Vermögens­verwaltung: Ab wann lohnt sie sich?

Artikel von Ralf Kretzschmar; aktualisiert am 19.04.2022

Mit der Kandidatur von Friedrich Merz für den Parteivorsitz der CDU im Jahr 2018 standen die sonst eher
unbekannten Vermögensverwaltungen im Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Dies geschah deswegen, weil Merz als
Aufsichtsrat für den weltweit größten Vermögensverwalter BlackRock tätig war.

Doch was ist eine Vermögensverwaltung und welchen Zweck erfüllt sie? Erfahren Sie hier kurz, welche Aufgaben
eine Vermögensverwaltung übernimmt, ab wann sie sich lohnt und wie Sie in vier Schritten die richtige
Vermögensverwaltung finden. Außerdem stellen wir Ihnen die zehn größten Vermögensverwaltungen vor und erklären
die Vor- und Nachteile der digitalen Vermögensverwaltung in Form eines Robo Advisors.

Was ist eine Vermögensverwaltung?

Als Kunde geben Sie Vermögensverwaltungen eine Vollmacht, damit diese selbständig Anlageentscheidungen für Sie treffen
können. Sie haben dann als Anleger nicht nur einen Vermögensberater, sondern überlassen einem
Vermögensverwalter vollständig die Betreuung Ihres Geldes. Selbstverständlich können Sie hierbei jedoch
einen spezifischen Rahmen für ihren Vermögensverwalter setzen.

Um die Verwaltung des Vermögens im Falle der eigenen Geschäftsunfähigkeit abzusichern, braucht es nicht zwingend
einen Vermögensverwalter. Oft lassen sich die nötigen Vorkehrungen auch mit einer Vorsorgevollmacht treffen.

Die Arbeit der Vermögensverwalter (auch Portfoliomanager oder Wealth Manager) geht
über die Geldanlage hinaus, indem sie auch die Überwachung und Verwaltung des Vermögens übernehmen. Generell kann
zwischen Vermögensverwaltungen für institutionelle und private Anleger unterschieden werden.

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Institutionelle und private Vermögensverwaltungen

Institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Stiftungen engagieren Asset Manager, um das
institutionelle Vermögen entlang von Investmentstrategien zu optimieren. Insbesondere wohlhabende private
Anleger
beauftragen einen Portfoliomanager etwa deshalb, weil die selbständige Betreuung ihres Vermögens zu
zeitaufwändig wäre.

Standardisierte und individuelle Vermögensverwaltung

Für Privatanleger ist es möglich, zwischen standardisierten und individuellen Vermögensverwaltungen zu entscheiden. Bei
der standardisierten Vermögensverwaltung leitet der Manager ein Portfolio für eine größere Kundengruppe
mit ähnlichen Investmentzielen.

Die individuelle Vermögensverwaltung bezeichnet hingegen eine Anlageplanung, die der Portfoliomanager
exakt auf die Wünsche des Anlegers, etwa mit Blick auf Risiko und Rendite, abstimmt. Anschließend investiert er in Aktien, Anleihen, Indexfonds (ETF) und Rohstoffe wie beispielsweise Gold. Diese individuelle Vermögensberatung ist
auch unter dem Stichwort diskretionäre Vermögensberatung bekannt.

Gut zu wissen ist außerdem, dass Sie im Falle der Insolvenz des Vermögensverwalters
nicht mit Ihrem eigenen Vermögen haften. Stattdessen liegt Ihr Geld während der Vermögensverwaltung weiterhin auf
Konten, die auf Ihren eigenen Namen laufen.

Vier Schritte zur richtigen Vermögensverwaltung

Die passende Vermögensverwaltung zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Die folgenden vier Schritte können
ein Gerüst für diesen Prozess geben.

Ab wann lohnt sich eine Vermögensverwaltung?

Bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden, sollten Sie zunächst abwägen, ob sich eine Vermögensverwaltung für Sie
überhaupt auszahlt. Zwar werden standardisierte Vermögensverwaltungen von einigen Banken bereits ab einem Mindestbetrag
von 50.000 € angeboten und bei digitalen Vermögensverwaltern (Robo Advisor) liegt diese sogar noch viel niedriger.

Eine individuelle Vermögensverwaltung sollte jedoch erst ab einem größeren Vermögen angestrebt werden.
Mindestanlagesummen von 500.000 € sind hier üblich. Deswegen sollten Kleinanleger andere
Lösungen suchen, um ihr Geld gewinnbringend anzulegen.

Eine sinnvolle Alternative zur Vermögensverwaltung stellt das selbstbestimmte Crowdinvesting dar. Auf der
Crowdinvesting-Plattform BERGFÜRST
können Anleger bereits ab 10 € ein individuelles Immobilien-Portfolio aufbauen.

Unterscheiden Sie zwischen echten und unechten
Vermögensverwaltungen

Die Bezeichnung Vermögensverwalter ist nicht rechtlich geschützt. Deswegen sollten Sie bei der Suche nach
Vermögensverwaltungen auf die von der BaFin zu genehmigende Bezeichnung Finanzportfolioverwaltung
(§ 1 Abs. 1a Nr. 3 KWG) achten. Diese Vermögensverwalter werden auch als echte
Vermögensverwalter
bezeichnet.

Im Gegensatz dazu existiert die unechte Vermögensverwaltung, hinter der sich zumeist
eine Vermögensberatung verbirgt. Hier erhalten Sie dann nur Tipps für Ihren Vermögensaufbau, müssen aber den Kauf und Verkauf
etwa von Wertpapieren selbst tätigen.

