Sachwerte

Investieren in Sachwerte: Lohnt es sich?

Lana Iliev, 12.09.2019

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen, wie es derzeit aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB der Fall ist, schaffen es die Zinsen auf Sparkonten und Anleihen nicht, den Kaufkraftverlust des Geldes auszugleichen und die Geldentwertung abzuwenden. Geldanlagen in Sachwerte sollen hier Abhilfe leisten und vor der Inflation sowie den Folgen von Staatspleiten oder Währungskrisen schützen. Lesen Sie hier, warum Ihnen nicht jede Anlage in Sachwerte einen solchen Inflationsschutz bietet und welche Nachteile es zu beachten gilt.

Was sind Sachwerte?

In der Theorie stehen Sachwerte für reale Werte und sind somit mit dem Begriff des Reproduktionswertes synonym. Doch meist verweist der Begriff des Sachwerts auf einen übertragenen Sinn: So sind mit einem Sachwert oft Güter gemeint, die (vermeintlich) von Geldwertschwankungen unabhängig sind bzw. die Inflation im Wert kompensieren.

Der Grund dafür ist die Annahme, dass Sachwerte hinsichtlich ihres realen Gegenwerts über eine faktische Substanz verfügen, deren Wert unabhängig vom Marktgeschehen besteht und damit auch von Marktentwicklungen unberührt bleibt. In der Praxis trifft dies jedoch zwangsläufig nicht immer zu.

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Welche Sachwerte gibt es?

Grundsätzlich qualifiziert sich jedes Wirtschaftsgut, das über einen gewissen Wert verfügt, zu einem Sachwert im übertragenen Sinn. Denn es kann angenommen werden, dass stets ein Käufer zu finden ist, der bereit ist, einen von der Inflation unabhängigen Betrag für das Objekt aufzubringen.

Daraus folgt, dass es eine große und unüberschaubare Menge von potentiellen Sachwerten gibt. Die klassischen und bekanntesten Sachwerte sind ohne Zweifel Immobilien und das Edelmetall Gold.

Sachwert Immobilien: Häuser als Sicherheit

Immobilien-Investments können eine vorherrschende Inflation potentiell ausgleichen. Zunächst kann durch steigende Immobilienwerte die Teuerungsrate und damit der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, ausgeglichen werden. Zudem können Mieteinnahmen an den Verbraucherpreisindex und somit an das durchschnittliche Preisniveau gekoppelt werden. So kann ein Inflationsausgleich zustande kommen.

Warum sind Immobilien dennoch nicht immer inflationssicher?

Der beschriebene Inflationsschutz kommt nur zustande, solange sich der Immobilienmarkt im Gleichgewicht befindet. Das ist nicht zwangsläufig der Fall, denn auch der Sachwert Immobilien unterliegt Wertschwankungen und sein Vermögenswert kann sinken. Platzt eine Immobilienblase, kann es gar zur massiven Entwertung von Immobilien kommen. Im schlimmsten Fall ist eine Immobilie zum Verkaufszeitpunkt also von geringerem Wert, als zum Kaufzeitpunkt und es entstehen Verluste. Da Immobilien-Investments zudem meist langfristig getätigt werden, ist der Wert des Objekts zum Verkaufszeitpunkt oft besonders schwer vorherzusehen.

Auch die geringe Liquidität von Immobilien kann den Verkauf erschweren und verhindern, dass ein angemessener Preis erzielt wird.

Darüber hinaus können auch die Mieteinnahmen schwanken. So müssen Immobilien zunächst überhaupt vermietet sein, um Mieteinnahmen zu generieren. Zahlungsausfälle in Form ausstehender Mieten durch Leerstand oder Mietschulden gefährden somit den Inflationsschutz des Sachwerts.

Weiterhin führt der aktuell vorherrschende Immobilien-Boom in Deutschland gerade in städtischen Ballungsgebieten zu hohen Immobilienpreisen. Der Kauf einer eigenen Immobilie erfordert somit einen besonders hohen Kapitaleinsatz, der nicht selten in eine hohe Verschuldung führt.

Immobilien-Crowdinvesting eröffnet Anlegern die Möglichkeit auch mittelfristig und bei geringem Kapitaleinsatz in den Immobilienmarkt zu investieren. So betragen die Laufzeiten beim Crowdinvesting-Anbieter BERGFÜRST ein bis fünf Jahre. Zudem liegt das Mindestanlagevolumen bei gerade einmal 10 € und das bei einer jährlichen Verzinsung von 5,0 % bis 7,5 %.

