Was sind Derivate? – Definition, Arten und Funktion

Annette de los Santos, 25.07.2017

Hinter dem Begriff Derivate verbergen sich eine Vielzahl von Finanzinstrumenten und es werden laufend neue entwickelt. Früher wurden diese von Banken und institutionellen Anlegern vor allem zur Absicherung anderer Geldanlagen genutzt. Mittlerweile werden sie auch als lukratives Investment für Privatanleger beworben. Kritiker dagegen bezeichnen Derivate als reine Wettgeschäfte. Folgender Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Formen und deren Risiken.

Was sind Derivate und wie funktionieren sie?

Derivat bedeutet wörtlich „abgeleitet” und ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von innovativen Finanzprodukten. Allen gemein ist, dass sie prinzipiell eine indirekte Investition in z.B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Devisen (Basiswerte), Indizes oder Zinssätze sind. Die Basiswerte werden vom Anleger nicht direkt gekauft, sondern es werden Derivate auf diese Basiswerte (Underlyings) erworben und somit auf deren künftige Wertentwicklung spekuliert. Sie werden daher auch als Termingeschäfte oder Terminkontrakte bezeichnet. Im Gegensatz zu einem Investment in den Basiswert kann auch auf fallende Kurse/Preise gesetzt werden. Derivate ermöglichen, ohne die dingliche Inhaberschaft am Basiswert an dessen Marktentwicklung zu partizipieren.

Derivate auf eine steigende Wertentwicklung werden als long, call oder bull bezeichnet, solche auf eine sinkende Wertentwicklung als short, put oder bear. Beim Kauf von Derivaten kommt zwischen Verkäufer und Käufer ein Vertrag zustande, der sehr unterschiedliche Gestaltungen haben kann. So müssen Derivate nicht 1:1 am Basiswert partizipieren, sondern es können auch andere Bezugsverhältnisse festgelegt werden. Die Struktur kann sehr einfach (z.B. Knockout-Zertifikate) oder auch sehr komplex (Contracts for Difference oder auch CFDs) gehalten sein. Die Gebührenstruktur ist für den Käufer häufig schwer erkenn- bzw. nachvollziehbar. Gleiches gilt für die vertraglichen Bedingungen. (Unerfahrene) Anleger können böse Überraschungen erleben, wenn sie die Bedingungen nicht verstehen.

Institutionelle Anleger sowie Banken und andere Finanzinstitute, aber auch Handels- und Industrieunternehmen nutzen Derivate hingegen zum Transfer von Risiken bzw. zur Absicherung von Basiswerten, die sie im Bestand haben. Dieser Vorgang wird als Hedging bezeichnet.

Die historische Bedeutung des Handels mit Derivaten

Der Handel mit Derivaten ist bereits mehrere tausend Jahre alt. Ursprünglich diente er jedoch hauptsächlich der Absicherung von Preisen auf Warenterminkäufe in Form einfacher Futures. Bereits im 17. Jahrhundert wurden in Japan jedoch erstmals Optionen auf Reis ohne physische Lieferverpflichtung gehandelt. Ebenfalls im 17. Jahrhundert entstand in Amsterdam die erste Spekulationsblase durch Forwards und Optionen auf Tulpen, die als „Tulpenmanie” bekannt wurde.

Mittlerweile haben sich vielfältige Formen herausgebildet und der Derivatehandel ist an den Börsen das vermutlich am schnellsten wachsende und sich verändernde Segment des internationalen Finanzwesens. Hinzu kommt, dass die emittierenden Banken unterschiedliche individuelle Bezeichnungen für das gleiche Produkt verwenden. Es gibt sogar auf Derivate spezialisierte Fonds, z.B. auf Goldanlagen in Verbindung mit Terminkontrakten auf Gold.

Welche Arten von Derivaten gibt es?

Kurz gefasst sind Hebelprodukte Finanzderivate, die überproportional an der Entwicklung eines Basiswertes (z.B. Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, Devisen) partizipieren. Bei Ausgabe des Derivates ist dieses mit einem bestimmten Preis und einem Hebel zum Basiswert ausgestattet, der sich je nach Kursbewegung des Basiswerts verändert. Es wird zudem ein bestimmtes Bezugsverhältnis festgelegt. Beispielsweise bedeutet ein Hebel von 4 und ein Bezugsverhältnis von 1,0, dass bei einer Veränderung des Basiswerts (z.B. Gold) um 1 Geldeinheit (US$) das Zertifikat sich um das Vierfache verändert, sowohl positiv als auch negativ. Bei geringerem Geldeinsatz gegenüber dem Kauf des Basiswertes kann folglich bei positiver Entwicklung des Basiswerts ein deutlich höherer Kursgewinn realisiert werden.

