Pfandbriefe: Anforderungen, Eigenschaften und Risiken

Valeria Nickel, 16.11.2018

Pfandbriefe haben bereits einige Jahre auf dem Buckel: Der erste wurde 1769 ausgegeben. Seither ist dieses Finanzinstrument – übrigens das einzige, das in Deutschland erfunden wurde – bei Anlegern sehr beliebt. Grund dafür ist die hohe Sicherheit, die der Pfandbrief bietet. Denn er ist eine Anleihe, die mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Art der Besicherung ausgestattet ist: mit Grundpfandrechten wie Hypotheken oder Grundschulden, Schiffshypotheken, Flugzeughypotheken oder Forderungen gegen die öffentliche Hand, also Staats- oder Kommunalkrediten. Man sagt auch, der Pfandbrief ist dadurch „gedeckt“. Auf dem europäischen Markt werden Pfandbriefe deshalb als „Covered Bonds“ (gedeckte Anleihen) bezeichnet. Je nach Art der Deckungsmasse unterscheidet man die verschiedenen Pfandbriefarten (auch „Covered Bond Gattungen“ genannt): Hypothekenpfandbriefe, Öffentliche Pfandbriefe, Flugzeugpfandbriefe.

Pfandbrief-Umlauf 2016

Quelle: pfandbrief.de

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Am Pfandbriefgeschäft sind 3 Parteien beteiligt: Die erste Partei ist der Anleger, der einer Bank Geld leiht und dafür einen Pfandbrief bekommt. Die zweite Partei, die Bank, zahlt dem Anleger Zinsen für das geliehene Geld. Nach Ablauf einer festgelegten Frist bekommt er außerdem das Geld von ihr zurück gezahlt. Der Ablauf funktioniert soweit also wie bei jeder anderen Anleihe. Es kommt nun allerdings noch eine dritte Partei hinzu: ein Bankkunde, an den die Bank das Geld des Anlegers weiterreicht, zum Beispiel in Form eines Immobilienkredits. Das heißt, dass mit den Einnahmen aus der Emission von Pfandbriefen langfristige Hypothekendarlehen vergeben werden, die der Finanzierung von den Grundstücken, Gebäuden, Schiffen, Flugzeugen und Kommunen dienen können.

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Ein Pfandbriefinhaber hat grundsätzlich kein Kündigungsrecht. Die Rückzahlung erfolgt meist durch Auslosung, globale Kündigung oder freihändigen Rückkauf, also zu keinem festen Termin, aber dennoch innerhalb einer bestimmten Laufzeit. Die Auslosung ist ein besonderes Verfahren, bei dem einige Nummern des emittierten Pfandbriefs gezogen werden. Die Nummern dieser Wertpapiere werden zu diesem Zeitpunkt zurückgezahlt. Die verbliebenen bekommen weiterhin eine Verzinsung und werden erst zurückbezahlt, wenn sie bei der Auslosung ausgewählt werden. Es ist aber sichergestellt, dass jeder Pfandbrief innerhalb seiner festgelegten Laufzeit ausgelost wird.

Pfandbriefe werden fast ausnahmslos an der Börse gehandelt. Gekauft werden sie vor allem von institutionellen Anlegern wie Versicherern und Pensionsfonds. Im Jahr 2017 betrug das Umlaufvolumen von Pfandbriefen 362 Mrd. € und verzeichnete damit zum ersten Mal seit 17 Jahren keinen Rückgang.

Der Kurs von Pfandbriefen ist meist sehr beständig und ihr Zinssatz ist regelmäßig ein wenig höher als der für Staatsanleihen – trotz der strengen Absicherung. Das liegt daran, dass nicht so viele Pfandbriefe wie Staatsanleihen herausgegeben werden. Das hat Auswirkungen auf ihre Handelbarkeit: Die Umsätze bei Pfandbriefen sind meist geringer, sodass man sie nicht so schnell handeln kann. Eine Sonderform dabei sind Jumbo-Pfandbriefe. Die gibt es seit 1995. Der Begriff ist nicht gesetzlich geregelt, aber der Verband deutscher Pfandbriefbanken hat die Merkmale definiert. Demnach müssen diese ein Mindestemissionsvolumen von 1 Mrd € erreichen.

