Private Altersvorsorge – ein unterschätztes, aber entscheidendes Thema

Von Mauritius Kloft – aktualisiert am 10.11.2022

Und, wie sparen Sie fürs Alter? Wenn Sie diese Frage mit „überhaupt nicht“ beantworten, sind Sie nicht allein. So gab es im Jahr 2022 laut einer Allensbach-Umfrage mehr als 31 Millionen Menschen in Deutschland, die sich kaum oder gar nicht um die Altersvorsorge kümmern (können).

Dabei ist das Thema entscheidend für Sie. Denn viele Deutsche werden ihren aktuellen Lebensstandard ohne private Altersvorsorge nicht halten können, die Altersarmut steigt. Sie sollten sich also frühzeitig um Ihre Altersvorsorge kümmern.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge es gibt, was Sie bei der privaten Altersvorsorge beachten sollten – und welche Anlageform für Sie die richtige sein könnte.

Was ist private Altersvorsorge?

Die private Altersvorsorge ist die dritte Säule der Altersvorsorge – neben gesetzlicher Rente und betrieblicher Vorsorge. Die private Altersvorsorge wird dabei immer wichtiger. Allein auf die gesetzliche Rente sollten Sie sich nicht mehr verlassen. Denn: Die Rentenkasse steht vor einem finanziellen Problem.

Die Ursache dafür liegt im demografischen Wandel: Es gibt immer mehr Rentner und immer weniger junge Berufstätige, die sie finanzieren können. Zudem steigt die Lebenserwartung, sodass die Deutschen immer länger Rente beziehen und dementsprechend ein größeres Rentenpolster benötigen.

Die Folge: Die Beiträge zur Rentenversicherung könnten steigen, auch der Rentenbeginn könnte sich nach hinten verschieben. Und vor allem dürfte das Rentenniveau zurückgehen, die Renten sich also auf Dauer weiter von den gezahlten Löhnen entkoppeln. Eine Versorgungslücke tut sich auf. Hier kommt die private Altersvorsorge ins Spiel. Diese soll die Rentenlücke schließen, sodass Sie Ihren Lebensstandard im Alter halten können.

Welche Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge gibt es?

Eine Vielzahl. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Sparformen, die staatlich gefördert sind und solchen ohne staatliche Förderung. Klassiker unter den staatlich geförderten Altersvorsorge-Möglichkeiten sind die Riester-Rente und die Rürup-Rente.

Die private Altersvorsorge unterscheidet sich derweil auch nach Kosten, Rendite und Sicherheit. Mittlerweile gibt es viele Angebote, bei denen sich ein Neuabschluss nicht mehr lohnt. Eine Übersicht:

Lebensversicherung

Der absolute Klassiker der privaten Altersvorsorge. Eigentlich soll die Risikolebensversicherung nur den Todesfall absichern. Das ergibt durchaus Sinn, falls Sie sich Sorgen um die Existenzsicherung Ihrer Familie machen.

Viele Menschen kombinieren diese Versicherungsleistung mit der privaten Altersvorsorge. Das bedeutet, sie sparen per Lebensversicherung für eine Privatrente, die Ihre Altersvorsorge ergänzen soll. In diesem Fall spricht man auch von einer Kapitallebensversicherung oder einer privaten Rentenversicherung.

Diese Form der Altersvorsorge war früher noch sinnvoll, weil die Zinsen attraktiv waren. So lag der Garantiezins in den 1990er-Jahren noch bei satten 4 %. Doch die Mindestverzinsung und die Überschussbeteiligung fallen seit Jahren, Anleger bekommen bei einer neu abgeschlossenen Kapitallebensversicherung kaum noch Erträge.

Auch auf einen Steuervorteil müssen Sie bei der Lebensversicherung verzichten: Die Beiträge in die Kapitallebensversicherung können Sie bei Verträgen nach 2005 nicht mehr von der Steuer absetzen. Die Erträge aus der Lebensversicherung müssen Sie dagegen im Alter versteuern.

