Zertifikate

Zertifikate: Fünf Fragen zu den komplexen Wertpapieren

Lana Iliev, 09.01.2019

Anleger haben eine große Auswahl an Zertifikatstypen mit ganz unterschiedlichen Funktionen. Was es über Zertifikate zu wissen gibt und welche der unzähligen Spielarten Sie kennen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

1 | Was sind Zertifikate?

Zertifikate sind strukturierte Finanzinstrumente. Zudem sind sie derivativ: Anleger investieren in ein festgelegtes Bezugsverhältnis zu einem Basiswert (Underlying), wie beispielsweise Aktien, Anleihen oder Rohstoffe. Dadurch erhalten sie die Möglichkeit, mit relativ geringem Kapitaleinsatz an einer positiven, negativen oder seitwärts tendierenden Entwicklung des Basiswertes zu partizipieren. Oft bilden Zertifikate die zugrunde liegenden Basiswerte dabei überproportional ab. Für Investoren bedeutet das die Chance auf ebenso überproportionale Gewinne – oder Verluste.

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2 | Welche Arten von Zertifikaten gibt es?

Zertifikate stecken noch in den Kinderschuhen, denn das erste Zertifikat wurde in Deutschland im Jahr 1990 aufgelegt. Dennoch gibt es inzwischen eine kaum überschaubare Vielzahl unterschiedlicher Zertifikatstypen und laufend kommen neue hinzu. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige, bekannte Zertifikatstypen.

Art Beschreibung
Indexzertifikate Für ein Indexzertifikat auf den DAX muss der Anleger nicht 11.700 € aufwenden, sondern z.B. nur ein Hundertstel (Verhältnis 1 zu 100) davon, also 117 €. Auf diese Weise profitiert der Investor überproportional von Steigerungen des Index, ebenso profitiert er aber auch von Kursverlusten. Indexzertifikate sind relativ gut überschaubar und werden daher auch von weniger erfahrenen Anlegern als Investment genutzt.
Bonuszertifikate Zu den bekannteren Zertifikaten gehören auch Bonuszertifikate und Discountzertifikate. Diese gibt es ebenfalls auf Indizes oder auch z.B. auf einzelne Aktien. Bei Bonuszertifikaten ist das Gewinnpotenzial aus Kurssteigerungen (Bonus) für den Anleger nicht beschränkt, sondern er profitiert in voller Höhe davon. Gleichzeitig ist das Zertifikat mit einem Sicherheitspuffer, also einem bestimmten Rückzahlungsbetrag zum Fälligkeitszeitpunkt, ausgestattet. Der Anleger erhält im Gegenzug keine Zinsen auf den Basiswert – dies gilt im Übrigen auch für die anderen Zertifikate.
Discountzertifikat Bei diesen Zertifikaten erhält der Anleger einen Rabatt auf den zum Erwerbszeitpunkt gültigen Börsenkurs des Zertifikates. Über die Laufzeit wird dieser Abschlag kontinuierlich abgebaut, auch wenn sich der Kurs des Basiswertes nicht verändert. Demgegenüber ist die Partizipation des Anlegers an steigenden Kursen auf einen vorher festgelegten Kurswert (Cap) begrenzt.

Dies ist zugleich der maximal mögliche Rückzahlungsbetrag. Notiert die Aktie nicht oberhalb des Cap Kurses, muss der Anleger ggf. in Kauf nehmen, dass er statt der Kapitalrückzahlung die zugrunde liegenden Aktien erhält. Hierin besteht eine Parallele zu den unten beschriebenen Aktienanleihen.

Outperformance Zertifikate Diese Zertifikate sind dadurch gekennzeichnet, dass sie ab dem Basispreis überproportional an Kurssteigerungen (z.B. 2:1) partizipieren, während Kursverluste nur 1:1 berücksichtigt werden. Besonders attraktive Partizipationsraten bieten Zertifikate auf dividendenstarke Basiswerte mit geringer Volatilität.
Sprint-Zertifikate Sprint-Zertifikate, auch als Bandbreitenzertifikate bezeichnet, sind eine Sonderform der Outperformance Zertifikate. Sie nehmen an Kurssteigerungen überproportional innerhalb einer bestimmten Bandbreite (Korridor) teil. Sie sind also gedeckelt, d.h. mit einer Gewinnbegrenzung (Cap) ausgestattet.
Schmetterlingszertifikate

Schmetterlingszertifikate, auch als Butterfly Zertifikate, Win-Win Zertifikate oder Twin-Win Zertifikate bezeichnet, sind Oberbegriffe für eine Produktfamilie, bei der Anleger bei Veränderungen des Basiswertes nach oben und unten positiv partizipieren können. Ein eingebauter Hebel sorgt dafür, dass das Zertifikat überproportional an Kurssteigerungen des Underlyings partizipiert (sog. Outperformance).

Für Schwächephasen des zugrundeliegenden Basiswerts ist das Zertifikat mit einem komplizierten Sicherheitsmechanismus ausgestattet. Kursrückgänge werden bei Laufzeitende nicht nur bis zu einer bestimmten Barriere (sog. Protectlevel) aufgefangen, sondern der Anleger profitiert von diesen Kursrückgängen.

