ETFs

Exchange Traded Funds (ETFs) als Geldanlage

Annette de los Santos, 12.03.2018

Seit dem Jahr 2000 können Anleger an der Frankfurter Börse ETFs handeln. In den letzten 10 Jahren wurden ETFs zunehmend auch von Privatanlegern gekauft. Insgesamt ist das Volumen des verwalteten Vermögens (asset under management) in Deutschland von 2002 bis Ende 2015 von 5 Mrd. € auf 511 Mrd. € gestiegen. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über Konzept und Funktionsweise von ETFs.

Was sind ETFs?

Der Begriff Exchange Traded Funds bedeutet wörtlich übersetzt börsengehandelter Fonds. Das heißt, ETFs werden über die Börse gehandelt und nicht wie andere Fonds über die Investmentgesellschaft. Im deutschen Sprachgebrauch hat sich auch der Begriff Indexfonds etabliert.

Wie normale Investmentfondsanteile verbriefen ETFs den anteiligen Besitz am Sondervermögen, das getrennt vom Vermögen der Investmentgesellschaft geführt wird und daher im Falle der Insolvenz der Fondgesellschaft nicht in deren Insolvenzmasse fällt. Der Anleger ist insoweit vor dem Emittentenrisiko geschützt.

Allerdings kann die Investmentgesellschaft durch Verleih der Wertpapiere des Sondervermögens an andere Kapitalmarktteilnehmer zusätzliche Erträge durch Leihgebühren erwirtschaften. Das Anlegerrisiko ist allerdings gering, da die Geschäfte in der Regel täglich ausgeglichen werden und zudem durch Staatsanleihen besichert sind.

Die Anlagestrategie ist in der Regel passiv, der ETF wird also nicht aktiv durch die Einschätzungen von Fondsmanagern gesteuert. Vielmehr wird versucht, die Wertentwicklung anhand einer vorab definierten Benchmark, d.h. eines Finanzindizes wie zum Beispiel dem DAX abzubilden (Indexfonds). Die Performance des ETF soll sich damit immer parallel zum zugrunde liegenden Index entwickeln.

Arten von ETFs

ETFs können sich auf alle Anlageklassen beziehen, wie Aktien, Rohstoffe, Währungen oder Immobilien. Neben marktbreiten Indizes wie zum Beispiel dem S&P 500 ETF oder dem MSCI World ETF gibt es auch branchen- und regionalorientierte ETF (z.B. Emerging Markets ETF).

Des Weiteren gibt es auch ETFs auf „Strategieindizes”. Diese können sich beispielsweise auf Spezialwerte, wie die Dividendenrendite, spezielle Marktsegmentindizes (z.B. World Luxury Index) oder bestimmte Handelsstrategien (z.B. Optionsstrategien, gehebelte Positionen) beziehen.

Warum kaufen Anleger ETFs?

Gegenüber Investmentfonds sind ETFs für den Anleger bedeutend kostengünstiger, weil die laufenden Kosten für ein aktives Fondsmanagement entfallen. Auch der Ausgabeaufschlag beträgt nur bis zu 0,25 %, gegenüber bis zu 5 % bei aktiven Investmentfonds. Bei Investmentfonds ist die Fondsgesellschaft mit bis zu 20 % der Jahresrendite am Gewinn beteiligt, beim Indexfonds entfällt diese Gewinnbeteiligung.

Kosten und Nettoanlagevermögen von ETFs sind über die Total Expense Ratio (TER) im Wertpapierprospekt und die tägliche Zusammensetzung des Nettoanlagevermögens transparent.

Aktive Investmentfonds haben das Ziel, besser als der Markt abzuschneiden. Statistische Untersuchungen haben aber ergeben, dass dies nur in den seltensten Fällen gelingt. Bei Einbeziehung der o.g. Kosten wird die Performance weiter reduziert. ETF laufen, wie bereits erwähnt, parallel zu der entsprechenden Marktperformance. Sie versuchen also nicht den Markt zu schlagen, sondern folgen ihm vielmehr.

Gegenüber Einzelaktien und Investmentfonds bieten ETFs auch den Vorteil, dass entsprechend der Anlagestrategie (z.B. in bestimmte Märkte oder Branchen zu investieren) ein kostengünstiges und weitgehend transparentes Anlageprodukt zur Verfügung steht, um diversifiziert zu investieren. Wegen der Streuung erscheint es für den Anleger weniger risikoreich in einen Indexfonds als in Einzelaktien zu investieren.

