Aktienfonds

Aktienfonds als Investment – Definition, Arten und Funktion

Annette de los Santos, 21.08.2017

Die Idee von Investmentfonds als Geldanlage geht auf den holländischen Kaufmann Adriaan von Kentwich zurück, der bereits 1774 den ersten Fonds in Amsterdam auflegte. Heute kann der Anleger zwischen unzähligen unterschiedlichen Aktienfonds auswählen.

Was sind Aktienfonds?

Aktienfonds sind Investmentfonds, die ausschließlich oder zum überwiegenden Teil in Aktien investieren. Sie werden aktiv von professionellen Fondsmanagern gemanagt. Dabei gibt es unterschiedliche Anlagekonzepte, die z.T. auch kombiniert angeboten werden:

  • Regionale Fonds: Sie investieren ausschließlich in bestimmten Regionen, z.B. Europa, USA, Asien, Emerging Markets.
  • Branchenfonds: Sie konzentrieren sich auf einzelne oder mehrere Wirtschaftssektoren, z.B. Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Rohstoffe, Finanzen, Energie- und Versorgungsunternehmen, Biotechnik, Pharma, Gesundheitswesen oder Telekommunikation und Medien.
  • Unternehmensgröße: Es gibt Fonds, die sich auf sogenannte Blue Chips, also auf hochkapitalisierte Börsenschwergewichte spezialisieren, wie sie im DAX, Euro Stoxx 50 oder Dow Jones enthalten sind. Andere spezialisieren sich auf kleine Firmen (Small Caps). In Zeiten schwacher Börsen sind letztere schwerer handelbar wegen der geringeren Marktgröße.
  • Themenfonds: Themenfonds haben einen breiteren Fokus als Fonds nach geografischen Gesichtspunkten oder Branchenfonds. Hier liegt der Reiz darin, dass der Fonds sich auf bestimmte aktuelle Themen spezialisiert und Aktien unterschiedlicher Branchen unter einem Thema vereinigen kann. Beispiele dafür sind Konsumgüter, Internet oder erneuerbare Energien. Zu den Themenfonds gehören auch sogenannte Islamfonds, die nach den Grundsätzen der Scharia investieren und folglich keine Aktien von Alkoholproduzenten oder Banken, die Zinsen erheben, kaufen. Hat das Fondsmanagement einen guten Riecher für aktuelle Trends, kann der Fonds kurzfristig hohe Gewinne in einem relativ kurzen Zeitraum erzielen. Ein Beispiel ist die entstandene Blase am „Neuen Markt“ Ende der 1990er Jahre. Für eine längerfristige Kapitalanlage sind Themenfonds meist ungeeignet – dies hat sich auch beim Platzen der Internetblase später gezeigt.
  • Ethik- oder Nachhaltigkeitsfonds: Darüber hinaus gibt es auch Fonds, die nach ethischen oder ökologischen Gesichtspunkten ausgewählte Aktien kaufen. Hier stehen andere Prinzipien und nicht unbedingt eine hohe Rendite im Vordergrund.

Die Aktien gehören zum Sondervermögen der Fondsgesellschaft und sind im Falle deren Insolvenz geschütztes Vermögen der Fondsinvestoren. Aktienfonds sind, wie auch Aktien selbst, als langfristige Kapitalanlage geeignet. Daher werden sie von Fondsanbietern und Banken auch häufig als Altersvorsorgeinstrument beworben.

Anlagephilosophie

Es gibt unterschiedliche Anlagegrundsätze, nach denen Fondsmanager investieren:

  • Value-Ansatz: Die günstige Bewertung und Stabilität des Investments haben Priorität. Daher werden Investitionen in von den Fondsmanagern als unterbewertet eingestuften Aktien mit hohen Dividendenrenditen bevorzugt.
  • Growth-Ansatz: Aktien mit hohen Wachstumsaussichten werden bevorzugt. Es werden Aktien von Unternehmen ausgewählt, deren Umsatz, Gewinn oder Cash Flow pro Aktie schneller wachsen als bei anderen Unternehmen derselben Branche.
  • Blend-Ansatz (Core-Ansatz): Die Fondsmanager mischen Wachstums- und Substanzwerte, um je nach Marktsituation flexibel den Value- oder Growth-Ansatz zu verfolgen und davon maximal zu profitieren.

