Drei Wege, in Startups zu investieren

Artikel von Lana Iliev; aktualisiert am 14.04.2022

Von Anfang an dabei sein und attraktive Renditen erwirtschaften: Das erhoffen sich Anleger von der Investition
in Startups. Inzwischen ist diese Form der Geldanlage so populär, dass ihr mit „Die Höhle der Löwen“ sogar eine
eigene Fernsehsendung gewidmet wurde.

Lesen Sie hier, welche Möglichkeiten es für Privatanleger gibt, in Startups zu investieren und
wie es dabei mit den Risiken aussieht.

Warum in Startups investieren?

Aller Anfang ist schwer: Das gilt auch für Unternehmensgründungen. Ein besonders großes Problem stellt dabei die
Finanzierung dar: Banken weigern sich kleinen Unternehmen ob der hohen Risiken Kredite zu gewähren und
auch ein Börsengang ist in diesem Stadium noch keine Option. Die Lösung sind Investoren, die in Startups investieren.

Doch dabei handeln die Investoren nicht aus reinem Altruismus: Junge Unternehmen verfügen über ein großes
Wachstumspotential
. Setzt sich eine innovative Geschäftsidee erfolgreich auf dem Markt durch,
erwirtschaften Startups mitunter hohe Renditen, an denen Investoren beteiligt werden. Man denke nur an
die zahlreichen Startups, die für schwindelerregende Summen aufgekauft wurden:

  • WhatsApp für 19 Mrd. $ aufgekauft durch Facebook (2014)
  • Pillpack für 1 Mrd. $ aufgekauft durch Amazon (2018)
  • DeepMind für 500 Mio. $ aufgekauft durch Google (2014)

Den attraktiven Renditeaussichten steht oft ein besonders hohes Risiko gegenüber, weshalb bei Investitionen in Startups
auch von Venture Capital (dt. Wagniskapital) gesprochen wird. Grund dafür ist die Ungewissheit darüber, wie sich das
Startup zukünftig entwickeln wird sowie die zahlreichen Hürden, die es überwinden gilt. Trotz der immensen Risiken
wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 743 Startups mit über 5,3 Mrd. € Wagniskapital gefördert.

Warum möchten Sie Geld anlegen?

Jetzt Anlegertest machen

Wagniskapital in Deutschland: Jährliches Volumen in Millionen von 2016 bis 2020

Drei Wege, in Startups zu investieren

In Startups zu investieren ist keine Neuheit. Dennoch ist es so, dass diese Geldanlage in der Vergangenheit vor allem
Großinvestoren und institutionellen Anlegern vorbehalten war. Inzwischen besteht jedoch auch zunehmend für
Privatinvestoren
die Möglichkeit, an den Erfolgen junger Unternehmen zu partizipieren.

Venture Capital Fonds

Einer der klassischen Wege, über den schon lange in Startups investiert wird, sind Venture Capital Fonds,
Venture-Capital-Gesellschaften (VCG) oder Wagnisfinanzierungsgesellschaften. Dabei handelt es sich um
Private Equity Fonds, die sich auf Startups spezialisiert haben.

Private Equity Fonds („private
Beteiligungskapital“) sind Investmentfonds, die
Beteiligungen an Unternehmen erwerben und diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder verkaufen. Private Equity
Fonds sind meist als AIF Fonds
einzustufen und unterliegen damit hohen Restriktionen, sodass Privatanleger in Deutschland hier nicht ohne
weiteres Geld investieren können.

Investoren von Venture Capital Fonds profitieren von der Expertise eines Fondsmanagers, der für sie
in vielversprechende Startups investiert. Gleichzeitig wird die Investition automatisch gestreut. Doch dieser
Service muss mit teils hohen Fondsgebühren bezahlt werden. Es handelt sich hier um eine besonders teure Anlageklasse. Zudem sind die
verlangten Mindestanlagevolumen wesentlich höher als bei anderen Geldanlagen.

Business Angel Netzwerke

Mit einem Business Angel ist ein Investor gemeint, der junge Unternehmen sowohl finanziell als auch mit
seiner Erfahrung und seinen Kontakten unterstützt. Sie tragen auf vielfältige Weise zum Erfolg des Startups bei und
werden im Gegenzug an ihm beteiligt.

