Gold als Geldanlage – Anlagemöglichkeiten, Vor- und Nachteile

Annette de los Santos, 18.07.2017

In Zeiten politischer Instabilitäten und Unruhen und angesichts zum Teil starker und schwer vorhersehbarer Schwankungen an den weltweiten Finanzmärkten wird immer wieder die Frage laut, ob und inwieweit Gold als Geldanlage sinnvoll ist.

Gold ist der einzige durch nichts substituierbare Rohstoff. Darüber hinaus ist physisches Gold, insbesondere in Form von Münzen transportabel und im Notfall als Zahlungsmittel geeignet. Neben der Funktion von physischem Gold als Werterhalt, Inflationsschutz und im schlimmsten Falle sogar als Krisenwährung gibt es vielfältige, weitere Möglichkeiten, „in Gold” im weitesten Sinne zu investieren, ggf. auch zu Spekulationszwecken.

Deutsche favorisieren Geldanlagen in Gold

Obwohl Deutschland im Ranking der größten Volkswirtschaften der Welt aktuell „nur” Platz 4 einnimmt, hält die Deutsche Bundesbank – nach den USA – mit 3.381 Tonnen den zweitgrößten Goldvorrat der Welt.

Einer vom Research Center der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag der ReiseBank durchgeführten und im November 2016 veröffentlichten Studie („Goldinvestments 2016: Indikatoren, Motive und Einstellungen von Privatpersonen”) zufolge besitzen die deutschen Privathaushalte allerdings mehr als das Doppelte, nämlich 8.700 Tonnen Gold. Befragt wurden insgesamt 2000 Personen über 18 Jahre. Einbezogen wurden Bestände an physischem Gold, Goldschmuck und goldbezogene Wertpapiere. Hochgerechnet auf die Gesamtheit der deutschen Bevölkerung besitzen 37,8 % aller Deutschen physisches Gold. Hingegen besaßen 2015 nur 14 % der Deutschen Aktien bzw. Anteile an Aktienfonds (DAI Deutsches Aktieninstitut e.V.).

Der Wunsch, physisches Gold zu besitzen, knüpft offenbar an ein tief sitzendes Sicherheitsbedürfnis insbesondere von uns Deutschen an. Dies hängt vermutlich nicht zuletzt damit zusammen, dass unsere Eltern, Großeltern und / oder Urgroßeltern zwei Weltkriege, zwei Währungsreformen, Hungersnöte sowie den Verlust von Haus- und Grundbesitz als unmittelbare Kriegsfolge bzw. im Rahmen staatlicher Enteignung erlebt haben.

Physisches Gold – Münzen oder Barren?

Physisches Gold können Sie sowohl in Münzen als auch in Barren erwerben. Wichtig ist, auf einen Goldanteil von mindestens 895 (bei Barren) bzw. 900 (bei Münzen) Tausendstel zu achten.

Barren, deren Gewicht in der Regel in Gramm angegeben wird, bekommen Sie in Größen von 1 bis 12.500 Gramm. Münzen sind (abgesehen von Sondereditionen) zwischen einer 1/10 Unze und einer Unze zu bekommen (1 Unze = 31,1 Gramm). Die Preise sind abhängig vom aktuellen Goldpreis und der Größe der Münze. Da Barren in der Herstellung weniger aufwändig als Münzen sind, ist ihr Preis meist etwas günstiger.

Bei Münzen sind die Aufschläge höher und abhängig davon, wie klein die Einheit ist. Der Unterschied (Spread) zwischen An- und Verkaufspreis beträgt bei Münzen je nach Einheit zwischen 3,2 % (1 Unze) und 11 % (1/10 Unze). Bei Barren betragen die Aufschläge zwischen 1,8 % (1000 Gramm) und 3,2 % (50 Gramm).

Eignet sich Gold zum Vermögensaufbau oder doch nur zur Krisenvorsorge?

Gegenüber anderen Geldanlageformen hat physisches Gold den Nachteil, dass es weder Zinsen noch Dividenden gibt. Hieraus ergibt sich, dass physisches Gold als Spekulationsobjekt grundsätzlich nicht geeignet ist, da der Goldpreis sehr stark steigen muss, um tatsächlich Gewinne zu realisieren.

