Value-Aktien – Investieren in unterbewertete Unternehmen

Artikel von Annette de los Santos; aktualisiert am 19.04.2022

Value-Aktien werden die Aktien genannt, die
nach der Value-Strategie ausgewählt werden („Stock-Picking“). Mit Value ist der deutsche Begriff
„Wert“ gemeint. Der Value-Ansatz wurde von dem US-amerikanischen Wissenschaftler und Fondsmanager Benjamin
Graham
entwickelt und in dessen 1949 erschienenen Buch „The Intelligent Investor“ beschrieben. Der
Graham-Schüler und Börsen-Guru Warren Buffett schwört noch heute auf die Value-Investing-Strategie, die ihn zu einem
der reichsten Menschen der Welt machte. Dennoch ist die Zahl ihrer Anhänger überschaubar.

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Was ist Value Investing?

Die Grundidee ist, sich bei der Aktienauswahl mehr auf die Qualität des Unternehmens zu
konzentrieren als auf allgemeine Börsentendenzen. Gesucht wird nach Unternehmen, deren Börsenwert deutlich unter
ihrem Buchwert liegt. Value-Investoren schwimmen daher oft gegen den Strom und kaufen, wenn die anderen gerade
panisch verkaufen. Denn während die Börsenkurse teils stark schwanken, bleibt der innere Wert eines Unternehmens
meist relativ stabil. Die Devise beim Value Investing lautet: Hohe Qualität zum günstigen Preis einkaufen.

Diese Devise setzt voraus, dass die Märkte zumindest temporär ineffizient sind, die Börsenkurse entsprechender
Unternehmen also zeitweise unter dem tatsächlichen Buchwert liegen. Wichtig ist hierbei, dass der Kursverlust eines
Unternehmens keiner umfangreichen Prüfung standhält, also „unbegründet“ und damit lediglich auf die allgemeine
Stimmung am Markt zurückzuführen ist. Dann ist es vermutlich Zeit zuzuschlagen! Sinkt der Aktienkurs eines
Unternehmens hingegen begründet (z.B. durch einen erneuten Gewinneinbruch), so ist dies vermutlich kein guter
Zeitpunkt zum Kauf.

Value-Investoren schauen also nicht primär auf den Aktienkurs, sondern ermitteln den inneren Wert des
Unternehmens
. Ein Blick in die Geschäftsberichte ist daher unerlässlich. Es gilt eine Reihe an
Kennzahlen zu prüfen und auf deren Grundlage einen „fairen Wert“ zu definieren. Liegt der Börsenwert dann unter den
fairen Wert ist das Unternehmen unterbewertet und ein Kauf erscheint sinnvoll. Hierbei sollte aber immer eine
gewisse Sicherheitsmarge (margin of safety) berücksichtigt werden.

Wie erkennt man Value-Aktien?

Bei Value-Aktien zeichnen sich die dahinterstehenden Unternehmen grundsätzlich durch ein leicht
verständliches und bewährtes Geschäftsmodell aus. Darüber hinaus sind bei Value-Aktien u.a.
folgende Charakteristika der Unternehmen zu erkennen:

  • kompetentes Management
  • starke Marktposition (Wettbewerbsvorteile)
  • solide Finanzierung / Finanzierungsstruktur
  • überdurchschnittliche Profitabilität und Gewinnwachstum

Der innere Wert der Unternehmen setzt sich aus dem Wert ihrer Vermögensgegenstände, dem Wert ihrer Ertragskraft und
dem Wert des zukünftigen Wachstums zusammen. Verglichen mit ähnlichen Unternehmen erscheinen sie von der Börse
unterbewertet.

Aber nicht alle Aktien, deren Kurswert unter dem Buchwert liegt, sind Schnäppchen. Besonders bei drastisch
gesunkenen Kursen ist Vorsicht geboten. In die Betrachtung muss daher immer die Gesamtsituation des
Unternehmens einbezogen werden. Eine Auswahl der zu betrachtenden Kennzahlen finden Sie in der folgenden
Übersicht.