Sachwert Edelmetalle: Der Klassiker Gold

Auch Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin gelten als wertstabile und krisenfeste Sachwerte. Gerade Gold ist von historischer Bedeutung, da es in Krisenzeiten oft als Übergangswährung eingesetzt wurde. Da Gold zudem nur begrenzt verfügbar ist, gilt es als Investitionsobjekt.

Ein Anstieg der Inflation geht oft mit einer steigenden Goldnachfrage einher. Zudem entwickeln sich der Goldpreis und die Aktienkurse an der Börse meist entgegengesetzt. Außerdem sind der Kauf und Verkauf von physischem Gold sehr viel einfacher als beispielsweise von Immobilien. Diese Eigenschaften tragen dazu bei, dass Investitionen in den Sachwert Gold ein beliebter Weg sind, um sich gegen Krisen abzusichern und vor einer Inflation zu schützen.

Als Inflationssicher gilt lediglich die Geldanlage in physisches Gold in Form von Barren oder Münzen. Indirekte Gold-Investments in Form goldbezogener Wertpapiere (Goldminenaktien, Goldfonds, Gold ETF oder Goldzertifikate) sind von der Entwicklung des Aktienmarkts und gegebenenfalls der unternehmerischen Performance abhängig und werden deshalb auch als „Papiergold“ bezeichnet.

Warum schützt Gold nicht immer vor einer Inflation?

Dennoch gibt es auch bei der Investition in den Sachwert Gold Nachteile. So unterliegt das glänzende Edelmetall mitunter gewissen Wertschwankungen (Volatilität), da die Preise oft durch Spekulanten bestimmt werden. Damit ist der richtige Investitionszeitpunkt entscheidend: Wer das erworbene Gold in Zeiten eines hohen Goldkurses erwirbt und zu Zeiten eines niedrigen Goldkurses veräußert, erleidet Verluste.

Zudem generiert ein Gold-Investment keine laufenden Erträge, wie es bei Immobilien und Aktien in Form von Mieten und Dividenden der Fall ist. Somit eignet sich physisches Gold nicht zum Vermögensaufbau.

Darüber hinaus muss physisches Gold sicher gelagert werden. Durch die Lagerung in Tresoren oder Bankschließfächer entstehen Kosten, welche die Rendite schmälern.

Letztlich unterliegen Edelmetalle wie Gold gegebenenfalls auch einem gewissen Wechselkursrisiko, falls sie beispielsweise in Dollar notiert werden.

Sachwert Rohstoffe: Sicherheit durch stetige Nachfrage

Ebenso wie Edelmetalle, gelten auch Agrar-, Energie- oder Industrierohstoffe als Sachwerte. Im Gegensatz zu Gold ist eine direkte Investition jedoch nicht möglich. In Rohöl können Anleger beispielsweise lediglich in Form von Aktien oder
Zertifikaten investieren. Diese indirekten Investitionen sind jedoch stets von Aktienkursen abhängig und bieten damit keinen wirklichen Inflationsschutz.

Hinzu kommt, dass Rohstoffpreise stets von der Konjunktur sowie internationalen und nationalen politischen Faktoren abhängig sind. Starke Preisschwankungen erschweren hier das Investment und setzen Fachwissen voraus.

Sachwert Aktien: Unternehmen als Sachwerte

Auch Aktien gelten als Sachwerte, denn sie verbriefen Anlegern einen Anteil an einem Unternehmen und damit auch an dessen Produktionskapital sowie nichtmonetären Vermögenswerten wie beispielsweise Maschinen, Immobilien oder Patenten.

Dabei verfügen Aktien jedoch nicht über die klassischen Eigenschaften von Sachwerten, wie man sie beispielsweise bei Immobilien oder physischem Gold findet. Denn Aktien sind riskanter und verfügen über eine besonders hohe Volatilität.

Warum bieten Aktien bieten keinen vollkommenen Inflationsschutz?

