Ausgabeaufschlag

Ausgabeaufschlag: Nicht die einzige Kostenfalle bei Fonds

Valeria Nickel, 02.08.2018

Für Investoren spielen bei der Fondsauswahl nicht nur die Höhe der Rendite sondern auch die Kosten eines Investmentfonds eine wichtige Rolle. Dabei sorgt die Total Expense Ratio (TER) für mehr Durchblick für die Anleger, denn sie beinhaltet die jährlich anfallenden Management- und Verwaltungskosten eines Fonds. Dazu gehören auch die Kosten für Werbung und Wirtschaftsprüfer, Anwaltskosten, Druckkosten etc. Die TER erleichtert so den Fondsvergleich.

Crowdinvesting: Kein Ausgabeaufschlag, keine Kosten!

Überblicken Sie wichtige Kennzahlen

Die TER ist jedoch nicht die einzige Kennzahl, die Sie bei Ihrer Anlagestrategie im Blick behalten müssen. Viele Anleger schauen bei der Suche nach dem richtigen Produkt nicht auf den Ausgabeaufschlag. Ein teurer Fehler! Der Ausgabeaufschlag ist ein bedeutender Kostenfaktor beim Kauf eines Investmentfonds. Und gerade in den Zeiten der Nullzinspolitik ist es wichtig für den Vermögensaufbau, auf günstige Konditionen Wert zu legen.

Was ist ein Ausgabeaufschlag?

Der Ausgabeaufschlag – oder Agio – ist eine Gebühr, die der Investor einmalig zahlen muss, wenn er Fondsanteile erwirbt. Er wird üblicherweise in Form eines Prozentsatzes auf der Basis vom Rücknahmepreis angegeben. Die Höhe legt die Kapitalanlagegesellschaft fest. Sie variiert zwischen 0 und 7 %, aber bei mehr als der Hälfte der in Deutschland zugelassenen Publikumsfonds liegt der Ausgabeaufschlag bei mindestens 5 %, bei knapp einem Viertel sogar bei mehr als 6 %. Der Ausgabeaufschlag wird erhoben, um die Gebühren für Vertrieb und Verwaltung zu decken. Er fließt also nicht der Fondsgesellschaft, sondern größtenteils ihrem Vertriebspartner (z.B. der Hausbank des Anlegers) zu und kommt nicht der Wertentwicklung des Fonds zugute, sodass sich Ausgabeaufschläge negativ auf die Rendite auswirken.

Ausgabeaufschlag muss nicht sein

Der Ausgabeaufschlag lässt sich heutzutage relativ einfach vermeiden. Oft bieten unterschiedliche Fondsvermittler Rabatte von bis zu 100 % auf das Agio an. Im Internet gibt es viele solcher „Fondsdiscounter” inmitten eines regelrechten Rabattdschungels. Ihr Geheimnis ist, dass sie die Auswahl der Investmentfonds – anders als Hausbanken – vollständig dem Anleger überlassen. Somit bieten sie keine Beratungsleistung und unterliegen keiner Beratungshaftung. Deshalb können die Discountbroker die Vertriebsgebühr reduzieren. Dies können sie außerdem durch Vielzahl an Fonds-Schnäppchenjägern kompensieren. Oft sind es nur eine Hand voll günstiger Fonds, die Aufmerksamkeit erregen und als Lockvögel dienen, während die Mehrheit des Sortiments mit weitaus geringeren Rabatten ausgestattet ist.

Zudem macht es einen Unterschied, wenn man den Fonds statt über einen Vermittler über die Börse kauft. Der Fondskauf über die Börse ist eine weitere Vermeidungsstrategie hinsichtlich des Ausgabeaufschlags. Jedoch fallen dort Börsenspesen sowie Ordergebühren an. Je nach Fonds und Bank summieren sich die Kosten auf bis zu 1,5 %. Deshalb ist die Börse nicht per se die günstigere Option, sondern nur in den Fällen, in denen man keine 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag des gewünschten Fonds bekommt.

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Es lauert ein verstecktes Problem

Ein weiterer Gebührenposten, der oft erst auf den zweiten Blick ersichtlich ist, lässt sich hingegen häufig weder mit dem Discountkauf noch mit dem Fondserwerb über die Börse vermeiden: die Bestandsprovision. Banken und andere Vermittler von Investmentfonds erhalten von vielen Fondsgesellschaften solch eine jährliche Provision, solange der Anleger die Fondsanteile in seinem Depot hält. So können sich auch die etlichen Fondsvermittler, die 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag gewähren, finanzieren. Bestandsprovisionen sind keine separaten Gebühren, sondern Teil der Verwaltungsvergütung. Somit mindern sie das Fondsvermögen und damit die Wertentwicklung eines Fonds. Eigentlich liegt es im Ermessen der Investmentgesellschaft, wie sie mit der Verwaltungsvergütung verfährt; trotzdem ist es ein fragwürdiger Trend, dass mittlerweile aufgrund der Bestandsprovisionen auch der Vertrieb zu großen Teilen aus den Gebühren für die Verwaltung finanziert wird, statt wie in der Vergangenheit über den
Ausgabeaufschlag.

