Endfällige Darlehen: Warum sie sich kaum mehr lohnen

Artikel von Ralf Kretzschmar; aktualisiert am 14.04.2022

Bei einem endfälligen Darlehen ist der gesamte Darlehensbetrag erst am Ende der Laufzeit fällig. Das endfällige Darlehen
ist somit das Gegenteil zu einem Tilgungsdarlehen, bei dem die Forderung in regelmäßigen Abständen abbezahlt wird. Es
wird deswegen auch als tilgungsfreies Darlehen bezeichnet.

Endfällige Darlehen sind auch unter dem Namen „Fälligkeitsdarlehen“ oder „Festdarlehen“ bekannt.

Wie funktioniert ein endfälliges Darlehen?

Beim endfälligen Darlehen fallen über die Laufzeit hinweg nur die regelmäßigen Zinszahlungen an. Die Höhe der Zinsen
bleibt dabei konstant. Beim Tilgungsdarlehen hingegen sinkt der Zinsbetrag über die Laufzeit hinweg kontinuierlich, da
der Darlehensbetrag durch die stetige Tilgung schrumpft.

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Sondertilgungen, also ausnahmsweise höhere Tilgungszahlungen, sind beim endfälligen Darlehen in der
Regel nicht möglich.

Die Begriffe Kredit und Darlehen bezeichnen im alltäglichen Sprachgebrauch im
Prinzip dasselbe: Geld wird gegen Zinsen verliehen. Meist wird dabei der Begriff Darlehen eher für den Verleih
höherer Geldsummen mit einer Laufzeit ab etwa fünf Jahren verwendet.

Beispiel für endfälliges Darlehen und Tilgungsdarlehen

Im Folgenden soll die Tilgung eines endfälligen Darlehens über 100.000 € mit einem festen Zinssatz von
2,5 % p.a. über eine Laufzeit von fünf Jahren beispielhaft dargestellt werden.

Jahr Restschuld Zins Tilgung Jährliche
Rate
(Annuität)
1 100.000 € 2.500 € 0 € 2.500 €
2 100.000 € 2.500 € 0 € 2.500 €
3 100.000 € 2.500 € 0 € 2.500 €
4 100.000 € 2.500 € 0 € 2.500 €
5 100.000 € 2.500 € 100.000 € 102.500 €
Summe 0 € 12.500 € 100.000 € 112.500 €

Wie in der Tabelle deutlich wird, sind die jährlichen Raten bis zum Darlehensende bei einem endfälligen Darlehen sehr
gering, da die Tilgung noch nicht beginnt. Bei einem Tilgungsdarlehen würde sich folgende Abzahlung ergeben:

Jahr Restschuld Zins Tilgung Jährliche
Rate
(Annuität)
1 100.000 € 2.500 € 20.000 € 22.500 €
2 80.000 € 2.000 € 20.000 € 22.000 €
3 60.000 € 1.500 € 20.000 € 21.500 €
4 40.000 € 1.000 € 20.000 € 21.000 €
5 20.000 € 500 € 20.000 € 20.500 €
Summe 0 € 7.500 € 100.000 € 107.500 €

Im ersten Jahr würde sie in diesem Beispiel bei einem Tilgungsdarlehen 22.500 € und somit 20.000 € mehr als
bei einem endfälligen Darlehen betragen (in der Summe ist das Tilgungsdarlehen dann aber deutlich günstiger).

Achten Sie bei einer Finanzierung auf den Unterschied zwischen einem endfälligen Darlehen und
einer endfälligen Verzinsung! Bei der endfälligen Verzinsung werden nicht nur der
Darlehensbetrag, sondern auch die Zinsen erst am Ende der Laufzeit beglichen.

Vergleich von endfälligem Darlehen und Tilgungsdarlehen

Anhand der vereinfachten Beispiele von Tilgungsdarlehen und endfälligen Darlehen sollen diese nun gegenübergestellt
werden. Die günstigen Kosten während der Laufzeit und höheren Gesamtkosten eines endfälligen Darlehens lassen sich hier
gut ablesen.

Endfälliges Darlehen Tilgungsdarlehen
Durchschnittliche Annuität (ohne Endrate) p.a. 2.500 € 21.750 €
Durchschnittliche Annuität (mit Endrate) p.a. 22.500 € 21.500 €
Durchschnittliche Zinskosten p.a. 2.500 € 1.500 €
Zinskosten gesamt 12.500 € 7.500 €
Zins- und Tilgungskosten gesamt 112.500 € 107.500 €

Vor- und Nachteile des endfälligen Darlehens für Kreditnehmer

  • Geringe Belastung: Für den Darlehensnehmer hat das endfällige Darlehen den Vorteil, dass die
    finanzielle Belastung über die Laufzeit des Darlehens hinweg sehr gering ist. Er kann das nicht benötigte Geld
    in dieser Zeit somit anderweitig anlegen.
  • Hohe Zinszahlungen: Nachteilig ist jedoch, dass die zu zahlenden Zinsen konstant hoch bleiben
    und nicht wie bei einem Tilgungsdarlehen kontinuierlich sinken. Im obigen Beispiel würde der Zins mit einem
    Tilgungsdarlehen lediglich 7.500 € statt 12.500 € betragen.
  • Hohe Zahlung für die Schlussrate: Der Kreditnehmer muss darauf achten, dass er zum Abschluss
    der Laufzeit die gesamte Summe des Darlehens aufbringen kann.

