Rendite von Immobilien: Was gilt es zu beachten und wie minimiert man das Risiko?

Artikel von Annette de los Santos; aktualisiert am 22.04.2022

Immobilien als alternative Geldanlage

In Deutschland erfreuen sich Kapitalanlagen
in Immobilien
als sog. „Betongold“ von jeher als inflationssichere und relativ risikoarme alternative Geldanlage großer Beliebtheit.
Dieser Trend hat in den letzten Jahren noch zugenommen seit andere, sichere Geldanlagen wie Bundesanleihen nur noch Nullzinsen bzw. sogar Negativrenditen einbringen und
damit unter der derzeitigen Inflationsrate liegen.

Andere Wege Geld anzulegen, wie z.B. in Aktien, fristen – im Gegensatz zu anderen
Ländern – ein „Aschenputteldasein“, obwohl sie in der Regel langfristig die besseren Renditen einbringen. Viele sprechen
schon von einem Immobilienhype, insbesondere auch bei weniger vermögenden Privatanlegern.

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Warum in vermietete Immobilien investieren?

Auch unabhängig von der Risikoaversion deutscher Privatanleger ist es im Sinne einer Diversifikation
des Portfolios sinnvoll, einen Teil des Vermögens in Immobilien zu halten. Als Faustregel nach abnehmender
Liquidierbarkeit gilt: 20 % liquide Mittel (z.B. Bankguthaben, Festgelder), je 35 % bis 40 % in an Börsen
handelbaren Wertpapieren und Immobilien sowie 5 % Gold bzw. Edelmetalle.

Im Hinblick auf den derzeitigen Trend, größere Vermögensanteile in Immobilien zu investieren, lohnt es sich
sich mit den Renditechancen von Häusern und Wohnungen näher zu beschäftigen.

Was ist Rendite?

Die Rendite bezeichnet ganz allgemein den Jahresreinertrag einer Kapitalanlage im Hinblick auf das
eingesetzte Kapital. Sie wird in der Regel in Prozent (Zinssatz) angegeben und dient dazu, unterschiedliche
Kapitalanlagemöglichkeiten miteinander zu vergleichen.

Bei Immobilien wird der Mietzins, also die Miete, abzüglich der anfallenden laufenden Kosten dem Investitionsvolumen
gegenübergestellt bzw. durch dieses dividiert. Allerdings werden Renditen von Immobilien sehr unterschiedlich berechnet
und besitzen damit auch eine teilweise begrenzte Aussagekraft für den Privatanleger.

Eine hilfreiche Kennzahl im Bereich der Immobilienrendite ist der sogenannte Vervielfältiger (auch Faktor genannt), der
angibt in wie vielen Jahren die Jahresmiete die Höhe des Kaufpreises erreicht und sich der Kauf also rentiert.

Arten von Immobilieninvestments

Grundsätzlich ist bei Direktinvestments in vermietete Immobilien zwischen Gewerbeimmobilien und
Wohnimmobilien zu unterscheiden.

Gewerbeimmobilien werfen i.d.R. höhere Renditen ab als
Wohnimmobilien. Allerdings bestehen auch erhöhte Risiken (z.B. Leerstand, Insolvenz des Mieters). Hinzu kommt, dass die
Investitionskosten vergleichsweise höher ist und die Beleihungsgrenze der finanzierenden Banken bei nur 80 % der
Immobilienbewertung liegt. Bei Wohnimmobilien sind hingegen Finanzierungen von 100 % des Kaufpreises möglich.
Deshalb sind Gewerbeimmobilien für Privatanleger weniger attraktiv als Wohnimmobilien, die daher im Folgenden näher
betrachtet werden sollen.

Bei vermieteten Wohnimmobilien kann zwischen Mietshäusern, Eigentumswohnungen, Ferienwohnungen, Denkmalschutzobjekten
und neuerdings auch Pflegeimmobilien unterschieden werden. Pflegeimmobilien sind derzeit noch weniger bekannt.
Die Vermietungsbedingungen unterscheiden sich grundsätzlich von denen der übrigen Wohnimmobilien, weshalb sie an dieser
Stelle nicht näher betrachtet werden.

