Passives Einkommen

Wie Sie durch passives Einkommen tatsächlich Geld verdienen

Valeria Nickel, 18.07.2018

Es klingt wie ein Traum: Geld verdienen ohne zu arbeiten. Dies soll dank passivem Einkommen möglich sein. So werden Einkommensströme bezeichnet, die monatlich auf dem Konto eingehen – selbst wenn man nichts dafür tut. Diese Idee kam vor allem mit der fortschreitenden Digitalisierung und Vernetzung unserer Gesellschaft auf. Ob P2P-Kredite (Crowdlending) oder Affiliate-Marketing:
Im Internet entstehen immer mehr Möglichkeiten, von jedem Ort der Welt aus Geld zu verdienen. Vor allem für „digitale Nomaden”, also Freelancer, die ausschließlich digitale Inhalte produzieren und somit ortsunabhängig arbeiten können, ist es Ideal und Ziel, einen passiven Geldfluss zu generieren. Sie wollen umdenken, dem klassischen Bild des Arbeitnehmers im Hamsterrad entfliehen und finanziell unabhängig werden.

Ein passiver Einkommensstrom definiert sich durch
3 Kriterien:

1 | Unabhängigkeit vom Arbeitseinsatz

Beim aktiven Einkommen tauscht man Zeitinvestition gegen Geld. Wer es schafft, einen passiven Geldfluss aufzubauen, erhält diesen unabhängig von seinem Zeitaufwand. Klassisches Beispiel ist der Buchautor: Die Höhe der Einnahmen nach Veröffentlichung des Buches sind nicht abhängig von der Zeit, die der Autor brauchte, um das Buch zu schreiben. Es ist also kein Zusammenhang mehr zum Arbeitseinsatz herstellbar.

2 | Skalierbarkeit

Um passives Einkommen zu generieren, muss man ein Geschäftsmodell wählen, das skalierbar ist. Das bedeutet, dass man den Umsatz steigern kann, ohne kontinuierlich in Produktion und Infrastruktur investieren und Fixkosten erhöhen zu müssen. Geschäftsmodelle mit einer hohen Skalierbarkeit sind oft sehr stark automatisiert, sodass Aufträge schnell bearbeitet werden können. Die Einnahmen hängen dann vor allem vom betriebenen Marketing ab.

3 | Unsicherheit

Ein Arbeitnehmer kann sich sicher sein, am Ende des Tages für seine investierte Zeit einen Lohn zu erhalten. Jemand, der passives Einkommen erhalten möchte, muss zunächst in Vorleistung gehen ohne eine Sicherheit, dass er am Ende auch wirklich Geld verdient.

Möglichkeiten für passiven Cashflow gibt es viele

An Vorschlägen, wie man die finanzielle Freiheit erreichen kann, mangelt es nicht. Grundsätzlich wird zwischen
zwei Arten
unterschieden: dem Portfolio-Einkommen (durch Einsatz von Geld) und dem Residualeinkommen (durch Einsatz von Arbeit). Eine kleine Auswahl:

Portfolio-Einkommen:


  • P2P-Kredite: Die „Peer-to-Peer-Kredite”, also Kredite, die von Privatperson zu Privatperson vergeben werden, werden neuerdings immer beliebter. Es gibt verschiedenste P2P-Vermittlungsplattformen im Internet, auf denen Kreditnehmer und Kreditgeber einfach zueinander finden können. So kann man selbst Privatkredite vergeben, Zinsen dafür erhalten und so mit Privatkrediten Einkommen generieren.

  • Dividenden: Auf der Suche nach neuen Einkommensquellen in Zeiten der
    Niedrigzinspolitik
    rücken Aktien und Anleihen immer mehr in den Fokus der Anleger. Unternehmen, die Aktien und Anleihen ausgeben, schütten ihre Gewinne als Dividende regelmäßig an die Anleger aus. Wer sogenannte „Dividenden Aristokraten”, also Aktien von besonders erfolgreichen Unternehmen mit steigenden Gewinnen, in seinem Depot hält, kann dabei mit hohen, stetig wachsenden Einkommensströmen rechnen. Auch börsengehandelte Indexfonds – Exchange Traded Funds (ETFs) genannt – bieten eine flexible und kostengünstige Art, solche Titel in sein Depot aufzunehmen.
  • Immobilien: Nicht nur in finanziell unsicheren Phasen sind
    Sachwerte wie Immobilien ein populäres Investment. Denn sie stellen einen echten Vermögenswert, „etwas zum Anfassen”, dar – unabhängig davon, ob sich der Wert im Laufe der Zeit nach oben oder unten entwickelt. Wer in einem regionalen Immobilienmarkt mit Steigerungspotenzial investiert, kann allein durch den Wiederverkauf einer einzigen Wohnung einen Betrag einnehmen, für den andere ein ganzes Jahr arbeiten. Auf der anderen Seite fressen Verwaltungs- und Instandhaltungskosten den Gewinn der Immobilie schnell auf. Es reicht nicht, einfach irgendeine Wohnung zu kaufen und zwei Jahre zu warten, um diese dann mit Gewinn weiterzuverkaufen – diese Art von Renditeobjekten bedeuten Arbeit.

