Geld verdoppeln

Geld verdoppeln – Grundsätze der Vermehrung von Geld

Valeria Nickel, 03.07.2017

Es ist wohl der Traum jedes Anlegers: Das eigene Startkapital in kurzer Zeit verdoppeln. Zunächst einmal klingt dieses Ziel nicht wirklich greifbar. Wie viel Zinsen pro Jahr müsste ein Investor kassieren und wie lange das Geld anlegen, um das Doppelte zu erreichen? 15, 20, 30 Prozent? 5, 10, 25 Jahre?

Bei einer Anlagedauer von 10 Jahren wären es tatsächlich „nur” 7,2 % Zinsen pro Jahr, die dazu führen würden, dass sich Ihr Vermögen verdoppelt. Denn den Effekt vom Zinseszins, der den Betrag der Geldanlage exponentiell ansteigen lässt, darf man nicht unterschätzen.

Wie berechnet man diese Zahlen?

Dafür gibt es eine simple, schnelle Formel: die 72er-Regel. Diese kann fix die Frage beantworten, nach wie vielen Jahren sich das eingesetzte Startkapital, das zu einer bestimmten festen Verzinsung angelegt wird, verdoppelt. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass der Sparer den Zufluss durch die Zinsen nicht abhebt und für andere Zwecke verwendet:

Anzahl Jahre  =  
72
/
Zinssatz

Dadurch kann man beispielsweise ausrechnen, wann aus 10.000 € durch Zins und Zinseszins 20.000 € werden. Wenn wir einen jährlichen Zinssatz von 10 % festlegen, muss man einfach nur 72 durch 10 teilen.


72
/
10
 = 7,2 Jahre

Wenn Sie Ihr Geld dagegen nur auf einem Sparbuch anlegen, auf das es derzeit etwa 0,05 % Zinsen jährlich gibt, dauert die ganze Geschichte unglaubliche 1.440 Jahre.

Umgekehrt ist es mit Hilfe der 72-Regel möglich, den Zinssatz zu bestimmen, der nötig ist, um sein Startkapital innerhalb einer bestimmten Zeit zu verdoppeln:

Zinssatz  =  
72
/
Anzahl Jahre

Diese Geldanlagen gefährden den Verdopplungs-Wunsch

Wer sein Geld möglichst schnell verdoppeln will, für den heißt es: Finger weg von Niedrigzinsen. Von sicheren Staatsanleihen zum Beispiel brauchen Anleger mit diesem Ziel nicht mehr viel zu erwarten. Tages- und Festgeld sind ebenfalls unbrauchbar. Trotzdem konzentriert sich das Sparvermögen der Deutschen seit eh und je auf die erwähnten Instrumente. Denn diese Anlageklassen bieten Sicherheit. Nur langsam gibt es ein Umdenken hin zu mehr Renditebewusstsein: Nach und nach investieren mehr Anleger in Aktien, die zwar mehr Risiko, aber auch eine höhere Verzinsung bieten. Ende 2016 waren 1,07 Billionen € der Deutschen in Aktien und Investmentfonds angelegt – gegenüber dem dritten Quartal 2016 bedeutete das eine Steigerung von knapp 9 %. Wer plant, sein Geld zu verdoppeln, sollte sich ebenfalls bewusst machen, dass dies in Nullzins-Zeiten nicht mit den klassisch sicheren Geldanlagen passieren kann.

Immobilienprojekte mit hohen Zinsen

Kursschwankungen ausnutzen

Eine der naheliegendsten Möglichkeiten für Investoren, die ihr Geld an der Börse anlegen und verdoppeln wollen, ist es, Kursschwankungen auszunutzen.

Die kurzfristige Variante wird als Day-Trading bezeichnet. Die sogenannten Day-Trader verdienen damit Geld, dass sie zu einem bestimmten Kurs Aktien kaufen und schon bei kleineren Gewinnen wieder verkaufen. Deshalb stoßen sie Papiere oftmals schon nach wenigen Stunden wieder ab, sofern sich damit ein Gewinn erzielen lässt. Mit solch einer Strategie lässt sich das Guthaben in kurzen Zeitspannen deutlich vermehren. Gleichzeitig kann man aber auch viel verspielen. Um in diesem Metier erfolgreich zu sein, muss man ein glückliches Händchen und vertiefte Kenntnisse über die Mechanismen des Börsenhandels haben. Nur sehr wenige Daytrader machen über längere Zeiträume Gewinn.