In den Fondsprospekten werden auch häufig Begriffe wie renditeorientiert, chancen- oder risikoorientiert, sicherheitsorientiert und ausgewogen verwendet, weil diese für den Anleger leichter nachvollziehbar sind.

Warum kaufen Anleger Aktienfonds?

Aktienfonds sind für Investoren ein relativ einfaches Mittel zur Risikostreuung. Dies gilt insbesondere für solche, die überregional in verschiedenen Regionen der Welt investieren. Dies kann besonders für Einsteiger attraktiv sein, insbesondere, wenn sie sich nicht ständig mit dem Marktgeschehen beschäftigen und Aktien umschichten wollen. Professionelle Fondsmanager übernehmen diese Aufgabe.

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen sind Aktienfonds als Investitionen in Sachwerte für viele Anleger als Renditeinvestment beliebt.

Wo kann man Aktienfonds kaufen?

Aktienfonds werden über Fondsvermittler und Banken vertrieben. Bankkonzerne selbst legen oft Fonds auf, die bevorzugt von deren Filialbanken vertrieben werden. Diese erheben in der Regel sehr hohe Transaktions- und Depotgebühren.

Günstiger ist der Erwerb über Fondsvermittler oder über Online-Depotbanken, die häufig keine Depotgebühren und geringe Ordergebühren erheben.

Der Kauf von Aktienfonds ist über diverse deutsche Börsenplätze möglich, der Verkauf jedoch nur über die Fondsgesellschaft. Beim Kauf eines Aktienfonds fällt ein Ausgabeaufschlag (Agio) an, der in der Regel 5 % bis 7 % beträgt. Onlinebanken bieten für manche Fonds Ermäßigungen von 50 % bis 100 % an.

Was sollte man vor dem Kauf von Aktienfonds beachten?

Sie sollten sich darüber bewusst sein, dass Investmentfonds relativ hohe Anschaffungskosten und auch vergleichsweise hohe laufende Verwaltungskosten haben. Hinzu kommen Transaktionskosten für fondsinterne Vermögensumschichtungen und ggf. Erfolgsbeteiligungen (Performance Fee) für die Fondsgesellschaft. Beim Verkauf behält die Fondsgesellschaft in der Regel einen Discount ein.

Der Fonds sollte zum eigenen Anlagehorizont und zur eigenen Anlagestrategie passen. Es gibt eher risikoorientierte, offensive Fonds, die auf hohe Renditen abzielen. Demgegenüber setzen defensive Fonds vor allem auf Werterhalt.

Aktienfonds eignen sich vor allem für chancenorientierte Anleger mit längerem Anlagehorizont. Die Renditeerwartungen liegen bei durchschnittlich 5 % bis 10 % pro Jahr. Allerdings können schlechte Börsenjahre auch zu einer geringeren und sogar negativen Wertentwicklung des Fonds führen. Für jüngere Anleger werden seit einiger Zeit auch chancenorientierte Zielsparfonds zur Altersvorsorge angeboten, da hier der Anlagehorizont langfristig ist.

Sie sollten Fonds mit hohem Fondsvolumen von möglichst über 500 Millionen US$ oder Euro bevorzugen. Diese Fonds können flexibler auf Marktentwicklungen reagieren und verfügen in der Regel auch über eine höhere Liquidität und sind damit weniger anfällig für Krisen. Ist das Fondsvolumen hingegen zu groß, ist es für die Fondsgesellschaft oft schwierig, genügend hochkapitalisierte Anlageobjekte zu finden.

Ein wichtiges Kriterium sind auch die Erfahrungen und die Reputation der Fondsmanager bzw. der Fondsgesellschaft sowie die Prüfung, wie lange der Fonds bereits existiert. Ist der Fonds schon einige Jahre am Markt, lässt sich die Wertentwicklung zumindest für die Vergangenheit verfolgen und mit anderen Fonds oder auch mit der Entwicklung von Börsenindizes wie z.B. dem Dax vergleichen.

Auch wenn Sie von bestimmten Märkten und Branchen überzeugt sind, achten Sie auf eine gute Risikostreuung oder investieren Sie in mehrere Fonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten und -horizonten. Der Grundsatz „Nicht alle Eier in einen Korb legen!” gilt auch hier.

