Profi-tipps zum Geldanlagen

Profi-Tipps zum Geld anlegen – Das sagen Großinvestoren

Valeria Nickel, 06.08.2018

Geld anlegen ist eine Wissenschaft für sich. Für Kleinanleger gibt es unzählige Anlagetipps. Sparbuch, Festgeld, Tagesgeld, Aktien, ETFs – jede Form der Geldanlage hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, die akribisch unter die Lupe genommen werden. Doch welche Strategien verfolgen die Starinvestoren, die ein Vermögen mit ihren Investments verdient haben? Nachfolgend gibt es die bekanntesten Tipps und Weisheiten für ambitionierte Anleger.

Benjamin Graham…

… gilt als Gründervater des „Value Investing“ – einer Anlagestrategie, bei der der Investor nur Wertpapiere von Unternehmen mit einem hohen und gleichzeitig unterbewerteten inneren wirtschaftlichen Wert kauft. Nach Graham muss ein Investor also den wahren Wert eines Wertpapiers ermitteln und es dann wesentlich günstiger kaufen.

Daraus leiten sich mehrere Tipps ab:

Drei Tipps von Benjamin Graham

Tipp 1: Nur wer ausreichend Informationen besitzt, um den „inneren Wert“ realistisch zu beurteilen, sollte investieren. Man muss Aktien als Teile eines Unternehmens sehen, weshalb man das Unternehmen analysieren sollte, nicht das Wertpapier.

Tipp 2: Zu den Fakten, die den Preis für ein Wertpapier rechtfertigen, gehören das Vermögen, der Gewinn, die Dividende und die Zukunftsperspektiven. Eine eindeutige Zahl ist zwar schwer festzulegen, aber man kann die Ertragskraft eines Unternehmens wenigstens grob einschätzen, um beurteilen zu können, ob der innere Wert deutlich über oder unter dem aktuellen Kurs am Aktienmarkt liegt.

Tipp 3: Investieren sollte man nur, wenn man so lange warten kann, bis der Markt den inneren Wert des gekauften Wertpapiers anerkennt. Das kann mitunter Jahre dauern, aber sich eben auch auszahlen.

Warren Buffett…

… ist derzeit der viertreichste Mensch der Welt. Er war ein Student von Ben Graham und so ist auch für ihn der „innere Wert“ am wichtigsten, um Aktien richtig auszuwählen. Buffett hat sich sein Vermögen hart und smart erarbeitet und teilt bei seinen öffentlichen Auftritten einige Tipps zum Geld anlegen mit interessierten Anlegern.

Vier Tipps von Warren Buffett

Tipp 1: Anleger sollten Unternehmen mit hohen Gewinnen und einer hohen Dividendenausschüttung bevorzugen. Ein kluger Anleger investiert nur in Firmen, die „auch ein absoluter Vollidiot“ leiten kann – denn eines Tages könnte genau das passieren.

Tipp 2: „Es ist viel besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem mittelmäßigen Preis zu kaufen, als ein mittelmäßiges Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.“

Tipp 3: Man sollte nur in Unternehmen investieren, deren Geschäft man versteht. Warren Buffett hat deswegen beispielsweise noch nie in Aktien aus der IT- und Internetbranche investiert. Er investiert lieber in langweilig solide Unternehmen, wie etwa in den Weltmarktführer für Ziegelsteine.

Tipp 4: „Wer sich nach den Tipps von Brokern richtet, kann auch seinen Friseur fragen, ob er einen neuen Haarschnitt empfiehlt.“ Broker und Banker sind nach Buffetts Meinung Verkäufer von Finanzprodukten. Er empfiehlt daher das eigenverantwortliche Investieren.

Larry Silverstein…

… ist einer der erfolgreichsten Immobilien Tycoons. Er hat gezeigt, wie viel Geld man durch den Kauf und die Sanierung von günstigen Immobilien machen kann.

Tipp: Den meisten fehlen die erforderlichen finanziellen Mittel, um selbst Eigentümer von Immobilien zu werden und deren Wert durch Sanierungsmaßnahmen zu steigern. Silverstein hatte damals die Kunden seines Vaters, der ein Maklerbüro in einem ärmlichen Bezirk von Manhattan besaß, um Kapital gebeten. Dieses Risiko sollten gewöhnliche Anleger auf keinen Fall eingehen. Dafür können sie auch anders von Immobilien profitieren: Mit dem Aufkommen des Immobilien-Crowdinvestings können viele private Investoren mit jeweils kleinen Beträgen eine große Summe aufbringen, die für die Finanzierung oder Sanierung eines Immobilienprojektes notwendig ist.

