Crowdlending

Crowdlending: Die Kreditform der Zukunft?

Valeria Nickel, 17.04.2018

Ein Kredit ohne Bank? Lange Zeit war dieses Szenario unvorstellbar. Doch seit einigen Jahren verspricht „Crowdlending“ genau das. Dieser Begriff besteht aus den englischen Wörtern „crowd“ (= Menschenmenge) und „lend“ (= leihen). Zusammengesetzt bezeichnet er die Kreditvergabe von vielen Privatpersonen an eine andere Privatperson oder ein Unternehmen. Dabei werden Crowdlending-Kredite nicht selten auch als P2P-Kredite (Peer-to-Peer) bezeichnet. Die potentiellen Kreditgeber und Kreditsuchenden werden auf speziellen Internetplattformen zusammengebracht.

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Der Hintergedanke des Crowdlendings ist, dass Personen und kleine bis mittlere Unternehmen (KMU) Kredite erhalten, die sonst nur geringe Chancen darauf haben – zumindest, wenn sie bei Banken anfragen würden. Für Mittelständler mit geringer Bonität ist dies eine wichtige Alternative. Für die „Crowd“, also die Kreditgeber, ergibt sich wiederum eine alternative Geldanlagemöglichkeit mit vergleichsweise hohen Zinsen. Doch halten P2P-Kredite wirklich, was sie versprechen?

Crowdlending ist wie das Crowdinvesting eine Unterform des Crowdfundings. Crowdfunding wiederum ist ein sehr weitläufiger Begriff, der prinzipiell jedes Projekt einschließt, das mithilfe einer Internetplattform Geld sammelt. Mehr über die unterschiedlichen Formen des Crowdfundings erfahren Sie hier.

Erfahren Sie hier, wie man mit Crowdinvesting hohe Renditen erzielt

Daten & Fakten zu Crowdlending-Plattformen

Die weltweit erste Crowdlending-Plattform ist „Zopa“ aus Großbritannien. Sie entstand bereits im Jahr 2005. Die weltweit größten Marktplätze für Kreditvergabe kommen heute allerdings aus den USA: „Lending Club“ und „Prosper“.

In Deutschland existieren laut einer Studie zu Fintechs des Bundesfinanzministeriums (BMF) aus dem Jahr 2016 insgesamt 13 Crowdlending-Portale wie Auxmoney, Scalable Capital, Lendico oder Funding Circle. 10 von ihnen vermitteln Kredite an Unternehmen, 5 an Privatpersonen und eine an Genossenschaften. Bei 3 Plattformen kann man sowohl an Unternehmen als auch Privatpersonen Geld verleihen.

Laut der umfassenden BMF-Studie zu Fintechs von 2016 wurden im Jahr 2015 Crowdlending-Kredite in Höhe von insgesamt 189 Mio € an Privatleute und Unternehmen vermittelt. Das klingt zwar nach viel Geld, doch betrachtet man das gesamte Finanzierungsvolumen in Deutschland – 152 Mrd € pro Jahr –, so scheint der Crowdlending-Anteil verschwindend gering. Allerdings wächst der Markt von Jahr zu Jahr in einem rasanten Tempo: Im Vorjahr lag das eingesammelte Kreditvolumen gerade mal bei knapp 50 Mio. €. Aktuelle Zahlen für 2017 und 2018 liegen leider nicht durch das BMF vor.

Vom Antrag bis zur Auszahlung: ein automatisiertes Verfahren

Genauso wie Banken prüfen auch die Crowdlending-Plattformen die einzelnen Kreditanträge. Jedoch gibt es dabei keine Filialen oder Kundenberater, sondern Datenbanken, Algorithmen und Risikomodelle. So werden die Zahlungsfähigkeit des Antragstellers sowie Kreditsumme, Laufzeit oder Geschäftszahlen in einem automatisierten Verfahren geprüft. Es folgt die Zuordnung zu einer bestimmten Risikoklasse. Daraus errechnet sich der entsprechende Zinssatz für den Kredit.

Schließlich erscheint das Angebot auf der Plattform, wo die potentiellen Kreditnehmer ihre Kreditprojekte und ihren Finanzbedarf vorstellen. Anleger, die das Risiko eines Komplettverlusts akzeptieren und sich für das Projekt oder Unternehmen begeistern, können (oft schon mit sehr kleinen Beträgen) in den Kredit investieren. Sobald sich genug Kreditgeber gefunden haben, wird das Darlehen bewilligt und ausgezahlt.

Da Crowdlending-Plattformen über keine von der BaFin (Bundesfinanzaufsicht) ausgegebene Lizenz zur Kreditvergabe verfügen, werden die bewilligten Kredite an ein Kreditinstitut vermittelt, das als Darlehensgeber fungiert und einen Vertrag mit dem Kreditnehmer schließt.

Die reine Vermittlung von Krediten, wie sie Crowdlending-Plattformen betreiben, unterliegt im Gegensatz zur Vergabe von Krediten nicht der Aufsicht durch die BaFin.

Immobilien-Crowdinvesting als Alternative zum Crowdlending

Crowdlending – eine wichtige Alternative

Aufgrund der automatisierten Prozesse und der reinen Online-Auftritte der Crowdlending-Portale sind die Kosten bis zur Kreditauszahlung niedriger als bei Banken. Der Crowdlending-Kredit an sich ist jedoch um einiges teurer als ein Bankkredit, denn die Plattformen verlangen Gebühren und die Zinssätze für die Anleger sind wegen der Risikoprofile der Kreditnehmer höher als bei Bankkrediten.

Crowdlending ist jedoch unbürokratisch und schnell. Allerdings ist das Crowdlending unbürokratischer und schneller. Und es kann starke Kräfte mobilisieren: Der Fußballverein Hertha BSC hat zum Beispiel 1 Mio € von der „Crowd“, vor allem den eigenen Fans, eingesammelt – innerhalb von 9 Minuten und 23 Sekunden.

Crowdlending kann eine Alternative zu klassischen Krediten sein. Gerade für kleine bis mittlere Unternehmen eröffnen sich hier Möglichkeiten schnell und einfach Darlehen zu bekommen und die komplizierte Kreditvergabe einer Bank zu umgehen. Ob es sich beim Crowdlending jedoch auch um ein lohnendes Investment für die Kreditgeber handelt hängt unter anderem von der angebotenen Verzinsung und Kreditausfallrate.

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