Von Mauritius Kloft – aktualisiert am 18.08.2023
Überprüft von Dr. Sabine Theadora Ruh
Für viele Menschen ist der Ruhestand der mitunter erstrebenswerteste Teil des Berufslebens – auch wenn
man das womöglich
nicht offen zugibt. So hat man als Rentnerin oder Rentner endlich Zeit, große Urlaubsreisen zu unternehmen, mit den
Enkelkindern zu spielen oder schlicht im Garten zu arbeiten. Nicht verwunderlich also, dass das gesetzliche und
das
tatsächliche Rentenalter in Deutschland auseinanderdriften – die Menschen wollen möglichst frühzeitig in
Rente gehen.
Im Jahr 2021 waren Frauen im Durchschnitt mit 64,2 Jahren in Rente, Männer im Alter von im Schnitt 64,1 Jahren[1]. Die
gesetzliche Altersgrenze lag indes bei rund 65 Jahren, je nach Geburtsjahr. Klar ist schon jetzt: Das
Renteneintrittsalter wird in den kommenden Jahren steigen, auch weil die Lebenserwartung steigt.
In diesem Artikel erfahren Sie, wann Sie regulär in Rente gehen können, welche Möglichkeiten es gibt, vor der
gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand einzutreten und was Sie in diesem Fall beachten sollten.
Wie viel früher kann ich in Rente gehen?
Erfahren Sie es hier
Kommt die Zahlung automatisch? Was Sie bei der Rente beachten sollten
Wann Sie eine sogenannte Regelaltersrente der Deutschen Rentenversicherung erhalten, hängt maßgeblich
von Ihrem Geburtsjahrgang und der Anzahl Ihrer Beitragsjahre ab. Denn in Deutschland
gilt eine Regelaltersgrenze, die vom Geburtsjahr bestimmt wird: So können Menschen, die vor 1947
geboren sind, mit 65 Jahren in Rente gehen, ohne Rentenabschläge in Kauf zu nehmen[2].
Diese Regelaltersgrenze steigt seit 2012 stufenweise an: von 65 auf 67 Jahre. Alle Versicherten
ab dem Jahrgang 1964 können nach 2029 erst mit einem
Alter von 67 Jahren in Rente gehen.
Tabelle: Diese Regelaltersgrenzen gelten bei der Rente
Welche Regelaltersgrenzen für Sie gelten, können Sie in folgender Tabelle ablesen:
Geburtsjahr |
Renteneintrittsalter |
---|---|
vor 1947 | 65 Jahre |
1947 | 65 Jahre + 1 Monat |
1948 | 65 Jahre + 2 Monate |
1949 | 65 Jahre + 3 Monate |
1950 | 65 Jahre + 4 Monate |
1951 | 65 Jahre + 5 Monate |
1952 | 65 Jahre + 6 Monate |
1953 | 65 Jahre + 7 Monate |
1954 | 65 Jahre + 8 Monate |
1955 | 65 Jahre + 9 Monate |
1956 | 65 Jahre + 10 Monate |
1957 | 65 Jahre + 11 Monate |
1958 | 66 Jahre |
1959 | 66 Jahre + 2 Monate |
1960 | 66 Jahre + 4 Monate |
1961 | 66 Jahre + 6 Monate |
1962 | 66 Jahre + 8 Monate |
1963 | 66 Jahre + 10 Monate |
ab 1964 | 67 Jahre |
Abgesehen vom Geburtsdatum sind auch die Beitragsjahre entscheidend: Denn mit einer langen Versicherungszeit können Sie
auch vorzeitig in Altersrente gehen.
Ja, ein früherer Renteneintritt ist grundsätzlich möglich – allerdings nur unter zwei Voraussetzungen:
Um die Mindestversicherungszeit von 35 Jahren zu erreichen, müssen Sie nicht 35 Jahre lang
Pflichtbeiträge gezahlt haben. Sie können auch freiwillige Beiträge an die Rentenversicherung
entrichtet haben. Ebenso zählen auch Kindererziehungszeiten, Phasen, in denen Sie Angehörige privat
gepflegt
haben sowie sogenannte Anrechnungszeiten. Das sind Zeiten, in denen Sie aus persönlichen Gründen keine
Beiträge zur
Rentenversicherung zahlen
konnten, etwa wegen einer Schulausbildung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit.
Es lohnt sich also, regelmäßig Ihre Renteninformation zu überprüfen, ob
diese Zeiten dort aufgeführt werden. So können Sie eine Mindestversicherungszeit womöglich etwas früher erreichen.
Beispiel |
---|
Nehmen wir an, Ihr regulärer Rentenzugang wäre im August 2025. Die Mindestversicherungszeit von 35 Jahren haben Sie erfüllt, die Höhe Ihrer Altersrente liegt bei 1.200 € im Monat. Da Sie aber bereits im Januar 2025 und somit sieben Monate vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen möchten, wird Ihnen ein Abschlag von 2,1 % berechnet. Ihre Rente fällt also um 25,20 € geringer aus, und das jeden Monat bis zu Ihrem Tod. Überlegen Sie sich also gut, ob es wirklich Sinn ergibt, vor dem Renteneintrittsalter in den |
Keine Regel ohne Ausnahmen: Sollten Sie besonders lange gearbeitet und Beiträge in die Rentenkasse gezahlt haben, können
Sie auch ohne Abschläge vor dem Renteneintrittsalter in Altersrente gehen.