Wo Sie ETF kaufen können

Wenn Sie ein Depot bei einer Direktbank beziehungsweise einem Onlinebroker eröffnen, können Sie meist ohne Depotgebühren und für geringe Transaktionskosten ETFs kaufen und wieder verkaufen, da der tägliche Handel über die Börse möglich ist. Die besten Konditionen für Ihre Bedürfnisse können Sie über diverse Broker-Vergleich-Seiten im Internet finden.

Tipp: Achten Sie bei der Brokerwahl nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Auswahl an ETFs und das Sparplanangebot.

ETF Varianten

Wie bei Investmentfonds unterscheidet man zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs. Darüber hinaus wird zwischen physischen und synthetischen ETFs unterschieden. Hierbei geht es um die Abbildungsart, also einfach ausgedrückt was tatsächlich hinter dem ETF steht.

Physische bzw. physisch replizierende ETFs

Bei der Full-Replication-Methode werden sämtliche Bestandteile des Index mit ihrer entsprechenden Gewichtung im Sondervermögen gehalten. Hierdurch ist der sogenannte Tracking Error (Abweichung vom Vergleichsindex) sehr gering. Allerdings stößt die Methode bei den zumeist großen Indizes wie z.B. dem S&P 500 Aktienindex auf praktische Grenzen und die Transaktionskosten für 500 Aktien wären sehr hoch.

Daher arbeiten die ETFs in der Regel mit Samplingmethoden, indem Sie eine Teilmenge für das Sondervermögen erwerben, meist Werte mit den höchsten Gewicht und der höchsten Liquidität.

Beim sogenannten optimized sampling hält der ETF nahezu alle Aktien, die im Vergleichsindex (Originalindex) vertreten sind. Zur Erzielung zusätzlicher Einnahmen werden die entsprechenden Wertpapiere meist am Kapitalmarkt gegen Besicherung und bei täglichem Ausgleich verliehen.

Synthetische ETFs

Hierbei lässt sich der ETF-Anbieter die Indexentwicklung über einen Tausch (Swap) mit einer Bank zusichern. Er selbst hält ein ETF Portfolio mit Aktien großer Unternehmen. ETF Anbieter und Bank gleichen sich entstehende Differenzen in der Wertentwicklung regelmäßig aus. Durch die Tauschgeschäfte können ETF-Anbieter die Entwicklung des Index kostengünstiger nachbilden. Die Tauschgeschäfte sind meist durch Staatsanleihen besichert, die im Falle der Insolvenz der Bank zusammen mit dem Trägerportfolio des ETF-Anbieters liquidiert werden.

Von Privatanlegern werden physisch replizierende ETFs in der Regel bevorzugt, weil sie risikoärmer erscheinen als synthetische ETFs. Experten sehen dieses Risiko nicht. Ein Verlust der Anleger könnte allerdings dadurch entstehen, dass die Bank bereits einige Zeit vor der Insolvenz versäumt hat, die Höhe der Sicherheiten anzupassen.

Thesaurierende ETFs

Hier werden die erzielten Dividenden aus Aktien des Indexfonds zur Wiederanlage verwendet und nicht an den Anteilsinhaber ausgeschüttet. Bis zum 31.12.2017 bot sich Anlegern hier ein steuerlicher Vorteil, den die Abgeltungssteuer wurde erst bei der Ausschüttung der Gewinne abgeführt. So konnten Gewinne unversteuert reinvestiert werden. Am 01.01.2018 trat jedoch eine Reform des Investmentsteuergesetzes in Kraft, die die Besteuerung verschiedener Fonds- und ETF-Typen vereinheitlicht und sie durch eine pauschale Wertsteigerung besteuert (Vorabpauschale).

Ausschüttende ETFs

Hier werden Dividenden an die ETF Anleger ausgeschüttet und eine Wertsteigerung der Anteile kann nur durch Kursgewinne entstehen. Die ggf. anfallende Abgeltungssteuer kann aus den Dividendenzahlungen beglichen werden. Gewinne bis zu 800 € sind in Deutschland aber in der Regel steuerfrei.

Welche Voraussetzungen müssen Sie beachten, wenn Sie ETFs kaufen möchten?

