Gekentert: Schiffsbeteiligungen als Kapitalanlage

Valeria Nickel, 17.07.2017

Lange war die Schifffahrt ein traditionsreicher und dank der Globalisierung gleichzeitig zukunftsträchtiger Wirtschaftszweig. Derzeit erfolgen immer noch etwa 90 % des Welthandels auf dem Seeweg. Besonders der Wirtschaftsboom in Asien in den Jahren 2002 bis 2008 hat die Schifffahrt beflügelt, denn die schnell wachsenden Wirtschaftssysteme in China und Indien zogen steigende Nachfragen nach großen Containerschiffen mit sich. Zu dieser Zeit wurden viele Schiffsfonds aufgelegt: Durch sie können Anleger am Seefahrt-Markt partizipieren.

Wie funktioniert eine Kapitalanlage in Schiffsbeteiligungen?

Mit dem eingesammelten Kapital wird ein Schiff gebaut und betrieben. Schiffsbeteiligungen sind in der Regel als geschlossene Fonds ausgestaltet, gehören also zum grauen Kapitalmarkt. Dabei beteiligen sich Anleger als Kommanditisten oder über einen Treuhänder an der Fondsgesellschaft. Das heißt, dass man Teilhaber des Schiffs wird und damit ein größeres, unternehmerisches Risiko eingeht als die Fremdkapitalgeber.

Risiken, die auf die Kommanditisten zukommen können

  • Einnahmeausfälle und Kosten bei fehlender Vercharterung
  • Insolvenz der Werft nach (Teil-) Vorauszahlung des Kaufpreises
  • Verspätete Lieferung des Schiffes
  • Währungsrisiko, da in der Regel weder der Kaufpreis noch die Charterraten in € geleistet werden, sondern in US$
  • Veräußerungsrisiko, denn die Marktpreise für Schiffe in 10 oder 16 Jahren sind sehr ungewiss, man arbeitet nur mit prognostizierten Werten

„Geschlossen“ bedeutet in diesem Fall, dass eine feste Summe eingeworben wird und sobald diese erreicht ist, niemand mehr in den Fonds rein – oder aus dem Fonds raus – kann. Ein vorzeitiger Ausstieg ist lediglich über den privaten Verkauf des eigenen Anteils an einen anderen Anleger möglich. In der Regel haben die Schiffsbeteiligungen eine Laufzeit zwischen 10 und 25 Jahren, sind also nur etwas für Anleger mit langfristigem Anlagehorizont. Während des Betriebszeitraums profitieren die Anleger von Gewinnen, die der Schiffsfonds erwirtschaftet. Dies sind vorrangig die Chartereinnahmen, also die „Mieteinnahmen“ für die Schiffe.

Welche Arten von Schiffsbeteiligungen gibt es?

Es gibt verschiedene Fondsarten bei Schiffsbeteiligungen:

  • Containerschiffe/Frachtschiffe: die bekannteste Fondsart, da der Containerverkehr den wichtigsten Transportbereich darstellt
  • Megaboxer: sehr große Schiffe, die Platz für mehr als doppelt so viele Container haben wie normale Frachtschiffe (13.500 TEU, Container nur 6.000 TEU). TEU ist die Einheit zur Zählung von ISO-Containern
  • Kreuzfahrtschiffe: unbekanntere Fondsart, wobei Kreuzfahrten im Trend liegen. Die Herstellung dieser Schiffe ist sehr viel kostspieliger aufgrund der Ausstattung der Kabinen, Einrichtung von Restaurants und Wellnessbereichen
  • Tanker: nach den Containerschiffen der wichtigste Wachstumsmarkt im Seeverkehr. Tanker sind in erster Linie für den Öltransport zuständig – gerade deshalb sind hier besondere Risiken zu beachten, da der Ölmarkt besonders schwankungsanfällig ist
  • Bulker: Massengutfrachter, die das dritte wichtige Transportmittel nach Containern und Tankern darstellen. Hier gibt es offene Laderäume für den Transport von Rohstoffen wie Erze, Kohle oder Zement, und Lebensmitteln wie Getreide
  • spezialisierte Formen wie Chemietanker, Feederschiffe (kleinere Containerschiffe, die als Zulieferer zu den großen Containerterminals dienen) und Kühlschiffe (Lebensmitteltransporter, vor allem Obst, Gemüse und Fleischwaren)
  • Flottenfonds: fassen mehrere Schiffe und ihre wirtschaftlichen Ergebnisse zusammen und vermindern so das Risiko, gleichzeitig aber auch die Rendite

Welche Vor- und Nachteile haben Schiffsbeteiligungen?

Schiffsbeteiligungen waren besonders beliebt aufgrund der hohen Renditen nach Steuerabzug. Denn sie bieten eine Steuersparmöglichkeit: Weil die Fonds als Kommanditgesellschaften ausgestaltet sind, gelten die Anleger als Mitunternehmer. Deshalb werden ihre Erträge aus der Schiffsbeteiligung nicht als „Einkünfte aus Kapitalvermögen“ behandelt, sondern als „Einkünfte aus Gewerbebetrieb“ – bei denen ein anderer Steuersatz, und zwar der individuelle, maßgeblich ist.

Dies wäre zwar für viele Anleger mit einem hohen persönlichen Steuersatz nachteilhaft – wenn es nicht die Tonnagebesteuerung gäbe. Diese erlaubt, dass die Schiffsfondsgesellschaft unter bestimmten Voraussetzungen den Gewinn pauschal nach der Nettoraumzahl, also dem Transportvolumen des Schiffes ermittelt. Das führt zu geringen steuerpflichtigen Gewinnen für die Kommanditisten, in Höhe von etwa 0,1 % bis 0,4 % des gezeichneten Kapitals, unabhängig von der realen Gewinn- oder Verlustsituation. Auf diesen Gewinn ist dann der persönliche Steuersatz anzurechnen. Insgesamt lohnten sich Schiffsbeteiligungen also vor allem wegen der Tonnagesteuer.

Allerdings kam dann die Finanzkrise. Die Frachtraten sind seit 2008 stark gesunken. Daher gab es Überkapazitäten bei Schiffen, die zu entsprechend niedrigen Charterraten führten. Der Baltic Dry Index, ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Frachtgütern wie Kohle, Eisenerz und Getreide auf Standardrouten, verlor im Verlauf der Finanzkrise 80,7 %. Nach einer kurzen Erholung in den Jahren 2010 und 2011 markierte das Jahr 2016 ein neues Allzeittief. Seit der Wirtschaftskrise segeln reihenweise Schiffsfonds in die Insolvenz und viele Anleger haben einen Totalverlust ihres Kapital zu beklagen.

Ein großes Problem sind zudem Verfehlungen von Finanzberatern und Anleger, die sich von den Emittenten der Schiffsfonds getäuscht fühlen. Sie zahlten nach eigenen Angaben unbewusst Vertriebsprovisionen von 25 % des Anlagebetrages und waren nicht ausreichend über die Risiken einer Kommanditistenstellung aufgeklärt worden. Jetzt regnet es Strafanträge, Zivilklagen, im besten Fall gibt es Vergleiche. Der Markt für Schiffsbeteiligungen steht nach der derzeitigen Lage vor dem Zusammenbruch. Neue Emissionen bleiben seit Jahren aus. So ist Anlegern zurzeit von dieser Anlagemöglichkeit, trotz der Vorteile, die sie bietet, abzuraten. Spannend bleibt, ob und wenn ja, wann diese Anlageklasse möglicherweise ein Revival erlebt.

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