Rendite von Wohnimmobilien

Die unterschiedlichen Renditebegriffe Vorsteuerrendite, Nachsteuerrendite, Objektrendite, Bruttomietrendite sowie
Eigenkapitalrendite sollen im folgenden erläutert werden:

Bei der Vorsteuerrendite bleiben der persönliche Steuersatz bzw. Steuerminderungen (z.B. durch
Fremdkapitalzinsen) des Anlegers unberücksichtigt. Das Bild bleibt daher unvollständig, insbesondere im Verhältnis
zu Einkünften aus Kapitalvermögen, die einem einheitlichen Kapitalertragsteuersatz von 25 % unterliegen.
Mieteinkünfte bzw. Einnahmen sind hingegen mit dem individuellen Steuersatz, der häufig höher als 25 % ist, zu
versteuern.

Die Nachsteuerrendite hingegen berücksichtigt persönliche Steuern des Anlegers.

Die Objektrendite (Gesamtkapitalrendite) eignet sich vor allem dazu, verschiedene Immobilien
miteinander zu vergleichen. Sie lässt Finanzierungsaspekte außer Betracht, um Verzerrungen zu vermeiden. Sie
entspricht in diesem Fall der Eigenkapitalrendite. Sie wird wie folgt berechnet:

Annahme:

  • Abschreibungen: Absetzung für Abnutzung (AfA)
  • Nebenkosten: Bewirtschaftungskosten und Unterhaltungskosten
  • Verkehrswert: Kaufpreis
Gesamtkapitalrendite = 
(Mietzins
− Nebenkosten − Abschreibungen ∓ Steuerlast)

/
Verkehrswert
×  100 %

Gelegentlich werden auch potenzielle Wertsteigerungen der Immobilie einbezogen.

Die Bruttomietrendite wird häufig in Immobilienprospekten angegeben und kann mit folgender Formel
berechnet werden:

Bruttomietrendite  =  

Jahreskaltmiete
(Nettokaltmiete)

/
Kaufpreis des Objekts
× 100 %

Unberücksichtigt bleiben die nicht unerheblichen Kaufnebenkosten wie Maklergebühren, Notargebühren und
Grunderwerbsteuer
sowie nicht umlagefähige Betriebskosten (z.B. Instandhaltung, Verwaltungskosten). Damit ist diese Renditeberechnung
unvollständig und ungeeignet. Sie wird allerdings häufig in Maklerprospekten angegeben. Privatanleger sollten auf
eine
umfassende Berechnung achten.

Aussagefähiger ist die Nettomietrendite, also diejenige Mietrendite, die nicht umlagefähigen
Betriebskosten einbezieht und zunächst den jährlichen Mietreinertrag ermittelt. Dieser wird bezogen auf die gesamte
Investitionssumme, d.h. inkl. der Kaufnebenkosten. Allerdings berücksichtigt die Nettorendite die
Finanzierungskosten
und die persönlichen Steuern nicht.

Eine ausführliche Erklärung von Brutto- und Nettomietrendite sowie ihrem Nutzen finden Sie in unserem
Artikel
zur Mietrendite.

Die Eigenkapitalrendite (auch Objektrendite genannt) berücksichtigt im Gegensatz zur Mietrendite
die
persönliche Steuerlast des Anlegers. Sie lässt sich insbesondere durch eine (teilweise) Fremdfinanzierung positiv
beeinflussen. Maßgebend ist hier der sog. Leverage-Effekt, der die Hebelwirkung durch eine
(teilweise) Fremdfinanzierung der Immobilie bezeichnet. Verglichen werden die Objektrendite in Prozent des
Gesamtkapitals mit der Nachsteuerrendite des Fremdkapitalzinses. Ist erstgenannte höher als letztere, lohnt sich der
Einsatz von Fremdkapital, weil die Eigenkapitalrendite entsprechend ansteigt. Dies ist insbesondere bei den derzeit
niedrigen Zinsen von 1,5 % bis 2 % in der Regel der Fall. Die Aufnahme von Fremdkapital zur Finanzierung
lohnt
sich in diesem Fall.

Berechnung der Immobilienrendite

Folgende Annahmen sollen für eine beispielhafte Berechnung der Rendite getroffen werden: Der
Kaufpreis
inkl. Provision für den Makler, Notargebühren und Grunderwerbsteuer beträgt 230.000 €. Es wird ein Kredit von
150.000 € aufgenommen. Der nicht abschreibungsfähige Bodenanteil beträgt 25 %. Das Gebäude wurde nach 1925
erbaut (Abschreibung daher 2 %).