Während der Ausgabeaufschlag für den Anleger klar ersichtlich ist, betreibt die Branche um die Bestandsprovisionen viel Geheimniskrämerei. In den Jahres­berichten von Fonds wird dieser Posten im Regelfall nicht eigens aufgeschlüsselt. Kein Wunder, dass nur wenigen Anlegern die Zusammenhänge klar sind. Sie bezahlen für Kauf, Verwaltung und Lagerung von gemanagten Investmentfonds an verschiedenen Stellen und finanzieren unfreiwil­lig Provisionen, die Fonds­gesell­schaften für den Vertrieb ihrer Produkte bezahlen. Um Transparenz zu gewährleisten, hat die Bundesregierung das Honoraranlageberatergesetz verabschiedet, das seit dem 1. August 2014 gilt. Es definiert erstmals den Beruf des Honorarberaters, der überhaupt keine Bestandsprovisionen annehmen darf.

Die Honoraranlageberater sind für Fondsanleger ein „sicherer Hafen”, wenn es um die Unabhängigkeit der Beratung geht. Zusätzlich hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil entschieden, dass die Banken, auch wenn sie keine Honorarberatung leisten, dazu verpflichtet sind, alle ihre Provisionen schonungslos offenzulegen. Es hat sich also einiges getan – aber das Interesse der Verbraucher ist trotzdem nur gering. Sie nutzen die Honoraranlageberatung selten, vor allem nur bei Anlagen mit einem größeren Volumen. Grund dafür ist unter anderem, dass Kunden den Honorarberater auch bezahlen müssen, wenn sie ihr Geld am Ende gar nicht anlegen. Allerdings könnte es gut sein, dass viele Verbraucher auf Honorarberatung umsteigen würden, wenn ihnen klar wäre, wie viel Provision sie für eine vermeintliche Beratung tatsächlich zahlen und sie dann feststellen, dass die Honorarberatung in den meisten Fällen günstiger ist.

Es gibt mittlerweile aber auch zahlreiche Discountbroker, die neben den Ausgabeaufschlägen ihren Kunden bis zu 100 % der für einen aktiv verwalteten Fonds vereinnahmten Bestandsprovisionen erstatten. Dabei bleibt fraglich, wozu in diesem Fall überhaupt eine Bestandsprovision fließt, wenn doch keine erkennbare Beratungsleistung dahinter steht.

Alternative No-Load-Fonds?

Auf der Suche nach kostengünstigen Fonds-Alternativen sollten Investoren übrigens vorsichtig sein bei No-Load-Fonds. Dies sind Investmentfonds, die ohne Ausgabeaufschlag verkauft werden. Dafür ist aber meistens die Verwaltungsvergütung sehr hoch. Daher richten sich die No-Load-Fonds eher an Investoren, die über einen kurzen Zeitraum von wenigen Monaten anlegen wollen, oder Trader. Deshalb werden sie auch Trading-Fonds genannt.

Bessere Konditionen für Selfmade-Investoren

Am besten kann ein Investor die Kosten minimieren, indem er sich bei der Fondsauswahl auf passiv gemanagte Fonds (ETFs), die geringe Verwaltungskosten aufweisen, konzentriert oder ganz selbstständig agiert und eine Anlageform ohne Management in Anspruch nimmt. Auf
Crowdinvesting-Plattformen
im Internet gibt es dank der schlanken Online-Strukturen beispielsweise nicht die üblichen hohen Vertriebskosten. Dies maximiert den ohnehin schon hohen Zinssatz und unterstützt die Wertentwicklung der Geldanlage.

Crowdinvesting ermöglicht Kleinanlegern den unkomplizierten Zugang zu Anlageklassen, die bisher nur Großinvestoren via Mezzanine-Kapital vorbehalten waren. So können sie in den Genuss der
hohen Zinsen
in diesem Bereich kommen. Dabei bringt die Vielzahl an Kleininvestoren das notwendige Kapital gemeinsam auf. Diese sogenannte Schwarmfinanzierung funktioniert für den Einzelnen bereits mit kleinen Summen. So kann man in mehrere Immobilienprojekte gleichzeitig Geld investieren, ohne viel Kapital aufbringen zu müssen. Auf diese Weise baut der Investor sich sein ganz persönliches Portfolio mit selbst gewählten Projekten auf und fährt nicht als „blinder Passagier” eines Fonds-Managers mit. Dies ist eine gute Möglichkeit für selbstbestimmte Investoren, die unnötigen Kostenfallen bei der Geldanlage zu umgehen.

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