Unternehmens­anleihen: Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen

Artikel von Lana Iliev; aktualisiert am 19.04.2022

Definition Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen sind Anleihen, die von
Unternehmen emittiert (ausgegeben) werden. Es handelt sich also um Schuldverschreibungen von Unternehmen: Die
Anleger haben ein Recht, dass der von ihnen geliehene Betrag verzinst und zurückgezahlt wird. Anleihen bzw.
Schuldverschreibungen von Unternehmen sind komplexe Geldanlagen, deren Wertentwicklung von einer Vielzahl von
Faktoren beeinflusst wird.

Hier werden die wichtigsten Fragen beantwortet, die sich ein Anleger zum Thema Unternehmensanleihen stellen sollte.

Welche Kennzahlen muss ich beim Kauf von Unternehmens­­anleihen beachten?

Der Wert von Unternehmensanleihen wird in festgelegten Kennzahlen wiedergegeben. Die
folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen, die beim Kauf einer Unternehmensanleihe zu
beachten sind.

Kennzahl Bedeutung
Rendite Die Rendite enthält am meisten Aussagekraft über den Wert einer Unternehmensanleihe. Sie beschreibt
die tatsächliche Verzinsung (Effektivverzinsung) über die gesamte Laufzeit der
Anleihe. Auch wenn der Zinssatz meist im Vorfeld festgelegt wird, ist die Rendite einer Anleihe erst
am Ende der Laufzeit bekannt und wird im Vorfeld lediglich geschätzt. Das liegt daran, dass sie
neben Kupon, Laufzeit, Kaufkurs und
Rückkaufkurs auch von exogenen Faktoren wie dem Marktzinsniveau,
der Bonität des Emittenten und ggf.
Währungskursen beeinflusst wird.
Nennwert, Nominalwert Der Nennwert bezeichnet den nominalen Geldbetrag, zu dem der Gläubiger die Anleihe erwirbt und die
der Emittent nach Ablauf der Laufzeit zurückzahlt. Die Höhe des Nennwerts ergibt sich in der Regel
aus dem Anleihevolumen.
Kupon, Zinszahlung Während der Laufzeit einer Anleihe zahlt der Emittent dem Gläubiger regelmäßig
Zinsen aus. Diese Zahlungen werden als Kupon bezeichnet und ihre Höhe wird im Vorfeld festgelegt.
Restlaufzeit, Laufzeit Beschreibt den Zeitpunkt, zu dem der Emittent den Nennwert der Anleihe an den
Gläubiger zurückzahlt. Je länger die Laufzeit angesetzt wird, desto höher ist die zu erwartende
Rendite, da mit der Länge der Laufzeit das Risiko für den Gläubiger steigt.
Geldkurs (Kaufkurs) und Briefkurs (Rückkauf­kurs) Der Geldkurs beschreibt den Wert, zu dem der Anleger bereit ist, eine Anleihe zu erwerben. Der
Briefkurs beschreibt den Wert, zu dem ein Anleger bereit ist, eine Anleihe zu verkaufen. Beide
Kennzahlen werden berücksichtigt, um den aktuellen Wert einer Anleihe zu ermitteln.
Kurswert Da Anleihen ebenso wie Aktien
gehandelt werden, wird ihr aktueller Kurswert ermittelt. Dabei wird der Kurs einer Anleihe immer in
Prozent angegeben. Liegt der Kurs einer Anleihe bei 100 %, entspricht ihr Wert exakt ihrem
Nennwert. Liegt er bei 105 %, ist er um 5 % gestiegen, während er bei
95 % um 5 % gefallen ist.
Anleihe­volumen, Volumen Als Anleihevolumen wird der Betrag bezeichnet, für den der Emittent insgesamt Anleihen
herausgegeben hat. Das Anleihevolumen wird in einzelne Beträge gestückelt, welche den
Nennwert der einzelnen Gläubiger ergeben. Das Volumen beeinflusst die
Liquidität einer Anleihe und damit ihre Rendite.

Wo kann ich Unternehmens­anleihen kaufen?

Der Handel von Unternehmensanleihen ist dezentral und wird über unterschiedliche Marktplätze realisiert. Die
Kaufabwicklung läuft sowohl in Form von OTC-Geschäften über Banken, als auch über die Börse.

Unternehmensanleihen sind für Anleger besonders interessant, da sie vor Ablauf ihrer Laufzeit
weiterverkauft und gehandelt werden können. Dabei ergibt sich der Wert für ihren Wiederverkauf aus ihrem aktuellen
Kurswert. Bei Unternehmensanleihen, die ein hohes Liquiditätsrisiko aufweisen,
kann sich der Verkauf jedoch als schwierig gestalten.

Seit 2010 besteht an den mehreren deutschen Börsen ein Segment speziell für die Anleihen von mittelständischen
Unternehmen, sogenannte Mittelstandsanleihen. Mittelstandsanleihen haben im Vergleich
zu Unternehmensanleihen kleinere Volumen, bieten Anlegern dafür aber auch hohe Zinsen von in der Regel über 5 %.

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Welche Faktoren beeinflussen die Rendite einer Unternehmens­anleihe?

