Bundesanleihen

Negativzinsen bei Bundesanleihen: Alternativen für Privatanleger

Valeria Nickel, 12.07.2017

Das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik: Negativzinsen von minus 0,003 % im Juni 2016 auf Bundesanleihen. Lange galten die Bundeswertpapiere als sicher und zinstragend zugleich. Daher sind sie weltweit zum
wichtigsten Finanzierungsmittel für institutionelle Anleger geworden. Auch private Anleger haben – vor allem in den Zeiten der europäischen Wirtschaftskrise – zu den Papieren mit geringer Ausfallwahrscheinlichkeit gegriffen. Die Beliebtheit der Bundesanleihen ist ihnen nun jedoch zum Verhängnis geworden. Plötzlich mussten Investoren praktisch Gebühren zahlen, um ihr Geld an die Bundesrepublik Deutschland verleihen zu dürfen.

Was ist eine Bundesanleihe?

„Bundesanleihen” bzw. Staatsanleihen sind Anleihen, die der
Staat als Emittent
ausgibt. Verantwortlich für das Privatkundengeschäft mit ihnen ist in Deutschland die Finanzagentur, deren alleiniger Gesellschafter der Bund ist. Sie führt ein Schuldbuchkonto, auf dem die Papiere verwahrt werden. Je nach Land und Laufzeit gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für eine Bundesanleihe: „Euro-Bonds” werden von Ländern innerhalb der Euro-Zone ausgegeben. Amerikanische Staats­anleihen mit Laufzeiten zwischen einem und 10 Jahren heißen „T-Notes” oder „Treasury Notes”. In Großbritannien nennen sie sich „Gilts”. In Deutschland gibt es die „Bundeswertpapiere”. Sie sind der Oberbegriff für 3 verschiedene Arten von Papieren. Die klassischen „Bundesanleihen” sind die Anleihen mit einer Laufzeit zwischen 10 und 30 Jahren. Es sind also zehnjährige Bundeswertpapiere. Fünfjährige Papiere heißen „Bundesobligationen” und Anleihen des Bundes mit einer Laufzeit von bis zu 2 Jahren heißen „Schatzanweisungen”.

Über die Ausgabe von Anleihen finanzieren Staaten ihre Haushaltsdefizite. So sichern Bundeswertpapiere die Zahlungsfähigkeit vom Bund. Investoren, die eine Staatsanleihe kaufen, geben dem jeweiligen Land also für einen vorab festgelegten Zeitraum ein Darlehen. Dafür erhalten sie einen festgelegten, generell jährlichen Zins. Diesen Zins bezeichnet die Finanzbranche auch als Kupon.
Die Zinszahlungen sind meist höher, je länger die Laufzeit ist, da die Investoren dann länger auf ihr Geld verzichten. Zudem steigt mit zunehmender Laufzeit das Ausfallrisiko. Während der Laufzeit können die Anleger ihre Bundesanleihen aber auch jederzeit an der Börse weiterverkaufen.

Deutschland als Negativzins-Einzelfall?

Staatsanleihen von Ländern mit einer sehr guten Bonität – wie Deutschland – hatten schon immer niedrige Zinsen, da die Ausfallwahrscheinlichkeit verschwindend gering war. In letzter Zeit rangierten die Zinsen für die zehnjährigen Bundesanleihen bei 0,5 %. Bei Titeln mit kürzeren Laufzeiten – zum Beispiel bei den „Bundesschatzanweisungen” – ist der Negativzins sogar bereits Alltag: Die Investition in zweijährige Bundeswertpapiere ist seit Mitte 2014 durchgehend ein Verlustgeschäft.

Der Bund ist außerdem nicht das erste Land auf der Welt, dessen Anleihen Minuszinsen aufweisen. Die vergleichbaren japanischen Papiere notieren seit Anfang März 2016 im negativen Bereich.

Welche Ursachen gibt es für die Zinsentwicklung?

Zwar notierten die Bundesanleihen schon seit längerer Zeit im Null-Bereich. Was aber hat den Trigger für den Abrutsch in die Negativzinsen ausgelöst?

Einerseits waren Marktstörungen wie die nervöse Stimmung an den Finanzmärkten vor der Abstimmung über den Brexit verantwortlich für den „Run” auf Bundesanleihen. Außerdem trägt die ultralockere Geldpolitik führender Notenbanken zu einer starken Nachfrage nach den vergleichsweise sicheren Bundesanleihen bei. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) drückt die Zinsen, indem sie seit März 2015 im Rahmen des sogenannten Quantitative Easing in großem Stil europäische Anleihen aufkauft. Die Währungshüter wollen so die Titel für Banken als Investment uninteressanter machen, damit diese stattdessen mehr Kredite an Unternehmen ausgeben. Zudem schauen sich die privaten Investoren aufgrund der Kursschwankungen am Kapitalmarkt nach Anlage-Alternativen zur Aktie
um – und kaufen zum Beispiel deutsche Bundesanleihen. Das drückt deren Rendite weiter. Somit gibt es mehrere Ursachen für die Zinsentwicklung.