Arten von Derivaten

Die wichtigsten derivativen Finanzinstrumente sind:

Außerdem kann der Anleger auf fallende Kurse/Preise setzen. Rechtlich handelt es sich um Schuldverschreibungen des Emittenten gegenüber dem Käufer. Zu diesen Hebelprodukten gehören „nackte” Optionsscheine, die im Gegensatz zu den traditionellen Optionsscheinen kein Recht auf den Erwerb von Aktien in Verbindung mit einer Optionsanleihe verbriefen, sowie Knockout-Zertifikate und Mini Futures. KO-Zertifikate verfallen wie nackte Optionsscheine bei Erreichen eines bestimmten Schwellenwerts wertlos. Mini Futures garantieren für diesen Fall einen bestimmten Restwert. Dieser wird allerdings durch höhere Anschaffungskosten vom Anleger im Voraus bezahlt. Die jeweilige Bezeichnung der gleichen bzw. sehr ähnlichen Produkte variiert je nach Emittent.

Mini Futures bzw. Optionsscheine mit Restwertgarantie haben zumindest den steuerlichen Vorteil, dass deren Verluste aufgrund des vergüteten Restwerts steuerlich anerkannt werden. Dies ist bei den nahezu ohne Restwert verfallenden Optionsscheinen (Restwert in der Regel 0,001 €) seit 1. Januar 2015 nicht mehr der Fall.

Zertifikate

Es gibt eine kaum überschaubare Vielzahl unterschiedlicher Zertifikate und laufend kommen neue Zertifikatstypen hinzu. Zertifikate sind strukturierte Finanzinstrumente. Auch bei Zertifikaten wird ein Bezugsverhältnis festgelegt. Dadurch erhält ein Anleger die Möglichkeit, mit relativ geringem Kapitaleinsatz an einer positiven Entwicklung eines Basiswertes zu partizipieren. Ein aktives Management wie bei Fonds findet nicht statt, sodass Zertifikate vergleichsweise weniger Kosten verursachen. Im Folgenden geben wir einen Überblick über einige, bekannte Zertifikatetypen.

Übersicht: Verschiedene Zertifikate
Indexzertifikat

Für ein Indexzertifikat auf den DAX muss der Anleger beispielsweise nicht 11.700 € aufwenden, sondern z.B. nur ein Hundertstel (Bezugsverhältnis 1 zu 100) davon, also 117 €. Man kann dies auch dahingehend umdeuten, dass eine 1 € DAX-Veränderung eine 1 Cent Veränderung des Kurses des Zertifikats bedeutet. Auf diese Weise profitiert der Investor überproportional von Steigerungen des Index, ebenso partizipiert er aber auch an Kursverlusten. Indexzertifikate sind für den Anleger relativ gut überschaubar und werden daher auch von weniger erfahrenen Anlegern als Investment genutzt.

Bonuszertifikate

Zu den bekannteren Zertifikaten gehören auch Bonuszertifikate und Discountzertifikate. Diese gibt es ebenfalls auf Indizes oder auch z.B. auf einzelne Aktien.

Bei Bonuszertifikaten ist das Gewinnpotenzial aus Kurssteigerungen (Bonus) für den Anleger nicht beschränkt, sondern er partizipiert in voller Höhe daran. Gleichzeitig ist das Zertifikat mit einem Sicherheitspuffer, also einem bestimmten Rückzahlungsbetrag zum Fälligkeitszeitpunkt, ausgestattet. Anders als bei der Aktienanlage erhält der Anleger im Gegenzug keine Dividenden auf den Basiswert – dies gilt im Übrigen auch für die anderen Zertifikate.

Discountzertifikate

Bei Discountzertifikaten erhält der Anleger einen Rabatt auf den zum Erwerbszeitpunkt gültigen Börsenkurs des Zertifikates. Über die Laufzeit wird dieser Abschlag kontinuierlich abgebaut, auch wenn sich der Kurs des Basiswertes nicht verändert. Demgegenüber ist die Partizipation des Anlegers an steigenden Kursen auf einen vorher festgelegten Kurs (Cap) begrenzt. Dies ist zugleich der maximal mögliche Rückzahlungsbetrag des Zertifikates. Notiert die Aktie nicht oberhalb des Cap Kurses, muss der Anleger ggf. in Kauf nehmen, dass er statt der Rückzahlung die zugrunde liegenden Aktien erhält. Hierin besteht eine Parallele zu den unten beschriebenen Aktienanleihen.

