Negativzinsen bei Bundesanleihen: Alternativen für Privatanleger

Artikel von Valeria Nickel; aktualisiert am 20.05.2022

Das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik: Negativzinsen auf Bundesanleihen. Und nicht nur, dass
sich die Rendite auf Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren immer wieder im negativen Bereich befindet –
2019 und 2020 rutschten selbst Bundesanleihen mit 30-jähriger Laufzeit immer wieder in den negativen Bereich.

Lange galten die Bundeswertpapiere als sicher und zinstragend zugleich. Daher sind sie weltweit zum wichtigsten
Finanzierungsmittel für institutionelle Anleger
geworden. Auch private Anleger haben – vor allem in den
Zeiten der europäischen Wirtschaftskrise – zu den Papieren mit geringer Ausfallwahrscheinlichkeit gegriffen. Die
Beliebtheit der Bundesanleihen ist ihnen nun jedoch zum Verhängnis geworden. Plötzlich mussten Investoren praktisch
Gebühren zahlen, um ihr Geld an die Bundesrepublik Deutschland verleihen zu dürfen.

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Was ist eine Bundesanleihe?

„Bundesanleihen“ bzw. Staatsanleihen sind Anleihen, die der
Staat als Emittent
ausgibt. Verantwortlich für das Privatkundengeschäft mit ihnen ist in Deutschland die Finanzagentur, deren alleiniger
Gesellschafter der Bund ist. Sie führt ein Schuldbuchkonto, auf dem die Papiere verwahrt werden. Je nach
Land und Laufzeit gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für eine
Bundesanleihe: „Euro-Bonds“ werden von Ländern innerhalb der Euro-Zone ausgegeben. Amerikanische Staats­anleihen mit
Laufzeiten zwischen einem und 10 Jahren heißen „T-Notes“ oder „Treasury Notes“. In Großbritannien nennen sie sich
„Gilts“. In Deutschland gibt es die „Bundeswertpapiere“. Sie sind der Oberbegriff für 3 verschiedene Arten von
Papieren
. Die klassischen „Bundesanleihen“ sind die Anleihen mit einer Laufzeit zwischen 10 und 30 Jahren.
Es sind also zehnjährige Bundeswertpapiere. Fünfjährige Papiere heißen „Bundesobligationen“ und Anleihen des Bundes mit
einer Laufzeit von bis zu 2 Jahren heißen „Schatzanweisungen“.

Über die Ausgabe von Anleihen finanzieren Staaten ihre Haushaltsdefizite. So sichern Bundeswertpapiere die
Zahlungsfähigkeit vom Bund. Investoren, die eine Staatsanleihe kaufen, geben dem jeweiligen Land also für einen vorab
festgelegten Zeitraum ein Darlehen. Dafür erhalten sie einen festgelegten, generell jährlichen Zins.
Diesen Zins bezeichnet die Finanzbranche auch als Kupon.
Die Zinszahlungen sind meist höher, je länger die Laufzeit ist, da die Investoren dann länger auf ihr Geld verzichten.
Zudem steigt mit zunehmender Laufzeit das Ausfallrisiko. Während der Laufzeit können die Anleger ihre Bundesanleihen
aber auch jederzeit an der Börse weiterverkaufen.

Deutschland als Negativzins-Einzelfall?

Staatsanleihen von Ländern mit einer sehr guten Bonität – wie Deutschland – hatten schon immer niedrige
Zinsen, da die Ausfallwahrscheinlichkeit verschwindend gering war. In letzter Zeit rangierten die Zinsen für die
zehnjährigen Bundesanleihen bei 0,5 %. Bei Titeln mit kürzeren Laufzeiten – zum Beispiel bei den
„Bundesschatzanweisungen“ – ist der Negativzins sogar bereits Alltag: Die Investition in zweijährige Bundeswertpapiere
ist seit Mitte 2014 durchgehend ein Verlustgeschäft.

Der Bund ist außerdem nicht das erste Land auf der Welt, dessen Anleihen Minuszinsen aufweisen. Die
vergleichbaren japanischen Papiere notieren seit Anfang März 2016 im negativen Bereich.

Welche Ursachen gibt es für die Zinsentwicklung?

Zwar notierten die Bundesanleihen schon seit längerer Zeit im Null-Bereich. Was aber hat den Trigger für den
Abrutsch in die Negativzinsen
ausgelöst?

