Nachhaltige Geldanlage: Vom grünen zum goldenen Daumen

Valeria Nickel, 17.04.2018

Bio, Fitness, Abfallvermeidung und Veganismus: Seit einigen Jahren erlebt der bewusste, nachhaltige Lebensstil einen nie dagewesenen Trend. Dieser Trend hat auch Einfluss auf die das Anlageverhalten vieler Investoren. Nach einer Studie von der Bertelsmann-Stiftung von Anfang 2016 steigt die Nachfrage nach Geldanlagen mit sozialer Wirkung. Demnach hat sich der Bereich des wirkungsorientierten Investierens seit 2012 verdreifacht (von 24 Mio. € auf 70 Mio. € im Jahr). Längst wollen nicht mehr nur Investoren wie Kirchen oder Stiftungen ihr Geld ökologisch und ethisch korrekt anlegen, sondern auch Versicherungen, Versorgungswerke und Privatanleger.

(Noch) keine einheitliche Definition

Eine gesetzliche – oder wenigstens einheitliche – Definition für den Begriff „Nachhaltige Geldanlagen“ (oder englisch: sustainable investments) gibt es nicht. Allgemein anerkannt ist aber, dass diese Anlageformen sich dadurch auszeichnen, dass sie nicht nur nach den klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit bewertet werden, sondern auch nach ökologischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkten, für die sich international das Kürzel ESG etabliert hat (Environment, Social and Governance). Das heißt, dass es alle möglichen Varianten von „nachhaltigen“ Finanzprodukten gibt: beispielsweise grüne Sparbücher, Green Bonds, nachhaltige (Themen-)Fonds oder grüne Indexfonds (ETFs).

Doch nicht alles, was glänzt, ist grün. Für viele Unternehmen bzw. Emittenten bedeutet das Label „nachhaltig“ nur eine Marketingstrategie. Ethik und Moral stehen dabei gar nicht im Vordergrund. Denn vielen ist klar: Wer sich heute überhaupt nicht mit den Prinzipien nachhaltigen Investierens beschäftigt, muss mit dem Verlust von Reputation oder politischer Unterstützung rechnen. Daher betreiben einige Unternehmen sogenanntes „Greenwashing“, um für die Öffentlichkeit positiv zu wirken.

Wie findet man nachhaltige Geldanlagen?

Anleger können unterschiedliche Ansätze bei der Suche nach nachhaltigen Geldanlagen verfolgen. Die wenigsten Anforderungen stellt der „Best in Class“-Ansatz: Hier gibt es keine Einschränkungen hinsichtlich der Branche, des Standorts oder der Geschäftspraktiken des Unternehmens, in das man investiert. Sie können sich beispielsweise auch an Ölfirmen oder Stromkonzernen mit Atomkraftwerken beteiligen. Die einzige Voraussetzung ist, dass es sich dabei um die vorbildlichsten Unternehmen der jeweiligen Branche handelt, was ökologische oder ethische Standards betrifft.

Eine andere Strategie ist, Ausschlusskriterien aufzustellen: Dabei investiert man nicht in Unternehmen, die ihr Geld in gewissen Geschäftsfeldern verdienen (Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Waffen oder Pornographie), oder die bestimmte Geschäftspraktiken verfolgen (Kinderarbeit oder jede Art von Produktion, die stark der Umwelt schadet), oder die in ausgewählten Staaten ansässig sind, die sich nicht an internationale Verträge halten oder Menschenrechte missachten. Durch diese Kriterien schränkt man sein Investmentuniversum ein und schließt bestimmte Unternehmen und Staaten aus.

Die dritte Möglichkeit ist, nicht nach einem Ausschluss-, sondern einem Auswahlverfahren vorzugehen. Diese Methode ist am aufwändigsten. Denn der Anleger muss gezielt nach „Impact Investments“ suchen, also Unternehmen, Organisationen und Fonds, die nicht nur einen finanziellen Ertrag erwirtschaften, sondern auch sozial und ökologisch wirken wollen. Dabei stellt sich die Frage: Wo gibt es nachhaltige Geldanlagen? Wer auf der Suche nach Bio-Gemüse ist, kann schließlich in den Bioladen oder mittlerweile auch fast in jeden konventionellen Supermarkt gehen. Bei nachhaltigen Geldanlagen ist es ähnlich: Es gibt einerseits „grüne“ Banken, aber viele nachhaltige Finanzprodukte bekommt man mittlerweile auch bei konventionellen Banken und Anlageberatungen.

