Venture Capital Fonds in sieben Schritten verstehen

Artikel von Ralf Kretzschmar; aktualisiert am 19.04.2022

Ab einem gewissen Zeitpunkt brauchen Gründer deutlich mehr Kapital für ihr Unternehmen, als sie selbst
aufbringen können. Dann schlägt die Stunde von Venture Capital Fonds – sie beteiligen sich an
jungen, innovativen Firmen.

In Deutschland haben sich Venture-Capital-Investitionen in fünf Jahren beinahe verdoppelt: von 722 Mio. €
(2014) auf 1.373 Mio. € (2018). Nicht selten werben sie mit Renditen von deutlich über 10 % –
dementsprechend hoch ist auch das Risiko. Erfahren Sie hier, was Venture Capital Fonds ausmacht und ob auch
Privatanleger profitieren können.

Venture Capital Fonds investieren in Startups

Venture Capital Fonds sind Investmentfonds, die sich auf die
Beteiligung an Startups spezialisiert haben. Venture Capital (dt. Wagniskapital, Risikokapital) ist
dabei eine besondere Form von Private Equity, also
privatem Beteiligungskapital.

Der Venture-Capital-Investor stellt einem vielversprechenden Startup Eigenkapital zur Verfügung und erhält im Gegenzug
Unternehmensanteile. Zudem erhält er erhebliche Mitspracherechte und agiert als strategischer Partner des Unternehmens.
Sein Ziel ist es, die Unternehmensanteile zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen.

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Venture Capital Fonds (oder VC-Fonds) werden von Gesellschaften aufgelegt, die sich mit dem investierten
Geld an verschiedenen Startups beteiligen. Oft fokussieren sich die Fonds dabei auf bestimmte Branchen wie etwa
E-Commerce oder den Medienbereich. Andere Fonds haben sich auf bestimmte Phasen des Unternehmensaufbaus
spezialisiert.

Venture Capital Fonds investieren in drei Phasen

Bei dem Aufbau eines Startups können grob drei Phasen unterschieden werden:

  1. Seed – Frühphase, bis ein Prototyp entwickelt ist
  2. Startup – Aufbauphase, wenn das Unternehmen in den Markt eintritt
  3. Later Stage – Wachstumsphase

VC-Fonds investieren hauptsächlich in die zweite und dritte der hier genannten Phasen. Hat sich das Geschäftsmodell
bewährt (der sogenannte Proof of Concept), wird neues Kapital benötigt. Es folgt die erste große
Finanzierungsrunde, die unter dem Namen Series A bekannt ist, die zweite Finanzierungsphase
dementsprechend als Series B.

In der Frühphase des Unternehmens sind es eher besondere Seed-Investoren und Fördergelder, die Gründer
unterstützen – zudem sind die benötigten Geldsummen noch überschaubar. Das ist auch in einer Studie
von Roland Berger, der Internet Economy Foundation und dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
(BDK) erkennbar. Im Jahr 2017 wurden demnach 703 Mio. € Venture Capital in die Startup-Phase und 344 Mio. € in die
Later-Stage-Phase investiert. In der Seed-Phase waren es hingegen nur 92 Mio. €, die Venture-Capital-Geber
einsetzten.

Venture Capital Fonds haben in Europa großes Wachstums­potenzial

Laut derselben Studie bestehen für VC-Fonds in Europa erhebliche Wachstumsmöglichkeiten. Noch 2012 lagen die
Venture-Capital-Investitionen in Asien und Europa auf demselben Level. Bis 2017 sind sie in Asien um 1.450 %
angestiegen. Mit 62,8 Mrd. € waren sie damit genauso hoch wie in den USA. Die Venture-Capital-Investitionen in
Europa hingegen liegen mittlerweile weit hinter Asien und der USA zurück.

Venture-Capital-Investitionen von 2012 bis 2017 (in
Mrd. €)

Venture Capital Fonds nach Branchen
Quelle: rolandberger.de , Stand: Januar 2020

Als entscheidendes Problem für die mangelnden Investitionen in Europa identifiziert die Studie dabei zu
wenige und zu kleine VC-Fonds
. Asiatische und amerikanische Pendants verfügen über etwa acht bis
zehnmal größere Kapitalvolumen. Zudem würden institutionelle Kapitalgeber wie Pensionskassen und Versicherungen in
Europa aufgrund ihrer geringen Volumen und dem erheblichen Risiko Investitionen in Wagniskapital meiden.

In der Folge entsteht am europäischen Markt eine Finanzierungslücke in der Late Stage, der
Spätphase einer Unternehmensgründung. Gerade hier brauchen junge Unternehmen jedoch viel Kapital, um sich am Markt
etablieren zu können.

Um der Finanzierungslücke entgegenzuwirken bestehen in Deutschland mittlerweile auch mehrere staatliche
Beteiligungsgesellschaften
. Sowohl der Bund als auch eine Großzahl der Bundesländer haben verschiedene
Fonds aufgesetzt, um Unternehmen in der Gründung zu finanzieren.

Der vielleicht bekannteste Risikokapitalgeber ist der High-Tech Gründerfonds
(HTGF), eine Public-Private-Partnership des Bundes mit etwa zwanzig Unternehmen. Die größten Mittel des
Gründerfonds stammen dabei aus dem Bundeshaushalt und von der Förderbank KfW. Der HTGF hat sich auf
Finanzierungen der Seed-Phase spezialisiert. Er besteht bereits seit 2005 und hat mittlerweile Kapital für
etwa 500 Startups bereitgestellt.

