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Geld richtig anlegen

Geld richtig anlegen für Einsteiger: Die wichtigsten Grundsätze

Valeria Nickel, 17.07.2017

Wie kann ich mein Geld richtig anlegen?

Das Thema Geldanlage ist etwa so beliebt wie die Prophylaxe beim Zahnarzt. Jeder müsste sich eigentlich regelmäßig darum kümmern, aber es kostet viel Überwindung, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Dazu kommt, dass wer heutzutage Geld anlegen will, unendlich viele Möglichkeiten hat: Aktien, Fonds, Immobilien oder Sparbuch, Anleihen, Tagesgeld und Festgeld. Viele verlieren dabei von Anfang an den Überblick und gehen direkt zur Bank oder zum Finanzvermittler, um sich beraten zu lassen. Nicht immer bekommen Sie dort jedoch das für Sie beste Angebot, da die Produkte mit den höchsten Provisionen oft bevorzugt werden.

Mit ein bisschen Eigeninitiative ist es aber auch für Einsteiger nicht schwer, auf eigene Faust zu verhindern, dass ihr Vermögen auf niedrig verzinsten Sparkonten von der Inflation aufgefressen wird oder sie sich an kostspieligen Investments die Finger verbrennen. Erfolgreiche Geldanlage bedeutet, durch Zinsen, Dividenden, Kursgewinne, Verkaufserlöse und andere Erträge sein angelegtes Kapital zu erhalten und es darüber hinaus zu vermehren und auf diese Weise finanzielle Wünsche erfüllbar zu machen.

Ohne Ziel ist auch der Weg egal: Bestimmen Sie zuerst Ihr Anlageziel

Der erste Schritt, wenn man sich Gedanken zur Strategie der Geldanlage macht, ist die Festlegung des persönlichen Anlageziels. Denn um sich gut vorbereiten zu können und diszipliniert zu sein, muss man wissen, wofür man arbeitet. Machen Sie sich daher zunächst Gedanken zu Ihrem Anlageziel: Sparen Sie für die Altersvorsorge, wollen Sie eine besondere Anschaffung tätigen, mittelfristig eine bestimmte Lebensphase wie ein Studium finanzieren, eine Familie gründen oder schlicht Vermögen aufbauen, das für Sie arbeitet? Bevor Sie mit der Geldanlage beginnen und damit Ihr Vermögen wohl für längere Zeit anderweitig binden, sollten Sie jedenfalls sicher gehen, zunächst einmal schuldenfrei zu sein. Dispokredit, Ratenkredite oder die Baufinanzierung – Schulden sind teuer und eignen sich nicht als Ausgangspunkt für eine zielgerichtete Geldanlage.

Magisches Dreieck & Anlagehorizont: Merkmale, die Geldanlagen beeinflussen

Jede Form der Geldanlage wird von drei zentralen Faktoren beeinflusst: Sicherheit, Liquidität (oder Verfügbarkeit) und Rendite. Man spricht dabei auch vom „magischen Dreieck“, zwischen dessen Eckpunkten sich alle Geldanlagen einordnen lassen. Das Prinzip dabei lautet: Je sicherer und je liquider („flüssiger“) ein Investment ist, desto weniger Rendite wirft es ab. Und umgekehrt: Anlagen mit hoher Rendite sind entweder weniger liquide oder weniger sicher.

Das magische Dreieck der Geldanlage

Alle drei Aspekte sind in gleichem Maße wichtig, auch wenn regelmäßig besonders die Faktoren Sicherheit und Rendite bei Investments in den Vordergrund gestellt werden. Die Liquidität darf jedoch ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden, denn sie begleitet uns dagegen oft im alltäglichen Leben: Wer nicht liquide ist, der kann weder einkaufen, Miete bezahlen, noch tanken oder andere Rechnungen begleichen.

