ETF-Portfolio – So bauen Sie Ihr eigenes ETF Depot auf

Annette de los Santos, 12.07.2017

ETFs (Exchange Traded Funds) sind passive Fonds auf verschiedene Indizes. Daher werden sie in Deutschland auch als Indexfonds bezeichnet. ETFs spiegeln den jeweiligen Index nahezu 1:1 wider. Ziel ist die Abbildung der Wertentwicklung des zugrunde gelegten Index (z.B. DAX). Die Anleger erwerben mit dem ETF ein Wertpapier, das den Index nachbildet, und partizipieren so an der Wirtschaftsentwicklung ganzer Märkte (z.B. mit einem DAX ETF an der deutschen Wirtschaft).

Warum ein ETF Portfolio?

Die Geldanlage in ETFs ist im Vergleich zur Investition in Einzelwerte und in traditionelle Fonds (wesentlich) günstiger. Der Aufbau eines eigenen ETF-Portfolios ist sinnvoll, um weltweit an verschiedenen Anlagewerten zu partizipieren und dennoch eine sinnvolle Risikostreuung zu erreichen. Um ETFs zu kaufen, braucht man deutlich weniger verfügbares Geld als für den Kauf einzelner Aktien. Das gilt zwar ebenso für traditionelle Fonds. Bei letzteren fallen jedoch höhere Verwaltungskosten an und es wird ein Ausgabeaufschlag erhoben (Agio). Die meisten Emittenten verlangen 5 %. Falls Sie den Fonds über eine Onlinebank kaufen, beträgt der Ausgabeaufschlag für einzelne Fondsprodukte nur 2,5 %, d.h. das Agio ist um 50 % reduziert.

Bei ETFs entfällt der Ausgabeaufschlag hingegen komplett und die Verwaltungskosten sind aufgrund des passiven Fondsmanagements teils deutlich geringer. Um den Renditeeffekt der „richtigen“ ETFs zu spüren, wäre eine Mindestanlage von 10.000-20.000 € sinnvoll. Grundsätzlich optimal wäre ein Anlagehorizont von mindestens 5 Jahren. Es gibt aber auch die Möglichkeit des ETF Sparplans. Hier können Anleger bereits ab 25 € im Monat ETFs erwerben.

Was bilden ETFs ab?

Indexfonds gibt es auf sehr viele verschiedene Werte. Dazu zählen Aktien und Anleihen, die wiederum nach Branchen und Regionen unterschieden werden können. Auch auf Rohstoffe und Währungen sowie auf Handelsstrategien (z.B. Optionsstrategien) gibt es ETFs. Die Anzahl der Emittenten, die ETFs auf die gleichen Indizes abbilden, ist ebenfalls sehr hoch. Bei manchen Onlinebanken kommen hier schnell 80 Emittenten zusammen.

Wie erstellt man ein ETF-Portfolio?

Welche ETFs Sie in Ihr Portfolio aufnehmen möchten, hängt – wie bei allen Investments – von Ihrem persönlichen Anlagehorizont und Ihrer Risikotoleranz ab.

Das Portfolio ist dabei auch abhängig vom Alter des Anlegers. Ein 30-Jähriger mit langem Anlagehorizont kann einen relativ hohen Anteil an Aktien, die allgemein als riskanter gelten, in sein Portfolio aufnehmen. Wenn man die Entwicklung des Aktienmarktes der letzten Jahrzehnte zugrundelegt, werden sich die Schwankungen (Volatilität) ausgleichen und der Anleger wird eine gute oder sogar sehr gute Rendite (Wertsteigerung) seiner ETFs erzielen.

Ein 60-Jähriger hingegen, der einen Anlagehorizont von 5 Jahren hat und die Wertpapiere als zusätzliche Altersversorgung benötigt, wird eher auf risikoärmere Anlagen wie Staatsanleihen setzen und so die Risiken von großen Schwankungen reduzieren. Leider wird derzeit (und vermutlich noch die nächsten Jahre) allerdings angesichts der derzeitigen Niedrigzinsen hiermit kaum noch Rendite erzielt. Ein Investment in Anleihen lohnt sich für diesen Anleger nicht, weil die vermeintliche Rendite häufig real unter der Inflationsrate liegt. Man bezeichnet das als Negativrendite oder besser Verlust. Der Anleger hat also ceteris paribus in seinem Renteneintrittsalter von 67 Jahren weniger im Portemonnaie als mit 60 Jahren.

Deshalb bietet sich für diesen Anleger alternativ die Geldanlage in ETFs mit weniger schwankungsanfälligen und dividendenstarken Blue Chips (Large Caps) und einer breiten Streuung an.