Fondsgebundene Rentenversicherung

Eine Alternative zur Kapitallebensversicherung ist die fondsgebundene Rentenversicherung. Sie kombiniert eine Versicherungspolice mit einem Fondssparplan. Statt in zinsgebundene Wertpapiere legt der Versicherer in dem Fall das Geld von Ihnen am Kapitalmarkt an, breit gestreut in Investmentfonds.

Der Vorteil: Ihre Erträge sind deutlich höher als bei einer klassischen Renten- oder Lebensversicherung. Allerdings sind die Kosten für den Abschluss des Vertrags und die Verwaltung des Fonds bisweilen sehr hoch und nagen an Ihrer Rendite. Eine Fondsrente ist deshalb nicht allzu sinnvoll, um die Altersvorsorge zu sichern.

Bei der fondsgebundenen Rentenversicherung können Sie indes auf einen Steuervorteil setzen. Eigentlich sind die Erträge bei einer Einmalauszahlung voll steuerpflichtig, die Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Soli und ggf. Kirchensteuer wird fällig.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Halbeinkünfteregelung greifen, nach der Sie nur Ihren persönlichen Einkommensteuersatz auf die Hälfte des Ertrags zahlen müssen. Bei einer monatlichen Fondsrente wird derweil ohnehin nur ein bestimmter Ertragsanteil versteuert.

Riester-Rente

Der Staat hat bereits 2001 festgestellt, dass Anreize für eine private Ergänzung zur gesetzlichen Rente nötig sind. Daher hat er die nach Erfinder Walter Riester benannte Riester-Rente geschaffen. Diese können etwa Angestellte und Beamte abschließen.

Die Idee hinter der Riester-Rente: Versicherungsnehmer sparen beispielsweise in eine fondsgebundene oder eine klassische Rentenversicherung und der Staat belohnt das durch einen staatlichen Zuschuss. Auch ein Steuervorteil ist bei Riester-Verträgen möglich. Sie sparen bei der Riester-Rente also nicht ganz allein, sondern werden dabei vom Staat unterstützt.

Dieses Vorsorgekonzept ist aber an Bedingungen geknüpft: So müssen Sie einen Mindestbeitrag von 4 % des Brutto-Vorjahreseinkommens einzahlen, um die vollen Zulagen zu erhalten. Eine Kündigung des Riester-Vertrags wird derweil als „förderschädlich“ eingestuft – Sie müssen folglich die Zulagen und etwaige Steuerersparnisse wieder zurückzahlen. Im Rentenalter gilt, dass Sie Einkünfte aus den Riester-Verträgen im Rentenalter versteuern müssen.

Viele Riester-Verträge sind wegen niedriger Verzinsung und hohen Kosten nicht mehr attraktiv, die Renditechancen sind begrenzt. Dazu kommt, dass Riester-Verträge sehr intransparent sind. Verbraucherschützer raten daher vom Riestern zur Altersvorsorge ab.

Rürup-Rente

Für Selbstständige und Freiberufler gibt es als Pendant zur Riester- die Rürup-Rente. Sie wurde nach ihrem Erfinder Bert Rürup benannt, ein früherer Wirtschaftsweise. Da sie zur Basisversorgung gezählt wird, heißt sie auch Basisrente.

Der zentrale Unterschied zur Riester-Rente ist, dass die Zulagen bei der Rürup-Rente entfallen. Die staatliche Förderung ergibt sich aus einem Steuervorteil. Der aber fällt deutlich aus: Der förderfähige Höchstbeitrag zur Rürup-Rente liegt im Jahr 2022 bei 25.639 €, Versicherungsnehmer können davon aber aktuell bis zu 94 % absetzen. Bis 2025 steigt der absetzbare Anteil auf 100 % an.

Neben Selbstständigen können daher besonders Arbeitnehmer mit hoher Steuerlast von der Rürup-Rente profitieren. Allerdings eignet sich diese Form der staatlich geförderten Altersvorsorge nur, wenn Sie das hohe Einkommen dauerhaft erzielen. Dann können Sie die Steuervorteile voll ausschöpfen.