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Strenge Vorgaben für Pfandbriefe

Pfandbriefe sind durch ein spezielles Gesetz, das Pfandbriefgesetz (PfandBG), geregelt. Es stellt strenge Anforderungen auf, die im Folgenden erläutert werden.

  1. Pfandbriefe dürfen nur durch sogenannte „Pfandbriefbanken“ ausgegeben werden. Sie benötigen eine schriftliche Erlaubnis der BaFin und werden zudem regelmäßig von ihr überprüft. In Deutschland sind diese Banken, insgesamt 45, im „Verband deutscher Pfandbriefbanken“ (vdp) zusammengeschlossen.

  2. Die den Pfandbriefen zugrunde liegenden Sicherheiten werden aus dem Vermögen der Bank ausgesondert, sodass Pfandbriefe im Falle einer Insolvenz der Bank weitgehend vor Zahlungsausfällen geschützt sind. Denn bei der Insolvenz einer Pfandbriefbank werden die Ansprüche von Pfandbriefinhabern vorrangig bedient.

  3. Pfandbriefbanken müssen den Barwert von Pfandbriefen jederzeit absichern. Dazu müssen Deckungswerte vorhanden sein, deren Barwert den der umlaufenden Pfandbriefe um 2 % übersteigt. Die ordentliche Deckung (also 100 % des Gesamtbetrags der umlaufenden Pfandbriefe) darf nur durch Hypotheken von mindestens gleicher Höhe und mindestens gleichem Zinsertrag erfolgen. Für die Erfüllung der Überdeckungs-Anforderung (also die hinzukommenden 2 %) werden nur bestimmte Schuldverschreibungen und Schuldbuchforderungen von Emittenten mit besonders hoher Bonität sowie Forderungen gegenüber der Europäischen Zentralbank anerkannt.

  4. Die Deckungswerte unterliegen zudem einer geografischen Restriktion: Der Sicherungsgegenstand muss sich in einem bestimmten Länderkreis befinden. Dazu gehören Deutschland, die EU-Staaten, die Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), Schweiz, USA, Kanada, Japan, Australien, Neuseeland und Singapur.

  5. Die Einhaltung der Vorschriften zum Deckungsstock wird durch einen Treuhänder überwacht, der von der BaFin bestellt wird.

  6. Immobilien, Schiffe und Flugzeuge dürfen von Pfandbriefbanken nur bis zur Höhe von 60 % des Beleihungswerts, der von Sachverständigen festgestellt wird, beliehen werden. Der Beleihungswert liegt regelmäßig unter dem Marktwert. Er darf keine spekulativen Elemente einbeziehen, sondern berücksichtigt nur die langfristigen, nachhaltigen Merkmale einer Immobilie. Im Gegensatz zum Marktwert sollte er somit möglichst keine Schwankungen aufweisen.

  7. Darüber hinaus müssen die Banken ihre Liquidität für die nächsten 180 Tage sichern und dafür einen taggenauen Abgleich zwischen fällig werdenden Forderungen und Verbindlichkeiten vornehmen.

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Besondere Eigenschaften des Pfandbriefs

Aufgrund der besonderen gesetzlichen Vorgaben hat der Pfandbrief wiederum auch folgende 3 besonderen Qualitäten: Mündelsicherheit, Lombardfähigkeit und Deckungsstockfähigkeit.

Übersicht: Eigenschaften des Pfandbriefs
Mündelsicherheit

Eine mündelsichere Anlage ist ein Finanzinstrument, in das ein Vormund das Vermögen seines Mündels anlegen darf. Denn per Gesetz darf er dies nur in besonders sichere Anlagen.

