Ausgabeaufschlag: Nicht die einzige Kostenfalle bei Fonds

Artikel von Valeria Nickel; aktualisiert am 27.09.2022

Für Investoren spielen bei der Fondsauswahl nicht nur die Höhe der Rendite sondern auch die Kosten eines
Investmentfonds eine wichtige Rolle.

Dabei sorgt die Total Expense Ratio
(TER)
für mehr Durchblick für die Anleger, denn sie beinhaltet die jährlich anfallenden Management- und
Verwaltungskosten eines Fonds. Dazu gehören auch die Kosten
für Werbung und Wirtschaftsprüfer, Anwaltskosten, Druckkosten etc. Die TER erleichtert so den Fondsvergleich.

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Die TER ist jedoch nicht die einzige Kennzahl, die Sie bei Ihrer Anlagestrategie im Blick behalten müssen. Viele
Anleger schauen bei der Suche nach dem richtigen Produkt nicht auf den Ausgabeaufschlag. Ein teurer
Fehler! Der Ausgabeaufschlag ist ein bedeutender Kostenfaktor beim Kauf eines Investmentfonds.

Gerade in den Zeiten niedriger Zinsen
und hoher Inflation ist es wichtig, für den Vermögensaufbau,
auf günstige Konditionen Wert zu legen.

Was ist ein Ausgabeaufschlag?

Der Ausgabeaufschlag – oder Agio – ist eine Gebühr, die der Investor einmalig zahlen muss, wenn er Fondsanteile
erwirbt.

Der Ausgabeaufschlag wird erhoben, um die Gebühren für Vertrieb und Verwaltung zu decken. Er fließt
also nicht der Fondsgesellschaft, sondern größtenteils ihrem Vertriebspartner (z.B. der Hausbank des Anlegers) zu
und kommt nicht der Wertentwicklung des Fonds zugute, sodass sich Ausgabeaufschläge negativ auf die Rendite
auswirken.

Wie hoch ist der Ausgabeaufschlag?

Der Ausgabeaufschlag wird üblicherweise in Form eines Prozentsatzes auf der Basis vom Rücknahmepreis angegeben.

Die Höhe des Ausgabeaufschlags legt die Kapitalanlage­gesellschaft fest. Sie variiert zwischen 0 % und
7 %, aber bei mehr als der Hälfte der in Deutschland zugelassenen Publikumsfonds liegt der Ausgabeaufschlag bei
mindestens 5 %, bei knapp einem Viertel sogar bei mehr als 6 %.

Ausgabeaufschlag muss nicht sein

Der Ausgabeaufschlag lässt sich heutzutage relativ einfach vermeiden: Oft bieten Fondsvermittler Rabatte von
bis zu 100 %
auf das Agio an.

Im Internet gibt es viele solcher „Fondsdiscounter“ inmitten eines regelrechten Rabattdschungels. Ihr Geheimnis ist,
dass sie die Auswahl der Investmentfonds – anders als Hausbanken – vollständig dem Anleger überlassen. Somit bieten
sie keine Beratungsleistung und unterliegen keiner Beratungshaftung. Deshalb können die
Discountbroker die Vertriebsgebühr reduzieren.

Dies können sie außerdem durch Vielzahl an Fonds-Schnäppchenjägern kompensieren. Oft sind es nur eine Hand voll
günstiger Fonds, die Aufmerksamkeit erregen und als Lockvögel dienen, während die Mehrheit des Sortiments mit
weitaus geringeren Rabatten ausgestattet ist.

Fonds über die Börse kaufen

Zudem macht es einen Unterschied, wenn man den Fonds statt über einen Vermittler über die Börse
kauft. Der Fondskauf über die Börse ist eine weitere Vermeidungsstrategie hinsichtlich des Ausgabeaufschlags.

Jedoch fallen dort Börsenspesen sowie Ordergebühren an. Je nach Fonds und Bank summieren sich die Kosten auf bis zu
1,5 %. Deshalb ist die Börse nicht per se die günstigere Option, sondern nur in den Fällen, in denen man keine
100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag des gewünschten Fonds bekommt.


Crowdinvesting: Kein Ausgabeaufschlag, keine Kosten!

Es lauert ein verstecktes Problem

Ein weiterer Gebührenposten, der oft erst auf den zweiten Blick ersichtlich ist, lässt sich hingegen häufig weder
mit dem Discountkauf noch mit dem Fondserwerb über die Börse vermeiden: die Bestandsprovision.

Banken und andere Vermittler von Investmentfonds erhalten von vielen Fondsgesellschaften solch eine jährliche
Provision, solange der Anleger die Fondsanteile in seinem Depot hält. So können sich auch die etlichen
Fondsvermittler, die 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag gewähren, finanzieren.

Wie sich Ausgabeaufschlag und Bestandsprovision unterscheiden

Bestandsprovisionen sind keine separaten Gebühren, sondern Teil der Verwaltungsvergütung. Somit
mindern sie das Fondsvermögen und damit die Wertentwicklung eines Fonds. Eigentlich liegt es im Ermessen der
Investmentgesellschaft, wie sie mit der Verwaltungsvergütung verfährt; trotzdem ist es ein fragwürdiger Trend, dass
mittlerweile aufgrund der Bestandsprovisionen auch der Vertrieb zu großen Teilen aus den Gebühren für die Verwaltung
finanziert wird, statt wie in der Vergangenheit über den Ausgabeaufschlag.