Je risikoreicher eine Unternehmensanleihe ist, desto höher ist auch die Rendite, die ein Anleger erwarten kann. Um
risikoreiche Anleihen attraktiver zu gestalten, gibt der Emittent Anleihen mit einem höheren Zinssatz aus. Dadurch dass
die jährlichen Zinszahlungen ertragreicher ausfallen, werden dem Anleger hohe Renditen versprochen. Ob diese am Ende der Laufzeit
jedoch wirklich zustande gekommen sind, hängt von einer Reihe von Faktoren ab.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die exogenen Faktoren, die das Risiko und
somit auch die Rendite einer Unternehmensanleihe beeinflussen.

Faktor Einfluss
Bonität Die Bonität des Emittenten spielt eine wichtige Rolle für den Gläubiger. Kann ein Unternehmen die
ausgegebenen Unternehmensanleihen nach Ablauf der Laufzeit nicht zurückzahlen, verliert die Anleihe
massiv an Wert.

Anleger haben zwei Möglichkeiten, um sich ein Bild von der Bonität eines Emittenten zu machen:

  1. Ratings: Ratingagenturen schätzen die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und
    vergeben Noten, an denen diese abgelesen werden kann.
  2. Spreads (Risikoaufschlag): Ausgehend von einem Vergleichswert wird die
    Ausfallwahrscheinlichkeit eines Unternehmens errechnet. Je höher der Spread ist, desto
    risikoreicher ist die Anleihe.
Markt­zins­niveau Einer der größten exogenen Einflussfaktoren auf die Rendite einer Unternehmensanleihe ist das
Marktzinsniveau. Schwankungen des allgemeinen Zinsniveaus verändern das Verhältnis zwischen Nominal-
und Effektivverzinsung und haben somit direkte Auswirkungen auf die Rendite und den
Kurswert von Unternehmensanleihen. Fällt das Zinsniveau, steigt der Kurs von
Unternehmensanleihen, da der Zinssatz relativ (nicht nominal) betrachtet steigt. Steigt das
Zinsniveau hingegen, fällt der Wert von Unternehmensanleihen.

Das Marktzinsniveau ergibt sich aus einer Vielzahl politischer und wirtschaftlicher Faktoren.
Darunter fallen beispielsweise die allgemeine Entwicklung des Wirtschaftswachstums oder das Agieren
der Notenbanken.

Währung Unternehmensanleihen werden in einer Währung erworben und in selbiger wieder ausgezahlt. Damit
unterliegt ihre Wertentwicklung den Schwankungen der Währung, in der sie ausgeben werden. Wird eine
Unternehmensanleihe in einer schwachen Währung ausgegeben, gilt sie als besonders risikoreich.
Liquidität Weist eine Anleihe ein geringes Maß an Liquidität auf, gilt sie ebenfalls als
besonders risikoreich. Die Liquidität ergibt sich aus der Häufigkeit, mit der eine Anleihe an der
Börse gehandelt wird. Anleihen mit einem hohen Volumen ab ca. 1 Milliarde Euro
werden öfter gehandelt, als Anleihen mit einem Volumen von beispielsweise 100 Millionen Euro.

Wie sicher sind Unternehmens­anleihen?

Gemeinhin gelten Anleihen und damit auch Unternehmensanleihen als sichere Geldanlagen. Sie bieten zudem in der Regel
eine höhere Rendite als die Staatsanleihen im
Heimatland des Unternehmens (in Deutschland sogenannte Bundesanleihen). Dennoch ist hier aufgrund der komplexen
Faktoren, die den Wert einer Unternehmensanleihe beeinflussen, Vorsicht geboten!

Entscheidet sich der Anleger trotz der beschriebenen Risiken in Unternehmensanleihen zu investieren, empfiehlt es sich
auf Einzelkäufe zu verzichten. Wie bei Aktien ermöglichen Fonds
oder ETFs eine Risikostreuung, indem direkt in eine Reihe
von Unternehmen investiert wird und so die Bonitätsrisiken einzelner Unternehmensanleihen minimiert werden.

Dennoch sollten die Risiken von Unternehmensanleihen aufgrund ihrer komplexen Funktionsweise nicht
unterschätzt und leichtfertig in Kauf genommen werden.

Welche Alternative gibt es zu Unternehmens­­anleihen?

Eine sinnvolle Alternative zu Unternehmensanleihen bietet das Crowdinvesting. Wie bei Anleihen können Unternehmen mithilfe von Crowdinvestments Projekte finanzieren. Im Gegensatz zum
gemeinnützigen Crowdfunding wird dabei ein fester
Zinssatz vereinbart, die zwischen 5,0 % und 7,0 % liegt. Aufgrund eines erweiterten Anlegerkreises, sind sehr
geringe Stückelungen möglich, wodurch Crowdinvesting gerade für Kleinanleger äußerst attraktiv ist.

Die Crowdinvesting-Projekte werden auf eigenen
Internetseiten oder professionellen Crowdinvesting-Plattformen angeboten. Eine
dieser professionellen Plattformen ist BERGFÜRST, die sich auf den Bereich Immobilien spezialisiert hat.

Für den Anleger entstehen bei den von BERGFÜRST vermittelten Anlagemöglichkeiten keine
Anschaffungskosten und es ist auch kein kostenpflichtiges Depot erforderlich. Darüber hinaus kann sich der Anleger
umfassend über das Immobilienprojekt informieren und seine Anteile nach Erreichen des Investitionsvolumens auf dem
Handelsplatz, dem Sekundärmarkt auf BERGFÜRST, wieder
zum Verkauf anbieten.

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