Für Menschen, die nicht wissen, ob sie den Rest ihres Lebens freiberuflich arbeiten möchten oder in der Selbstständigkeit nicht viel verdienen, ist die Rürup-Rente wenig sinnvoll. Denn die Rürup-Verträge sind nicht flexibel, so können Sie die Police nicht kündigen. Eine Entscheidung für die Rürup-Rente ist also eine dauerhafte.

Private Geldanlage

Wer sein Geld selbst anlegt, kann hohe Kosten sparen. Denn Sie müssen keinen Versicherer beauftragen, der dies für Sie übernimmt. Am einfachsten und günstigsten klappt die Geldanlage mit einem Sparplan in einen Fonds oder ETF.

So investieren Privatanleger breit gestreut in eine Vielzahl von Aktien, profitieren von steigenden Kursen an der Börse und können satte Renditen erwirtschaften. ETF haben den Pluspunkt, dass sie einen ganzen Aktienindex nachbilden. Hier muss kein Fondsmanager bezahlt werden, der die Aktien auswählt.

Das Investment in Einzelaktien, sogenanntes Stock-Picking, ist für die Altersvorsorge indes nicht geeignet. Besser ist es, das Risiko breit zu streuen. Auch von der Anlage in Kryptowährungen oder anderen hoch spekulativen Anlagen sollten Sie die Finger lassen – diese eignen sich ebenfalls nicht für die Altersvorsorge.

Allerdings eignet sich die private Geldanlage nicht für Menschen, die in erster Linie auf Sicherheit setzen. Denn das Investment an der Börse unterliegt Kursschwankungen. Um das Risiko zu minimieren, sollten Sie daher möglichst lange investieren, um etwaige Kurseinbrüche auszusitzen (siehe unten). Zudem entfallen bei der privaten Geldanlage Steuervorteile, die es bei anderen Möglichkeiten der Altersvorsorge gibt. So wird auf Einkünfte aus Kapitalerträgen die Abgeltungsteuer fällig, samt Soli und ggf. Kirchensteuer.

Immobilien

Auch Immobilien fallen letztlich unter die private Altersvorsorge, entweder zur Eigennutzung oder als Renditeobjekt. Der zentrale Vorteil eines Eigenheims ist selbstredend, dass Sie sich frei von Mietzahlungen im Alter machen. Mögliche Mieterhöhungen brauchen Sie darum nicht zu kümmern.

Investieren Sie dagegen in Immobilien als Renditeobjekt können Sie darauf setzen, dass der Wert des Hauses oder der Wohnung im Laufe der Zeit zunimmt. Sollten Sie die Immobilie im Alter verkaufen, können Sie im besten Fall einen hohen Gewinn einfahren.

Allerdings ist für die Immobilienfinanzierung ein hohes Eigenkapital nötig als auch ein ausreichendes Einkommen. Denn für die Altersvorsorge ist es entscheidend, dass Sie die Raten eines Immobiliendarlehens bis zum Renteneintritt getilgt haben. Ein solides Finanzierungsmodell ist wichtig. Zudem spielen weitere Faktoren wie Standort, Zustand oder Entwicklungsmöglichkeit der Immobilie eine zentrale Rolle beim Erwerb.

Wer kein Kapital für eine Immobilie hat, aber dennoch von den Ertragschancen profitieren möchte, kann auf digitale Immobilieninvestments setzen, wie BERGFÜRST sie anbietet. Sie sollten in jedem Fall Ihre Altersvorsorge aber diversifiziert aufstellen.

Warum möchten Sie Geld anlegen?

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Wie viel Geld sollte ich in die private Altersvorsorge stecken?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Experten raten jedoch, dass Sie ungefähr 10 bis 15 % Ihres monatlichen Nettoeinkommens für die private Altersvorsorge anlegen. Die genaue Summe hängt jedoch sowohl von Ihrer persönlichen Einkommenssituation als auch von der Höhe Ihrer Rentenlücke ab.

