Stock-Picking: Die richtigen Aktien auswählen

Artikel von Lana Iliev; aktualisiert am 22.04.2022

Warren Buffett, George Soros und Peter Lynch haben es über Jahre hinweg vorgemacht: Mit Stock-Picking den Markt
schlagen und eine attraktive Überrendite erwirtschaften.

Lesen Sie hier, wie Stock-Picking funktioniert und wie es in der Praxis angewendet wird. Erfahren Sie außerdem,
für wen sich die komplexe Anlagestrategie wirklich lohnt und was es neben der hochgepriesenen Überrendite noch
zu beachten gilt.

Was ist Stock-Picking?

Stock-Picking (dt. Aktien auswählen) ist eine Anlagestrategie, bei der Aktionäre ausgehend von
festgelegten Kriterien in einzelne Aktien investieren. Die ausgewählten Wertpapiere sollen insgesamt besser als
der Gesamtmarkt performen
und Anleger so mit einer überdurchschnittlichen Rendite belohnen.

Beim Stock-Picking handelt es sich um eine langfristige Geldanlage. Die Aktien
werden meist über mehrere Jahre gehalten, bis ihre Eigentümer sie verkaufen und gegebenenfalls Gewinne
verzeichnen.

Durch den Fokus auf börsennotierte Einzeltitel steht Stock-Picking im Gegensatz zu breit gestreuten Investitionen, die
der Markteffizienzhypothese folgen und an der gesamten Entwicklung des Marktes partizipieren sollen. Beispiele dafür
sind indexbasierte Fonds (ETF bzw. Indexfonds) oder Zertifikate, die versuchen, Märkte ganzheitlich
abzubilden.

Die Markteffizienzhypothese (engl. efficient market hypothesis, EMH) ist eine
volkswirtschaftliche Theorie. Sie besagt, dass Finanzmärkte effizient sind, solange alle Marktteilnehmer
über die gleichen Informationen verfügen.

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Wie werden Aktientitel beim Stock-Picking ausgewählt?

Wie Anleger einzelne, börsennotierte Unternehmen auswählen, wenn sie dem Stock-Picking-Ansatz folgen, lässt sich leider
nicht ohne Weiteres beantworten. Der Grund dafür ist die Vielfalt möglicher Bewertungskriterien, Herangehensweisen,
Investitionsstrategien oder Analysen (z.B. Fundamentalanalyse ), aus
denen hier ausgewählt werden kann.

Grundsätzlich werden beim Stock-Picking vorab festgelegte Werte herangezogen, anhand derer über ein
Investment entschieden wird. Die Unternehmen werden dann wiederum anhand detaillierter und fundierter Analysen auf diese
Werte hin geprüft.

Dabei lassen sich die Bewertungskriterien folgendermaßen kategorisieren:

  1. Analyse eines Unternehmens
    • Discounted Cash-Flow
    • Börsenwert
    • Geschäftsmodelle
    • Eigenkapitalrendite
    • Gewinnentwicklung
    • Wachstumsaussichten
    • etc.
  2. Analysen der Branche sowie des Wettbewerbsumfeldes
    • Wettbewerbsvorteile
    • Marktstellung
    • etc.
  3. Aktienbezogene Stimmungsindikatoren sowie tagesaktuelle, gesamtgesellschaftliche Trends
    und Entwicklungen

Wie wird Stock-Picking in der Praxis angewandt?

Welche Merkmale letztendlich zum Stock-Picking herangezogen werden, entscheiden Investoren häufig auf Grundlage ihrer
individuellen Anlagestrategie. Die passenden Bewertungskriterien lassen sich ausgehend von der
Strategie definieren und zurate ziehen.

Im Folgenden werden drei Börsenstrategien sowie die Kriterien vorgestellt, nach denen im jeweiligen Fall Stock-Picking
betrieben wird.

Value Investing

Investoren, die sich auf sogenannte Value-Aktien spezialisieren, legen den Fokus auf unterbewertete Unternehmen und
deren inhärente Qualitäten. Sie hoffen, beim Kauf einen günstigen Preis zu erzielen und langfristig an Kurssteigerungen
der Aktien zu partizipieren. Die Aktienbewertung spielt hier eine zentrale Rolle.


Fundamentale Kennzahlen zum Stock-Picking beim Value Investing:

  • Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Growth Investing, Wachstumsstrategie

Bei dieser Methode fokussieren sich Anleger auf sogenannte Growth-Aktien oder Wachstumsaktien. Der Begriff meint
Wertpapiere, für die ein starkes Wachstum vorhergesagt wird. Die Investoren wollen durch ihre Aktienanlage am
zukünftigen Wachstum partizipieren – zu welchem Preis Aktientitel eingekauft werden ist hier nebenrangig.


Fundamentale Kennzahl zum Stock-Picking beim Growth Investing:

  • Ergebnis/Gewinn per Aktie (earning per share, EPS)

Dividendenstrategie

Verfolgt ein Anleger die Dividendenstrategie, so
wählt er via Stock-Picking lediglich Aktien von Unternehmen aus, die als Dividenden-Aktien gelten und vergleichsweise
hohe Dividenden ausschütten. Ziel ist es nicht, von Kurssteigerungen zu profitieren.


Wichtigster Wert zum Stock-Picking bei der Dividendenstrategie:

  • Dividendenrendite

Für wen lohnt sich Stock-Picking?

Auch diese Frage lässt sich nicht ohne Weiteres beantworten, da die verschiedenen Börsenstrategien, anhand derer sich
Stock-Picking betreiben lässt, sehr divers sind. Letztendlich sollten Sie jedoch stets über ein gutes
Verständnis der Kriterien
verfügen, nach denen Sie Stock-Picking betreiben.