Manchen Aktien kann ein gewisser Inflationsschutz zugeschrieben werden – andere Wertpapiere halten einer Geldentwertung weniger gut stand und eignen sich damit nicht zum Sachwert. So gelten Unternehmen mit einem hohen Substanzwert (Asset Rich Companies), beispielsweise durch den Besitz von Immobilien oder großen Maschinenbeständen, in Zeiten einer Inflation als besser abgesichert. Die allgemeine Steigerung des Preisniveaus wirkt sich auf die Vermögenswerte aus und lässt letztendlich auch die Aktienkurse steigen.

Zu den Asset Rich Companies zählen in Deutschland vor allem Unternehmen der Old Economy, wie beispielsweise ThyssenKrupp oder Salzgitter, aber auch Fahrzeughersteller wie Daimler, Volkswagen, BMW oder MAN.

Ein Anstieg des Preisniveaus geht zudem jedoch auch stets mit einer Verteuerung der Produktionskosten einher. Steht ein Unternehmen in direkter, starker Konkurrenz zu anderen Unternehmen, gestaltet es sich schwierig die Produktpreise zu erhöhen und die erhöhten Produktionskosten so an den Kunden weiterzureichen. So entstehen bei diesen Unternehmen Fehlbeträge, welche wiederum zu fallenden Aktienkursen führen. Unternehmen mit einer starken Marktstellung hingegen, wie beispielsweise Coca Cola oder McDonalds, können Preissteigerungen besser durchsetzen und die erhöhten Produktionskosten so kompensieren. Sie eignen sich somit eher zum Sachwert.

Sachwert Sammlerstücke: Besonders rare Sachwerte

Auch spezielle Sammlerstücke, deren Wert über die Jahre zunehmen, gelten als Sachwerte. So können alte oder zeitgenössische Kunstwerke, Schmuck, spezielle Autos oder Oldtimer, Antiquitäten oder auch Whisky als inflationsgeschütztes Investitionsobjekt fungieren.

Jedoch ist ein solches Investment zumindest ohne entsprechendes Fachwissen eher spekulativ. Zu beachten ist auch, das sich Sammlerstücke oder rare Sachwerte nicht so leicht wieder zu Geld machen lassen, da der potentielle Käuferkreis begrenzt ist.

In welche Sachwerte lohnt sich ein Investment?

Investitionen in Sachwerte können Anleger vor einem Kaufkraftverlust schützen. So können Investitionen in den richtigen Sachwert zum richtigen Zeitpunkt das Vermögen absichern. Welcher Sachwert jedoch der richtige ist, ist individuell zu entscheiden und hängt von multiplen Faktoren ab. Hinzu kommt, dass das Investment in einen einzelnen Sachwert nicht ausreichend vor der Geldentwertung schützen kann.

Um von den Vorteilen eines jeden Sachwerts zu profitieren und gleichzeitig gegen die Risiken der Investitionen geschützt zu sein, bietet sich die Diversifizierung der Geldanlage an. Durch eine durchdachte
Risikostreuung lässt sich jedes Portfolio gegen Inflation und Krisenzeiten absichern. Dabei sollten Sachwerte stets einen Teil des Portfolios ausmachen.

Sachwert Portfolio Tipp
Immobilien Der Kauf einer Immobilie ist besonders kostenintensiv und erschwert so die Diversifizierung des Portfolios. Immobilienfonds oder Crowdinvesting ermöglichen jedoch die Investition in den Sachwert Immobilien – und erfordern weder eine große Menge an Eigenkapital noch die Kreditaufnahme und Verschuldung.
Gold Der Sachwert Gold kann als Sicherheit jedem Portfolio beigefügt werden. Dennoch empfehlen Experten maximal 10 % des Vermögens in physisches Gold zu investieren.
Rohstoffe In Rohstoffe wie Rohöl lässt sich lediglich indirekt investieren. Damit eignet sich dieser Sachwert nicht wirklich, um ein Portfolio abzusichern.
Aktien Um diversifiziert in Aktien zu investieren, bieten sich vor allem ETF an. Dabei handelt es sich um passiv gemanagte Fonds, die nicht aktiv von einem Fondsmanager betreut werden, sondern passiv einen festgelegten Index, beispielsweise den deutschen Aktienindex (DAX), abbilden.
Sammler­stücke Seltene Sammlerstücke wie Kunstwerke oder Oldtimer erfordern Fachkenntnisse. Dieser Sachwert eignet sich nicht ohne weiteres, um ein Portfolio gegen Inflation abzusichern.

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