „Abgeltungsteuer“, seltener „Kapitalertragssteuer“) ist eine Steuer auf Kapitalerträge. Damit sind jegliche Einnahmen gemeint, die Anleger durch Investitionen erwirtschaften, wie beispielsweise Dividenden auf Aktien oder Zinsen auf Sparkonten. Die Abgeltungssteuer beträgt stets 25 %. Seit dem 31.12.2008 müssen Privatpersonen diesen einheitlichen Steuersatz zahlen. Zuvor wurde nach dem individuellen Steuersatz besteuert.

Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag (salopp Soli genannt) in Höhe von 5,5 % und eventuell 8 % bis 9 % Kirchensteuer. Sowohl Solidaritätszuschlag als auch Kirchensteuer werden auf den 25-prozentigen Steuerbetrag besteuert.

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Warum wurde die Abgeltungssteuer eingeführt?

Als die Abgeltungssteuer 2009 auf den Vorschlag von SPD-Politiker Peer Steinbrück eingeführt wurde, war dies ein neuartiger Ansatz, um die Steuerflucht Vermögender zu unterbinden. Der neue Steuersatz ist für vermögende Steuerzahler oft niedriger als eine individuelle Besteuerung.

Diese Lösung wird häufig als nicht mehr zeitgemäß angesehen, weil die Staatengemeinschaft der Steuerflucht den Kampf angesagt hat und die Steuerbehörden enger zusammenarbeiten. Deshalb wird immer wieder über die Abschaffung der Abgeltungsteuer und alternative Formen der Kapitalertragssteuer diskutiert.

Erträge aus Kapitalvermögen:

Ausnahmen, die in der Einkommensteuererklärung eingetragen werden müssen:

  • Auslandskonten
  • Verkauf einer Lebensversicherung
  • Erstattungszinsen vom Finanzamt
  • Zinsen aus einem Darlehen an Privatpersonen

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Wie funktioniert die Abgeltungssteuer?

Derjenige, der die Zinsen, Dividenden und Kursgewinne schuldet – z.B. eine Bank – behält die Abgeltungsteuer direkt ein und führt sie anonym an das Finanzamt ab. Deshalb wird die Abgeltungssteuer auch Quellensteuer genannt, da sie bereits an ihrem Ursprung („der Quelle“) abgezogen wird. Das gilt auch für Erträge aus ausländischen Wertpapieren, wenn sie in einem inländischen Depot verwahrt werden. Mit diesem gesonderten Steuerabzug ist die Kapitalertragssteuer grundsätzlich abgegolten, man muss diese also nicht mehr in der Steuererklärung angeben.

Das Teileinkünfteverfahren

Die Ausnahmen, die nicht der Abgeltungsbesteuerung unterliegen, müssen dagegen zum Zwecke der Nachholung der Abgeltungssteuer weiterhin erklärt werden. Das bisherige Halbeinkünfteverfahren, ein Verfahren zur steuerlichen Entlastung von Einnahmen aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften wie beispielsweise einer vermögensverwaltenden GmbH, wurde durch das Teileinkünfteverfahren ersetzt. Demnach werden Einnahmen aus Dividenden und aus der Veräußerung von Kapitalgesellschaftsanteilen, die im Betriebsvermögen gehalten werden, nicht mehr mit 50 % sondern mit 60 % der Einkommensteuer unterworfen. Darüber hinaus kommt das Teileinkünfteverfahren zur Anwendung, wenn die Beteiligung innerhalb der letzten fünf Jahre die 1 %-Grenze überschritten hat.

Die Spekulationsfrist

Außerdem wurde mit der Einführung der Abgeltungssteuer die Spekulationsfrist abgeschafft. Sie betrug bis dahin ein Jahr und erlaubte es, dass Veräußerungsgewinne nach Ablauf der Frist steuerfrei waren. Nun werden grundsätzlich alle realisierten Kursgewinne besteuert.

Abgeltungssteuer und Investmentfonds

Seit einer Reform des Investmentsteuergesetzes zum 01.01.2018 werden Investmentfonds zudem auf Fondsebene versteuert. Mehr zu den Änderungen können Sie in unserem Beitrag zum Thema Fonds lesen.