Wer lässt sich auf die Negativzinsen ein?

Die Negativzinsen der Bundeswertpapiere bedrohen vor allem viele institutionelle Anleger. Hauptabnehmer der Bundesanleihen sind Versicherer
und Pensionsfonds. Lebensversicherungen sind nämlich gesetzlich dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Gelder in Staatsanleihen zu investieren. Deshalb müssen sie nun in den sauren Apfel beißen, was für die Versicherungsnehmer weiterhin sinkende Garantiezinsen bedeutet. Auch viele Geschäftsmodelle von Banken und Sparkassen sind bedroht.
Die Banken senken ihre Einlagezinsen zumindest für Privatkunden kaum unter Null und können auf der anderen Seite im aktuellen Umfeld keine hohen Kreditzinsen verlangen.

Was sind Alternativen zu Bundesanleihen? Ein Blick auf die Strategie von Staatsinvestoren

Die aktuellen Entwicklungen bei den Bundesanleihen zwingen Anleger dazu, alternative Anlagemöglichkeiten zu suchen. Besonders beliebt sind derzeit Immobilien.
Die jährliche Global Sovereign Asset Management Studie
von Invesco , die das
Anlageverhalten von Staatsfonds und Zentralbanken
analysiert, hat beispielsweise festgestellt, dass auch Staatsinvestoren ihren Fokus mittlerweile auf Immobilien als Renditeobjekte legen. Dabei wurden 77 individuelle Staatsinvestoren und Reserve-Manager aus aller Welt befragt. Nachdem sich Staatsinvestoren in den beiden Vorjahren auf den Ausbau ihrer Investitionen in Infrastruktur und Private Equity konzentriert hatten, ist 2016 ein Wandel der Einstellungen zu beobachten. Die Investitionen in Immobilien haben sich in den letzten 3 Jahren schneller entwickelt als die Investitionen in Private Equity und Infrastruktur zusammen. Aus der Sicht der Staatsinvestoren spricht dafür, dass die Ausführungsrisiken bei Immobilien geringer
sind als bei Private Equity- und Infrastrukturanlagen. Zudem können sie auf eine lange Liste von Projektentwicklern und Immobilienbetreibern zurückgreifen, mit denen sie bei ihren Immobilienanlagen zusammenarbeiten können.

Doch nicht nur für professionelle Anleger sind Immobilien eine
interessante Geldanlage. Durch das „Crowdinvesting” können nun auch Kleinanleger via Mezzanine-Kapital
in größere Immobilienprojekte investieren, die aufgrund der hohen Einstiegsbeträge bisher nur den Groß-Investoren vorbehalten waren. Dabei schließt man sich mit vielen anderen Privatinvestoren über eine Internetplattform zusammen und investiert als „Crowd” zusammen in einzelne Bauprojekte. Die moderne Anlageform verspricht Zinsen von
bis zu 7,0 %. Außerdem funktioniert die sogenannte Schwarmfinanzierung bereits mit kleinen Summen. So kann man in mehrere Immobilien gleichzeitig Geld investieren, ohne viel Vermögen aufbringen zu müssen. Begünstigt wird dies zudem durch relativ
kurze Laufzeiten, wodurch das Kapital nicht auf lange Zeit gebunden ist und flexibel bleibt. Bei der Crowdinvesting-Plattform BERGFÜRST kann man seine Anteile außerdem auch schon vor Laufzeitende im Sekundärmarkt verkaufen. Sie sind also im Grunde überhaupt nicht an Laufzeiten gebunden, da die Anteile je nach Angebot und Nachfrage handelbar sind. Zudem gibt es dank der schlanken Online-Strukturen auf Crowdinvesting-Plattformen keine üblichen Vertriebskosten – so wird der an sich bereits hohe Zinssatz maximiert. Wer auf „Betongold” vertraut, aber sich nicht mit einer niedrigen Rendite zufrieden geben und von einer Notenbank abhängig sein möchte, sollte das Crowdinvesting in Erwägung ziehen. Informieren Sie sich auch über
aktuelle Investitions­möglichkeiten.

Bild-Copyright: patrice6000 / Shutterstock.com

Besucherbewertung
Gesamt 1, Durchschnitt 5