Eine langfristige Strategie ist da sicherer, da sich die Kursschwankungen dann auspendeln können und auch weniger zeitintensiv, da man nicht tagtäglich stundenlang vor seinem PC sitzen und die Kursentwicklung beobachten muss. Aber auch diese Strategie setzt eine gekonnte Analyse der Märkte und Weitsicht voraus. Für ehrgeizige Ziele eignen sich beispielsweise High Yield Bonds, CFD (Contract for Difference) Handel oder binäre Optionen. Jedoch sind diese Anlagen hoch riskant und für Laien schwer zu durchschauen. Normale Aktien oder Anleihen erzielen ebenfalls hohe Renditen.

Man muss andererseits nicht unbedingt an die Börse gehen. Auch an anderen Stellen kann man als Investor hohe Zinsen kassieren, die das Verdopplungs-Ziel unterstützen.

Wer auf die Wertbeständigkeit des Immobilienmarkts vertraut, aber sich nicht mit der niedrigen Rendite zufrieden geben möchte, sollte das Crowdinvesting in Erwägung ziehen. Die moderne Anlageform verspricht Zinsen von bis zu 7 %. Dabei schließt man sich mit vielen anderen Privatinvestoren über eine Internetplattform zusammen und investiert als „Schwarm” zusammen in einzelne Bauprojekte oder Bestandsimmobilien. Das funktioniert bereits mit kleinen Beträgen und ermöglicht es somit auch Kleinanlegern, an teuren Immobilien zu verdienen, was bisher nur professionellen Groß-Investoren vorbehalten war. Zudem gibt es dank der schlanken Online-Strukturen auf den Plattformen keine üblichen Vertriebskosten – so wird der an sich bereits hohe Zinssatz maximiert.

Immobilienprojekte mit hohen Zinsen

Nicht vergessen: Diese Kosten verlängern den benötigten Zeitraum

Wer Erfolg hat und sein Geld vermehrt, sollte auf keinen Fall die Einflussgrößen Inflation, Gebühren und Steuern außer Acht lassen. Die eigenen Berechnungen sollte man um diese Faktoren korrigieren.

Zunächst lässt sich mit der 72er-Regel der vermögensschädliche Effekt der Inflation berechnen. Dazu teilt man die Zahl 72 durch die angenommene Inflationsrate. Das Ergebnis bestimmt die Anzahl der Jahre, in der sich das Anfangsinvestment um die Hälfte verringert. Beträgt die angenommene Inflationsrate beispielsweise 3 % pro Jahr, ist das Geld in 24 Jahren nur noch halb so viel wert (72/3 = 24). Dies zeigt die Notwendigkeit, sich nach renditereichen Geldanlagen umzuschauen.

Wenn Sie nicht nur wissen wollen, wie schnell die Inflation Ihre Geldanlage auffrisst, sondern wie schnell sich Ihr Vermögen tatsächlich – nach Abzug von Inflation, Gebühren für die Anlage und Steuern – verdoppelt, müssen Sie der Rechnung mit der 72er-Regel die Netto-Rendite zugrunde legen. Diese können Sie in vereinfachter Weise folgendermaßen berechnen:

Beispielrechnung

  • Brutto-Rendite: angenommen 7 % pro Jahr
  • Inflation: angenommen 2 %, d.h. die Rendite reduziert sich (vereinfacht) auf 5 % pro Jahr
  • Kosten der Geldanlage: angenommen 1 %, d.h. die Rendite reduziert sich auf 4 % pro Jahr
  • Besteuerung der Gewinne: angenommen 25 % (ohne Berücksichtigung des individuellen Steuersatzes und der Freibeträge), d.h. die Rendite reduziert sich von 4 % auf 3 %
  • Ergebnis: 72 / 3 = 24. Die Kaufkraft Ihres angelegten Kapitals würde sich also erst nach 24 Jahren verdoppeln.

So macht die Faustformel noch deutlicher, dass gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld sehr viel Ausdauer und Geduld gefragt sind. Auf dem Gebiet der sicheren Anlagen ist es schier unmöglich, im Eiltempo einen beeindruckenden Vermögensaufbau zu leisten. Mit der 72-Regel bekommen Sie aber ein Gespür für Renditen von Kapitalanlagen und den Effekt, den der Zinseszins ausmacht.

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