Markt­kapitalisierung (Market Capitalisation) – Erklärung und Berechnung

Artikel von Annette de los Santos; aktualisiert am 26.04.2022

Was bedeutet Marktkapitalisierung?

Marktkapitalisierung ist der Börsenwert aller frei handelbaren Aktien (engl. Freefloat) eines
Unternehmens. Die frei handelbaren Aktien einer Gesellschaft werden auch als Streubesitz bezeichnet. Die
Marktkapitalisierung wird wie folgt berechnet:

Marktkapitalisierung  =  Anzahl der in Umlauf befindlichen Aktien × Börsenkurs je
Aktie

Die Marktkapitalisierung eines Unternehmens spiegelt den aktuellen Marktkonsens zu dem Wert des Eigenkapitals (Equity
Value) eines börsennotierten Unternehmens wider. Sie ergibt sich aus Angebot und Nachfrage nach den Aktien des
Unternehmens. Die Marktkapitalisierung wird teils wesentlich von den Erwartungen der Anleger in die zukünftige
Ertragskraft des Unternehmens beeinflusst und kann starken Schwankungen unterliegen. Sie wird als der Wert verstanden,
den man aufwenden müsste, um das ganze Unternehmen zu kaufen.

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Marktkapitalisierung an einem Beispiel:

Die XY AG hat insgesamt 1.200.000 Aktien. Davon befinden sich 200.000 Aktien im Besitz des Unternehmens. Am Stichtag x
liegt der Börsenkurs bei 30 €. Es ergibt sich folgende Rechnung:

Anzahl der emittierten Aktien 1.200.000
abz. eigene Aktien − 200.000

= Anzahl im Umlauf befindlicher Aktien

1.000.000
Börsenkurs der Aktie: 30 €
Marktkapitalisierung (30 € × 1.000.000): 30.000.000 €

Aktien mit einer hohen Marktkapitalisierung sind in der Regel solche von großen bzw. sehr großen börsennotierten
Aktiengesellschaften, deren Aktien überwiegend im Streubesitz sind, sog. Blue Chips oder Large Caps. Wegen der
Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenkurs ist die Marktkapitalisierung ein ständig schwankender Wert.

Marktkapitalisierung als Indikator für die Aufnahme in Aktienindizes

Die Marktkapitalisierung ist neben den Börsenumsätzen einer Aktie ein wesentliches
Entscheidungskriterium
dafür, ob und in welchen Aktienindex sowie mit welcher Gewichtung ein Unternehmen
aufgenommen wird. Man unterscheidet je nach Größe:

  • Large Caps bzw. Blue Chips, die in
    Deutschland im DAX gelistet sind
  • Mid Caps, die im MDAX gelistet sind
  • Small Caps, die im SDAX oder im
    TECDAX gelistet sind

Für die gelisteten Unternehmen gelten bestimmte, je nach Aktienindex abgestufte Offenlegungspflichten
und sie unterstehen der Börsenaufsicht. Gelegentlich findet man auch Micro Caps unter den Small Caps, die entsprechend
gelistet sind, weil die Marktkapitalisierung nicht genau betraglich abgegrenzt ist.

Konservative Anleger bevorzugen Aktien größerer Unternehmen, weil sie deren Aktienkurse für weniger
schwankungsanfällig als die kleinerer Unternehmen halten. Das stimmt aber nur bedingt. Im langfristigen Durchschnitt
schwanken die Kurse von Großunternehmen tatsächlich weniger stark als die kleinerer Unternehmen. Bei Krisen sind aber
auch sie nicht vor Kursverlusten gefeit. Beispielsweise verloren während der Finanzkrise auch Unternehmen wie Siemens
oder E.on teilweise bis zur Hälfte ihres Werts.

Insgesamt zählen Aktien mit hoher Marktkapitalisierung jedoch zu den weniger risikoreichen Investments, zumal bei Ihnen
durch die erweiterten Offenlegungspflichten und die Tatsache, dass sie ständig Gegenstand zahlreicher Analysen und
Wirtschaftsnachrichten sind, eine hohe Transparenz gegeben ist.

Grenzen der Marktkapitalisierung zur Bestimmung des Unternehmenswerts

Bei der Marktkapitalisierung werden nur die in Streubesitz befindlichen Aktien berücksichtigt. Die Auswirkungen der
Kontrolle von Großaktionären, die ebenfalls erheblich den Unternehmenswert beeinflussen, bleiben
unberücksichtigt. Unternehmen mit hohem Streubesitz an Aktien haben daher eine größere Marktkapitalisierungsquote als
solche mit geringerem Streubesitz. Daher ist die Marktkapitalisierung nur begrenzt als Indikator geeignet, um
festzustellen, ob eine Aktie hoch oder niedrig bewertet ist, d.h. wann sich der Einstieg lohnt oder wann der Verkauf der Aktie sinnvoll ist. Aus den genannten
Gründen ist die Marktkapitalisierung auch keineswegs immer der Betrag, der aufzuwenden wäre, um das Unternehmen zu
kaufen. Folgendes Beispiel verdeutlicht diesen Umstand.

Auswirkung des Streubesitzes auf die Marktkapitalisierung

Unternehmen A Unternehmen B
Aktien Streubesitz 12.000 6.000
Aktien Familienbesitz 0 6.000
Umsatz 1 Mrd € 1 Mrd €
Eigenkapitalquote 30 % 30 %

Gewinn vor Zinsen


und Steuern
10 % 10 %
Eigenkapitalrendite 8 % 8 %
Kurs-Gewinn-Verhältnis 1 1
Börsenkurs 100 100
Marktkapitalisierung 1,2 Mio 600.000

Im obigen Beispiel werden für Aktiengesellschaft B die gleichen Finanzkennzahlen wie bei A
unterstellt. Wie das Beispiel zeigt, wirkt sich die Tatsache, dass sich beim Unternehmen B nur die Hälfte der Aktien
im Streubesitz befinden, unmittelbar auf die Marktkapitalisierung, also den Börsenwert aus. Das bedeutet aber nicht,
dass B weniger wert als A ist.

Übernahmeangebote für Unternehmen liegen deshalb meist über der aktuellen Marktkapitalisierung bzw. dem
aktuellen Aktienkurs. Dies liegt zum einen daran, dass das übernehmende Unternehmen sein Angebot so attraktiv gestalten
möchte, dass die Aktionäre ihre Aktien auch tatsächlich verkaufen.

Weitere Gründe können allerdings sein, dass der innere Wert des Übernahmekandidaten über dem aktuellen
Börsenkurs liegt oder durch die Übernahme positive Synergieeffekte erwartet werden. Da die
Marktkapitalisierung als alleinige Kennziffer für den Wert eines Unternehmens nur bedingt geeignet ist, kommen
zudem Unternehmens­bewertungs­methoden nach dem Ertragswert, dem Substanzwert oder der
Discounted Cash Flow-Methode zur Anwendung.

Wussten Sie schon, dass…

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Apple ist damit das Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert aller Zeiten. Zum Vergleich: Siemens
hatte zum gleichen Zeitpunkt eine Marktkapitalisierung von 123,4 Mrd. US$.

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