Business Angel Netzwerke ermöglichen vermögenden Privatinvestoren, Kontakte zu Startups zu knüpfen. Bei regelmäßigen
Treffen pitchen Startups Ideen, vernetzen sich und werben das benötigte Wagniskapital ein.

Die Teilnahme an diesen Treffen und der Zugang zu einem solchen Netzwerk steht nicht jedem Investor offen.
Vorausgesetzt wird ein gewisses Vermögen, da meist große Summen an Wagniskapital gestellt werden,
sowie fundierte Kenntnisse in der Unternehmensführung, der Bewertung von Unternehmen und den
rechtlichen Aspekten einer Unternehmensbeteiligung.

Crowdinvesting in Startups

Crowdinvesting ermöglicht hingegen auch Kleinanlegern,
in Startups zu investieren, da Investments hier auch schon bei geringen Anlagesummen realisierbar sind.
Dabei ist Crowdinvesting ein relativ neuer und innovativer Weg, Geld anzulegen.

Auf Online-Plattformen stellen sich Startups anhand von Videos, Business- und Finanzplänen vor, um Kapital einzuwerben.
Demgegenüber steht eine große Anzahl von Investoren, die ab 250 € Mindestanlagevolumen pro Person
gemeinsam in die Startups investieren können. So kommen große Investitionssummen zusammen, selbst wenn die einzelnen
Investoren bloß kleine Anlagebeträge investieren.

Crowdinvesting ist nicht zu verwechseln mit Crowdfunding. Das Prinzip ist zwar
ähnlich, doch beim Crowdfunding werden Spenden gesammelt, während es sich beim Crowdinvesting
um eine Form der Geldanlage mit Renditeaussicht handelt.

Im Gegenzug für ihre Investition werden die Anleger beim Crowdinvesting über partiarische Nachrangdarlehen an den zukünftigen
Gewinnen (oder Verlusten) des Startups beteiligt. Gewinne entstehen dabei meist beim sogenannten Exit, wenn ein Startup
verkauft wird oder an die Börse geht.

In der Regel fallen keine direkten Kosten für die Nutzung von Crowdinvesting Plattformen an. Die beiden
größten deutschen Crowdinvesting-Plattformen für Startups sind Seedmatch und Companisto.

In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Crowdinvesting-Plattformen, die Privatanlegern eine Investition in Startups
ermöglichen. Die Voraussetzungen für die Investoren sind dabei recht gering, denn sie müssen lediglich voll
geschäftsfähig sein. Besondere Kenntnisse oder Qualifikationen werden nicht erwartet.


Venture Capital


Fonds

Business Angel


Netzwerke
Crowdinvesting

für Kleinanleger


geeignet

geringes


Mindestanlage-


volumen

Betriebs-


wirtschaftliche


Kenntnisse nötig
Hohe Kosten

Fünf Dinge, die Privatinvestoren beachten sollten

Crowdinvesting ist der beste Weg für Privatinvestoren, in Startups zu investieren und von den Gewinnen
junger Unternehmen zu profitieren. Dennoch gibt es eine Reihe von Nachteilen bei dieser Geldanlage, die Sie im Blick
haben sollten.

Hohes Risiko

Den hohen Renditeaussichten bei der Investition in Startups stehen besonders hohe Risiken gegenüber. Nur wenn ein
Startups es schafft, Gewinne zu erwirtschaften, kann die Rendite für Investoren gestemmt werden. Doch viele junge
Startups können sich nicht gegen die große Konkurrenz behaupten und scheitern. Ist ein Startup gezwungen, Insolvenz
anzumelden, kommt es für Investoren meist zum Totalverlust.

Fachkenntnisse

Auch wenn betriebswirtschaftliches Wissen für das Crowdinvesting in Startups nicht unbedingt nötig ist,
ist es doch erforderlich, um die Gewinnchancen richtig einschätzen zu können.