Festzuhalten bleibt außerdem, dass Sie sich ein wenig mit dem Wertpapierhandel auskennen sollten. Für
Börsen-Neulinge ist Stock-Picking nicht das richtige Vorgehen. Hier bieten sich eher Investitionen an, die den
Gesamtmarkt abbilden, beispielsweise Indexfonds wie DAX ETF oder
MSCI World ETF.

Weiterhin sind beim Stock-Picking betriebswirtschaftliche Kenntnisse von Vorteil. Tiefgreifende
Analysen eines Unternehmens oder des Geschäftsmodells sowie daraus resultierende Aktienbewertungen sind komplexe
Angelegenheiten.

Im Rahmen vieler Strategien können auch Fachkenntnisse spezifischer Märkte sehr hilfreich sein.
Kennen Sie sich gut in der Branche aus, in der Sie tätig sind, oder haben gar ein eigenes Unternehmen, dann verfügen
Sie vermutlich über Spezialwissen und haben ein gutes Gespür für Trends sowie künftige Markt- und
Gewinnentwicklungen in diesem Bereich.

Was gibt es beim Stock-Picking zu beachten?

Aufgrund der großen Fülle an Anwendungsoptionen lassen sich die Erfolge beim Stock-Picking nicht wirklich
generalisieren. So gibt es Aktionäre, für die sich Stock-Picking ausgezahlt hat, wie Börsen-Urgesteine Warren Buffett
und George Soros oder bekannte Fondsmanager, wie Peter Lynch.

Dennoch sind dem Stock-Picking Risiken inhärent, derer Sie sich bei der Aktienanlage bewusst sein sollten, um Verluste
zu vermeiden.

An der Börse besteht stets das Risiko eines Totalausfalls. Sie sollten also nur Geld investieren, auf das Sie im Zweifelsfall
auch verzichten können.

Nichts ist umsonst.

Ein genereller Nachteil bei der Investition in Einzelwerte sind die Kosten, die durch den Kauf und Verkauf der Aktien
entstehen, beispielsweise durch Gebühren. Provisionen und Gebühren wirken sich stets negativ auf die
Anlegerrendite aus.

Es gilt: Je öfter Aktien gekauft oder verkauft werden, desto geringer die Rendite.

Gleichzeitig gilt: Je weniger Kapital in einzelne Aktien investiert wird, umso höher muss die Rendite ausfallen, um die
entstandenen Kosten auszugleichen. Das zeigt dieses Beispiel, in dem von Gebühren in Höhe von 5 € ausgegangen wird:
Je höher das Investment pro Einzeltitel ist, desto geringer ist der benötigte
Kursgewinn
, um die anfallenden Kosten auszugleichen.


Investment

Kursgewinn
500 € 1,00 %
1.000 € 0,50 %
2.500 € 0,20 %
5.000 € 0,10 %
10.000 € 0,05 %
20.000 € 0,03 %

Ergo: Investieren Sie genug Geld pro Aktientitel, um die gezahlten Gebühren über die Rendite wieder rauszubekommen.
Sonst machen Sie ein Minusgeschäft.

Nicht alle Eier in einen Korb legen.

Aus Gebührensicht macht es also Sinn, möglichst viel Kapital pro Aktientitel zu investieren. Gleichzeitig ist es jedoch
gefährlich, wenn ein Portfolio zu wenige unterschiedliche Aktienwerte enthält. Gerade beim Stock-Picking muss auf eine
gute Risikostreuung geachtet werden, denn die breite
Streuung bleibt beim Investment in Einzelaktien häufig auf der Strecke.

Die breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg und eine durchdachte Asset Allocation schaffen hier Abhilfe. Die alte
Börsenregel bleibt also hochaktuell: „Nicht alle Eier in einen Korb legen.“

Es empfiehlt sich daher, nie allein auf Stock-Picking zu setzen. Zur breiten Risikostreuung kann auch in außerbörsliche
Geldanlagen investiert werden. Zum Beispiel können
Sie Ihre persönliche Strategie mit Crowdinvesting in Immobilien diversifizieren: Auf BERGFÜRST investieren Sie in der Regel in
besicherte Immobilien-Anlagen und erhalten feste
Zinsen
zwischen 5,0 % und 7,0 % p.a.

Zum erfolgreichen Stock-Picking gehört, ausreichend Geld pro Aktientitel
zu investieren und gleichzeitig die breite Streuung über diverse Aktien und Anlageklassen zu betreiben. Da
dieses Vorgehen eine gewisse Menge an Kapital voraussetzt, eignet sich Stock-Picking nicht unbedingt für
Kleinanleger.

Gut Ding braucht Weile.

Wer beim Stock-Picking Erfolge sehen will, der braucht vor allem eines: Geduld. Denn es handelt sich
dabei um eine langfristige Geldanlage, die sich meist erst nach mehreren Jahren auszahlt.

Zudem ist Stock-Picking aktives Vermögensmanagement. So ist der Zeitaufwand nicht zu
unterschätzen, der mit der sorgfältigen und komplexen Auswahl der Aktien sowie den ebenso durchdachten
Depotumschichtungen einhergeht.

Auch hier zeigt sich wieder, das Stock-Picking nicht für Kleinanleger geeignet ist: Kleine Anlage- und
Gewinnbeträge sind nicht in der Lage, die investierte Zeit aufzuwiegen.

Wem das zu aufwendig ist, der kann sich alternativ für aktiv gemanagte Fonds entscheiden und die Arbeit Fondsmanagern überlassen.
Die wollen aber natürlich bezahlt werden – und streichen einen Teil der Anlegerrendite ein.

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