Welche Kriterien hat Nachhaltigkeit?

Trotzdem müssen sich Anleger darüber bewusst sein, dass es wohl keine zu 100 % ethisch korrekte Geldanlage gibt. Beispiel „Tesla“: Wer in den führenden Elektroauto-Hersteller investiert, hilft dabei, den Wandel zu nachhaltigeren Transportmöglichkeiten und weniger Abgasen voranzutreiben. Gleichzeitig wird aber bei der Herstellung einer Elektrobatterie für die Fahrzeuge (noch) viel Energie verbraucht. Dies ist wiederum für die Umwelt eher schädlich.

Auf jeden Fall lohnt es sich aber, einen Überblick über bestimmte Nachhaltigkeitskriterien zu haben. Ein guter Wegweiser hierbei ist das FNG-Siegel vom „Forum nachhaltige Geldanlage“. Es ist in Zusammenarbeit mit dem Sustainable Business Institute (SBI) auf eine Initiative des Bundesfinanzministeriums hin entstanden und zertifiziert Unternehmen und Staaten, die in Fonds enthalten sind, um der Öffentlichkeit eine Orientierungshilfe beim Kauf von Fonds zu bieten. Dabei setzt es die Vorgaben des europäischen Dachverbands für nachhaltige Geldanlage in Deutschland um.

In dieser Tabelle finden Sie die Ausschlusskriterien, die u.a. FNG verwendet und auf die man als Anleger achten kann:

Übersicht: Ausschlusskriterien
  Geschäftsfelder Geschäftspraktiken Länderspezifische Merkmale /Staaten
Umwelt Chlor und Agrochemie, Fossile Brennstoffe, Grüne Gentechnik, Kernenergie Umweltschädliches Verhalten, Tierversuche, hoher Energie- und Ressourcenverbrauch Kernenergie nach Anteil an der Brutto­energie­erzeugung, Nichtratifizierung der UN-Biodiversitäts-Konvention, Nicht­ratifizierung des Kyoto-Protokolls, Nichtratifizierung des Protokolls über biolog. Sicherheit
Soziales Glücksspiel, Pornographie, Spirituosen, Tabakwaren, Rüstungsgüter Nichtbeachtung der Arbeitsrechte (ILO Kernarbeitsnormen), ausbeuterische Kinderarbeit, Verletzung von Menschenrechten, Diskriminierung Nichtbeachtung der Arbeitsrechte oder Menschenrechte, hohes Rüstungsbudget, Todesstrafe, Zugehörigkeit zu „unfreien Staaten“ laut Freedom House, Verstöße gegen Atom­waffen­sperr­vertrag, Verstöße gegen Waffensperrverträge
Governance   Korruption und Bestechung, kein
unabhängiger Verwaltungs- oder Aufsichtsrat
Korruption

Welche Rendite versprechen nachhaltige Geldanlagen?

Die Frage, die trotz aller Kriterien und Zertifizierungen letzten Endes für Investoren im Vordergrund steht: Verdient man tatsächlich Geld mit nachhaltigen Geldanlagen? Die Antwort ist recht einfach und bereits empirisch belegt worden: Ja, die „Impact Investments“ rechnen sich genauso wie konventionelle Anlagen. Seit mehreren Jahren erzielen sie eine durchweg hohe Rendite von im Schnitt 11 % pro Jahr – dies ist doppelt so hoch wie die Rendite von den Unternehmen des deutschen Aktienindex (DAX). Das Vorurteil, dass Anleger für das gute Gewissen auf einen Teil ihrer Rendite verzichten müssen, stimmt also nicht.

Gleichwohl heißt das aber nicht, dass Anleger in diesem Bereich unvorsichtig sein können – siehe u.a. die Prokon-Pleite. Auch nachhaltige Geldanlagen bergen ein großes Risiko. Außerdem sollte man nicht aus falsch verstandener Treue zu den grünen Werten am Investment festhalten, wenn der Kurs offensichtlich in den Keller fährt. Mit einem gesunden Risikobewusstsein und guter, regelmäßiger Information lassen sich mit nachhaltigen Geldanlagen aber sowohl das Gewissen als auch der Renditehunger befriedigen.

Bild-Copyright: Blue Planet Studio

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