Es gilt: Im Alter benötigen Sie ungefähr 80 % Ihres letzten Nettoeinkommens als Arbeitnehmer. Die Differenz zwischen diesem Betrag und der voraussichtlichen Rentenhöhe ist Ihre Versorgungslücke. Die private Altersvorsorge sollte diese Lücke stopfen.

In jedem Fall sollten Sie langfristig aber nur so viel Geld anlegen, wie Sie entbehren können. Das bedeutet: Ungefähr drei Monats-Nettoeinkommen sollten liquide sein. Bei kurzfristig nötigen Anschaffungen müssen Sie folglich nicht das Finanzpolster für Ihre Altersvorsorge anrühren.

Welche private Altersvorsorge ist die richtige für mich?

Das ist die entscheidende Frage, die Sie selbst für sich beantworten müssen. Die ideale private Altersvorsorge ist dabei von mehreren Faktoren abhängig: Alter, Berufstätigkeit, Risikobereitschaft und Lebenssituation. Eine Übersicht:

Alter

Wie alt sind Sie? Und wie alt waren Sie, als Sie mit der Altersvorsorge begonnen haben? Junge Menschen sollten frühzeitig privat vorsorgen. Zwar haben gerade Berufseinsteiger im Normalfall nur ein knappes Budget zur Verfügung. Deshalb sollten sie aber nicht auf Vorsorge verzichten. Sie können oft schon mit geringen Beträgen den Weg zur finanziellen Altersabsicherung einschlagen.

Mit steigendem Alter können und sollten die Beträge anziehen. Irgendwann werden auch Fragen nach dem Rentenbeginn wichtig: Will ich früher in Rente gehen? Wie hoch muss mein Rentenpolster dafür sein? Ohnehin gilt: Wenn der Rentenbeginn näher rückt und man Verluste nicht mehr „aussitzen“ kann, sollten Sie mehr auf Sicherheit setzen – und die Anlagen womöglich umschichten.

Berufstätigkeit

Von Ihrer Berufstätigkeit hängt auch Ihre Altersvorsorge ab. Wie ist Ihre aktuelle und künftige Jobsituation? Sind Sie angestellt? Oder selbstständig tätig? Je nachdem, wie hoch und sicher Ihr Einkommen auf Ihr Konto kommt, sollten Sie eine andere Sparform wählen.

Selbstständige mit dauerhaft hohem Einkommen könnten sich beispielsweise mit der Rürup-Rente auseinandersetzen, während in anderen Fällen eine flexiblere Variante sinnvoller ist. Mit einem Sparplan können Sie theoretisch von Monat zu Monat entscheiden, wie viel Geld Sie anlegen wollen, um fürs Alter vorzusorgen.

Risikobereitschaft

Wie hoch ist das Risiko, das Sie eingehen möchten? Wo setzen Sie Ihren Fokus: Sicherheit oder Rendite? Wollen Sie etwa von den Ertragschancen an der Börse profitieren, aber auch Kursschwankungen in Kauf nehmen?

Oder setzen Sie lieber auf Anlagen, die einen festen Zins garantieren, deren Rendite aber begrenzt ist? Von der Risikobereitschaft hängt auch die Wahl der privaten Altersvorsorge ab. Das Portfolio sollte in jedem Fall breit aufgestellt sein.

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Lebenssituation

In welcher Lebenssituation stecken Sie? Wollen Sie eine Familie gründen? Oder ist das bereits geschehen? Möchten Sie ein Haus bauen oder sich eine Wohnung kaufen?

Oder wollen Sie lieber im Alter auf Weltreise gehen? Von Ihrer persönlichen Lebenssituation hängt Ihre Altersvorsorge ab: So kann sich ein ETF-Sparplan ebenso eignen wie eine Immobilie als Renditeobjekt oder für die Nutzung als Eigenheim.

Bei der Altersvorsorge ist es entscheidend, dass Sie sich umfassend informieren. Wir wollen Ihnen mit unserem Ratgeber helfen. Denn nur bei einer soliden Altersvorsorge können Sie Ihren Ruhestand genießen.

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