Outperformance Zertifikate

Outperformance Zertifikate sind dadurch gekennzeichnet, dass sie ab dem Basispreis überproportional an Kurssteigerungen (z.B. 2:1) partizipieren, während Kursverluste nur 1:1 berücksichtigt werden. Besonders attraktive Partizipationsraten bieten Zertifikate auf Basiswerte mit hohen Dividenden und geringer Volatilität.

Sprint-Zertifikate

Sprint-Zertifikate sind eine Sonderform der Outperformance Zertifikate. Sie nehmen an Kurssteigerungen überproportional innerhalb einer bestimmten Bandbreite (Korridor) teil. Sie sind also gedeckelt, d.h. mit einer Gewinnbegrenzung (Cap) ausgestattet.

Schmetterlingszertifikate

Schmetterlingszertifikate, auch als Butterfly Zertifikate, Win-Win Zertifikate oder Twin-Win Zertifikate bezeichnet sind Oberbegriffe für eine Produktfamilie, bei der Anleger bei Veränderungen des Basiswertes nach oben und unten positiv partizipieren können. Ein eingebauter Hebel sorgt dafür, dass das Zertifikat überproportional an Kurssteigerungen des Basiswertes partizipiert (sog. Outperformance). Für Schwächephasen des zugrundeliegenden Basiswerts ist das Zertifikat mit einem komplizierten Sicherheitsmechanismus ausgestattet. Kursrückgänge werden bei Laufzeitende nicht nur bis zu einer bestimmten Barriere (sog. Protectlevel) aufgefangen, sondern der Anleger partizipiert positiv an diesen Kursrückgängen. Fällt der Basiswert während seiner Laufzeit von seinem Emissionsniveau aus nie auf oder unter die festgelegte Barriere, erhält der Anleger den auf den Basiswert des Emissionszeitpunktes bezogenen Verlust 1:1 zum Rückzahlungszeitpunkt als Gewinn ausgezahlt. Diese Zertifikateform ist eher für starke Werte mit überschaubaren Kursschwankungen geeignet.

Tracker-Zertifikat

Ein Tracker-Zertifikat kann eine Aktie oder einen Index als Basiswert haben. Der Kursverlauf des Basiswertes wird 1:1 abgebildet. Der besondere Vorteil von Tracker-Zertifikaten besteht darin, dass der Anleger auch an Märkten partizipieren kann, zu denen er normalerweise keinen Zugang hat. Er kann z.B. am Strompreisindex partizipieren. In der Regel sind auch diese Zertifikate nicht dividendenberechtigt. Allerdings gibt es einige Sonderformen, bei denen ein Dividendenabschlag für die erwartete Dividende bei der Preisfindung abgezinst berücksichtigt wird. Sie sind unter den Namen Dividenden-Tracker oder Einkommensteuer- (ESt-)Tracker bekannt.

Aktienanleihen

Zu den Zertifikaten gehören entgegen der missverständlichen Bezeichnung auch Aktienanleihen. Hierbei handelt es sich um eine Kombination einer verzinsten Geldanlage mit der Möglichkeit, statt der Rückzahlung der Anleihe Aktien eines bestimmten Basiswertes zu erhalten, allerdings nur, wenn der Wert der zugrundeliegenden Aktie unter einen bestimmten, vorher festgelegten Kurs gesunken ist. Der Anleger partizipiert also nicht an Kurssteigerungen der Aktie, wohl aber an Kursverlusten. Der meist attraktive Zinssatz kann derartige Verluste teilweise kompensieren.

Zu den vorstehend genannten Grundformen gibt es unzählige Abwandlungen, sodass für jeden Investor praktisch ein Vehikel zur Ergänzung seines Portfolios zur Verfügung steht. Vorteile von Zertifikaten sind der gegenüber der Aktienanlage deutlich geringere Kapitaleinsatz und bei einigen Zertifikatstypen der Zugang zu sonst nicht zugänglichen Märkten. Dem stehen der fehlende Dividendenanspruch, das Risiko des Totalverlustes und das Emittentenrisiko bei Insolvenz der emittierenden Bank als Nachteile gegenüber. Die Funktionsweise, die Risiken und die Gebührenstruktur sind selbst für erfahrene Anleger oft schwer durchschaubar. Für unerfahrene Anleger sind Zertifikate eher nicht zu empfehlen.