    Eine weitere Möglichkeit, in Immobilien zu investieren, bietet das Immobilien-Crowdinvesting:
    Dabei schließt man sich mit anderen Kleinanlegern über eine Internetplattform zusammen und bringt gemeinsam größere Beträge auf, mit denen man in Anlageklassen mit
    hoher Rendite
    investieren kann, die bisher nur professionellen Großinvestoren vorbehalten waren. Hier profitiert man von der Wertbeständigkeit einer Immobilie als Vermögenswert, muss sich im Nachgang der Investition aber nicht um die Verwaltung kümmern und erhält feste, hohe Zinsen.

Residualeinkommen:

  • Nischenseiten und Affiliate-Marketing: Nischenseiten sind spezielle kleine Webseiten, auf denen Werbung geschaltet wird. Die Idee von passivem Einkommen durch eine eigene Nischenseite ist es, diese in den Suchmaschinen möglichst weit vorne zu platzieren und dann durch Werbung auf der Seite Geld zu bekommen. Dies geschieht auch durch Affiliate- oder auch Empfehlungsmarketing, wobei man für beworbene Produkte oder Dienstleistungen auf der Seite eine Provision erhält. Auch hier muss man nur einmalig Zeit in die Webseite investieren, wobei man von jedem Ort der Welt aus arbeiten kann. Danach kann man sich erst einmal zurücklehnen.
  • (Digitale) Güter produzieren: Ob Buch oder E-Book, Musik, Fotos oder Online-Kurse – wer bestimmte Talente hat oder sich in einem Themenbereich sehr gut auskennt, der kann ein (digitales) Gut produzieren und es verkaufen. Einmal erstellt, lässt sich damit immer wieder ein Geldfluss generieren, wenn neue Käufer hinzukommen. Allerdings ist der Wettbewerb hoch, da mittlerweile jeder zum Beispiel sein E-Book über Amazon verkaufen kann. Deshalb ist auch die Qualität der angebotenen Produkte im Durchschnitt sehr niedrig. So kann man sich nur mit einem qualitativ hochwertigen Produkt von den anderen Anbietern abheben.

Trumpf oder Mythos?

Ist es tatsächlich so einfach, passiv Einkommensströme aufzubauen? Braucht man sich als Anleger schlicht eine der Möglichkeiten auswählen und kann dann zusehen, wie sich monatlich das Geld vermehrt?

Zumindest wenn es um das Residualeinkommen geht, trügt der Traum von passivem Einkommen. Kehren wir zurück zum Beispiel Buchautor: Um ein erfolgreiches Buch zu schreiben, muss man meist Jahre oder zumindest Monate an Arbeitszeit investieren. Selbst dann können nur wenige Menschen von den Einnahmen nach der Veröffentlichung leben. Man muss besondere Kenntnisse und Fertigkeiten mitbringen, um Erfolg zu haben. Das nächste Problem lässt nicht lange auf sich warten: Ein Buch verkauft sich nicht ewig. Autoren müssen immer wieder neue Werke herausbringen. Das bedeutet, dass sie spätestens nach wenigen Jahren wieder Arbeitszeit investieren müssen. Ein „passives Einkommen” generiert man also – wenn überhaupt! – nur über eine kurze Dauer hinweg. Auch für Affiliates gibt es nicht mehr so viele Lücken wie vor einigen Jahren, denn die Konkurrenz ist viel größer und der Google-Algorithmus komplexer geworden. Zudem sind nun auch viele Unternehmen professionell aufgestellt. Geld verdienen geht nicht „leicht, schnell und ohne Aufwand”, wie es viele Verfechter der Theorie behaupten. Tatsächliche finanzielle Freiheit durch Schreiben, Affiliate-Marketing, Bloggen oder ähnliches Residualeinkommen zu erlangen, ist ähnlich schwer wie Hollywood-Star zu werden.

Anders verhält es sich mit dem Portfolio-Einkommen: Durch den Einsatz von Geld statt Arbeitskraft kann man tatsächlich passives Einkommen generieren. Wer viel Geld besitzt, kann nämlich durch Investment – ob in ETFs, P2P-Kredite oder Immobilien-Crowdinvesting – so hohe Zinsen erhalten, dass er davon leben kann. Abgesehen von einer jährlichen Überprüfung und Anpassung des Depots muss der Anleger nichts weiter dafür tun, um Geld zu verdienen. Aufgrund der derzeitigen Niedrigzinspolitik der EZB gestaltet sich ein
Vermögensaufbau
in dieser Größenordnung jedoch sehr schwierig. Für gute Renditen braucht man ein enormes Startkapital. Andererseits kann man sein vorhandenes Vermögen durch das Investment in spezielle Anlageklassen mit hohen Zinsen
schneller vermehren. Dabei sollte man auf eine gute Risikostreuung achten, denn höhere Zinsen bedeuten ein höheres Risiko. Zu den renditereichen Anlageklassen gehört beispielsweise das Crowdinvesting. Hier lassen sich Zinsen zwischen 3,5 % und 7,0 % erwirtschaften. Um diese regelmäßig zu erhalten, ist im Nachgang der Investition kein Arbeitseinsatz mehr erforderlich. Somit kann man Portfolio-Einkommen bzw. eine Geldanlage tatsächlich als passives Einkommen bezeichnen. Probieren auch Sie es aus und informieren Sie sich über aktuelle Investitionsmöglichkeiten.

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