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Geld investieren

Geld investieren: So funktioniert der Einstieg an der Börse

Valeria Nickel, 04.07.2017

Geld sparen oder investieren – Was macht mehr Sinn?

Viele Menschen würden gerne Geld investieren – in Aktien, Anleihen oder vielleicht auch Hebelprodukte und alternative Investments. Allerdings haben sie oft (zu) großen Respekt vor der Börse und allen Anlagen, die über das Girokonto oder Sparbuch hinausgehen. Dadurch lassen sie sich große Gewinnmöglichkeiten entgehen. Denn vor allem Aktieninvestments haben bisher auch bei einer risikoarmen Anlagestrategie langfristig deutlich höhere Renditen im Vergleich zu den Zinsen für Spareinlagen erzielt. Dabei ist es falsch, zu denken, dass nur Profis oder reiche Menschen an der Börse Geld investieren können. Natürlich kostet die Entscheidung und Umsetzung dieser Investitionen Zeit und Eigeninitiative – doch die kann jeder aufbringen. Folgendes Grundwissen sollte man darüber hinaus mitbringen.

Was ist der Unterschied bei Anlageprodukten der Bank und denen der Börse?

Banken bieten oft Tagesgeld und Festgeld als Möglichkeiten zur Geldanlage an. Der Vorteil an diesen Geldanlagen ist, dass ihr Risiko nicht so hoch ist: Bankeinlagen auf dem Tagesgeldkonto zum Beispiel sind bis zu einem Betrag von 100.000 € durch den europäischen Einlagensicherungsfonds abgesichert. Legt man sein Geld dagegen bei einem Unternehmen an der Börse an, so geht man das Risiko ein, dass dieses Unternehmen eventuell zahlungsunfähig werden könnte und man nichts von seinem Kapital wiedersieht. Bankeinlagen sind also etwas für Anleger, die mehr auf Sicherheit bedacht sind. Dagegen können sie an der Börse viel höhere Zinsen und Renditen durch Dividenden oder Gewinne aus Kurssteigerungen erzielen.

Was sind die besten Möglichkeiten, um Geld zu investieren?

An der Börse gibt es viele verschiedene Anlageprodukte, in die man Geld investieren kann. Sie lassen sich unterteilen in Aktien, Anleihen, Fonds, ETFs (Exchange Traded Funds) und Hebelprodukte.

Einsteigern werden oft ETFs, auch Indexfonds genannt, empfohlen. Dies sind Fonds, die nicht von einem Manager verwaltet werden, sondern einen Aktienindex – wie zum Beispiel den DAX – nachbilden. Das hat zur Folge, dass der Anleger von einer positiven Gesamtentwicklung des Marktes profitiert – und nicht „gegen“ den Markt arbeitet, wie ein Fondsmanager. ETFs sind aufgrund ihrer geringen (Verwaltungs-)Gebühren zudem sehr kostengünstig. ETFs sind mit wenig Aufwand und verhältnismäßig wenig Risiko verbunden.

Anlageklassen an der Börse:

Möchte man dagegen versuchen, die durchschnittlichen Renditen des Marktes zu schlagen, kann man in einen (aktiv gemanagten) Fonds investieren. Dieser stellt sozusagen einen Korb an ausgewählten Anlageformen dar und wird aktiv von einem Fondsmanager verwaltet. Je nach dem, welche Kapitalanlagen in dem jeweiligen Investmentfonds gebündelt werden, wird er als Aktienfonds, Mischfonds, Immobilienfonds usw. bezeichnet.

Wenn man sich seine Aktien und Anleihen lieber selbst aussuchen möchte, bietet es sich an, in Einzelwerte zu investieren. Hier muss man allerdings aufpassen, dass man das Risiko auf Wertpapiere von mehreren verschiedenen Unternehmen verteilt, um es so zu minimieren.

Für Spekulanten, die bereit sind, höhere Risiken einzugehen und intensiver mit ihrem Glück zu spielen, können Hebelprodukte wie Derivate, Zertifikate oder Optionen interessant sein. Allerdings vernichten – laut einigen Studien – über 90 % der Trader ihr Geld in den ersten 3 Jahren. Daher sollte man sich sehr intensiv mit mit den Trading Strategien beschäftigen und diese in Demokonten testen bevor man mit echtem Geld spekuliert.

Gute und vor allem ertragreiche Investitionsmöglichkeiten gibt es aber auch außerhalb der Börse: beispielsweise Sachwerte wie Immobilien oder neue Anlageformen wie das Immobilien-Crowdinvesting. Im Folgenden wollen wir uns jedoch auf die Börsenprodukte konzentrieren.

Immobilien-Crowdinvesting entdecken

Wie und wo kann man an der Börse Geld investieren?