Futures

Ein Future ist ein bezüglich Menge, Qualität und Liefertermin standardisierter Terminkontrakt. Dabei verpflichtet sich eine Vertragspartei, eine definierte Menge eines Finanzprodukts (Finanzterminkontrakt bzw. Financial Future) oder einer Ware (Commodity Futures) zu einem vorher festgesetzten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt in festgelegter Qualität an einem bestimmten Ort zu liefern (Short Position). Die andere Partei verpflichtet sich zur Abnahme (Long Position). Auf den ersten Blick erinnert diese Gestaltung an Optionen (Optionsscheine). Allerdings gibt es bei den Futures kein Wahlrecht zur Ausübung. Auf beiden Seiten besteht eine Leistungsverpflichtung.

Futures werden daher den unbedingten Derivaten zugeordnet. Wie bei den Optionen findet auch hier in der Regel der Austausch nicht als Realtausch, sondern in Geld statt. Der Käufer muss keine Prämie zahlen (Optionspreis bei der Option), da kein Wahlrecht sondern eine Abnahmeverpflichtung besteht. Allerdings ist beim Erwerb des Futures in der Regel eine Sicherheitsleistung in Form einer Anzahlung (zwischen 5 % und 15 % des Kontraktwerts) zu leisten. Man spricht auch von „Erwerb auf Marge”. Die Sicherheitsleistung ist variabel, da sie sich auf das Verhältnis von Vorschuss zu Kontraktwert bezieht. Sinkt die Marge, kann der Broker Nachschusszahlungen verlangen oder die Position glattstellen, was beim Anleger zu Verlusten führen kann. Steigt hingegen die Marge, erhält der Erwerber in der Regel eine Zinsgutschrift.

Zu den Financial Futures gehören Termingeschäfte auf Aktien, Zinsen, Devisen und Indizes. Commodity Futures betreffen Termingeschäfte auf Edelmetalle und andere Rohstoffe sowie Agrargüter.

Futures werden vor allem von Hedgefonds zu Kurssicherungszwecken genutzt. Für Produktionsunternehmen besonders wichtig ist die Preissicherung z.B. bei Agrar- oder Rohstoffen, die starken Preisschwankungen ausgesetzt sind. Industrieunternehmen z.B in der Nahrungsmittelindustrie, Kabelhersteller bzw. -verwender sowie Fluggesellschaften nutzen Commodity Futures, um z.B. heute bereits einen benötigten Nahrungsmittelrohstoff (beispielsweise Nüsse zur Produktion von Schokocreme oder Weizen für Nudeln), Kupfer für Kabel oder Kerosin zu einem festgelegten Preis in der Zukunft zu kaufen, um vor Preiserhöhungen geschützt zu sein. In diesen Fällen findet dann tatsächlich der Austausch Ware gegen Geld statt. Diese Warentermingeschäfte sind für Privatanleger zu riskant.

Futures werden an speziellen Terminbörsen, z.B. der EUREX, einer Tochter der Deutschen Börse, gehandelt. Relativ bekannte Financial Futures sind z.B. Bund-Futures (auf Bundesanleihen) und DAX-Futures. Die Anlagedauer beträgt 3 bis 9 Monate. Die Fälligkeiten bei diesen standardisierten Future-Kontrakten sind März, Juni, September und Dezember. Bund-Futures sind Zinstermingeschäfte und für Kleinanleger nicht geeignet, da sie eine Lieferpflicht für Bundesanleihen im Nennwert von 100.000 € beinhalten.

DAX-Futures hingegen werden mittlerweile auch von Privatanlegern erworben und sind vergleichsweise einfach zu verstehen. Der Anleger kann je nach eigener Einschätzung auf steigende oder fallende Kurse setzen. Dann kauft er einen DAX-Future. Wer auf einen sinkenden DAX-Kurs setzt, verkauft den DAX-Future.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung

Sie kaufen einen DAX-Future mit sechsmonatiger Laufzeit bei einem DAX-Stand von 10.000 Punkten. Für jeden Anstieg des DAX um einen Indexpunkt muss der Verkäufer an Sie 25 € bezahlen. Bei jedem entsprechenden Rückgang des DAX müssen Sie an den Verkäufer 25 € bezahlen. Entscheidend für das Entstehen von Gewinnen und Verlusten bei Ihnen sind bei dieser Geldanlage die Kursveränderungen des Dax während der Laufzeit.

