Mid Caps – verkannte Nebenwerte oder Geheimtipp?

Artikel von Annette de los Santos; aktualisiert am 20.05.2022

Mid Caps werden Aktien von mittelgroßen
Unternehmen genannt. Als Größenkriterium wird die Marktkapitalisierung (market capitalisation –
kurz „cap“) der Aktiengesellschaft herangezogen. Die Formel hierzu lautet:

Aktienkurs × Anzahl frei handelbarer Aktien = Börsenwert des Unternehmens

Das Ergebnis ist der Börsenwert des jeweiligen Unternehmens und anhand diesem lässt sich die Aktie einordnen. Dabei wird
(grob) zwischen Small-, Mid- und Large Caps unterschieden. Mid Caps sind demnach
Aktien mit mittlerem Börsenwert.

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Die Definition nach der Marktkapitalisierung ist allerdings nicht einheitlich. In den USA gibt es allein 4 Indizes mit
unterschiedlichen Größenkriterien der Börsenwerte. Der US MidCap 400 Index enthält 400
US-Mittelstandsunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 1,4 Mrd. bis 5,9 Mrd. US$.

In Deutschland sind die Größenkriterien aufgrund des ohnehin niedrigeren Börsenvolumens geringer. Als grobe Richtschnur
gelten Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 500 Mio. € bis 2 Mrd. €. Die Einordnung in den
MDAX folgt allerdings nicht immer strikt anhand dieser Größenordnung.

Mid Caps in Deutschland

In Deutschland werden Mid Caps, die zu den sog. Nebenwerten zählen, seit 1996 im MDAX
(abgeleitet von Mid Cap Dax) gelistet. Laut finanzen.net vom 26.04.17 finden sich aktuell im MDAX Unternehmen mit
Marktkapitalisierungen von 1,5 Mrd. € (Norma) bis zu 57,1 Mrd. € (Airbus). Insgesamt sind im MDAX 50
Unternehmen mit einer gesamten Marktkapitalisierung von über 110 Mrd. € vertreten. Neben der
Marktkapitalisierung sind die Börsenumsätze ein zusätzliches Kriterium für die Abgrenzung der Indizes.
Dies ist auch der Grund, warum Airbus, von seiner Marktkapitalisierung eindeutig dem DAX zuzurechnen wäre, im MDAX
gelistet ist. Die meisten Börsenumsätze laufen über die Pariser Heimatbörse.

Warum in Mid Caps investieren?

Renditeorientierte Anleger kommen an Mid Caps nicht vorbei. Dies liegt vor allem daran, dass sie potentiell
häufiger unterbewertet
werden, weil ihnen weit weniger Beachtung geschenkt wird als den DAX 30 Unternehmen.
Die Analyse von Mid Caps ist für Banken und Großanalysten meist unwirtschaftlich. Sie befinden sich
daher nicht so stark im Fokus von Banken und Anlegern, so dass Unternehmensinformationen meist erst zeitlich verzögert
vom Markt verarbeitet werden.

Wegen dieser Informationsmängel können Potenziale von spezialisierten Analysten und Anlegern schneller erkannt werden.
Auch ist es oft so, dass mittelständische Unternehmen transparentere Geschäftsmodelle als
Großunternehmen haben, die leichter zu verstehen und einzuschätzen sind. Mittelständische Unternehmen haben meist ein
aktives und engagiertes Management oder befinden sich sogar noch (teilweise) im Familienbesitz. Hierdurch wird ein
langfristiges Interesse an einer positiven Unternehmensentwicklung und am Wachstum gefördert.

Mid Caps sind oft Unternehmen, die seit Jahren erfolgreich am Markt tätig sind und teilweise sogar Weltmarktführer ihrer
Branche sind. Ihre Marktstellung ist oft nicht schlechter als die namhafter DAX-Unternehmen und viele verfügen über eine
ausgezeichnete Reputation. Im Gegensatz zu Small Caps ist daher auch das Insolvenzrisiko deutlich geringer
einzuschätzen. MDAX Unternehmen bieten häufig Spezialprodukte in Nischenmärkten an und können aufgrund ihrer meist
flacheren Managementstrukturen schneller auf Marktentwicklungen reagieren. Ihre Innovationskraft ist
deshalb oft stärker als bei Großkonzernen. Die Fokussierung auf bestimmte Produkte und Märkte macht Mid Caps
andererseits anfälliger für Nachfrageschwankungen und andere Risiken, wie etwa die Verdrängung durch
Substitute (Ersatzprodukte).

Der MDAX repräsentiert fast 12,5 % des gesamten deutschen Aktienmarktes. Manche MDAX-Aktien haben
ein gutes Potenzial, in den DAX aufzusteigen, wie z.B. im Jahre 2016 der Möbelhersteller Steinhoff, der u.a. die Poco
Märkte betreibt. Wer dieses Potenzial rechtzeitig erkennt, kann mit sehr guten Kursgewinnen rechnen. Mid Caps sind auch
beliebte Übernahmekandidaten, wie das Beispiel STADA zeigte. Anleger konnten mit dem Verkauf der Aktien gute Gewinne
erzielen.

Zwischen den DAX Unternehmen und den bekannteren Small Caps fristen Mid Caps aus nicht nachvollziehbaren Gründen ein
„Aschenputtel-Dasein“. Dabei hat der MDAX im letzten Jahr die beste Performance unter den deutschen Aktienindizes
erzielt. Jenseits des deutschen Börsenmarktes gibt es natürlich auch viele interessante Mid Caps, die ebenfalls in Ihr
Aktienportfolio passen können.

Worauf Sie achten sollten, bevor Sie in Mid Caps investieren

Gerade sicherheits- und langfristig orientierte Anleger sollten ihr Aktienportfolio nicht nur auf Mid Caps ausrichten.
Auch hier gilt die Börsenweisheit „nicht alle Eier in einen Korb legen“. Eine Diversifikation des Portfolios
durch die Verteilung der Investitionen auf verschiedene Small-, Mid- und Large Caps ist durchaus sinnvoll. Hier ist auch
eine Verteilung auf verschiedene Branchen zu empfehlen. Innovative Branchen sind momentan der
Technologiesektor, der Gesundheitssektor sowie erneuerbare Energien und nachhaltige, umweltschonende Investitionsgüter
und Produkte.

Deutsche Anleger sollten auch amerikanische Großunternehmen und solche in aufstrebenden
Schwellenländern in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen. Gerade US-Unternehmen reagieren oft
schneller auf Marktentwicklungen als deutsche Aktiengesellschaften. Da die Aktien von Großunternehmen oft relativ teuer
sind, ist eine Depotbeimischung mit Large Caps insbesondere für Kleinanleger (Depotwert unter 100.000 €) schwierig.
Allerdings gibt es auch günstige Blue Chips wie beispielsweise Lufthansa und Deutsche Bank.

5 ausgewählte Mid Caps

Focus Online stellt in einer Ausgabe 5 starke MDAX Werte nach Gewinnwachstumn und -kontinuität vor:

Aktie Kursgewinn seit 01.01.2008 (%) Aus­schüttungs­quote
Hannover Rück 83,3 42,2
Leoni 13,7 31,5
MTU Aero Engines 75,9 39,4
Südzucker 46,0 31,0
Symrise 71,6 48,8
Quelle: focus.de auf Basis der Reuters Database aus 2013

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