Immobilienprojekte für Privatinvestoren

George Soros…

… ist bekannt für sein Gespür für makroökonomische Entwicklungen. Bekannt wurde er, als er im September 1992 auf die Abwertung des britischen Pfund wettete und so 1 Milliarde Dollar gewann.

Tipp: Soros’ Strategie kommt ohne die typischen Statistiken, mathematischen und volks­wirtschaftlichen Kennzahlen aus. Er tritt sozusagen in eine philosophische Diskussion mit den Märkten und zieht sich schnell zurück, wenn ihm die richtigen Argumente fehlen. Der Stil von Soros ist nicht einfach kopierbar und geht mit erhöhten Risiken einher.

Peter Lynch…

… begann seine Karriere als Praktikant bei Fidelity Investments, nachdem er in einem Golfclub als Caddy für den Präsidenten von Fidelity gearbeitet hatte. Lynchs Philosophie ist so einfach wie erfolgreich:

Drei Tipps von Peter Lynch

Tipp 1: Kaufen Sie als Anleger Aktien, die Sie verstehen, bleiben Sie bei diesen Aktien und ernten Sie die Erträge in der Zukunft. Das bedeutet aber, dass Sie sich viel Zeit nehmen müssen, um jede Aktie in Ihrem Portfolio zu verstehen. Deshalb sollten Sie nicht so stark diversifizieren, also kein so breit gestreutes Portfolio besitzen, dass Sie nicht mehr jedes Unternehmen im Portfolio in- und auswendig kennen.

Tipp 2: Reagieren Sie nicht auf kurzfristige Stimmungen des Marktes – auch wenn die Versuchung groß ist. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass Sie es schaffen, kurzfristige Marktbewegungen zeitlich genau abzupassen oder makroökonomische Prognosen für das Timing von Investments einzusetzen.

Tipp 3: Kaufen Sie kleine und mittelgroße Unternehmen, denn diese bieten oftmals die besten Wachstumsaussichten. Seien Sie immer und überall auf der Suche nach solchen vielversprechenden Unternehmen, bevor die Profis davon erfahren. Die Firmen sollten eine Idee für ein Produkt haben, das sich überall vertreiben lässt, finanziell solide und niedrig bewertet sein. Seien Sie außerdem bereit, auch Aktien von Unternehmen zu kaufen, die langweilig sind und unerfreuliche Aufgaben übernehmen.

Carl Icahn…

… war zeitweise als “Sonderberater des Präsidenten für die Regulierungsreform” für Donald Trump tätig bis er im August 2017 aus eigenen Stücken von diesem Posten zurücktrat. Er ist als Corporate Raider – zu deutsch auch Unternehmensplünderer oder „Heuschrecke“ – und für hartes Durchgreifen bei seinen Beteiligungen bekannt. Finanzinvestoren wie Icahn erwerben Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen und veräußern sie anschließend mit Gewinn weiter oder zerschlagen sie. Während ein Value-Investor wie Warren Buffett die operative Arbeit in den Unternehmen, in die er investiert, voll und ganz dem Management überlässt, mischt sich Icahn allzu gerne ein.

Tipp: Icahn verfolgt eine aktive, keine passive Anlagestrategie. Er sagte, dass er bei fast jedem Unternehmen 30 % einsparen könne, weil „es so viel Verschwendung und Missmanagement gibt“. Natürlich haben die wenigsten Privatinvestoren einen solchen Einfluss durch ihre Investments. Aber es gibt sicherlich Einsparpotenziale, die ein Privatinvestor angehen kann, um anschließend mehr investieren zu können.

Jim Rogers…

… ist nicht nur Hedgefondsmanager, sondern auch Schriftsteller. Er machte mehrere Weltreisen und schrieb darüber. Im Investmentbereich ist er bekannt für seine Affinität zu Rohstoffen.

Der Preis eines Rohstoffes wird nie auf Null fallen. Wenn man in Rohstoff-Futures investiert, kauft man nicht nur ein Stück Papier, dass einem das Eigentum an einem ungreifbaren Teil eines Unternehmens, das bankrott gehen kann, verbrieft.

Jim Rogers

Richard Dennis…

… hat in einem Experiment den Versuch gestartet, Menschen mit keinem oder sehr geringem Börsenwissen innerhalb weniger Jahre zu exzellenten Tradern auszubilden. Er lehrte sie Trading-Methoden und ließ sie dann mit jeweils rund 1 Mio. Dollar an der Börse unterschiedliche Geldanlagen handeln. In den folgenden vier Jahren erwirtschaftete das 13-köpfige Team im Schnitt rund 80 % Gewinn pro Jahr, also insgesamt mehr als 100 Millionen Dollar. Die Schüler durften 15 % des Gewinns behalten, den Rest erhielt Dennis.

