Crowdlending

Crowdlending: Die Kreditform der Zukunft?

Valeria Nickel, 03.08.2018

Ein Kredit ohne Bank? Lange Zeit war dieses Szenario unvorstellbar. Doch seit einigen Jahren macht es das „Crowdlending“ möglich. Dieser Begriff besteht aus den englischen Wörtern „crowd“ (= Menschenmenge) und „lending“ (= Leihe). Zusammengesetzt bezeichnet er die Kreditvergabe von vielen Privatanlegern an eine andere Privatperson oder an Unternehmen bzw. Startup. Dabei werden die potentiellen Kreditgeber und Kreditsuchenden auf speziellen Internetplattformen zusammengebracht.

Der Hintergedanke des Crowdlendings ist, dass Personen und Unternehmen (KMU) oder auch Startups Kredite erhalten, die sonst nur geringe Chancen darauf haben – zumindest, wenn sie bei Banken anfragen würden. Für Mittelständler mit geringerer Bonität ist dies eine wichtige Chance. Für die „Crowd“, also die Kreditgeber, ergibt sich wiederum eine alternative Geldanlagemöglichkeit mit vergleichsweise hohen Zinsen. Doch halten P2P-Kredite wirklich, was sie versprechen?

Crowdlending ist wie das Crowdinvesting eine Unterform des Crowdfundings. Crowdfunding wiederum ist ein sehr weitläufiger Begriff, der prinzipiell jedes Projekt einschließt, das mithilfe einer Internetplattform Geld sammelt. Mehr über die unterschiedlichen Formen des Crowdfundings erfahren Sie hier.

Erfahren Sie hier, wie man mit Crowdinvesting hohe Renditen erzielt

Daten & Fakten zu Crowdlending-Plattformen

Die weltweit erste Crowdlending-Plattform war „Zopa“ aus Großbritannien. Sie entstand bereits im Jahr 2005. Die größten Marktplätze für Darlehensvergabe kommen heute allerdings aus den USA: „Lending Club“ und „Prosper“.

In Deutschland existieren laut einer Studie des Bundesfinanzministeriums aus dem Jahr 2016 insgesamt 13 Crowdlending-Portale wie Auxmoney, Scalable Capital, Lendico oder Funding Circle. 10 von ihnen vermitteln Kredite an Unternehmen, 5 an Privatpersonen und eine an Genossenschaften. Bei 3 Anbietern kann man sowohl an Unternehmen als auch Einzelpersonen Geld verleihen.

Laut der umfassenden BMF-Studie wurden im Jahr 2015 Crowdlending-Kredite in Höhe von insgesamt 189 Millionen € an Privatleute und Unternehmen vermittelt. Das klingt zwar nach viel Geld, doch betrachtet man das gesamte Finanzierungsvolumen in Deutschland – 152 Milliarden € pro Jahr –, so scheint der Crowdlending-Anteil verschwindend gering. Allerdings wächst der Markt von Jahr zu Jahr in einem rasanten Tempo: Im Vorjahr lag das eingesammelte Kreditvolumen gerade mal bei knapp 50 Millionen €. Aktuelle Zahlen des BMF für die Jahre 2017 und 2018 liegen bisher leider nicht vor.

Vom Antrag bis zur Auszahlung: ein automatisiertes Verfahren

Genauso wie Banken prüfen auch die Crowdlending-Plattformen die einzelnen Kreditanträge sehr genau. Allerdings gibt es dabei keine Filialen oder Kundenberater, sondern Datenbanken, Algorithmen und Risikomodelle. So wird Bonität des Antragstellers sowie die Summe, Laufzeit und Geschäftszahlen in einem automatisierten Verfahren geprüft. Es folgt die Zuordnung zu einer bestimmten Risikoklasse. Daraus errechnet sich der entsprechende Zinssatz für den Kredit.

Schließlich erscheint das Angebot auf der Plattform, wo die potentiellen Kreditempfänger ihre Projekte und ihren Finanzbedarf vorstellen. Anleger, die sich für ein Projekt oder Unternehmen begeistern und die Gefahr eines Komplettverlusts in Kauf nehmen, können (oft schon mit sehr kleinen Beträgen) in den Kredit investieren. Sobald sich genug Kreditgeber gefunden haben, wird das Darlehen bewilligt und ausgezahlt.

Da Crowdlending-Plattformen über keine von der BaFin (Bundesfinanzaufsicht) ausgegebene Lizenz zur Kreditvergabe verfügen, werden die bewilligten Darlehen an ein Kreditinstitut vermittelt, das als Darlehensgeber fungiert und einen Vertrag mit dem Kreditempfänger schließt.

Die reine Vermittlung von Darlehen, wie sie Crowdlending-Plattformen betreiben, unterliegt im Gegensatz zur Vergabe von Krediten nicht der Aufsicht durch die BaFin.

Immobilien-Crowdinvesting als Alternative zum Crowdlending

Crowdlending – eine wichtige Alternative

Aufgrund der automatisierten Prozesse und der reinen Online-Auftritte der Crowdlending-Portale sind die Kosten bis zur Auszahlung der Kredite niedriger als bei Banken. Für Kreditnehmer ist der Crowdlending-Kredit allerdings nicht billiger, sondern sogar teurer als ein Bankkredit, denn die Plattformen verlangen Gebühren und die Zinssätze für die Anleger sind wegen der Risikoprofile der Kreditnehmer höher als bei Bankkrediten.