Beispielrechnung

DAX-Stand: 10.000 Punkte

Kontraktwert: 10.000 × 25 € = 250.000 €

Margin: 5 % von 250.000 € = 12.500 €

    1. Der DAX steigt auf 10.050 Punkte. Ihrem Marginkonto werden 1.250 € (50 × 25) vergütet. Nach Ablauf des halben Jahres ohne weitere Kursveränderungen des DAX hätten Sie einen Gewinn von 1.250 € gemacht. Es ergibt sich dann, bezogen auf Ihren Kapitaleinsatz (Margin) ein Gewinn von 1.250 € = 10 %, dies entspricht 20 % p.a.
    2. Der DAX fällt um 100 Punkte auf 9.900 Punkte. Ihrem Margin-Konto werden 2.500 € (100 × 25) belastet. Wenn der Mindestbetrag des Margin-Kontos dadurch unterschritten ist, wird der Betrag (Nachschuss) von Ihrem Bankkonto cashwirksam eingezogen. Falls innerhalb des halben Jahres keine weiteren Kursveränderungen des DAX eintreten, haben Sie einen endgültigen Verlust von 2.500 € erlitten. Dies sind bezogen auf den Margin-Kapitaleinsatz 20 %, d.h. 40 % p.a.

Wie vorstehendes Beispiel zeigt, bestehen neben attraktiven Renditechancen auch hohe Verlustrisiken. Aufgrund dessen, dass der Anleger nur die Margin einzahlt, besteht zudem die Gefahr, dass nur geringe Liquidität investiert wird, im Verlustfall aber mehr Liquidität abfließt, als der Anleger verkraften kann.

Die Investition in Futures setzt ein hohes Maß an Marktkenntnis, Risikobewusstsein und finanzielle Rücklagen auf Investorenseite voraus. Daher sind diese Finanzinstrumente für Einsteiger nicht zu empfehlen. Eine Möglichkeit der Risikobegrenzung wie bei bestimmten Zertifikatstypen gibt es bei Futures nicht.

Contracts for Difference (CFDs)

Rechtlich handelt es sich bei CFDs um Inhaberschuldverschreibungen des Emittenten. Von der Funktionsweise ähneln die CFDs den Futures, denn auch hier ist eine Margin von einigen Prozent zu hinterlegen und es besteht eine Nachschusspflicht bei Verlusten. CFDs sind vom Grundprinzip aber keine Termingeschäfte, sondern ein Instrument des Daytrading, sie sind also für den kurzfristigen Handel vorgesehen. Es bestehen keine gegenseitigen Lieferverpflichtungen. Mit CFDs kann ebenfalls auf fallende und auf steigende Kurse gesetzt werden.

Wie andere Derivate auch, können CFDs auf Aktien, Rohstoffe, Devisen und Indizes gehandelt werden. Sollte die Position nicht innerhalb eines Tages geschlossen sein, fallen Overnight-Zinsen von 3,5 % bis 4 % p.a. an.

CFDs werden seit einigen Jahren von Banken und Finanzinstituten als attraktive Anlageform, mit der man mit geringem Kapitaleinsatz schnell Geld verdienen kann, beworben. Der Anleger kann durch die Tatsache, dass er nicht den vollen Kapitalbetrag, sondern nur die Margin bezahlen muss, verführt werden, mehr in CFDs zu investieren, als seine finanziellen Möglichkeiten eigentlich zulassen. Bei hohen Nachschusspflichten, die nicht mehr bedient werden konnten, mussten bereits diverse Anleger Privatinsolvenz anmelden. Wegen der erheblichen Risiken werden CFDs auch als „Zockerpapiere” bezeichnet.

Auch diese Derivate sind wegen der hohen Risiken für unerfahrene Anleger nicht zu empfehlen. Wenn Sie den Erwerb von CFDs planen, achten Sie darauf, dass keine Nachschusspflicht besteht. Einige Emittenten schließen die Nachschusspflicht aus, sodass zumindest keine Risiken über den Totalverlust des Kapitaleinsatzes hinaus bestehen. Zudem sollte man mit Limits und Stopp Loss arbeiten.