Gut zu wissen: Die Abgeltungssteuer in anderen EU-Ländern

Eine Kapitalertragsteuer wird auch in den meisten anderen europäischen Ländern erhoben. Oftmals gibt es dort jedoch Ausnahmen für bestimmte Arten von Einkünften oder lange Anlagezeiträume. Der Steuersatz reicht von 10 % in Griechenland und Luxemburg bis 59 % auf kurzfristig realisierte Kursgewinne in Dänemark. Deutschland gehört im Vergleich zum Durchschnitt eher zum oberen Feld.

Tipps zum Sparen der Abgeltungssteuer

Selbstverständlich lautet die erste Frage bei allen Steuertipps: Kann man die Steuerlast minimieren? Grundsätzlich ist schon die Abgeltungssteuer an sich für besserverdienende Anleger eine legale Möglichkeit, die Steuerlast auf Zins- oder Kursgewinnen zum hohen persönlichen Steuersatz zu minimieren. Darüber hinaus gibt es Sieben Punkte, auf die man bei der Geldanlage achten sollte, um überhöhte Steuern zu vermeiden.

1 | Der Sparerfreibetrag

Aufwendungen wie beispielsweise Depot- oder Bearbeitungsgebühren werden in pauschalierter Form über einen sog. Sparerfreibetrag (auch Sparerpauschbetrag oder kurz Freibetrag genannt) in Höhe von 801 € (bzw. 1.602 € bei Ehegatten) berücksichtigt.

Überschüssige Steuerbeträge, die durch das zuständige Finanzinstitut als Quellensteuer abgeführt wurden, und damit auch Ihnen zustehende Freibeträge können Sie im Folgejahr in der persönlichen Einkommenssteuererklärung geltend machen. Das zuständige Finanzamt ist in diesem Fall dazu verpflichtet, den unrechtmäßig erhaltenen Steuerbetrag an Sie zurückzuerstatten.

Werbungskosten

Früher konnten Werbungskosten auf Kapitalerträge, wie zum Beispiel Depotführungsgebühren, abgesetzt werden. Nun können tatsächlich anfallende Kosten im Zusammenhang mit Kapitaleinkünften nicht mehr steuermindernd geltend gemacht werden, da sie im Sparerpauschbetrag pauschal enthalten sind. Deshalb haben die Finanzbehörden tatsächliche Aufwendungen, die den Pauschbetrag überschritten hatten, nicht bei der Abgeltungssteuer anerkannt. Dies hat zu einer Reihe von Gerichtsverfahren geführt, bei denen der Bundesfinanzhof (BFH) bisher allerdings die restriktive Sichtweise der Finanzverwaltung bestätigt hat. Es ist derzeit nicht mit Entscheidungen zugunsten der Steuerpflichtigen zu rechnen.

2 | Freistellungsaufträge einrichten

Durch einen Freistellungsauftrag bei der Bank, Sparkasse, Bausparkasse oder Versicherung kann man seinen Kapitalertrag ohne Abzug der Steuer erhalten. Sie sollten daher dafür sorgen, dass Sie am besten schon bei Konto- oder Depoteröffnung einen Freistellungsauftrag erteilen, um den Ihnen zustehenden Freibetrag zu nutzen und überflüssige Steuerzahlungen von Anfang an zu vermeiden.

Oft haben Anleger mehrere Konten – Festgeld, Tagesgeld, Sparbuch, usw. Da gilt es, die Freibeträge sinnvoll zu splitten und geschickt auf die verschiedenen Sparbücher, Tagesgeldkonten und Aktiendepots zu verteilen. Im Idealfall wird bei keinem Konto der Sparerpauschbetrag überschritten. Im weniger idealen Fall liegt der Ertrag bei einem Konto unter dem Freibetrag, während der andere darüber liegt. Dies sollten Sie vorher überschlagen und berechnen.

Die von Ihnen erteilten Freistellungsaufträge dürfen in der Summe nicht den Ihnen zustehenden Sparerfreibetrag überschreiten.

3 | Nichtveranlagungsbescheinigung

Wenn Sie nicht einkommenssteuerpflichtig sind, weil Sie beispielsweise ein sehr geringes Einkommen beziehen, sind Sie nicht verpflichtet eine Kapitalertragssteuer zu zahlen. In diesem Fall können Sie für Ihre Kapitalerträge eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) bei Ihrem zuständigen Finanzamt beantragen. Die Nichtveranlagungsbescheinigung dient dazu, dass auf Kapitalerträge keine Kapitalertragsteuer einbehalten werden.