Partiarisches Nachrangdarlehen

Die Gewinnbeteiligung erfolgt beim Crowdinvesting in Startups über partiarische Nachrangdarlehen. Das partiarische
Darlehen leitet sich ursprünglich aus der Idee ab, dem Darlehensgeber keinen festen, sondern einen vom Gewinn abhängigen
und/oder nach dem Gewinn des Unternehmens zu bestimmenden Zins zu gewähren. Diese erfolgsabhängige bzw.
erfolgsorientierte Verzinsung ist neben dem Nachrang des Zins- und Rückzahlungsanspruchs das wesentliche
Unterscheidungsmerkmal zu einem klassischen Kredit.

So besitzen Crowdinvestoren im Gegenteil zu klassischen Wagniskapitalinvestoren keine direkte Beteiligung und damit
kein Mitspracherecht bei unternehmerischen Entscheidungen. Zudem stehen Halter von Nachrangdarlehen
im letzten Rang. Das bedeutet im Falle einer Insolvenz sind sie die letzten Gläubiger, die aus der
Insolvenzmasse bedient werden.

Verwässerung der Rendite

Beim Crowdinvesting in Startups kann es zur Verwässerung der Rendite kommen. Da mehrere
Finanzierungsrunden
üblich sind, werden nach und nach immer mehr Beteiligungen an einem Startup ausgegeben.
So steigt die Anzahl der Investoren und der relative Anteil an der Gewinnbeteiligung aller Investoren schrumpft. An der
Börse verhindert das Bezugsrecht die Verwässerung von
Aktien. Beim Crowdinvesting in Startups existiert
kein vergleichbarer Schutz.

Ungewisse Dauer der Kapitalbindung

Da beim Crowdinvesting in Startups meist endfällige
Darlehen
vergeben werden, gibt es meist keine festen Laufzeiten. Somit ist der
Rückzahlungstermin ungewiss. Bei manchen Crowdinvesting-Anbietern besteht die Möglichkeit, nach Ablauf einer
Mindesthaltedauer den Beteiligungsvertrag zu lösen und am gegenwärtigen Erfolg des Unternehmens beteiligt zu werden.

Ob es wirklich ratsam ist, einen solchen Vertrag vorzeitig zu lösen, ist fraglich. In den ersten Jahren werden Gewinne
eines Startups meist umgehend in den weiteren Ausbau des Unternehmens reinvestiert. So bleibt in dieser Zeit nicht viel
für Investoren übrig.

Insgesamt brauchen junge Unternehmen durchschnittlich fünf bis sieben Jahre bis sie rentabel sind. Bei der Investition
in ein Startup wird Kapital stets über einen längeren Zeitraum gebunden und ist nicht
verfügbar.

Beim Crowdinvesting können Privatanleger nicht nur in Startups zu investieren, sondern auch in Immobilien. BERGFÜRST, Plattform für digitale
Immobilien-Investments, vermittelt Anlegern dabei keine partiarischen Nachrangdarlehen, sondern besicherte
Bankdarlehen mit festen Laufzeiten sowie festen Zinsen zwischen 5,0 % und
7,0 % p.a.

In Startups investieren: Checkliste

Wenn Sie trotz der genannten Risiken in Startups investieren möchten, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Investieren Sie nur, wenn Sie auf das angelegte Kapital auch verzichten können.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Risikostreuung, indem Sie in
    unterschiedliche Projekte investieren.
  • Bedenken Sie, dass das investierte Kapital über einen längeren Zeitraum gebunden ist.
  • Gehen Sie sicher, dass Sie das Geschäftsmodell und den Businessplan des
    Startups verstehen.
  • Fragen Sie sich, ob die angegebenen Umsatzprognosen realistisch sind.
  • Überlegen Sie, wie die Chancen für das Startup im Wettbewerbsumfeld stehen.
  • Sammeln Sie Informationen über das Gründerteam: Welche Erfahrungen und Qualifikationen weist
    das Team auf?
  • Gehen Sie sicher, dass Sie die Investmentbedingungen verstehen.
  • Wenn Ihnen etwas unklar ist, fragen Sie nach.

Bild-Copytight: Sunny studio / Shutterstock.com