Marktkapitalisierung

Marktkapitalisierung (Market Capitalisation) – Erklärung und Berechnung

Annette de los Santos, 17.07.2017

Was bedeutet Marktkapitalisierung?

Marktkapitalisierung ist der Börsenwert aller frei handelbaren Aktien (engl. Freefloat) eines Unternehmens. Die frei handelbaren Aktien einer Gesellschaft werden auch als Streubesitz bezeichnet. Die Marktkapitalisierung wird wie folgt berechnet:

Marktkapitalisierung  =  Anzahl der in Umlauf befindlichen Aktien × Börsenkurs je Aktie

Die Marktkapitalisierung eines Unternehmens spiegelt den aktuellen Marktkonsens zu dem Wert des Eigenkapitals (Equity Value) eines börsennotierten Unternehmens wider. Sie ergibt sich aus Angebot und Nachfrage nach den Aktien des Unternehmens. Die Marktkapitalisierung wird teils wesentlich von den Erwartungen der Anleger in die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens beeinflusst und kann starken Schwankungen unterliegen. Sie wird als der Wert verstanden, den man aufwenden müsste, um das ganze Unternehmen zu kaufen.

Marktkapitalisierung an einem Beispiel:

Die XY AG hat insgesamt 1.200.000 Aktien. Davon befinden sich 200.000 Aktien im Besitz des Unternehmens. Am Stichtag x liegt der Börsenkurs bei 30 €. Es ergibt sich folgende Rechnung:

Anzahl der emittierten Aktien 1.200.000
abz. eigene Aktien − 200.000
= Anzahl im Umlauf befindlicher Aktien 1.000.000
Börsenkurs der Aktie: 30 €
Marktkapitalisierung: (30 € × 1.000.000) 30.000.000 €

Aktien mit einer hohen Marktkapitalisierung sind in der Regel solche von großen bzw. sehr großen börsennotierten Aktiengesellschaften, deren Aktien überwiegend im Streubesitz sind, sog. Blue Chips oder Large Caps. Wegen der Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenkurs ist die Marktkapitalisierung ein ständig schwankender Wert.

Marktkapitalisierung als Indikator für die Aufnahme in Aktienindizes

Die Marktkapitalisierung ist neben den Börsenumsätzen einer Aktie ein wesentliches Entscheidungskriterium dafür, ob und in welchen Aktienindex sowie mit welcher Gewichtung ein Unternehmen aufgenommen wird. Man unterscheidet je nach Größe:

  • Large Caps bzw. Blue Chips, die in Deutschland im DAX gelistet sind
  • Mid Caps, die im MDAX gelistet sind
  • Small Caps, die im SDAX oder im TECDAX gelistet sind

Für die gelisteten Unternehmen gelten bestimmte, je nach Aktienindex abgestufte Offenlegungspflichten und sie unterstehen der Börsenaufsicht. Gelegentlich findet man auch Micro Caps unter den Small Caps, die entsprechend gelistet sind, weil die Marktkapitalisierung nicht genau betraglich abgegrenzt ist.

Konservative Anleger bevorzugen Aktien größerer Unternehmen, weil sie deren Aktienkurse für weniger schwankungsanfällig als die kleinerer Unternehmen halten. Das stimmt aber nur bedingt. Im langfristigen Durchschnitt schwanken die Kurse von Großunternehmen tatsächlich weniger stark als die kleinerer Unternehmen. Bei Krisen sind aber auch sie nicht vor Kursverlusten gefeit. Beispielsweise verloren während der Finanzkrise auch Unternehmen wie Siemens oder E.on teilweise bis zur Hälfte ihres Werts.

Insgesamt zählen Aktien mit hoher Marktkapitalisierung jedoch zu den weniger risikoreichen Investments, zumal bei Ihnen durch die erweiterten Offenlegungspflichten und die Tatsache, dass sie ständig Gegenstand zahlreicher Analysen und Wirtschaftsnachrichten sind, eine hohe Transparenz gegeben ist.

Grenzen der Marktkapitalisierung zur Bestimmung des Unternehmenswerts

Bei der Marktkapitalisierung werden nur die in Streubesitz befindlichen Aktien berücksichtigt. Die Auswirkungen der Kontrolle von Großaktionären, die ebenfalls erheblich den Unternehmenswert beeinflussen, bleiben unberücksichtigt. Unternehmen mit hohem Streubesitz an Aktien haben daher eine größere Marktkapitalisierungsquote als solche mit geringerem Streubesitz. Daher ist die Marktkapitalisierung nur begrenzt als Indikator geeignet, um festzustellen, ob eine Aktie hoch oder niedrig bewertet ist, d.h. wann sich der Einstieg lohnt oder wann der Verkauf der Aktie sinnvoll ist. Aus den genannten Gründen ist die Marktkapitalisierung auch keineswegs immer der Betrag, der aufzuwenden wäre, um das Unternehmen zu kaufen. Folgendes Beispiel verdeutlicht diesen Umstand.

Auswirkung des Streubesitzes auf die Marktkapitalisierung
  Unternehmen A Unternehmen B
Aktien Streubesitz 12.000 6.000
Aktien Familienbesitz 0 6.000
Umsatz 1 Mrd € 1 Mrd €
Eigenkapitalquote 30 % 30 %
Gewinn vor Zinsen und Steuern 10 % 10 %
Eigenkapitalrendite 8 % 8 %
Kurs-Gewinn-Verhältnis 1 1
Börsenkurs 100 100
Marktkapitalisierung 1,2 Mio 600.000

Im obigen Beispiel werden für Aktiengesellschaft B die gleichen Finanzkennzahlen wie bei A unterstellt. Wie das Beispiel zeigt, wirkt sich die Tatsache, dass sich beim Unternehmen B nur die Hälfte der Aktien im Streubesitz befinden, unmittelbar auf die Marktkapitalisierung, also den Börsenwert aus. Das bedeutet aber nicht, dass B weniger wert als A ist.

Übernahmeangebote für Unternehmen liegen deshalb meist über der aktuellen Marktkapitalisierung bzw. dem aktuellen Aktienkurs. Dies liegt zum einen daran, dass das übernehmende Unternehmen sein Angebot so attraktiv gestalten möchte, dass die Aktionäre ihre Aktien auch tatsächlich verkaufen.

Weitere Gründe können allerdings sein, dass der innere Wert des Übernahmekandidaten über dem aktuellen Börsenkurs liegt oder durch die Übernahme positive Synergieeffekte erwartet werden. Da die Marktkapitalisierung als alleinige Kennziffer für den Wert eines Unternehmens nur bedingt geeignet ist, kommen zudem Unternehmens­bewertungs­methoden nach dem Ertragswert, dem Substanzwert oder der Discounted Cash Flow-Methode zur Anwendung.

Wussten Sie schon, dass…

Apple am 9. Mai die Schallmauer von 800 Mrd. US$ durchbrochen hat? Apple ist damit das Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert aller Zeiten. Zum Vergleich: Siemens hatte zum gleichen Zeitpunkt eine Marktkapitalisierung von 123,4 Mrd. US$.

Bild-Copyright: Alex Oakenman / Shutterstock.com

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