Nichtveranlagungsbescheinigungen können max. für eine Gültigkeitsdauer von drei Jahren ausgestellt werden. Die Gültigkeit endet regelmäßig zum 31. Dezember des betreffenden Jahres.

Auch Kinder sind nicht einkommenssteuerpflichtig und können von einer Nichtveranlagungsbescheinigung profitieren. So bleiben Geldanlagen für Kinder, die auch in deren Namen geführt werden, unversteuert.

4 | Pauschbeträge von Kindern

Auch Kinder haben jeweils ihren eigenen Sparerpauschbetrag von 801 €. Wer zum Beispiel eine Anlage für die spätere Ausbildung oder den Start ins selbstständige Leben tätigt, kann diese über die Steuer-ID des Kindes laufen lassen und so den Freibetrag sinnvoll nutzen.

5 | Verlustverrechnung

Eine weitere Möglichkeit, Steuern zu verringern, ist, den Gewinn zu verringern. Dies geschieht durch die Verrechnung des Gewinns mit Verlusten. Eine Verlustverrechnung erfolgt bei der Abgeltungsteuer jedoch nur innerhalb der Einkünfte aus Kapitalvermögen. Verfügt man über ein Tagesgeldkonto und ein Aktiendepot, liegt die Vermutung nahe, dass man seine Zinserträge vom Tagesgeld um mögliche Kursverluste bei Aktienverkäufen kürzen kann. Diese Vermutung ist leider falsch. Es können innerhalb eines Jahres nur noch Gewinne und Verluste aus einer Anlageklasse miteinander verrechnet werden. Verluste aus Aktienverkäufen können gegen die Gewinne hochgerechnet werden; der Zinsertrag aus einer Anleihe mit einem möglichen Kursverlust bei dem Verkauf des Papiers.

Wichtig ist, dass Sie Verluste mitteilen: Wenn Sie bei einer Anlage zeitweilige Verluste hinnehmen müssen, sollten diese in der Steuererklärung angegeben werden. Ansonsten werden diese nicht mit den Erträgen an anderer Stelle verrechnet.

6 | Veranlagungswahlrecht

Wer unter 20.000 € im Jahr verdient, hat einen dementsprechend niedrigen persönlichen Steuersatz, der sogar unter dem Abgeltungssteuersatz von 25 % liegen kann. Will man vermeiden, dass die Abgeltungssteuer höher ist als die individuelle Steuer, so kann man dies mit der Angabe der Kapitaleinkünfte in der Einkommensteuererklärung tun, bei der die individuelle Besteuerung gilt. Ein Antrag beim Finanzamt genügt und man bekommt das Recht, sich die Differenz zur einbehaltenen Abgeltungssteuer wieder auszahlen zu lassen. Allerdings müssen dann auch sämtliche Kapitalertragsarten auf diese Art versteuert werden.

7 | Alternative Geldanlagen

Die Abgeltungssteuer lässt sich auch generell durch bestimmte Anlageformen umgehen, die von ihr weniger oder kaum betroffen sind. Beispiel kapitalbildende Versicherungen: Die Erträge durch fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen sind anteilig erst zum Ende der Laufzeit zu versteuern. Das beinhaltet Kursgewinne sowie Ausschüttungen bzw. Dividenden. Die Besteuerung im Alter erfolgt zum bis dahin meist geringeren Steuersatz. Ebenso von der Abgeltungssteuer ausgenommen sind die klassische Lebensversicherung sowie staatlich geförderte Altersvorsorgemodelle wie Riester- oder Rüruprenten.

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Weitere Informationen zu Crowdinvesting und Steuern.

Um den Ihnen zustehenden Sparerpauschbetrag geltend zu machen, können Sie bei BERGFÜRST bequem und zeitsparend online einen Freistellungsauftrag erteilen.
Sollten Sie es versäumt haben einen Freistellungsauftrag für ein vergangenes Jahr erteilt zu haben, können Sie den Sparerpauschbetrag in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Dafür erhalten Sie am Ende des Jahres einen Transaktionsausweis, welcher Ihre realisierten Gewinne oder Verluste durch den Kauf oder Verkauf von Beteiligungen aufzeigt.

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