Mobilität in Deutschland bei Venture Capital am beliebtesten

Einer Studie der
Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge ist Mobilität in Deutschland die beliebteste Branche bei
Venture-Capital-Investitionen. Danach folgen die Bereiche Software & Analytics, E-Commerce, Gesundheit, FinTech bzw. InsurTech, PropTech und AgTech.

Venture Capital nach Branchen bis 2020 (in Mio. €)

Venture Capital Fonds nach Branchen
Quelle: ey.com ,
Stand:
Februar 2021

Hohes Risiko, hohe Rendite und hohe Gebühren

Ein Investment in Startups gilt als
hochriskant, da ein Großteil der jungen Unternehmen keinen Erfolg verzeichnet und Verluste drohen.
Venture-Capital-Gesellschaften kalkulieren deshalb von Beginn an damit, gescheiterte Investitionen mit der hohen Rendite der wenigen erfolgreichen Startups
auszugleichen.

Nicht unterschätzen sollten Anleger zudem die Gebühren der Fonds. Da es sich um aktiv gemanagte Fonds
handelt, werden hohe Gebühren für das Management fällig. Hinzu kommen Kosten für Agio (Ausgabeaufschlag), Marketing und Vertrieb. Die
Kosten von Venture Capital Fonds liegen deshalb in der Regel bei über 10 %.

Mit der Investition in Venture Capital Fonds legen sich Kapitalgeber meist langfristig fest und
müssen mit Laufzeiten zwischen drei und zehn Jahren rechnen.

Privatanleger können nur über Aktien investieren

Venture Capital ist eine teure Anlageklasse. Die Mindestanlagesumme beträgt bei kleinen Fonds
5.000 €, üblich sind jedoch eher Anlagen ab 100.000 €.

Hohe Mindestanlagesumme bei Einzelfonds und Dachfonds

Einzelne Venture Capital Fonds eignen sich deswegen nur für sehr wohlhabende oder institutionelle Kapitalgeber. Dasselbe
gilt für Venture-Capital-Dachfonds, die in eine bestimmte Menge von Einzelfonds bzw. Zielfonds
investieren. Das Mindestinvestment liegt bei ihnen in der Regel im sechsstelligen Bereich.

Dachfonds verfügen gemeinhin über eine noch bessere Risikostreuung als ein Einzelfonds. Allerdings
summieren sich auch die ohnehin schon sehr hohen Verwaltungskosten.

Aktien von Beteiligungsgesellschaften

Privatanlegern bleibt aufgrund der hohen Mindestanlagesummen nur der Umweg über die Börse. Einige
Venture-Capital-Gesellschaften wie die German Startups Group und Rocket Internet können über die Börse gehandelt werden
und sind somit auch für Privatanleger erschwinglich.

Ein Erfolgsgarant sind Aktien von
Venture-Capital-Gesellschaften
allerdings nicht. Tatsächlich tun sich viele der Beteiligungsgesellschaften an der Börse schwer:
Sie klagen unter anderem über die Transparenzpflichten des Handelsplatzes. Diese würden einen Nachteil gegenüber
nicht börsennotierten Venture-Capital-Gebern darstellen.

Alternativen zu Venture Capital Fonds

Venture Capital Fonds sind ein Wachstumsmarkt – potenziell mit sehr hohen Renditen. Aber auch die Nachteile der Fonds
liegen auf der Hand:

  1. sehr hohes Anlagerisiko
  2. Verwaltungsgebühren von über 10 %
  3. Mindestanlagesummen ab 5.000 €
  4. kein liquides Investment

Auch eine Investition in Venture-Capital-Gesellschaften über die Börse ist für Kleinanleger nicht empfehlenswert, da das
Geschäftsmodell der Beteiligungsgesellschaften nicht wirklich börsentauglich ist.

Crowdinvesting

Wenn Sie mit einer geringeren Summe in Startups investieren möchten, bietet sich das Crowdinvesting in Startups an. Über eine
Online-Plattform können Privatanleger dort bereits ab 250 € in junge Unternehmen investieren.

Das hohe Ausfallrisiko bleibt aber selbstverständlich dasselbe. Außerdem kann es zu einer Verwässerung
der Rendite kommen: Der Anteil an der Gewinnbeteiligung kann aufgrund späterer Finanzierungsrunden sinken.

Eine andere Form des Crowdinvestings ist das Immobilien-Crowdinvesting, bei dem
Privatanleger gemeinsam in Immobilien
investieren
. Auf der Crowdinvesting-Plattform BERGFÜRST können Anleger gebührenfrei
bereits ab 10 € ihr Geld anlegen. Eine Risikostreuung durch Investments in verschiedene
Immobilien ist somit leicht möglich und Anleger erhalten aus den Anlagemöglichkeiten zudem einen attraktiven, festen Zinssatz von 5,0 % bis
7,0 % p.a.

Investition in etablierte Unternehmen

Eine Alternative zu Venture Capital Fonds sind Investmentfonds, die sich an etablierten Unternehmen beteiligen. Diese
Private Equity Fonds erwerben in der Regel die Mehrheitsbeteiligung an einem großen Unternehmen.
Anschließend nehmen sie aktiv Einfluss auf dessen Management, um den Wert der Anteile zu steigern und letztendlich
gewinnbringend zu veräußern.

Sollten Anleger hingegen ein liquides Investment bevorzugen, bieten sich Aktien von etablierten
Unternehmen an. Mit Aktien sind Anleger nicht an Laufzeiten gebunden, sondern können Ihre Wertpapiere jederzeit über die
Börse veräußern. Aufgrund der strengeren Transparenzpflichten für den Börsenhandel können Anleger zudem die Situation
des Unternehmens deutlich besser einschätzen als bei Venture-Capital- und Private-Equity-Fonds.

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