Bevor Sie sich für eine Geldanlage in ETFs entscheiden, müssen Sie zumindest 3 Fragen klären:

  1. Welchen Markt soll der ETF abbilden?
  2. Soll der ETF jährlich Dividenden ausschütten oder soll er diese zur Wertsteigerung thesaurieren?
  3. Soll der ETF die Original-Indexaktien halten oder synthetisch sein?

Je nachdem, welchen Markt Sie am besten einschätzen können und wie breit Sie streuen möchten, können Sie sich beispielsweise einen Indexfonds auf den Dax, den Eurostoxx 50 oder den MSCI World-Index kaufen. Verfügen Sie über Detailkenntnisse in Subsegmenten oder Branchen, werden Sie ggf. einen entsprechend spezialisierten ETF wählen. Für den ETF Einsteiger bietet es sich an, einen der größeren und breiter gestreuten ETF mit hohem Volumen zu wählen, der sich entsprechend leicht handeln lässt.

Die Entscheidung, ob Sie in einen ausschüttenden oder thesaurierenden ETF investieren, hängt von Ihrer individuellen Vermögens- und Liquiditätsplanung ab. Die sofortige Auszahlung von Dividenden bei ausschüttenden ETFs ist sinnvoll, wenn Sie Liquidität aufbauen möchten. Bedenken Sie dabei jedoch, dass die Ausschüttung von Dividendenzahlungen immer von der Performance der einzelnen Titel des ETFs zum gegebenen Zeitpunkt abhängig ist.

Bei thesaurierenden ETFs erhalten Sie die Ausschüttungen erst zu einem späteren Zeitpunkt, dafür können Sie vom Zinseszins-Effekt der reinvestierten Dividenden profitieren. Ein thesaurierender ETF kann Zeit und Geld sparen, vorausgesetzt Sie möchten den Gewinn aus den Dividendenausschüttungen ohnehin reinvestieren.

Kritik an ETFs

Da ETFs zunehmend an Bedeutung gewonnen haben, mehren sich auch Kritikpunkte:

Aufgrund ihrer Marktmacht können ETFs einen Abschwung verstärken. Wenn viele Anleger im Zuge eines Abschwungs Anteile verkaufen, müssen ETF-Anbieter bestehende Anteile möglicherweise liquidieren und Aktien verkaufen. Dies gilt allerdings für aktiv gemanagte Investmentfonds ebenso.

ETFs haben zu wenig Liquidität, so dass ihre Anteilseigner in der Abschwungphase nicht ausgezahlt werden können. ETF-Anbieter halten zwar meist weniger Liquidität als aktiv gemanagte Fonds. Allerdings besteht dieses Risiko letztlich nur, wenn der ETF illiquide Nischenmärkte abbildet, weil die ETF-Anbieter die entsprechenden Aktien nicht bzw. nicht schnell genug loswerden. Bei ETFs auf die großen Aktienmärkte der Welt ist dieses Risiko jedoch nicht zu befürchten. Deshalb sollten diese von ETF-Einsteigern bevorzugt werden.

Währungskursrisiken bei ETFs auf den MSCI World, weil diese auf US$ lauten. Dieses Risiko besteht, wenn der Eurokurs gegenüber dem Anschaffungszeitpunkt sinkt. Dies kann tatsächlich kurzfristig zu Währungskursverlusten führen, die womöglich nicht hinreichend durch Wertsteigerungen abgedeckt sind.

Risiken von ETFs

Während das Emittentenrisiko bei ETFs aufgrund der Zugehörigkeit zum Sondervermögen nicht gegeben ist, bestehen (unspezifische) Marktpreisrisiken, die je nach Anlageklasse z.B. Aktienkurse, Rohstoffpreise, Zinsänderungsrisiken betreffen. Hinzu können bei spezialisierten ETFs noch spezifische Marktpreisrisiken wie z.B. Länderrisiken, Branchenrisiken kommen.

Fazit

Für den Einsteiger sind ETFs ein kostengünstiges und einfach zu handhabendes Anlageinstrument. Zudem kann in verschiedene Märkte, Regionen und Branchen mit relativ geringen Mitteln diversifiziert werden. Wie bei Einzelwerten bestehen für den Anleger jedoch auch bei ETFs Verlustrisiken durch Kursschwankungen. Deshalb sollten auch für die Geldanlage in ETF nur Mittel verwendet werden, die kurz-bis mittelfristig nicht benötigt werden.

Bild-Copyright: yanugkelid / Shutterstock.com

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