Aktien oder Investmentfonds können Sie nicht einfach direkt bei der Börse „shoppen“. Der Handel mit diesen Geldanlagen ist nur mit einem Depot und einem dazugehörigen Verrechnungskonto möglich. Das ist sozusagen ein Konto für zu investierendes Geld und ein Verwahrplatz für die gekauften Wertpapiere. Man bekommt diese ganz klassisch bei seiner Bank in einer Filiale oder bei einem Online-Broker im Internet. Bevor Sie sich für einen Depot-Anbieter entscheiden, sollten Sie auf jeden Fall die Kosten vergleichen. Hier lässt sich einiges an Geld sparen. In der Regel sind Online-Broker insgesamt kostengünstiger.

Wie lange sind die Laufzeiten an der Börse?

Vor jeder Investition muss man sich die Frage stellen, wie lange man das Kapital entbehren kann. Je nach Anlageform und -produkt gibt es verschiedene Laufzeiten. Bei Anleihen beispielsweise bewegen sie sich meistens zwischen 3 und 7 Jahren. Dabei gilt die Regel: Je mehr Jahre an Laufzeit, desto mehr Prozent an Zinsen bekommt man. Viele Geldanlagen haben aber auch gar keine maximalen Laufzeiten, zum Beispiel Aktien oder die meisten Fonds. Hier ist allerdings auch ein längerer Anlagehorizont, ab 5 Jahren aufwärts, empfehlenswert, da so eine solide durchschnittliche Rendite wahrscheinlicher wird und Phasen mit schlechter Kursentwicklung ausgesessen werden können.

Wie viel Geld soll ich an der Börse investieren?

Bei Aktien gelten grundsätzlich keine Oberbegrenzungen – wenn Sie viel Kapital zur Verfügung haben und investieren wollen, gilt das Prinzip: Je mehr, desto besser. Für hohe Investitionen sind sie also eine gute Option. Durch hohe Anlagebeträge reduzieren sich außerdem die verhältnismäßigen Kosten, die beispielsweise durch Ordergebühren entstehen. Denn wenn man Wertpapiere von Unternehmen kauft oder verkauft, erteilt man der Depot-Bank einen Auftrag, der Order genannt wird. Für jede Order wird von der Bank oft eine Provision verlangt und damit einhergehend werden an der Börse Gebühren fällig.

Wieviel Geld muss man anlegen…

…damit eine Gebühr von 15 € die Rendite nicht auffrisst?

Anlage im Wert von 500 €

  • positive Rendite erst ab 3 % Kursgewinn

Anlage im Wert von 1.000 €

  • positive Rendite ab 1,5 % Kursgewinn

Anlage im Wert von 3.000 €

  • positive Rendite schon ab 0,5 % Kursgewinn

Aufgrund dieser Gebühren sollte man als Anleger auch nicht weniger als 1000 € in eine Aktie investieren, da sie sonst unverhältnismäßig hoch im Vergleich zum Anlagebetrag sind und nur durch eine hohe Rendite wieder eingebracht werden könnten. Es gibt also zwar meist keine zwingenden, aber logisch vernünftige Mindestinvestments bei Aktien. Im nächsten Abschnitt erfahren Sie, wie man mit kleineren Beträgen an der Börse investieren kann.

Achtung: Auf keinen Fall sollten Sie für den Kauf von Aktien einen Kredit aufnehmen, sondern nur eigenes, nicht zwingend benötigtes Geld investieren!

Sie sollten also nur so viel Geld investieren, wie Sie wirklich zur freien Verfügung haben. Wenn Sie in den nächsten Jahren in eine bestimmte Anschaffung, eine Immobilie oder die Ausbildung der Kinder investieren möchten, sollten Sie das Geld nicht in Aktien anlegen. Denn in kurzen Zeiträumen können Kursrückgänge häufig nicht „rechtzeitig“ wieder ausgeglichen werden und so wird ein Verlust bei Verkauf wahrscheinlicher. Bei längeren Anlagezeiträumen sieht das schon wieder anders aus.

Kann man an der Börse auch mit wenig Geld investieren?

Anleger können aber auch unterhalb der genannten 1000€-Grenze in Aktien, Fonds, ETFs usw. investieren, wenn sie regelmäßig – zum Beispiel monatlich oder alle zwei Monate – einen Betrag anlegen wollen. In diesen Fällen ist ein Sparplan ein guter Einstieg. Schon mit geringen Beträgen ab 10 € im Monat ist es hier für Privatanleger möglich, an der Börse ein Vermögen aufzubauen. Ein weiterer Vorteil bei Sparplänen ist, dass man nicht auf das ideale Timing achten muss. Da man sein Geld über einen langen Zeitraum verteilt, werden die Anteile zu einem Durchschnittspreis erworben, der zwar über dem günstigsten Preis in der Periode liegt, aber gleichzeitig auch unter dem teuersten. Das ist der Cost-Average-Effekt. Sparpläne bieten also die Möglichkeit, mit kleinen Beträgen, ohne hohe Gebühren, zu Durchschnittspreisen an der Börse einzukaufen.

Insgesamt gibt es also – auch für Privatanleger – verschiedenste Möglichkeiten, an der Börse Geld zu investieren. Eine solides Grundwissen des Anlegers bezüglich der einzelnen Anlageprodukte ist dabei der erste Schritt zum langfristigen Erfolg.

Bild-Copyright: Elnur / Shutterstock.com