Daher ist es wichtig, zu überlegen, wie lange man auf sein Geld verzichten kann. Bei einer Anlagedauer von bis zu einem Jahr sprechen wir von einem kurzen Zeitraum, bis zu fünf Jahren von einem mittleren Zeitraum und darüber hinaus von einem langen Anlagehorizont. Je nach Anlagehorizont kann man verschiedene Anlageklassen wählen.

Wer beispielsweise in Aktien – eine schwankungsanfällige Geldanlage – investieren will, sollte sein Geld für lange Zeit nicht benötigen, damit eventuelle Kursschwankungen nicht zu Kursverlusten führen, weil man sein Geld gerade im Börsentief braucht. Ein langer Anlagehorizont gleicht Schwankungen aus und mindert so das Risiko von Kursverlusten. Deshalb hängt Ihr Anlageerfolg auch grundsätzlich von der Anlagedauer ab.

Sparfuchs oder Genießer: Definieren Sie den Anlagebetrag

Die nächste wichtige Frage ist, wieviel Geld man anlegen will. Dafür muss man sich einen Überblick über seine Vermögensverhältnisse verschaffen und den Betrag errechnen, den man ganz oder vorübergehend nicht für den Lebensunterhalt benötigt. Die Höhe des Anlagebetrages ist entscheidend für die Suche nach der passenden Anlageform. Beispielsweise gibt es Mindestanlagesummen zu beachten, für Anlageformen wie Festgelder oder Sparbriefe. Teilweise hängen auch die Konditionen der Angebote von der Anlagesumme ab. Maximalanlagebeträge sind dagegen selten, nur die vereinbarten Zinsen können bis zu einer bestimmten Summe gedeckelt werden. Der Anleger sollte sich darüber informieren, um keine Zinserträge zu verschenken.

Zusätzlich sollten folgende Punkte klargestellt werden:

  • Wollen Sie den Anlagebetrag in einer Summe oder gesplittet anlegen?
  • Besteht die Absicht, den Einmalbetrag durch laufende oder unregelmäßige Einzahlungen aufzustocken?
  • Sollen Zinsen entnommen oder weiter angelegt werden?

Es lohnt sich darüber hinaus, sich einmal klarzumachen, wie viel Geld man am Ende des Anlagezeitraums benötigt. Mit den Kenngrößen Startbetrag, Endbetrag und Anlagezeitraum lässt sich nämlich die gewünschte Rendite ausrechnen.

Rechenbeispiel

Formel: Vermögenszuwachs Zinseszins

Wert am Laufzeitende = Anlagewert × (1+Zinssatz)Laufzeit

Haben Sie zum Beispiel 2.500 € als Startbetrag zur Verfügung und wollen in 10 Jahren 4.000 € erhalten, ist die jährlich benötigte Rendite 4,8 %.

No risk, no fun? Finden Sie den zu Ihnen passenden Anlegertypus

Als nächstes beschäftigen Sie sich mit Ihrer Risikobereitschaft, die sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt. Einerseits gibt es die tatsächliche Risikobereitschaft, die vom Lebenslauf, den finanziellen Verhältnissen und der Bildung des Anlegers beeinflusst wird. Auch die Tatsache, ob Sie bereits größere Beträge in klassisch sicheren Anlageformen wie Tagesgeld haben, spielt hierbei eine Rolle. Denn wenn dies der Fall ist, können Sie sich eine höhere Risikobereitschaft leisten – und einen Großteil des Anlagebetrages zum Beispiel in Aktien investieren. Wenn Sie allerdings außer dem anzulegenden Betrag nur noch über eine kleinere Summe verfügen, sollten Sie eher keine zu hohen Risiken eingehen. Darüber hinaus wird die tatsächliche Risikokapazität von Ihrer beruflichen Situation beeinflusst. Ein Beamter kann beispielsweise mehr Risiko auf sich nehmen als ein Selbständiger, dessen zukünftige Einkünfte unsicher sind.