Einerseits waren Marktstörungen wie die nervöse Stimmung an den Finanzmärkten vor der Abstimmung über den
Brexit verantwortlich für den „Run“ auf Bundesanleihen. Außerdem trägt die ultralockere
Geldpolitik
führender Notenbanken zu einer starken Nachfrage nach den vergleichsweise sicheren
Bundesanleihen bei. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) drückt die Zinsen, indem sie seit März 2015 im Rahmen
des sogenannten Quantitative Easing in großem Stil europäische Anleihen aufkauft. Die Währungshüter
wollen so die Titel für Banken als Investment uninteressanter machen, damit diese stattdessen mehr Kredite an
Unternehmen ausgeben. Zudem schauen sich die privaten Investoren aufgrund der Kursschwankungen am
Kapitalmarkt nach Anlage-Alternativen zur Aktie
um – und kaufen zum Beispiel deutsche Bundesanleihen. Das drückt deren Rendite weiter. Somit gibt es mehrere Ursachen
für die Zinsentwicklung.

Wer lässt sich auf die Negativzinsen ein?

Die Negativzinsen der Bundeswertpapiere bedrohen vor allem viele institutionelle Anleger. Hauptabnehmer der
Bundesanleihen sind Versicherer
und Pensionsfonds. Lebensversicherungen sind nämlich
gesetzlich dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Gelder in Staatsanleihen zu investieren. Deshalb müssen
sie nun in den sauren Apfel beißen, was für die Versicherungsnehmer weiterhin sinkende Garantiezinsen bedeutet. Auch
viele Geschäftsmodelle von Banken und Sparkassen sind bedroht.
Die Banken senken ihre Einlagezinsen zumindest für Privatkunden kaum unter Null und können auf der anderen Seite im
aktuellen Umfeld keine hohen Kreditzinsen verlangen.

Was sind Alternativen zu Bundesanleihen? Ein Blick auf die Strategie von Staatsinvestoren

Die aktuellen Entwicklungen bei den Bundesanleihen zwingen Anleger dazu, alternative Anlagemöglichkeiten zu suchen.

Besonders beliebt sind derzeit Immobilien. Das zeigt eine Global Sovereign Asset Management Studie von Invesco , die das Anlageverhalten von
Staatsfonds und Zentralbanken
analysiert. Die Studie zeigt, dass auch Staatsinvestoren ihren Fokus
mittlerweile auf Immobilien als Renditeobjekte legen.
Die Investitionen in Immobilien haben sich in
den letzten Jahren schneller entwickelt als die Investitionen in Private Equity und Infrastruktur zusammen. Aus der
Sicht der untersuchten Staatsinvestoren spricht für Immobilieninvestitionen, dass die Ausführungsrisiken
geringer
sind als bei Private Equity- und Infrastrukturanlagen.

Doch nicht nur für professionelle Anleger sind Immobilien eine
interessante Geldanlage. Durch das „Crowdinvesting“ können nun auch Kleinanleger via Mezzanine-Kapital
in größere Immobilienprojekte investieren, die aufgrund der hohen Einstiegsbeträge bisher nur den Großanlegern
vorbehalten waren. Dabei schließt man sich mit vielen anderen Privatanlegern über eine Internetplattform zusammen
und investiert als „Crowd“ zusammen in einzelne Bauprojekte. Die moderne Anlageform verspricht Zinsen von
bis zu 7,0 %. Außerdem funktioniert die sogenannte Schwarmfinanzierung bereits mit
kleinen Summen. So kann man in mehrere Immobilien gleichzeitig Geld investieren, ohne viel Vermögen aufbringen
zu müssen. Begünstigt wird dies zudem durch relativ
kurze Laufzeiten, wodurch das Kapital nicht auf lange Zeit gebunden ist und flexibel bleibt. Bei
der Crowdinvesting-Plattform BERGFÜRST kann man seine Anteile außerdem auch
schon vor Laufzeitende im Sekundärmarkt verkaufen. Sie sind also im Grunde überhaupt nicht an Laufzeiten gebunden,
da die Anteile je nach Angebot und Nachfrage handelbar sind. Zudem gibt es dank der
schlanken Online-Strukturen auf Crowdinvesting-Plattformen keine üblichen
Vertriebskosten
– so wird der an sich bereits hohe Zinssatz maximiert. Wer auf
„Betongold“ vertraut, aber sich nicht mit einer niedrigen Rendite zufrieden geben und von einer Notenbank abhängig
sein möchte, sollte das Crowdinvesting in Erwägung ziehen. Informieren Sie sich auch über
aktuelle Investitions­möglichkeiten.

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