Mietzins (Bruttomieteinnahmen) p.a. 9.600 €
− Abschreibung (2 %) 3.450 €
− umlagefähige Betriebskosten 2.400 €
− nicht umlagefähige Betriebskosten 900 €
− ggf. Fremdkapitalzinsen (1,5 %) 2.250 €

= Ertrag/Rentabilität (Vorsteuerrendite)

600 €
− Steuern (× Steuersatz von
35 %)
210 €

= Ertrag nach Steuern

390 €
× 100Kosten der
Investition

= Nachsteuerrendite

0,17 %

Die Eigenkapitalrendite lässt sich folgendermaßen berechnen:


Ertrag
nach Steuern

/
eingesetztes Eigenkapital
× 100 % =
Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite ergibt sich in obigem Beispiel wie folgt:


390 €
/
80.000 €
× 100 % = 0,49 %

Annahme:

  • Eingesetztes Eigenkapital: 80.000 €
  • Fremdkapitalzinsen nach Steuern: 0,97 %

Die Eigenkapitalrendite ist also geringer als der Fremdkapitalzins – jeweils nach
Steuern.

Sofern einigermaßen zuverlässig einschätzbar, kann das Wertsteigerungspotenzial der Immobilie einbezogen werden.
Gleichfalls sollte aber auch das ebenfalls schwer vorhersehbare Zinsänderungsrisiko berücksichtigt werden, wenn die
Zinsbindung der Finanzierung nach 10-15 Jahren ausläuft und kein gewinnbringender Verkauf möglich ist.

Wie das vorstehende Beispiel zeigt, ist die Nachsteuerrendite mit 0,17 % (Zins) ausgesprochen gering. Auch
ergibt
sich keine attraktive Eigenkapitalrendite. Sie liegt unter dem Fremdkapitalzins nach Steuern.

Denkmalschutz-und Ferienimmobilien

Bei Denkmalschutzimmobilien ist insbesondere die Nachsteuerrendite von Bedeutung, da die
Abschreibung
in den ersten 7 Jahren 9 % und den folgenden 4 Jahren 7 % beträgt.

Denkmalimmobilien sind allerdings nur für
vermögende
Privatanleger mit einer langfristig hohen Steuerbelastung und ausreichendem Liquiditätspolster interessant, da
zunächst
hohe Sanierungskosten aufzuwenden sind.

Bei Ferienimmobilien-Investments bestehen Risiken vor allem in der Kapazitätsauslastung. Zudem
entstehen höhere Instandhaltungskosten und erhebliche Verwaltungskosten der Vermietungsagenturen, sodass
Ferienimmobilien unter Renditeaspekten in der Regel wenig attraktiv sind. Ferienimmobilien im Ausland sind mit
zusätzlichen Risiken behaftet (begrenzt mögliche Einschätzung der Marktlage, abweichende Rechtsvorschriften), was
bei
der Renditeerwartung berücksichtigt werden muss. Im Vordergrund bei einem Investment in Ferienimmobilien steht daher
die
Möglichkeit zur Selbstnutzung und weniger die Renditeerwartung.

Liquidität versus Rendite

Nicht berücksichtigt bei der obigen Berechnung ist, wieviel Liquidität dem Investor nach
Steuern verbleibt. Da die Abschreibungen nicht liquiditätswirksam sind, verbleibt dem Immobilieneigentümer eine
Liquidität (Nettozufluss) nach Steuern von 390 € zzgl. Abschreibungen von 3.450 € = 3.840 €
abzgl.
Tilgung des Fremdkapitals (2 % p.a. = 3.000 €) = 840 €.

Ertrag nach Steuern 390 €
+ Abschreibungen 3.450 €
− Tilgung des Fremdkapitals (2 % p.a.) 3.000 €

= Liquidität (Nettozufluss)

840 €

Bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital von 80.000 € ergibt sich ein etwas besserer Prozentsatz von
1,0 %.
Hierbei ist allerdings unterstellt, dass die Mieteinnahmen regelmäßig fließen und keine größeren
Instandhaltungsaufwendungen anfallen.