Da der Goldpreis sich meistens entgegengesetzt zum Aktienkurs entwickelt, kann es zur Begrenzung von Schwankungen sinnvoll sein, dem Depot Goldanlagen (nicht Goldminenaktien, s. dazu unten) beizumischen. Die Spanne der Empfehlungen reicht von 5 % bis 25 %.

Physisches Gold als Inflationsschutz oder gar als Krisenwährung zu besitzen, kann in gewissem Umfang durchaus sinnvoll sein. Generell wird meist empfohlen, nicht mehr als 10 % des Vermögens in physisches Gold zu investieren. Gold als Krisenwährung sollte möglichst kleinteilig sein, damit es notfalls als Zahlungsmittel genutzt werden kann. Hierfür bieten sich vor allem Münzen an. Derzeit notiert die Unze Gold zwischen 1.150 und 1.200 US$, d.h. eine 1/10 Unze ist immer noch 115-120 US$ wert. Beim Kauf von Goldmünzen sollten Sie darauf achten, dass es hierfür einen hinreichend großen Zweitmarkt gibt, um die Münzen im Bedarfsfall kurzfristig verkaufen zu können. Diese Münzen sind Krügerrand, Maple Leaf, Britannia, Nugget (Känguruh), American Eagle, China Panda, Buffalo, Centenario Mexiko und Wiener Philharmoniker.

Mittlerweile gibt es auch sog. Tafelbarren. Diese bestehen aus insgesamt 20 1-Gramm-Goldbarren, die anhand von Sollbruchstellen miteinander verbunden sind. Die 1-Gramm-Stücke sind daher leicht abtrennbar und können notfalls als Zahlungsmittel dienen – der Gegenwert beim derzeitigen Kurs liegt bei ca. 37 € bis 40 €. Generell sollten Sie beim Kauf von Goldbarren darauf achten, dass diese das Siegel der London Bullion Market Association (LBMA) tragen.

Wo und wie kann man Gold kaufen?

Den besten Preis können Sie mit Hilfe entsprechender Vergleichsportale im Internet finden. Seriöse Anbieter sind z.B. gold.de und goldpreis.de oder Pro Aurum und Degussa. Auch Online-Banken bieten mittlerweile physisches Gold zum Verkauf an, das im Depot gehalten oder ausgeliefert werden kann. Beispielsweise bietet die Consorsbank bestimmte Barren und Münzen in Zusammenarbeit mit Pro Aurum an. Die physische Lagerung erfolgt bei Pro Aurum, der Gegenwert zum aktuellen Goldpreis ist im Depot ersichtlich. Kosten fallen hierfür keine an.

Goldschmuck als Geldanlage?

Goldschmuck eignet sich aufgrund seines individuellen, geschmacks- und modeabhängigen Charakters eher nicht als Geldanlage. Der Wiederverkaufswert liegt meist unter dem ehemaligen Anschaffungspreis. Ausnahmen sind zuweilen im Luxussegment zu finden. Hier ist jedoch eher die Marke und nicht das Gold selbst ausschlaggebend für die Wertentwicklung. In den meisten Fällen wird Goldschmuck nach der Veräußerung eingeschmolzen und lediglich der aktuelle Materialwert bezahlt.

Wie lagern Sie physisches Gold am besten?

Wenn Sie relativ kleine Einheiten besitzen, können Sie diese zu Hause im Tresor lagern oder verstecken. Zuvor sollten Sie allerdings mit Ihrer Hausratversicherung abklären, bis zu welcher Höhe und unter welchen Lagerbedingungen Sie gegen den Verlust des Goldes abgesichert sind. Die Auflagen sind in der Regel recht streng. Aus Beweisgründen sollten Sie Zertifikate aufheben und Fotos Ihrer Goldbestände machen. Betrachten Sie Ihr Gold als Krisenwährung für den Notfall, haben Sie es in diesem Fall sofort zur Hand.