Lombardfähigkeit

Lombardfähige Wertpapiere sind Finanzinstrumente, die für einen Kredit bei der Deutschen Bundesbank bzw. der Europäischen Zentralbank beliehen werden können. Auch dies ist ein Kennzeichen für besonders sichere und marktgängige Wertpapiere.

Deckungsstockfähigkeit

Die Deckungsstockfähigkeit erlaubt es Versicherungen, einen Pfandbrief für ihren „Deckungsstock“ (seit 2004: „Sicherungsvermögen“) zu verwenden, der die Ansprüche von Versicherungsnehmern gegen die Versicherung absichert.

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Verbleibende Risiken

Trotz aller Sicherheiten, die ein Pfandbrief besitzt, ist die Pfandbrief-Investition dennoch nicht komplett risikofrei. Es gibt 4 wesentliche Risiken für den Anleger:

  1. Gläubigerrisiko: Der Anleiheschuldner, also die Pfandbriefbank, könnte möglicherweise die Zins- und/oder Rückzahlung ganz oder teilweise nicht erbringen. Zwar verringert die Deckung der Pfandbriefe dieses Risiko, eliminiert es aber nicht vollständig.

  2. Zinsänderungsrisiko: Da der Pfandbrief grundsätzlich einen festen Zinssatz hat, besteht das Risiko, dass dieser während der Laufzeit unter das aktuelle Zinsniveau auf dem Rentenmarkt sinkt. In diesem Fall würde sich die Pfandbrief-Investition nicht mehr lohnen.

  3. Kursrisiko: Falls der Anleger seinen Pfandbrief vor dem Ende der Laufzeit an der Börse verkauft, hängt der Erfolg seiner Anlage von der allgemeinen Entwicklung des Kurses und der Marktzinsen ab.

  4. Inflationsrisiko: Die Inflation kann während der Laufzeit des Pfandbriefes so sehr zunehmen, dass der reale Wert der zukünftigen Rückzahlung unter den ursprünglichen Anlagebetrag sinkt, sodass der Anleger mit seiner Vermögensanlage einen Verlust erleidet.

Erprobtes Wertpapier

Ein regelrechtes Schreckensszenario für die Pfandbriefe war die Finanzkrise: Pfandbriefbanken standen vor der Pleite. Abgesehen davon, dass die Banken dann staatlich gerettet wurden, ist es allerdings praktisch unmöglich, dass alle Voraussetzungen für einen Ausfall von Pfandbriefen gleichzeitig vorliegen. Denn die Anleger müssen sich nicht allein auf die Kreditwürdigkeit der Banken verlassen. Zusätzlich müssen die Sicherheiten massiv an Wert verlieren; konkret muss der Wert der beliehenen Immobilien um mehr als 40 % fallen. Pfandbriefe sind also besonders gut abgesichert. Deshalb haben sie diese Feuerprobe auch bestanden.

Die Alternative zum Pfandbrief

Im aktuellen Niedrigzins-Umfeld bietet dieses Wertpapier jedoch kaum Renditemöglichkeiten. Eine Alternative für Anleger, die höhere Zinsen erwirtschaften wollen, gleichzeitig aber nach einer Anlage mit einem dahinterstehenden „Pfand“ suchen, ist das Immobilien Crowdinvesting in Bestandsimmobilien. Hierbei schließen sich viele Privatanleger über eine Internetplattform zusammen und können so gemeinsam mittels Darlehen größere Investitionsbeträge für Immobilien aufbringen. Mit ihrem bestehenden und bewertbaren Sachwert haften die Bestandsimmobilien für die Darlehensaufnahme bei den Crowd-Anlegern und generieren durch die bereits laufenden Mieteinnahmen die geplanten Zinszahlungen und auch die Rückzahlung. Weitere Infos und Investitionsmöglichkeiten finden Sie hier.

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