Auswahl wichtiger Kennzahlen für unterbewertete Aktien

Kennzahl Richtwert Formel Erläuterung

Kurs-Buch-


Verhältnis


(KBV)
< 1 aktueller
Aktienkurs
/ Eigenkapital je Aktie

Börsenkurs pro Aktie


< Buchwert pro Aktie

Kurs-Gewinn-


Verhältnis


(KGV)
< 10 aktueller
Aktienkurs
/ Gewinn je Aktie

Aktienkurs nicht mehr als


10-faches vom Gewinn

Kurs-Cash-Flow-


Verhältnis


(KCV)
< 4 aktueller
Aktienkurs
/ Cash-Flow je Aktie

Aktienkurs nicht mehr als


4-faches vom Gewinn

Gewinn-


wachstum
> 10 % (Jahresgewinn
– Vorjahresgewinn) × 100
/ Vorjahresgewinn

Gewinnwachstum muss


nachhaltig sein
EK-Quote > 25 % Eigenkapital
/ Gesamtkapital

Anteil des Eigenkapitals


an der Bilanzsumme
EK-Rendite > 12 % Gewinn
× 100
/ Eigenkapital

Gewinn/Eigenkapital


muss nachhaltig sein

Dividenden-


rendite
> 4 % Dividende
je Aktie × 100
/ Aktienkurs

Nachhaltig aus dem


Ertrag gezahlt

Wie findet man Value-Aktien?

Wie beim Perlenfischen ist das der schwierigste Part. Er setzt ein hohes wirtschaftliches
Verständnis
und eine detaillierte Unternehmensanalyse voraus. Darüber hinaus sollte
der Anleger die Suche auf Unternehmen beschränken, deren Geschäft er versteht. Anhaltspunkte für
unterbewertete Aktien sind:

  • Quartalsergebnisse sind schlechter als erwartet
  • Fallende Märkte und Korrekturphasen
  • Schlechte Nachrichten, die den Kurs reflexartig nach unten treiben
  • Zyklische Einflüsse, d.h. Wirtschaftszweige die gerade unbeliebt sind (z.B. Baubranche)

Auch Unternehmen, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein marktgerechtes Angebot haben, wie z.B. der
amerikanische Einzelhändler Wal-Mart, der in Krisenzeiten von seinen günstigen Verkaufspreisen besonders profitiert
und aufgrund seiner Stärke und Größe einen deutlichen Wettbewerbsvorteil hat, können interessante Value-Titel sein.

Value-Investoren sind langfristig orientiert. Sie finden die geeigneten Unternehmen lange bevor der Markt diese
entdeckt. Wenn Sie in Value-Aktien investieren möchten, brauchen Sie deshalb vor allem Geduld. Der
Anlagehorizont sollte auf mindestens 3 bis 5 Jahre ausgerichtet sein.

Tipp: Nach Warren Buffett sollte man hervorragende Unternehmen finden und beobachten, dann zu einem
günstigen Zeitpunkt kaufen und erst in 5 bis 10 Jahren wieder im Depot nach dem Wert des Investments schauen.

Value-Aktien, die Warren Buffett im Portfolio hat

Warren Buffett investiert mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway seit Jahrzehnten in hervorragende
Unternehmen, die seiner Meinung nach zum Zeitpunkt des Kaufs unterbewertet sind. In den Top 10 des Berkshire
Hathaway Portfolio
(gemessen am Wert aller Anteile in US$ am 06.01.2021) befinden sich folgende Aktien:


Unternehmen

Branche


Anteil am




Portfolio

Apple Inc.
Hard- und


Softwareentwicklung
47,40 %

Bank of


America Corp.
Bank 11,72 %
Coca Cola Co. Getränkeindustrie 7,83 %

American


Express


Company
Finanzdienstleistungen 6,75 %

Kraft


Heinz Co.
Lebensmittel 4,10 %

Moody’s


Corporation
Finanzdienstleistungen 2,63 %
U.S. Bancorp Finanzdienstleistungen 2,60 %
DaVita Inc. Medizintechnik 1,58 %

Wells Fargo


& Co.
Bank 1,46 %

General Motors


Company
Bank 1,25 %

Sonstige


Beteiligungen
Diverse Branchen 12,69 %
Quelle: CNBC , Stand:
06.01.2021.

Tipp: Berkshire Hathaway ist ein Aktienunternehmen und hat neben der A-Aktie, die bei einem
Kurs von rund 274.000,00 € notiert (Stand 06.01.2021), auch eine B-Aktie, die bei einem Kurs von rund
185,70 € notiert (Stand 06.01.2021). Investiert man in diese Aktie, so partizipiert man an der
Entwicklung des von Warren Buffett erstellten und diversifizierten Portfolios.

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