Stock-Picking

Stock-Picking: Die richtigen Aktien auswählen

Lana Iliev, 17.10.2019

Warren Buffett, George Soros und Peter Lynch haben es über Jahre hinweg vorgemacht: Mit Stock-Picking den Markt schlagen und eine attraktive Überrendite erwirtschaften.

Lesen Sie hier, wie Stock-Picking funktioniert und wie es in der Praxis angewendet wird. Erfahren Sie außerdem, für wen sich die komplexe Anlagestrategie wirklich lohnt und was es neben der hochgepriesenen Überrendite noch zu beachten gilt.

Was ist Stock-Picking?

Stock-Picking (dt. Aktien auswählen) ist eine Anlagestrategie, bei der Aktionäre ausgehend von festgelegten Kriterien in einzelne Aktien investieren. Die ausgewählten Wertpapiere sollen insgesamt besser als der Gesamtmarkt performen und Anleger so mit einer überdurchschnittlichen Rendite belohnen.

Beim Stock-Picking handelt es sich um eine langfristige Geldanlage. Die Aktien werden meist über mehrere Jahre gehalten, bis ihre Eigentümer sie verkaufen und gegebenenfalls Gewinne verzeichnen.

Durch den Fokus auf börsennotierte Einzeltitel steht Stock-Picking im Gegensatz zu breit gestreuten Investitionen, die der Markteffizienzhypothese folgen und an der gesamten Entwicklung des Marktes partizipieren sollen. Beispiele dafür sind indexbasierte Fonds (ETF bzw. Indexfonds) oder Zertifikate, die versuchen, Märkte ganzheitlich abzubilden.

Die Markteffizienzhypothese (engl. efficient market hypothesis, EMH) ist eine volkswirtschaftliche Theorie. Sie besagt, dass Finanzmärkte effizient sind, solange alle Marktteilnehmer über die gleichen Informationen verfügen.

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Wie werden Aktientitel beim Stock-Picking ausgewählt?

Wie Anleger einzelne, börsennotierte Unternehmen auswählen, wenn sie dem Stock-Picking-Ansatz folgen, lässt sich leider nicht ohne Weiteres beantworten. Der Grund dafür ist die Vielfalt möglicher Bewertungskriterien, Herangehensweisen, Investitionsstrategien oder Analysen (z.B. Fundamentalanalyse ), aus denen hier ausgewählt werden kann.

Grundsätzlich werden beim Stock-Picking vorab festgelegte Werte herangezogen, anhand derer über ein Investment entschieden wird. Die Unternehmen werden dann wiederum anhand detaillierter und fundierter Analysen auf diese Werte hin geprüft.

Dabei lassen sich die Bewertungskriterien folgendermaßen kategorisieren:

  1. Analyse eines Unternehmens
    • Discounted Cash-Flow
    • Börsenwert
    • Geschäftsmodelle
    • Eigenkapitalrendite
    • Gewinnentwicklung
    • Wachstumsaussichten
    • etc.
  2. Analysen der Branche sowie des Wettbewerbsumfeldes
    • Wettbewerbsvorteile
    • Marktstellung
    • etc.
  3. Aktienbezogene Stimmungsindikatoren sowie tagesaktuelle, gesamtgesellschaftliche Trends und Entwicklungen

Wie wird Stock-Picking in der Praxis angewandt?

Welche Merkmale letztendlich zum Stock-Picking herangezogen werden, entscheiden Investoren häufig auf Grundlage ihrer individuellen Anlagestrategie. Die passenden Bewertungskriterien lassen sich ausgehend von der Strategie definieren und zurate ziehen.

Im Folgenden werden drei Börsenstrategien sowie die Kriterien vorgestellt, nach denen im jeweiligen Fall Stock-Picking betrieben wird.

1 | Value Investing

Investoren, die sich auf sogenannte Value-Aktien spezialisieren, legen den Fokus auf unterbewertete Unternehmen und deren inhärente Qualitäten. Sie hoffen, beim Kauf einen günstigen Preis zu erzielen und langfristig an Kurssteigerungen der Aktien zu partizipieren. Die Aktienbewertung spielt hier eine zentrale Rolle.


Fundamentale Kennzahlen zum Stock-Picking beim Value Investing:

  • Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

2 | Growth Investing, Wachstumsstrategie

Bei dieser Methode fokussieren sich Anleger auf sogenannte Growth-Aktien oder Wachstumsaktien. Der Begriff meint Wertpapiere, für die ein starkes Wachstum vorhergesagt wird. Die Investoren wollen durch ihre Aktienanlage am zukünftigen Wachstum partizipieren – zu welchem Preis Aktientitel eingekauft werden ist hier nebenrangig.


Fundamentale Kennzahl zum Stock-Picking beim Growth Investing:

  • Ergebnis/Gewinn per Aktie (earning per share, EPS)

3 | Dividendenstrategie

Verfolgt ein Anleger die Dividendenstrategie, so wählt er via Stock-Picking lediglich Aktien von Unternehmen aus, die als Dividenden-Aktien gelten und vergleichsweise hohe Dividenden ausschütten. Ziel ist es nicht, von Kurssteigerungen zu profitieren.


Wichtigster Wert zum Stock-Picking bei der Dividendenstrategie:

  • Dividendenrendite

Für wen lohnt sich Stock-Picking?

Auch diese Frage lässt sich nicht ohne Weiteres beantworten, da die verschiedenen Börsenstrategien, anhand derer sich Stock-Picking betreiben lässt, sehr divers sind. Letztendlich sollten Sie jedoch stets über ein gutes Verständnis der Kriterien verfügen, nach denen Sie Stock-Picking betreiben.