Während der Ausgabeaufschlag für den Anleger klar ersichtlich ist, betreibt die Branche um die Bestandsprovisionen
viel Geheimniskrämerei. In den Jahresberichten von Fonds wird dieser Posten im Regelfall nicht eigens
aufgeschlüsselt. Kein Wunder, dass nur wenigen Anlegern die Zusammenhänge klar sind.

Honorarberatung als Alternative

Anleger bezahlen für Kauf, Verwaltung und Lagerung von gemanagten Investmentfonds an verschiedenen Stellen und
finanzieren unfreiwillig Provisionen, die Fondsgesellschaften für den Vertrieb ihrer Produkte bezahlen. Um
Transparenz zu gewährleisten, hat die Bundesregierung das Honoraranlageberatergesetz verabschiedet,
das seit dem 1. August 2014 gilt. Es definiert erstmals den Beruf des Honorarberaters, der überhaupt keine
Bestandsprovisionen annehmen darf.

Die Honoraranlageberater sind für Fondsanleger ein „sicherer Hafen“, wenn es um die Unabhängigkeit der Beratung
geht. Zusätzlich hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil entschieden, dass die Banken, auch wenn sie keine
Honorarberatung leisten, dazu verpflichtet sind, alle ihre Provisionen schonungslos offenzulegen.

Es hat sich also einiges getan – aber das Interesse der Verbraucher ist trotzdem nur gering. Sie nutzen die
Honoraranlageberatung selten, vor allem nur bei Anlagen mit einem größeren Volumen. Grund dafür ist unter anderem,
dass Kunden den Honorarberater auch bezahlen müssen, wenn sie ihr Geld am Ende gar nicht anlegen. Allerdings könnte
es gut sein, dass viele Verbraucher auf Honorarberatung umsteigen würden, wenn ihnen klar wäre, wie viel Provision
sie für eine vermeintliche Beratung tatsächlich zahlen und sie dann feststellen, dass die Honorarberatung in den
meisten Fällen günstiger ist.

Es gibt mittlerweile aber auch zahlreiche Discountbroker, die neben den Ausgabeaufschlägen ihren Kunden bis
zu 100 % der für einen aktiv verwalteten Fonds vereinnahmten Bestandsprovisionen
erstatten
. Dabei bleibt fraglich, wozu in diesem Fall überhaupt eine Bestandsprovision fließt,
wenn doch keine erkennbare Beratungsleistung dahinter steht.

Alternative No-Load-Fonds?

Auf der Suche nach kostengünstigen Fonds-Alternativen sollten Investoren übrigens vorsichtig bei
No-Load-Fonds
sein. Dies sind Investmentfonds, die ohne Ausgabeaufschlag verkauft werden. Dafür ist
aber meistens die Verwaltungsvergütung sehr hoch. Daher richten sich die No-Load-Fonds eher an Trader oder
Investoren, die über einen kurzen Zeitraum von wenigen Monaten anlegen wollen. Deshalb werden sie auch Trading-Fonds
genannt.

Bessere Konditionen für Selfmade-Investoren

Am besten kann ein Investor die Kosten minimieren, indem er sich bei der Fondsauswahl auf passiv gemanagte Fonds (ETFs), die geringe Verwaltungskosten aufweisen,
konzentriert oder ganz selbstständig agiert und eine Anlageform ohne Management in Anspruch nimmt.

Auf Crowdinvesting-Plattformen im Internet gibt es dank der schlanken
Online-Strukturen beispielsweise nicht die üblichen hohen Vertriebskosten. Dies maximiert den ohnehin schon
hohen Zinssatz und unterstützt die Wertentwicklung der Geldanlage.

Crowdinvesting ermöglicht Kleinanlegern den
unkomplizierten Zugang zu Anlageklassen, die bisher nur Großanlegern via Mezzanine-Kapital vorbehalten waren. So können
sie in den Genuss der hohen Zinsen in
diesem Bereich kommen.

Nicht zu verwechseln: Während es sich beim Crowdinvesting um eine Form der Geldanlage
handelt, werden beim Crowdfunding
Spenden gesammelt.

Dabei bringt die Vielzahl an Kleininvestoren das notwendige Kapital gemeinsam auf. Diese sogenannte
Schwarmfinanzierung funktioniert für den Einzelnen bereits mit kleinen Summen. So kann man in
mehrere Immobilienprojekte gleichzeitig Geld investieren,
ohne viel Kapital aufbringen zu müssen.

Auf diese Weise baut der Investor sich sein ganz persönliches Portfolio mit selbst gewählten
Projekten auf und fährt nicht als „blinder Passagier“ eines Fondsmanagers mit. Dies ist eine gute Möglichkeit für
selbstbestimmte Investoren, die unnötigen Kostenfallen beim Geld anlegen zu umgehen.

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