Merkmale einer guten Vermögensverwaltung

Die rechtliche Zulassung als Finanzportfolioverwaltung qualifiziert ein Unternehmen jedoch noch nicht
als exzellenten Vermögensverwalter. Und auch eine Mitgliedschaft im Berufsverband VuV (Verband der unabhängigen
Vermögensverwaltung) ist noch kein hinreichendes Kennzeichen.

Ein besserer Indikator ist der Blick auf die berufliche Qualifikation Ihres Portfoliomanagers. Ein
speziell ausgebildeter Finanzanalyst ist an den Titeln Certified Financial Planner (CFP), Chartered Financial Analyst
(CFA) oder Certified International Investment Analyst (CIIA) zu erkennen.

Auch Ihr persönlicher Eindruck ist wichtig. Hier sollten Sie darauf achten, dass Ihr
Portfoliomanager eine gewisse professionelle Distanz zu Ihnen einhält und nicht mit vermeintlichen Geheimtipps auf
Sie zukommt. Einen guten Portfoliomanager erkennen Sie zudem an seinen zahlreichen, intensiven Fragen und
Erkundigungen zu Ihrer persönlichen Lebens- und Finanzsituation. Zudem sollten Sie und der Portfoliomanager ein
ähnliches Risikoverständnis besitzen.

Maximale Kosten einer Vermögensverwaltung

Wenn Sie einen Vermögensverwalter engagieren, fallen neben den Grundgebühren auch – je nach
Vereinbarung – Entgelte, Gewinnbeteiligungen oder Pauschalhonorare an. Prinzipiell gilt hierbei als Faustregel, dass
die Gebühren gemessen an der Anlagesumme nicht 1,5 % pro Jahr überschreiten sollten. Bei einer
Anlagesumme von 1.000.000 € handelt es sich also schon um 15.000 €. Insbesondere für Unternehmerfamilien
lohnt sich deswegen ab einem gewissen Familienvermögen die Gründung von einer Familienstiftung oder von einem Family Office.

Checkliste für die richtige Vermögensverwaltung

  • Fragen Sie sich, ob Ihre Anlagesumme für eine Vermögensverwaltung hoch genug ist.
  • Geben Sie bei der Auswahl des Anbieters auf den gesetzlich geschützten Begriff
    Finanzportfolioverwaltung acht.
  • Überprüfen Sie die berufliche Qualifikation Ihres Portfoliomanagers und gehen Sie hinsichtlich
    Ihres persönlichen Eindrucks in sich.
  • Achten Sie darauf, dass die Gebühren gemessen an der Anlagesumme nicht 1,5 % pro
    Jahr
    überschreiten.

Die zehn größten institutionellen und privaten Vermögens­verwaltungen

Das Kapital, das von den international größten Vermögensverwaltungen betreut wird, steigt in den letzten Jahren stetig
an. Die meisten der größten Anbieter befinden sich in den USA, auch wenn im privaten Bereich die Schweiz traditionell
ebenfalls stark vertreten ist.

Die zehn größten institutionellen Anbieter

Im Jahr 2017 waren Blackrock und die Vanguard Group die beiden größten Vermögensverwaltungen im institutionellen
Bereich.

Platz Asset Manager
Vermögenssumme


(in Mrd. USD)
Land
1 BlackRock 6.288 USA
2 Vanguard Group 4.940 USA
3 State Street Global 2.782 USA
4 Fidelity Investments 2.449 USA
5 Allianz Group 2.358 Deutschland
6 J.P. Morgan Chase 2.034 USA
7 Bank of New York Mellon 1.893 USA
8 Capital Group 1.778 Frankreich
9 AXA Group 1.731 USA
10 AMUNDI 1.709 USA

Quelle: Willis Towers Watson

Die zehn größten privaten Anbieter

Bei privaten Anbietern sind traditionell Schweizer Banken stark vertreten. So führte auch 2018 die Schweizer Bank UBS
die Liste der größten privaten Vermögensverwaltungen an.

Platz Asset Manager
Vermögenssumme


(in Mrd. USD)
Land
1 UBS 2.404 Schweiz
2 Morgan Stanley 1.972 USA
3 Bank of America 1.950 USA
4 Wells Fargo 922 USA
5 RBC 791 Kanada
6 Credit Suisse 719 Schweiz
7 Citi 452 USA
8 J.P. Morgan Chase 435 USA
9 Goldman Sachs 413 USA
10 BNP Paribas 362 Frankreich

Quelle: Scorpio Partnership

Neue digitale Vermögensverwaltung: Robo Advisors

Statt auf einen klassischen Portfoliomanager in einer Bank zu vertrauen, wenden sich Anleger in letzter Zeit immer
häufiger an digitale Vermögensverwalter. Diese sogenannten Robo Advisor berechnen anhand von Algorithmen eine
Investitionsstrategie, die basierend auf einem Fragebogen persönlich auf den Anleger zugeschnitten ist.

Die Vorteile einer digitalen Vermögensverwaltung sind insbesondere die niedrigen Gebühren, die leichte
Bedienung und der geringe Zeitaufwand. Als Nachteile gelten die begrenzte Beratung, das schwer
einzuschätzende Risiko und eine nicht selten fehlende Haftung.

Je nach Robo Advisor fallen jeweils verschiedene Mindestanlagesummen und
Servicegebühren an. Zusätzlich zu den Servicegebühren sollten Sie jedoch noch mit Produkt- oder
Fondskosten in Höhe von 0,2 % bis 0,9 % rechnen.

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