Alternativ können Sie Ihre Goldbestände auch in einem Bankschließfach lagern und hierfür jährliche Gebühren entrichten. In Großstädten sind Bankschließfächer inzwischen schwer zu bekommen und kosten zwischen 70 € und 100 € pro Jahr. Auch hier ist die Versicherung auf eine bestimmte Höhe begrenzt. Alternativ können Sie das Gold auch in einem (zumeist teuren) Edelmetalldepot, gegebenenfalls auch im Ausland (z.B. Schweiz) lagern.

Letztlich müssen Sie selbst die Kosten, Verlustrisiken und die Möglichkeit eines schnellen Zugriffs auf Ihre Goldbestände gegeneinander abwägen, bevor Sie sich für einen Lagerort entscheiden.

Goldminenaktien, Goldaktienfonds und Gold ETFs

Goldminenaktien sind Spekulationsobjekte und können nicht als inflationssichere Geldanlage dienen. Ihr Preis hängt weitaus weniger vom Goldpreis ab als von der unternehmerischen Performance des Minenbetreibers und dem Aktienmarkt im Allgemeinen. Die Betreiber-Unternehmen sichern sich in der Regel gegen starke Veränderungen des Goldpreises ab. Fördermengen werden gegebenenfalls den Entwicklungen auf dem Markt angepasst und entziehen sich einer realistischen Einschätzung beziehungsweise Prognose durch potenzielle Investoren.

Gleiches gilt für Goldfonds, die in entsprechende Aktien investieren. Der Anleger kann zwar – wie generell bei Aktienfonds – von der breiteren Streuung und besseren Marktkenntnis institutioneller Fondsmanager profitieren, muss dafür aber auch Ausgabeaufschläge und laufende Verwaltungskosten bezahlen. Der Anleger ist im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft insoweit geschützt, als die Aktien Sondervermögen darstellen und somit nicht zur Insolvenzmasse gehören.

Gold ETFs sind an der Börse gehandelte Goldfonds, die mit physischem Gold besichert sind. Sie sind allerdings in Deutschland nicht zugelassen, da sie gegen die Regeln des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) vom 22. Juli 2013 verstoßen. Hiernach darf die Fondsgesellschaft nicht ausschließlich in eine Position (Gold) investieren, sondern muss ihr Investment auf mehrere Positionen verteilen.

Goldzertifikate und ETCs

Goldzertifikate sind Derivate, die versuchen, die Entwicklung des Goldpreises abzubilden. Dies können Optionsscheine, CFD’s (Contracts For Difference), Mini Futures oder Knockout-Zertifikate (Hebelprodukte) sein. Es handelt sich um rein spekulative Produkte – ein Anspruch, physisches Gold zu erhalten, besteht nicht. Man spricht deshalb auch von „Papiergold”.

Hierzu gehören auch Wertpapiere, die die Bezeichnung ETF tragen, jedoch anstatt in Gold in sichere Anleihen und Blue Chip-Aktien investieren und deshalb auch in Deutschland zugelassen sind, wie z.B. ETF Securities Gold (WKN ATRX996) oder Deutsche Börse Commodities (WKN A059GB0). Sie bilden die Preisentwicklung in Gold „synthetisch” ab.

Einen Anspruch auf physisches Gold verbriefen ETCs (Exchange Traded Commodities). Rechtlich handelt es sich hierbei um Inhaberschuldverschreibungen. ETCs können mit physischem Gold unterlegt sein oder auch nicht. Das Risiko des Anlegers besteht neben dem ohnehin bestehenden Risiko einer negativen Goldpreisentwicklung (dem allerdings die Chance auf einen Goldpreisanstieg gegenübersteht) in der Bonität des Emittenten der ETCs. So kann es – etwa in einer schweren Finanzkrise – zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals kommen. In Deutschland sind diverse ETCs handelbar, z.B. XETRA Gold (Emittent ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Börse), EUWAX Gold (Emittent ist eine Tochtergesellschaft der Börse Stuttgart) oder Deutsche Bank Physical Gold ETC. Sie alle sind mit physischem Gold unterlegt. Der Anleger kann sich das Gold jederzeit ausliefern lassen, wobei allerdings Lieferkosten anfallen.