Forex-Handel

Der Forex-Markt wird auch als Währungs- oder Devisenmarkt bezeichnet. Forex steht für Foreign Exchange. Der Devisenmarkt ist kein Präsenzmarkt, sondern die Marktteilnehmer handeln über Banken und Broker miteinander. Der Forex-Markt ist der weltweit umsatzstärkste und liquideste Markt überhaupt. Das liegt vor allem daran, dass aufgrund der Zeitverschiebung von Sonntagabend bis Freitagabend jederzeit ein Devisenhandel möglich ist. Die eigentliche Kursbestimmung der Währungen findet am Interbankenmarkt statt.

Der Forex-Handel findet mit Währungspaaren (z.B. €/US$) statt. Die erstgenannte Währung setzt den Maßstab. Beim Forex-Handel spekuliert man auf die Kursentwicklung des gewählten Währungspaares. Basis ist der aktuelle Kurs (Spot-Kurs).

Genau wie andere Preise entstehen Wechselkursveränderungen durch Angebot und Nachfrage. Je gefragter eine Währung ist, desto höher steigt ihr Wert. Er wird andererseits durch politische und wirtschaftliche Entwicklungen beeinflusst.

Die Anleger handeln beim professionellen Devisenhandel mit gehebelten Derivaten, worin eine von mehreren Gemeinsamkeiten mit CFDs besteht. Auch beim Forex-Handel wird dem Trader nach Hinterlegung einer Sicherheitsleistung (Margin) zusätzliches Kapital für die Eröffnung einer Position zur Verfügung gestellt. Die Hebelwirkung ist hier gegenüber CFDs um ein Vielfaches höher – nicht selten wird das Vierhundertfache des eigentlichen Einsatzes vom Broker geliehen. Wegen der erheblichen Nachschusspflichten sollten daher nur limitierte Orders aufgegeben werden. Der Forex-Handel wird wegen der hohen Risiken auch als „Königsdisziplin des Tradings” bezeichnet.

Mit verführerischer Werbung werden potenzielle Investoren aufgefordert, im Forex-Handel zu investieren. Wegen der überaus großen Gefahren ist er jedoch nur für institutionelle Anleger und sehr erfahrene und vermögende Privatanleger geeignet. Unerfahrene Anleger sollten sich im Forex-Handel nicht engagieren. Wer dennoch Interesse hat, die Funktionsweise dieses Handelsinstruments in der Praxis kennenzulernen, kann bei den meisten Online Brokern, die Forex-Handel anbieten, mit Demo-Versionen ohne Risiken arbeiten.

Kosten von Derivaten

Je nach Derivat fallen unterschiedliche Kosten an, die für den Anleger nicht immer bzw. oft nicht vollständig transparent sind. Dies betrifft z.B. den wegfallenden Dividendenanspruch bei Aktienzertifikaten oder die Overnight-Verzinsung von CFDs. Auch das Konstrukt als solches spielt eine Rolle, wenn z.B. eine Partizipation am Verlust in voller Höhe, am Gewinn aber nur bis zu einer bestimmten Höhe stattfindet oder bei Mini Futures der Restwert schon im Vorhinein über erhöhte Anschaffungskosten abgedeckt ist. Die Emittenten verdienen selbstverständlich auch am sog. Spread, d.h. dem Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis.

Obwohl Anleger durchaus von den unendlichen Spielarten (dies ist durchaus wörtlich zu verstehen) von Derivaten profitieren können, kann man davon ausgehen, dass der Grundsatz der Spielbanken auch hier gilt: „Die Bank gewinnt immer”.

Fazit

Derivate gehören zweifelsfrei zu den stark spekulativen Finanzprodukten. Aufgrund des gegenüber dem Basiswert viel geringeren Kapitaleinsatz erscheinen sie Kleinanlegern besonders verlockend. Ein großer Vorteil der Derivate gegenüber Investitionen in Basiswerte ist auch, dass man mit ihnen auch auf fallende Märkte setzen kann.

Der attraktiven Performance stehen aber erhebliche, oft auch schwer kalkulierbare Risiken gegenüber.

Wichtige Vermögensfragen

Von dem zu Vermögensfragen oft konsultierten Börsenguru Andre Kostolany stammt folgendes Zitat:

  • „Wer viel Geld hat, darf spekulieren”
  • „Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren”
  • „Wer kein Geld hat, muss spekulieren”

Aus den genannten Gründen empfehlen wir Kleinanlegern, sich an Kostolany zu halten und nicht zu spekulieren. In Zeiten niedriger bzw. negativer Zinsen ist es zweifellos schwierig, überhaupt noch eine Rendite oberhalb der Inflationsrate zu erzielen.

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