Auslaufmodell Lebensversicherung: Wieso Sie Alternativen finden müssen

Valeria Nickel, 05.07.2017

Zwischen Altersvorsorge und Risiko-Absicherung: Eine Lebensversicherung hat mehrere Gesichter

Lebensversicherungen sind populär – über 90 Mio Verträge gibt es in Deutschland. Dabei unterscheidet man zwei Formen: die Risikolebensversicherung und die Kapitallebensversicherung. Bei der Risikolebensversicherung wird allein der Todesfall versichert. Stirbt der Versicherte während der Laufzeit des Vertrages, erhalten die Hinterbliebenen eine vereinbarte Versicherungssumme. Sinn und Zweck dieser Form der Lebensversicherung ist also die Absicherung der Familie oder des Partners vor dem Renteneintritt.

Die Kapitallebensversicherung dagegen ist ein Altersvorsorge-Klassiker. Der Versicherungsnehmer erlebt im Regelfall den Vertragsablauf und erhält dann eine im Versicherungsschein vereinbarte Summe inklusive einer Gesamtverzinsung. Diese setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: Dem gesetzlich festgelegten Garantiezins sowie der Überschussbeteiligung, die von der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt, der Entwicklung des versicherten Risikos und den internen Kosten des Versicherers beeinflusst wird. Überschüsse entstehen zum Beispiel dann, wenn die Kapitalanlage der Lebensversicherer höhere Erträge abwirft, als für die garantierte Verzinsung der Sparanteile ihrer Kunden notwendig ist. Wie hoch die Überschussbeteiligung genau ausfallen wird, weiß man zu Beginn nicht.

Die Zinsen für die Versicherungsnehmer fallen

Lange Zeit gab es für das eingezahlte Geld der Sparer hohe Garantiezinsen und hohe Überschussbeteiligungen. So sprangen für den Versicherten gute Auszahlungssummen zum Ende der Laufzeit heraus. Nun haben die Versicherungsunternehmen jedoch immer mehr Schwierigkeiten, ihre Zinsversprechen zu halten. Denn sie bekommen auf sichere Anlageformen wie beispielsweise Staatsanleihen
zurzeit praktisch gar keine oder sogar negative Zinsen. Dies führt zu einer Talfahrt des Garantiezinses – auf zuletzt magere 1,25 %. Dieser bleibt zumindest bis zum Jahr 2018 weiter erhalten, obwohl die Regierung ihn zunächst sogar ganz abschaffen wollte. Zum Vergleich: In den 90ern gab es satte 4 %. Was viele Kunden außerdem nicht wissen: Die Mindestverzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Prämie. Das ist der Teil, der nach Abzug der Kosten und Provision der Versicherungsgesellschaft und des Risikoschutzes noch für die Anlage zur Verfügung steht und nur bei rund Dreiviertel der gezahlten Prämie liegt.

Demgegenüber dürfen die Versicherer sich mit dem Geld der Versicherten meist nicht an risikoreichen und damit renditeträchtigeren Anlagen beteiligen. Dafür sorgt seit dem 1. Januar 2016 vor allem auch das neue Aufsichtsrecht „Solvency II” der EU-Kommission. Es „bestraft” Versicherer, die sehr langfristige Zinsverpflichtungen gegenüber Kunden eingegangen sind, mit höheren Eigenkapitalanforderungen. Neukunden, die erst kürzlich eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, leiden darunter, dass Versicherer eine Zinszusatzreserve in Milliardenhöhen aufbauen mussten, um alte Verträge mit höheren Zinsen gemäß den gesetzlichen Vorgaben abzusichern.

So wird das klassische Produkt/der „Everybody’s Darling” durch die Nullzinspolitik der EZB zum Auslaufmodell.