Andererseits gibt es die emotionale Risikobereitschaft. Sie hängt von den Charaktereigenschaften sowie bisherigen Erfahrungen und Kenntnissen des Anlegers ab.
Aus diesen beiden Komponenten setzen sich drei verschiedene Anlegertypen zusammen:

  1. Der Konservative
  2. Der Ausgewogene
  3. Der Offensive

Für den konservativen Anleger steht die Sicherheit der Geldanlage im Vordergrund. Er will nur geringe oder gar keine finanziellen Risiken eingehen. Wem sowohl Sicherheit, Rendite als auch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den beiden Faktoren wichtig sind, der gehört zum ausgewogenen Anlegertyp. Wenn dagegen Ihr Hauptziel ist, mit Ihrer Geldanlage eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, sind Sie ein offensiver Typus.

Tipp für alle Anlegertypen

Eine Streuung des Geldes auf verschiedene Anlageformen schützt vor großen Verlusten. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn sich die einzelnen Positionen unterschiedlich im Wert entwickeln. Dann lassen sich Verluste mit einer Anlage durch mögliche Gewinne einer anderen Position wieder auffangen. Diese Strategie nennt man auch Diversifikation.

Nicht zu unterschätzen: Kosten und Gebühren

Verschiedene Geldanlagen haben verschiedene Kosten. Während bei nahezu allen Tages- und Festgeldkonten gar keine Kosten anfallen, haben Aktienfonds manchmal hohe Verwaltungsgebühren. Dabei schmälern diese die Rendite deutlich: 2 % des Anlagebetrages pro Jahr sind keine Seltenheit. Deshalb sollten Sie sich nach möglichst kostengünstigen Alternativen umsehen. Oft werden Indexfonds (ETF) empfohlen, die nicht aktiv verwaltet werden, sondern sich an einem bestimmten Aktienindex orientieren (beispielsweise der MSCI World, ein globaler Index mit Aktien aus 23 Industriestaaten), und daher etwa mit einem Zehntel der Kosten auskommen.

Außerdem gilt: Je langfristiger, desto kostengünstiger. Eine langfristig orientierte Geldanlage hat den Vorteil, dass Sie nicht jeden Tag Zeit aufwenden und sie überprüfen müssen. Allerdings dürfen Sie Ihre Anlage nicht komplett aus den Augen verlieren. Wenn sich Ihre Anlageziele, Ihr Anlagebetrag oder Ihr Anlagehorizont ändert, sollten Sie Ihr Depot anpassen. Außerdem sollte sich Ihre Depot-Zusammensetzung ändern, wenn der gewünschte Auszahlungstermin der Anlage näher rückt. Deshalb ist einmal im Jahr ein Blick auf alle Anlagen zu empfehlen, um zu überprüfen, ob deren Zusammensetzung noch Ihrer Strategie entspricht.

Beispiel: Umschichtung von Anlagen

So könnte Ihre jährliche Umschichtung vor Erreichen Ihres Anlagezieles aussehen:

Verbleibende Anlagedauer Gewichtung Sicherheitsorientierte
Geldanlagen
Gewichtung Renditeorientierte Geldanlagen
5 Jahre 20 % 80 %
4 Jahre 35 % 65 %
3 Jahre 50 % 50 %
2 Jahre 65 % 35 %
1 Jahr 80 % 20 %

Quelle: finanztip

In großem Stil umzuschichten lohnt sich allerdings nicht immer: Als Faustregel gilt, dass Wertpapiertransaktionen unwirtschaftlich sind, wenn sie mehr als 1 % des Anlagebetrags kosten.

Insgesamt sind beim Einstieg in die Geldanlage nur einige wichtige Grundsätze zu beachten, um nicht kopflos Geld zu verlieren. Wenn Sie sich etwas Zeit nehmen und eine Strategie zurechtlegen, benötigen Sie keinen Berater und können Ihre Vermögensplanung selbstbestimmt in die Hand nehmen. So lassen sich deutliche Unterschiede erzielen.

Bild-Copyright: El Lobo / Shutterstock.com