Wenn Sie mindestens 45 Jahre rentenversichert gewesen sind, können Sie ohne Abzüge vor der
Regelaltersgrenze in Rente gehen, also eine Frührente beziehen. Diese sogenannte Rente für
besonders langjährig Versicherte[5] ist für gewöhnlich als „Rente mit 63“ bekannt.
Allein: Die wirkliche „Rente mit 63“ gibt es nicht mehr. Denn auch hier steigen die
Altersgrenzen schrittweise an, die eigentliche „Rente mit 63“ gab es nur für die Jahrgänge vor 1953. Bis zum Jahrgang
1964 hebt die Regierung das Zugangsalter an. Entsprechend können alle Jahrgänge ab 1964 erst ab dem Alter von
65 Jahren in Rente gehen, sofern sie mindestens 45 Beitragsjahre aufweisen.
Tabelle: Anhebung des Eintrittsalters bei der „Rente mit 63“
Geburtsjahr |
Renteneintrittsalter |
---|---|
1953 | 63 Jahre + 2 Monate |
1954 | 63 Jahre + 4 Monate |
1955 | 63 Jahre + 6 Monate |
1956 | 63 Jahre + 8 Monate |
1957 | 63 Jahre + 10 Monate |
1958 | 64 Jahre |
1959 | 64 Jahre + 2 Monate |
1960 | 64 Jahre + 4 Monate |
1961 | 64 Jahre + 6 Monate |
1962 | 64 Jahre + 8 Monate |
1963 | 64 Jahre + 10 Monate |
1964 | 65 Jahre |
Diese Zeiten zählen für die „Rente mit 63“
Neben Pflichtbeiträgen aus einer angestellten Beschäftigung oder einer selbstständigen Tätigkeit zählen bei der Rente
für besonders langjährig Versicherte auch Beiträge aus Minijobs, die sowohl vom Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer
gezahlt worden sind.
Auch Zeiten, in denen Sie Wehr- oder Zivildienst absolviert haben oder Kindererziehungszeiten, zählen. Informieren Sie
sich am besten direkt bei der Deutschen Rentenversicherung, sollten Sie noch Rückfragen zu den Regeln haben.
Nein, die Deutsche Rentenversicherung überweist Ihre Rentenzahlungen nicht automatisch auf Ihr Konto,
sobald Sie das Rentenalter erreicht haben. Was viele nicht wissen: Um tatsächlich eine Rente zu erhalten, müssen Sie
einen Antrag bei Ihrem Rentenversicherungsträger stellen.
Die Rentenversicherung empfiehlt, das etwa drei Monate vor Ihrem geplanten Rentenbeginn zu machen. Am einfachsten
funktioniert es online, den Rentenantrag finden Sie auf der Homepage der Rentenversicherung . Vor Ihrem Renteneintritt sollten Sie unbedingt prüfen,
ob die Rentenversicherung sämtliche Beitragszeiten erfasst hat.
Nach Ihrem Rentenantrag stellt die Versicherung einen sogenannten Rentenbescheid aus. Hier finden
Sie nochmals Ihren gesamten Versicherungsverlauf und Ihre Rentenhöhe aufgeführt. Den Rentenbescheid sollten Sie gut
durchsehen. Binnen eines Monats können Sie noch Einspruch einlegen, sollte der Rentenbescheid falsch sein.
Davon ist auszugehen, ja. Denn durch den demografischen Wandel steht die gesetzliche Rentenversicherung
in wenigen Jahren vor einem Finanzierungsproblem. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Bundesregierung an den drei
Stellschrauben Renteneintrittsalter, Rentenhöhe und Rentenbeiträge dreht – auch um die Bundeszuschüsse aus Steuermitteln
zur Rentenkasse nicht noch weiter steigen zu lassen[6].
Die aktuelle Ampelkoalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) setzt auf einen freiwillig späteren Renteneintritt und
will dafür die Flexi-Rente bekannter und attraktiver machen. So entfiel die Hinzuverdienstgrenze seit
2023
komplett – entsprechend können Sie als Rentner Geld dazuverdienen. Auch eine Aktienrente will der Bund
etablieren. Mehr dazu lesen Sie hier.
Ja, das geht. Analog zu einem Rentenbezug vor dem Renteneintrittsalter ist auch ein späterer Rentenbeginn möglich.
Für jeden Monat, den Sie über das Renteneintrittsalter hinaus arbeiten und rentenversichert sind, erhalten Sie einen
Zuschlag von 0,5 % von der Rentenversicherung. Auf ein Jahr gerechnet macht dies bereits einen
Zuschlag von 6 % aus – zusätzlich zu den Beiträgen, die Sie in der Zeit noch einzahlen.
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Quellenangaben