Allerdings ist das Crowdlending unbürokratischer und schneller. Und es kann starke Kräfte mobilisieren: Der Fußballverein Hertha BSC hat zum Beispiel 1 Millionen € von der „Crowd“, vor allem den eigenen Fans, eingesammelt – innerhalb von 9 Minuten und 23 Sekunden.

Crowdlending kann ein Gegenentwurf zu klassischen Krediten sein. Gerade für kleine bis mittlere Unternehmen eröffnen sich hier Möglichkeiten, schnell und einfach Darlehen zu bekommen und die komplizierte Kreditvergabe einer Bank zu umgehen. Aber handelt es sich beim Crowdlending auch aus Anlegersicht um eine lohnende Investition?

Crowdlending für Investoren

Crowdlending-Plattformbetreiber versprechen Kreditgebern satte Renditen und locken mit einer Zinssätzen von beispielsweise 5,0 % (Auxmoney, 20.06.2018). Doch wo kommen die attraktiven Summen in Zeiten der Niedrigzinsphase her und mit welchen Risiken sind sie verbunden?

RENDITE beim Crowdlending

Zunächst sollte ein Blick auf die Kosten geworfen werden, die von den Gewinnen abzuziehen sind. An die Crowdlending-Plattformen sowie die zwischengeschaltete Bank ist eine Gebühr zu entrichten. Bei auxmoney sind das beispielsweise 1 % der angelegten Summe. Das klingt zunächst nach wenig. Bedenken Sie jedoch auch, dass Ihre Zinsgewinne noch mit 25 % Abgeltungssteuer versteuert werden müssen.

Selbst nach Kostenabzug bleiben jedoch Zinssätze, mit der es herkömmliche Sparkonten derzeit nicht annähernd aufnehmen können. Doch auch hier gilt der Grundsatz: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko.

RISIKEN beim Crowdlending

Kommt es zum Ernstfall und ein Kreditnehmer versäumt die Rückzahlung des geliehenen Geldes, wird wie bei einer Bank ein Mahnprozess eingeleitet und ein Inkassounternehmen beauftragt. Entpuppt sich der Schuldner als nicht zahlungsfähig, bedeutet das für den Kreditgeber einen Totalverlust.

Doch wer nimmt Crowdlending-Kredite auf? Die Vermutung liegt nahe, dass die überhöhten Zinszahlungen beim Crowdlending oft von Personen in Kauf genommen werden, deren Zahlungsfähigkeit zu schlecht ist, um einen geringer verzinsten Kredit bei einer Bank zu bekommt. Das schlägt sich dann auch in den Ratings der Crowdlending-Plattformen nieder. Und je schlechter ein solches ist, desto höhere Zinssätze winken dem Kreditgeber. Überlegen Sie jedoch genau, wem Sie Ihr Geld anvertrauen und bedenken Sie dabei, dass es bei Crowdlending Plattformen keine Kreditberatungen wie bei einer herkömmlichen Bank gibt.

Es sind jedoch nicht nur Privatpersonen, die online nach Darlehen suchen. Crowdlending Plattformen bieten ebenso die Möglichkeit in neugegründete Startups oder kleine bis mittlere Unternehmen zu investieren. Doch auch hier lauern riskante Fallen. Gerade junge Unternehmen schaffen es oft nicht, sich gegen die harte Konkurrenz zu behaupten. Lesen Sie dazu unseren Beitrag über Crowdinvesting in Startups und Immobilien.

Weitere Optionen

Ein weiterer Weg Geld anzulegen ist das Crowdinvesting in Immobilien. Dabei ist das Prinzip ähnlich wie beim Crowdlending: Viele Anleger finanzieren gemeinsam einen Kredit. Dieser geht jedoch an professionelle Immobilieninvestoren und fungiert als Eigenkapitalersatz (Mezzanine Kapital). Mit dem Kredit werden Bauprojekte realisiert, die bereits zu einem großen Teil über reguläre Bankkredite finanziert werden.

Auch hier besteht die Gefahr des Totalverlusts. Da die Kreditempfänger jedoch professionelle Investoren handelt, kann eine gewisse Finanzierungsexpertise vorausgesetzt werden. Informieren Sie sich in unserem direkten Vergleich über die Konditionen der einzelnen Investitionsmöglichkeiten in diesem Beitrag:

auxmoney Funding Circle BERGFÜRST
Investitionsmodell Crowdlending Crowdlending Crowdinvesting
Kreditempfänger Privatperson oder Unternehmen Privatperson oder Unternehmen Professionelle Immobilieninvestoren
Laufzeiten 1 – 5 Jahre* 0,5 – 5 Jahre** 1 – 5 Jahre
Verzinsung Ø 5,0 %* ab 5,5 %** 5,0 % – 7,0 %
Mindestanlage 25 €* 100 €** 10 €
Kosten für Anleger 1 % der Anlagesumme* 1 % der Zinsen** keine Kosten
Kosten für Kreditnehmer ja* ja** ja
Freistellungsauftrag nein* nein** ja
Sparplan ja* nein** nein

*laut auxmoney.com (20.06.2018)

**laut fundingcircle.com (20.06.2018)

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