Der Vorteil einer solchen Geldanlage ist, dass Sie das Gold nicht bei sich zu Hause, im Bankschließfach oder in einem teuren Edelmetall-Depot lagern müssen und zudem bis zur evtl. Auslieferung des physischen Goldes den ETC auch als Spekulationsobjekt nutzen können.

Wichtig ist, dass der potenzielle Investor über ein günstiges Wertpapierdepot verfügt und seine Depotbank auch bereit ist, die Lieferung abzuwickeln. Kürzlich bekam ein Kunde der Deutschen Bank Probleme, als er sich sein XETRA Gold ausliefern lassen wollte und seine Filiale den Auftrag nicht ausführen wollte.

Steuern auf Goldanlagen

Im Gegensatz zu Silber (gilt als Industriemetall) ist der Handel mit physischem Gold umsatzsteuerfrei. Die Gewinne aus der Veräußerung von physischem Gold unterliegen nicht der Einkommensteuer, wenn das Gold mehr als 1 Jahr gehalten wurde und gewisse Kriterien erfüllt. Dies sind zum einen der Goldanteil der Münzen oder Barren (s.o.). Zudem muss es sich bei Münzen um Prägungen nach 1800 handeln, die in ihrem Herkunftsland als gesetzliches Zahlungsmittel gelten oder einmal gegolten haben. Die eingangs genannten Münzen erfüllen diese Kriterien.

Bei einem Verkauf innerhalb der Haltefrist von einem Jahr zählen die Veräußerungsgewinne zu den Einkünften aus Spekulationsgeschäften i.S.v. § 23 EStG, für die in § 23 Abs. 3 Satz 5 EStG eine Freigrenze von 600 € gilt. Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren, die den Anspruch auf die Lieferung von physischem Gold verbriefen (wie z.B. XETRA Gold, WKN A0S9GB), unterliegen ebenfalls nicht der Abgeltungssteuer. Gold ist also zumindest steuerlich Interessant.

Fazit zum Thema Gold als Geldanlage

Wenn Sie Gold als Krisenwährung und Inflationsschutz betrachten, sollten Sie sich für physisches Gold in kleinen Einheiten entscheiden. Ein entsprechendes Vertrauen in die Emittenten vorausgesetzt, können Sie alternativ oder ergänzend mit physischem Gold unterlegte ETCs erwerben. Diese bieten Ihnen zudem die Möglichkeit, Ihr Depot regelmäßig und mit verhältnismäßig geringen Kosten umzuschichten. Goldminenaktien und entsprechende Aktienfonds sind aufgrund der schwer vorhersehbaren Schwankungen der Aktienmärkte unter diesem Aspekt nicht zu empfehlen.

Untersuchungen der Goldpreisentwicklung der letzten 40 Jahre haben ergeben, dass Gold insgesamt weniger Rendite erwirtschaftet hat, als Geldanlagen auf den Welt-Aktienindex. Von 1975 bis 2016 hat der Welt-Aktienindex eine Rendite von durchschnittlich 8,8 % p.a. erwirtschaftet, während die Rendite für Gold durchschnittlich 4 % p.a. betrug. Die Schwankungsbreite war bei beiden mit 15,4 % (Welt-Aktienindex) und 16,1 % (Gold) nahezu gleich. In Krisenzeiten wie beispielsweise während der Finanzkrise von Oktober 2007 bis März 2008 hat Gold hingegen weitaus besser abgeschnitten (+33,8 % gegenüber – 46,1 % Welt-Aktienindex).

Es gibt Experten, die aufgrund wachsender politischer Spannungen und steigender Inflationserwartungen sowie dem anhaltenden Zinstief einen erheblichen Anstieg des Goldpreises erwarten auf bis zu 2.300 US$ pro Unze bis Mitte 2018. Wie alle Prognosen sollten auch diese mit Vorsicht betrachtet werden.

Je nachdem, wie Ihre persönliche Risikopräferenz ist und wie Sie die künftige wirtschaftliche Entwicklung an den Weltmärkten einschätzen, sollten Sie überlegen ob, wieviel und in welcher Form Sie Gold Ihrem Portfolio beimischen. Die herrschende Meinung der Experten empfiehlt eine Begrenzung auf 10 % des Vermögens.

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