Festzuhalten bleibt außerdem, dass Sie sich ein wenig mit dem Wertpapierhandel auskennen sollten. Für Börsen-Neulinge ist Stock-Picking nicht das richtige Vorgehen. Hier bieten sich eher Investitionen an, die den Gesamtmarkt abbilden, beispielsweise Indexfonds wie DAX ETF oder MSCI World ETF.

Weiterhin sind beim Stock-Picking betriebswirtschaftliche Kenntnisse von Vorteil. Tiefgreifende Analysen eines Unternehmens oder des Geschäftsmodells sowie daraus resultierende Aktienbewertungen sind komplexe Angelegenheiten.

Im Rahmen vieler Strategien können auch Fachkenntnisse spezifischer Märkte sehr hilfreich sein. Kennen Sie sich gut in der Branche aus, in der Sie tätig sind, oder haben gar ein eigenes Unternehmen, dann verfügen Sie vermutlich über Spezialwissen und haben ein gutes Gespür für Trends sowie künftige Markt- und Gewinnentwicklungen in diesem Bereich.

Was gibt es beim Stock-Picking zu beachten?

Aufgrund der großen Fülle an Anwendungsoptionen lassen sich die Erfolge beim Stock-Picking nicht wirklich generalisieren. So gibt es Aktionäre, für die sich Stock-Picking ausgezahlt hat, wie Börsen-Urgesteine Warren Buffett und George Soros oder bekannte Fondsmanager, wie Peter Lynch.

Dennoch sind dem Stock-Picking Risiken inhärent, derer Sie sich bei der Aktienanlage bewusst sein sollten, um Verluste zu vermeiden.

An der Börse besteht stets das Risiko eines Totalausfalls. Sie sollten also nur Geld investieren, auf das Sie im Zweifelsfall auch verzichten können.

Nichts ist umsonst.

Ein genereller Nachteil bei der Investition in Einzelwerte sind die Kosten, die durch den Kauf und Verkauf der Aktien entstehen, beispielsweise durch Gebühren. Provisionen und Gebühren wirken sich stets negativ auf die Anlegerrendite aus.

Es gilt: Je öfter Aktien gekauft oder verkauft werden, desto geringer die Rendite.

Gleichzeitig gilt: Je weniger Kapital in einzelne Aktien investiert wird, umso höher muss die Rendite ausfallen, um die entstandenen Kosten auszugleichen. Das zeigt dieses Beispiel, in dem von Gebühren in Höhe von 5 € ausgegangen wird: Je höher das Investment pro Einzeltitel ist, desto geringer ist der benötigte Kursgewinn, um die anfallenden Kosten auszugleichen.


Investment

Kursgewinn
500 € 1,00 %
1.000 € 0,50 %
2.500 € 0,20 %
5.000 € 0,10 %
10.000 € 0,05 %
20.000 € 0,03 %

Ergo: Investieren Sie genug Geld pro Aktientitel, um die gezahlten Gebühren über die Rendite wieder rauszubekommen. Sonst machen Sie ein Minusgeschäft.

Nicht alle Eier in einen Korb legen.

Aus Gebührensicht macht es also Sinn, möglichst viel Kapital pro Aktientitel zu investieren. Gleichzeitig ist es jedoch gefährlich, wenn ein Portfolio zu wenige unterschiedliche Aktienwerte enthält. Gerade beim Stock-Picking muss auf eine gute Risikostreuung geachtet werden, denn die breite Streuung bleibt beim Investment in Einzelaktien häufig auf der Strecke.

Die breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg und eine durchdachte Asset Allocation schaffen hier Abhilfe. Die alte Börsenregel bleibt also hochaktuell: „Nicht alle Eier in einen Korb legen.“

Es empfiehlt sich daher, nie allein auf Stock-Picking zu setzen. Zur breiten Risikostreuung kann auch in außerbörsliche Geldanlagen investiert werden. Zum Beispiel können Sie Ihre persönliche Strategie mit Crowdinvesting in Immobilien diversifizieren: Bei BERGFÜRST investieren Sie in der Regel in besicherte Immobilienprojekte und erhalten feste Zinsen zwischen 5,0 % und 7,5 % p.a. bei halbjährlicher Auszahlung.

Zum erfolgreichen Stock-Picking gehört, ausreichend Geld pro Aktientitel
zu investieren und gleichzeitig die breite Streuung über diverse Aktien und Anlageklassen zu betreiben. Da dieses Vorgehen eine gewisse Menge an Kapital voraussetzt, eignet sich Stock-Picking nicht unbedingt für Kleinanleger.

Gut Ding braucht Weile.

Wer beim Stock-Picking Erfolge sehen will, der braucht vor allem eines: Geduld. Denn es handelt sich dabei um eine langfristige Geldanlage, die sich meist erst nach mehreren Jahren auszahlt.

Zudem ist Stock-Picking aktives Vermögensmanagement. So ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen, der mit der sorgfältigen und komplexen Auswahl der Aktien sowie den ebenso durchdachten Depotumschichtungen einhergeht.

Auch hier zeigt sich wieder, das Stock-Picking nicht für Kleinanleger geeignet ist: Kleine Anlage- und Gewinnbeträge sind nicht in der Lage, die investierte Zeit aufzuwiegen.

Wem das zu aufwendig ist, der kann sich alternativ für aktiv gemanagte Fonds entscheiden und die Arbeit Fondsmanagern überlassen. Die wollen aber natürlich bezahlt werden – und streichen einen Teil der Anlegerrendite ein.

Bild-Copyright: SvetaZi / Shutterstock.com

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