Tilgungsersatz statt Ratenzahlung: Das Modell ist nicht mehr attraktiv

Banken erwarten von privaten Kreditnehmern meist einen Tilgungsersatz als alternative Sicherheit für die regelmäßigen
Tilgungszahlungen. In der Regel handelt es sich dabei um einen Bausparvertrag, eine Rentenversicherung oder eine Kapitallebensversicherung.

Der Darlehensnehmer zahlt dann in dieses Finanzprodukt über die Kreditlaufzeit hinweg ein und löst mit ihm am Ende das
Darlehen ab. Die Idee dahinter ist, dass die Rendite, die der Tilgungsersatz am Ende der Darlehenslaufzeit
erwirtschaftet hat, den Betrag übersteigt, der zur Tilgung des Darlehens notwendig ist.

So war eine Lebensversicherung als Tilgungsersatz in der Vergangenheit durchaus sinnvoll: Bis zum Jahr 2004 wurden ab
dem zwölften Jahr keine Steuern mehr auf die Erträge aus Lebensversicherungen erhoben. Das ist heute jedoch nicht mehr
der Fall. Hinzu kommen die geringen Zinsen auf Sparprodukte aufgrund der Nullzinspolitik. Somit ist das Modell einer
Lebensversicherung als Tilgungsersatz heute nicht mehr attraktiv.

Zahlreiche Versicherer mussten die Auszahlungen an Kunden in den letzten Jahren senken, sodass die
Lebensversicherung am Ende nicht mehr zur Tilgung des Darlehens ausreichte. Verbraucher sollten in diesem Fall
prüfen, ob bei ihnen eine Finanzierungslücke entsteht.

Ähnliches gilt heute für abgeschlossene Bausparverträge oder Rentenversicherungen: Mit den derzeit
üblichen, geringen Zinssätzen gestaltet es sich äußerst schwierig, einen rentablen Tilgungsersatz zu gestalten.

Wann lohnen sich endfällige Darlehen?

Ein neues endfälliges Darlehen in Verbindung mit einem Tilgungsersatz ist heute nicht mehr sinnvoll. In bestimmten
Fällen kann ein endfälliges Darlehen aber dennoch hilfreich sein.

Zwischenfinanzierung bei finanziellem Engpass

Ein endfälliges Darlehen kann zur Zwischenfinanzierung im Fall eines finanziellen Engpasses genutzt
werden.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Geld aus einer Lebensversicherung benötigt wird, deren Laufzeit aber erst in
einigen Jahren endet. Die vorzeitige Auflösung der Lebensversicherung ist mit großen Abschreibungen und somit Verlusten
verbunden. Diese können mit einem endfälligen Darlehen umgangen werden: Die Lebensversicherung wird in das endfällige
Darlehen eingebunden und bei Auszahlung zur Tilgung des Darlehens genutzt.

Steuerersparnis für Vermieter

In Verbindung mit der Vermietung oder Verpachtung einer Immobilie kann das endfällige Darlehen als
Steuersparmodell verwendet werden. Die fälligen Zinsen sind in diesem Fall steuerlich absetzbar. Die Zinszahlungen
können so mit den Mieteinnahmen gegengerechnet werden, womit sich die Mietrendite steigern lässt. Ob sich tatsächlich eine
Kostenersparnis ergibt, ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich.

Wird der Wohnraum selbst bewohnt und nicht vermietet, so kann der Steuervorteil nicht genutzt werden. Bei der
Baufinanzierung ist deswegen in der Regel ein Annuitätendarlehen mit geringeren
Zinszahlungen das Mittel der Wahl. Bei diesem Darlehen bleiben die regelmäßigen Raten über die Laufzeit hinweg
konstant.

Fazit

Endfällige Darlehen bzw. Fälligkeitsdarlehen sind attraktiv, weil während der Laufzeit nur geringe Kosten anfallen.
Insgesamt ist das endfällige Darlehen dennoch eine besonders teure Darlehensform, die deswegen nur
selten sinnvoll ist. Tilgungs- oder Annuitätendarlehen bieten in der Regel bessere Konditionen.

Das endfällige Darlehen wird zum einen für eine Zwischenfinanzierung bis zur Auszahlung einer großen Geldsumme genutzt.
Zum anderen nutzen es Vermieter als Steuersparmodell. Das Modell einer Lebensversicherung als Tilgungsersatz für ein
endfälligen Darlehens ist heute hingegen aufgrund niedriger Zinsen nicht mehr attraktiv.

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