Investieren Sie möglichst nicht mit einem Einmalbetrag, sondern eher kleinere Beträge zu unterschiedlichen Zeitpunkten. So vermeiden Sie den Einstieg zu besonders hohen Kursen und anschließende Verluste. Gerade als Anfänger sollten Sie deshalb überlegen, in Fonds-Sparpläne zu investieren. Hier können Sie bestimmen, welche gleichbleibenden Beträge Sie regelmäßig in einen bzw. mehrere Fonds investieren.

Falls Sie regelmäßig bestimmte Erträge benötigen, sollten Sie in ausschüttende Aktienfonds investieren. Legen Sie hingegen auf eine langfristig positive Wertentwicklung mit steigenden Fondsanteilen Wert, können thesaurierende Fonds für Sie interessant sein.

Bei Online-Depotbanken sowie im Internet finden Sie zahlreiche Fondsvergleiche. Hier können Sie verschiedene Kennzahlen und die Gebühren verschiedener Fonds mit ähnlicher Anlagestrategie und vergleichbarem Anlagehorizont vergleichen. Wichtige Kriterien der Fondsauswahl sind:

  • langfristige Wertentwicklung
  • Kontinuität der Wertentwicklung
  • Performance bei steigenden und vor allem bei fallenden Kursen
  • Erfahrung des Fondsmanagements
  • Übereinstimmung mit dem eigenen Anlagehorizont

Bei spezialisierten Fonds ist zu beachten, dass diese häufig nicht in andere Aktien investieren dürfen, um evtl. Marktschwankungen abzufedern. Daher gelten z.B. Branchenfonds als besonders risikoreich.

Auch die Währung der Aktien, in die der Fonds investiert, ist wichtig. Aus den hieraus resultierenden Kursschwankungen können sowohl erhebliche Gewinne als auch Verluste erwachsen. Die Währung, in der der Fonds selbst notiert, ist dabei unerheblich. Eine Geldanlage in einen in Euro notierenden Fonds, der in US-amerikanische Aktien investiert, unterliegt folglich für deutsche Kapitalanleger einem Währungsrisiko.

Während die Beobachtung des Fonds in der Regel weniger Zeit, Fachkenntnis und Engagement erfordert als die Anlage in Einzelaktien, kommt der Auswahl des Fonds umso mehr Zeit und Bedeutung zu.

Welche Bedeutung haben Fondskennzahlen?

Bei der Auswahl des richtigen Fonds können die folgenden Kennzahlen wichtige Hinweise liefern:

Übersicht: Fondskennzahlen
Performance

Wertentwicklung eines Fonds über einen bestimmten Zeitraum. Die Angabe erfolgt in Prozent – allerdings ohne Berücksichtigung des Ausgabeaufschlags. Die meisten Fondsgesellschaften verwenden für die Performance die Berechnungsmethode des Bundesverbandes Deutscher Investmentgesellschaften (BVI). Dadurch wird die Performance unterschiedlicher Fonds vergleichbar.

Maximaler Verlust

Diese Kennzahl gibt an, wie hoch der prozentual stärkste Wertrückgang innerhalb eines bestimmten Zeitraums (meist 3 Jahre) war. Häufig wird außerdem auch die längste Verlustperiode in Monaten angegeben.

Volatilität

Der Wert eines Fonds kann – auch unterjährig – stark schwanken. Die Volatilität gibt an, wie stark der Wert eines Fonds in einem bestimmten Zeitraum um seinen Mittelwert geschwankt ist. Die Differenz zwischen dem Höchst- und dem Tiefstwert wird ins Verhältnis zum Mittelwert gesetzt und der sich ergebende Prozentsatz bezeichnet die Volatilität. Beispiel: Der Mittelwert lag innerhalb eines Jahres bei 70 €, der Höchstwert bei 85 €, der Tiefstwert bei 60 €. Die Differenz zwischen Höchst- und Tiefstwert beträgt 25 €. Bezogen auf den Mittelwert sind dies 35,7 %. Der Fondspreis ist also innerhalb des Jahres um 35,7 % um den Mittelwert geschwankt.

Alpha

Dieser Wert gibt an, um wieviel die Wertentwicklung des Fonds von der Wertentwicklung des von der Fondsgesellschaft als Benchmark festgelegten Vergleichsindex (z.B. Dax) abweicht.
Ist Alpha positiv (α > 0), bedeutet dies, dass es den Fondsmanagern durch geschickte Mischung von Einzeltiteln und Vermögensumschichtungen gelungen ist, besser als der Vergleichsindex abzuschneiden.