Die Lebensversicherung zu kündigen ist teuer – es gibt jedoch Alternativen

Versicherungsnehmer, die bereits eine Lebensversicherung besitzen, sollten sich aber vor Kurzschlussreaktionen hüten. Ein Ausstieg vor Ablauf des Vertragsendes ist mit erheblichen finanziellen Verlusten verbunden. Das Vermögen in Edelmetalle wie Gold oder Aktien umzuschichten, verursacht enorme Gebühren und Transaktionskosten sowie Stornogebühren beim Ver­sicherungs­unternehmen und Kapitalertragssteuern, die selbst Traumrenditen kaum wieder einspielen können. Deshalb sollten Sie möglichst nicht Ihre Lebensversicherung kündigen.

Brauchen Sie kurzfristig Geld, so verkaufen Sie bestehende Kapitallebensversicherungen besser, als sie zu kündigen. Wenn man seine Police an professionelle Ankäufer verkauft, führen sie die Lebensversicherungen weiter und es entstehen keine Kosten durch Abbruch bzw. Kündigung. Es gibt unzählige Anbieter, die Kaufangebote für Versicherungen unterbreiten. Trotzdem ist der Rückkaufswert von Lebensversicherungen meist nicht so hoch, Versicherungsnehmer erhalten etwa 5-10 % mehr als bei einer Kündigung.

So oder so müssen Anleger sich nach alternativen Anlageformen umschauen und höhere Risiken akzeptieren, wenn sie hohe Renditen erwirtschaften wollen.

Ein Angebot mancher Lebensversicherer wäre die Fondsgebundene Lebensversicherung. Hier wird der Versicherungsschutz mit einer renditestarken, aber auch risikoreichen Anlageform verknüpft. Es gibt keine Zinsgarantie. Die Rendite des Versicherten hängt dann von der Wertentwicklung der Investmentfonds ab. Solche Fondsversicherungen sind nur für zahlungskräftige Kunden empfehlens­wert. Denn das Risiko der Geldanlage übernimmt nicht die Versicherung, sondern die Kunden. Sollte sich die Anlage negativ entwickeln, bekommen die Versicherten bei Vertragsende möglicherweise sogar weniger zurück, als sie an Beiträgen gezahlt haben.

Immer mehr Versicherer werben zudem für neue Produkte mit flexibler Gewinnbeteiligung. Selbst die konservativeren Anbieter wie Debeka, Volkswohl Bund und Alte Leipziger bieten inzwischen Alternativen an, die sich im Chancen-Risiko-Profil zwischen der klassischen Lebensversicherung mit garantiertem Zins und den Fondspolicen, bei denen der Versicherungsnehmer das Anlagerisiko trägt, einsortieren.

Tendenziell müssen also die Kapitalmarktrisiken künftig stärker die Anleger schultern. Dies kommt zu dem dauerhaft niedrigen Garantiezins und schlechten Überschussbeteiligungen hinzu.

Statt weiter an Produkten der Lebensversicherungen festzuhalten, können Anleger ihr Kapital auch anderweitig diversifizieren. Es ist sinnvoller, die
Altersvorsorge oder den Todesfallschutz vom eigentlichen Anlageprodukt zu trennen. Fondsgebundene Lebensversicherungen sind nicht die einzige oder beste Option, um den Niedrigzinsen zu entgehen.

Die Lebensversicherung sollte nicht als einzige Geldanlage dienen

Gebühren sparen bei Vermögensumschichtungen können Sie mit modernen Anlageformen aus der FinTech-Branche wie dem Crowdinvesting. Über
Internetplattformen wie BERGFÜRST
können sich dabei mehrere Kleinanleger zusammenschließen und gemeinsam eine große Menge an Kapital aufbringen. Via
Mezzanine-Kapital
können Kleinanleger so ihr Geld in Anlageklassen investieren, die bisher nur professionellen Investoren vorbehalten waren. Dadurch profitieren Sie von den hohen Zinsen
in diesen Anlageklassen und müssen aufgrund der schlanken Online-Strukturen keine Verwaltungsgebühren oder Provisionen zahlen.

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