Gängige Aufteilung eines ETF-Portfolios

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten bei der sogenannten „Asset Allocation“, also der Aufteilung, eines ETF Portfolios. Doch wir können Sie beruhigen, denn das Portfolio muss nicht kompliziert und komplex aufgebaut sein. Eine zur Zeit oft empfohlene, altersunabhängige Aufteilung sieht folgende 3 ETFs und deren anteilige Verteilung vor:

  • 60 % MSCI World (Weltwirtschaft)
  • 20 % MSCI Emerging Markets (Schwellenländer)
  • 20 % Anleihen

Dieses Portfolio stellt die Chancen und Risiken in ein relativ gesundes Verhältnis. Es ist einerseits renditeorientiert, andererseits aber auch durch die breite Streuung (Diversifikation) schwankungsärmer als einzelne Aktien oder kleinere Märkte. Die Anleihen ETFs sorgen für eine gewisse Stabilität im Depot. Ein etwas stärker diversifiziertes ETF-Portfolio könnte hingegen wie folgt aussehen:

Beispielhaftes Portfolio

Quelle: Beispielhaftes Portfolio unserer Redaktion (keine Handlungsempfehlung)

Wie finde ich gute ETFs für mein Portfolio?

Da es verschiedene Emittenten gibt und zudem unterschiedlich zusammengesetzte (physische oder synthetische) Indexfonds, sollten Anleger insbesondere die Performance über mehrere Jahre prüfen und zudem das Rating namhafter Ratingagenturen einbeziehen, bevor sie in einen ETF investieren. Wichtig ist auch ein hinreichend großes Fondsvolumen. ETFs der gleichen Anlageform werden von einigen Online-Banken auch direkt miteinander verglichen. Die meisten Anleger ziehen zudem physisch replizierende den synthetischen ETFs vor, weil der sogenannte „Tracking Error“ geringer ist und sie also nah an der tatsächlichen Indexentwicklung liegen. Wichtig ist auch der Vergleich der Kosten, die bei den ETFs anfallen.

Eine Alternative für Anleger, die sich ihr Portfolio nicht unbedingt selbst zusammenstellen möchten, können automatisierte Musterportfolios, wie man sie leicht im Internet findet, sein. Für verschiedene Anlageziele kann man sich relativ schnell und unkompliziert ein Musterportfolio zusammenstellen.

Es empfiehlt sich aber, das ETF Portfolio unabhängig und selbstständig, also manuell, anzulegen. Alternativ bieten mittlerweile auch einige Bankberater eine ETF Beratung an. Hier könnte aber – wie leider noch viel zu oft – Ihr eigenes Interesse in den Hintergrund treten, da die Bank an Ihnen verdienen möchte. Ein Depot bei einer Online Bank ist vermutlich der beste und einfachste Weg für den Aufbau eines ETF Portfolios.

Vor- und Nachteile eines ETF-Portfolios

Wie bei jeder Anlageklasse gibt es auch bei ETFs Vor- und Nachteile, welche wir im Folgenden kurz darstellen möchten. Ein klarer Vorteil eines ETF-Portfolios stellen die weltweiten Anlagemöglichkeiten in sehr viele unterschiedliche Investmentkategorien dar. Außerdem lässt sich ein Investment mit einem ETF Portfolio wesentlich einfacher diversifizieren als mit Einzelaktien. Zudem sind ETFs kostengünstig. Sie werden – im Gegensatz zu Investmentfonds – passiv gemanagt und deshalb fallen deutlich geringere Verwaltungskosten an (i.d.R. zwischen 0,07 % und 0,5 %) des Portfolios. Noch ein Vorteil ist, dass ETFs an der Börse sehr gut handelbar sind.

Obwohl ETFs gegenüber einer Direktanlage in z.B. in einzelne Aktien als defensiver eingestuft werden, beinhalten ETFs – wie alle Geldanlagen – natürlich auch Risiken. In Finanzkrisen werden auch sie an Wert verlieren, da sie dem Markt folgen. Allerdings sind Anleger im Falle der Insolvenz des ETF Anbieters vor einem Totalverlust geschützt, weil die Fondsanteile Sondervermögen darstellen. Die Risiken eines ETF-Portfolios bestehen vor allem darin, dass die entsprechenden Anlagekategorien und Märkte sich nicht entsprechend der Erwartungen entwickeln. Außerdem können ETFs nicht den Vergleichsindex outperformen, während einzelne Aktien dies manchmal durchaus deutlich tun.

Ausgewogenes ETF-Portfolio auf Aktien

Die weltweit häufigsten ETFs sind solche auf Aktienindizes. Möchten Sie ein solides Verhältnis aus Rendite und Risiko erreichen, können sie beispielsweise eine Aufteilung in die folgenden ETFs auf Aktienindizes wählen:

Wenn Sie sowohl einen ETF auf den MSCI World, als auch einen auf den S&P 500 im Portfolio haben, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie eine starke Gewichtung in US-Aktien haben, da der MSCI World mehr als die Hälfte US-Aktien beinhaltet. Hier sollte gegebenenfalls mit anderen ETFs gegengesteuert werden, um Verluste bei einer Korrektur im US-Markt abzufedern.

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