Beta

Beta (β) ist ein Risikomaß des Fonds. Beta gibt an, wie eng der Fondspreis der Entwicklung der Benchmark (z.B. DAX) gefolgt ist.

  • β = 1: Der Wert des Fonds ist exakt dem Wert des Vergleichsindex gefolgt.

  • β < 1: Der Fondswert ist weniger stark gestiegen als der Wert des Vergleichsindex. Gleiches gilt für fallende Werte. Daher eignen sich Aktienfonds mit niedrigem Beta für risikoscheue Anleger.

  • β > 1: Bei einem Preisanstieg des Vergleichsindex ist der Fondswert noch stärker gestiegen. Allerdings ist bei einem fallenden Vergleichsindex der Fondswert noch stärker gefallen. Aktienfonds mit einem höheren Beta sind daher eher für risikofreudige Anleger geeignet.

Sharpe Ratio

Die Kennzahl gibt das Verhältnis von Ertrag zu Risiko einer Fondsanlage an. Die Risikoprämie bezeichnet dabei den Mehrertrag der Fondsanlage gegenüber einer sicheren Anlage. Das Risikomaß ist in diesem Fall die Volatilität.

Wenn z.B. ein Fonds 5 % Rendite bringt und eine sichere Anleihe 2 %, beträgt die Risikoprämie 3 %. Die Volatilität des Fonds beträgt 2 %. Teilt man die Risikoprämie durch die Volatilität, erhält man die Sharpe Ratio, die im vorliegenden Fall 1,5 beträgt.

Je höher die Sharpe Ratio, desto besser ist das Verhältnis vom Ertrag zum Risiko, denn die Risikoprämie (Mehrertrag) ist in diesem Fall viel höher als das tatsächliche Risiko. Bei einer Sharpe Ratio zwischen 0 und 1 hat der Fonds zwar einen Überschuss erwirtschaftet, dieser ist aber im Verhältnis zum eingegangenen Risiko zu gering. Eine Sharpe Ratio unter Null bedeutet, dass der Fonds nicht einmal die Rendite einer sicheren Geldanlage erzielt hat. Ein solcher Fonds ist zur Kapitalanlage nicht zu empfehlen.

Vor- und Nachteile der Kapitalanlage in Aktienfonds

Chancen liegen zum einen in der gegenüber der direkten Geldanlage in Aktien stärkeren Diversifizierung des Portfolios und der Vermögensverwaltung durch professionelle Fondsmanager. Fonds ermöglichen es dem Anleger, in Märkte zu investieren, die er für zukunftsträchtig hält, über die er aber zu wenig Wissen verfügt, um entsprechende Einzelaktien zu kaufen. Teilweise ist auch der entsprechende Börsenzugang im Ausland für den Privatanleger nicht gegeben.

Die Renditeaussichten sind in der Regel – und insbesondere zur Zeit – höher als Geldanlagen mit geringem Risiko wie Festgeldern oder sicheren Anleihen. Der Anleger muss sich dabei bewusst sein, dass, je höher die Chance, desto höher auch das Risiko ist.

Neben dem Vorteil der Diversifizierung bieten Themen-, Branchen- oder regionale Fonds für jeden etwas, d.h der Anleger kann sich den passenden Fonds aussuchen. Auch gut gemanagte Fonds unterliegen den allgemeinen Marktrisiken, d.h. während Finanzkrisen weisen auch sie einen starken Wertverfall auf, der teilweise über Jahre nicht wieder ausgeglichen werden kann.

Je spezialisierter ein Fonds ist, desto größer ist generell auch das Risiko. Deshalb kommt der sorgfältigen Auswahl des Fonds besondere Bedeutung zu.

Welche Alternativen gibt es?

Gegenüber den aktiv gemanagten Investmentfonds können Anleger auch in passiv gemanagte Indexfonds (Exchange Traded Funds = ETF) investieren. Sie orientieren sich an den Aktienindizes selbst und verursachen wesentlich geringere Kosten als Aktienfonds. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Performance bei vielen ETFs besser ist als bei Aktienfonds von denen nur etwa ein Viertel besser als der Vergleichsindex abschneiden. Deshalb werden ETFs auch zunehmend von Anlegern gekauft.

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