Tipp: Dennis’ Experiment bewies, dass Trading kein gottgegebenes Talent ist, sondern erlernt werden kann. Wichtig hierfür waren einerseits das einfache und gut verständliche Regelwerk für die Schüler und andererseits die strikte Einhaltung der festgelegten Rahmenbedingungen. Aber Vorsicht: Studien zeigen, dass rund 95 % aller Trader auf Dauer verlieren statt gewinnen. Daytrading ist komplex und muss erlernt werden.

Gerd Kommer…

… erhielt im Jahr 2016 den Deutschen Finanzbuchpreis für sein Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“. Er argumentiert, dass Anleger wissenschaftlich gesehen den Markt langfristig nicht schlagen können und deshalb eine passive ETF-Strategie am erfolgversprechendsten ist. Der Nachteil daran? Viele Anleger können das schlichte Nichtstun nicht aushalten – einerseits, weil man bei schwankenden Märkten einen Handlungsdrang verspürt, andererseits, weil Vermögensanlage von vielen auch als spannendes Hobby gesehen wird, bei dem man mit seinen Erfolgen angeben kann.

Tipp: Laut Kommer ist Indexing für jeden geeignet, weil es die einfachste und die ertragreichste Anlagestrategie ist. Ein Anleger kommt bereits mit drei Exchange Traded Funds aus: Einem auf den MSCI World, einem auf den MSCI Emerging Markets und einem Renten-ETF.

Nicolas Darvas…

… war nicht nur Investor, sondern auch Tänzer, und hat die sogenannte Box-Theory entwickelt. Er beobachtete, dass sich die Aktienkurse, bevor sie steigen, in einer gewissen „Kräftesammel-Phase“ auf- und abbewegen; kaum eine Aktie schießt ungebremst wie eine Rakete nach oben. Dies nutzte Darvas, um „Boxen“ zu kreieren: Wenn eine Aktie an drei aufeinanderfolgenden Tagen kein neues Hoch markiert, wird dieses zurückliegende Hoch zur oberen Begrenzung der Box. Den Boden der Box bestimmt der niedrigste Kurs, auf den die Aktie bisher nachgegeben hat. Eine Anlage ist erfolgreich, wenn sich die Boxen in einer Diagonalen übereinander stapeln, also die Kurse immer wieder aus der oberen Begrenzung ausbrechen und eine neue Box formieren.

Vier Tipps von Nicolas Darvas

Tipp 1: Der einzige befriedigende Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, dass sie steigt. Eine Aktie, die nicht steigt, muss man nicht im Depot halten.

Tipp 2: Man sollte Aktien mit Höchstkursen bevorzugen. Denn hat eine Aktie erst einmal eine stabile Tendenz ausgebildet, bleibt diese Tendenz meist über einen längeren Zeitraum erhalten.

Tipp 3: Man sollte nur Wertpapiere kaufen, die an der Börse große Umsatzzahlen erreichen. Denn nur liquide Aktien, die rege gehandelt werden, erzielen auf Dauer gerechte und gute Preise.

Tipp 4: Man muss konsequent verkaufen. Dafür hat man die untere Box-Begrenzung, die den unweigerlichen Verkaufspunkt markiert. Darvas war der Meinung, dass ein Anlage, die einen gewissen Kurswert unterschreitet, in der nächsten Zeit keine größeren Gewinne verzeichnen kann. Auch alle Aktien, die innerhalb von 4 Wochen nicht ansteigen, sind als Verlust zu bewerten und zu verkaufen, auch wenn das geringe Verluste bedeutete. Darvas meinte, dass das Kapital diese Verluste durch neue, sinnvollere Investitionen problemlos auffangen konnte. Er nutzte Stop-Loss-Aufträge, durch die Aktien automatisch abgestoßen werden, um seine Verluste zu begrenzen.

Diese Theorie widerspricht allerdings einer der bekanntesten Börsenweisheit: „Hin und her macht die Taschen leer“. Für Privatanleger mit wenig Zeit für die Investitionsplanung eignet sich beispielsweise ein passiver Buy and Hold Ansatz à la Warren Buffett oder Gerd Kommer. Auch kommen Immobilien-Crowdinvestments in Betracht, da hier bereits mit kleinen Beträgen investiert werden kann und die Rendite vergleichsweise hoch ist.

Immobilienprojekte für Privatinvestoren

Bild-Copyright: Imagine Photographer / Shutterstock

Besucherbewertung
Gesamt 3, Durchschnitt 3.3