Sowohl die Rendite als auch die Liquiditätsrückflüsse aus dem eingesetzten Eigenkapital liegen unterhalb der
Inflationsrate und sind somit im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen nicht attraktiv.

Risiken von Direktinvestments in Wohnimmobilien

Ein wesentliches Problem besteht im deutschen Mietrecht, wonach der Mieter einen umfangreichen Kündigungsschutz
genießt
und Mieterhöhungen nur in begrenztem Umfang zulässig sind oder von privaten Vermietern nicht hinreichend
ausgeschöpft
werden. Zudem besteht immer das Bonitätsrisiko des Mieters oder sogar die Gefahr an sog. „Mietnomaden“ zu geraten.

Nach einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erzielen demzufolge 8,5 % der
Vermieter
jährliche Verluste, 24,6 % schreiben eine schwarze Null und noch nicht einmal jeder Zweite (46,2 %) kommt
auf
eine Rendite von 2,1 % oder mehr. Damit ist bei vielen Vermietern nicht einmal die Inflationsrate gedeckt.

Diese Problematik besteht insbesondere dann, wenn Privatanleger nur eine Eigentumswohnung besitzen. Eine
Diversifikation
des Portfolios in mehrere Eigentumswohnungen oder Mietshäuser (Zinshäuser) würde die Renditechancen erhöhen und die
Risiken mindern. Allerdings bleibt diese Möglichkeit nur vermögenden Privatanlegern vorenthalten.

Erschwerend kommt hinzu, dass Verluste, die nachhaltig erzielt werden, steuerlich nicht anerkannt werden. Die
Vermietung
wird dann als Liebhaberei eingestuft mit der Folge, dass Verluste aus Vermietung und Verpachtung unberücksichtigt
bleiben und nicht mit positiven Einkünften verrechnet werden können.

Nicht zuletzt entstehen unter Umständen Liquiditätsengpässe, wenn Zins- und Tilgungsraten aufgrund von Leerstand
oder
hoher Instandhaltungskosten nicht mehr aus den Mietzinsen bedient werden können.

Risikominimierung durch Diversifikation

Eine Möglichkeit, mit geringem oder auch höherem Kapitaleinsatz dennoch in unterschiedliche Immobilien mit guten
Renditechancen zu investieren, bietet das sog. Crowdinvesting, das sich zunehmender
Beliebtheit bei Privatanlegern erfreut. Crowdinvesting wird von FinTech-Unternehmen über entsprechende Portale angeboten.

Die Investments werden von Fachleuten sorgfältig ausgewählt, vor allem auch im Hinblick auf die Lage der Immobilie,
die
ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Das Crowdinvesting bietet Renditen, die solche von Direktinvestitionen in
Immobilien deutlich übersteigen und der Kapitaleinsatz kann frei bestimmt werden. Der Anleger kann demzufolge sein
zur
Verfügung stehendes Eigenkapital auch in mehrere Immobilienprojekte investieren, um durch
Streuung
Risiken zu minimieren. Es wird eine feste Verzinsung über einen bestimmten Zeitraum, zu dem dann auch das Darlehen
zur
Rückzahlung fällig ist, gezahlt. Umfangreiche Renditeberechnungen erübrigen sich daher für den Anleger, lediglich
der
Kapitalertragsteuersatz von 25 % ist zu berücksichtigen. Auch die Liquiditätsrückflüsse sind im Voraus bekannt.

Die Crowdinvestments (Darlehen) sind zudem über das Portal der Crowdanlegern handelbar. Sie sind somit deutlich
leichter
liquidierbar als ein erworbenes Haus oder eine Wohnung. Deshalb sind Crowdinvestments gerade für Privatanleger dem
Kauf
einer Immobilie vorzuziehen. Zudem können bereits mit geringen Beträgen gute Renditen erzielt werden. Dabei ist zu
beachten, dass, je höher die Renditechancen angegeben werden, auch die Ausfallrisiken entsprechend höher sind.

Auf der Immobilien-Crowdinvesting-Plattform
BERGFÜRST finden Privatanleger Anlagemöglichkeite in Wohn- und Gewerbeimmobilien, die mit Renditen von
5,0 %
bis 7,0 % pro Jahr ausgestattet sind.

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