Fällt der Basiswert während seiner Laufzeit von seinem Emissionsniveau aus nie auf oder unter die festgelegte Barriere, erhält der Anleger den auf den Basiswert des Emissionszeitpunktes bezogenen Verlust 1:1 zum Rückzahlungszeitpunkt als Gewinn ausgezahlt. Schmetterlingszertifikate sind eher für starke Werte mit überschaubaren Kursschwankungen geeignet.

Tracker-Zertifikate Dieses Zertifikat kann eine Aktie oder einen Index als Basiswert haben. Der Basiswert-Kursverlauf wird 1:1 abgebildet. Der besondere Vorteil dieser Zertifikate besteht darin, dass der Anleger auch an Märkten partizipieren kann, zu denen er normalerweise keinen Zugang hat. Er kann z.B. am Strompreisindex partizipieren.

In der Regel sind auch diese Zertifikate nicht dividendenberechtigt. Allerdings gibt es einige Sonderformen, bei denen ein Dividendenabschlag für die erwartete Dividende bei der Preisfindung abgezinst berücksichtigt wird. Sie sind unter den Namen Dividenden-Tracker oder Einkommensteuer-/(ESt-)Tracker bekannt.

Aktienanleihen Auch Aktienanleihen sind entgegen der missverständlichen Bezeichnung Zertifikate. Hierbei handelt es sich um eine Kombination einer verzinsten Geldanlage mit der Möglichkeit, statt der Rückzahlung der Anleihe Aktien eines bestimmten Basiswertes zu erhalten, allerdings nur, wenn der Wert der zugrundeliegenden Aktie unter einen bestimmten, vorher festgelegten Kurs gesunken ist.

Der Anleger partizipiert also nicht an Kurssteigerungen der Aktie, wohl aber an Kursverlusten. Der meist attraktive Zinssatz kann derartige Verluste teilweise kompensieren. Mehr zum Thema Aktienanleihen finden Sie hier.

Hebelzertifikate Diese Zertifikat-Sonderform zeichnet sich dadurch aus, dass sie (wie der Name schon sagt) mit einem Hebel ausgestattet ist. Dazu zählen beispielsweise Knockout-Zertifikate. Diese und andere Hebelprodukte birgen jedoch teilweise enorme Verlustrisiken.

Von den hier genannten Grundformen gibt es unzählige Abwandlungen, sodass für jeden Investor praktisch ein Vehikel zur Ergänzung seines Portfolios zur Verfügung steht. Je nach Ausgestaltung des einzelnen Produkts bedienen Zertifikate unterschiedliche Anlagepräferenzen und ermöglichen die Verfolgung unterschiedlicher Anlagestrategien.

Der Begriff „Investmentzertifikat“ bezeichnet irreführenderweise kein Zertifikat im derivativen Sinn. Dabei handelt es sich lediglich um einen alternativen Begriff für Fondsanteile.

3 | Wo werden Zertifikate gekauft?

Zertifikate werden in Deutschland vorwiegend von Banken an Privatkunden ausgegeben. Gehandelt werden die ausgegebenen Zertifikate an den Börsen in Stuttgart, Frankfurt, Berlin und Düsseldorf. Dennoch ist der Zertifikatehandel hierzulande mehrheitlich außerhalb der Börse angesiedelt. Emittenten, die Zertifikate ausgeben, sichern diese gewöhnlich gegen alle möglichen Risiken ab. So verdienen die emittierenden Banken nicht an den Kursgewinnen der Zertifikate, sondern lediglich an den Gebühren und Spreads, die durch den Zertifikatehandel zustande kommen.

4 | Welche Vorteile bieten Zertifikate Privatanlegern?

Vorteile von Zertifikaten sind der gegenüber der Aktienanlage deutlich geringere Kapitaleinsatz und bei einigen Zertifikatstypen der Zugang zu sonst nicht zugänglichen Märkten, wie beispielsweise dem Rohstoffmarkt.

Zudem bieten manche Zertifikatstypen die Möglichkeit auch in einem durch fallende oder stagnierende Kurse gekennzeichneten Marktumfeld Gewinne zu erwirtschaften. Es findet kein aktives Management wie beispielsweise bei Fonds statt, sodass Zertifikate vergleichsweise weniger Kosten verursachen.

Zusätzlich können mithilfe von Zertifikaten komplexe Anlagestrategien entwickelt werden. Dabei können Zertifikate beispielsweise zur Risikoabsicherung eines Aktiendepots genutzt werden.

5 | Welche Risiken bergen Zertifikate?

Den Vorteilen von Zertifikaten stehen eine Reihe von Risiken gegenüber. Zunächst wäre das Emittentenrisiko zu nennen. Da Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind, müssen Anleger im Falle einer Insolvenz der emittierenden Bank mit einem Totalverlust rechnen. Zudem verfügen Halter von Zertifikaten über keinerlei Dividendenanspruch und erhalten meist keine laufenden Zinszahlungen, da sie nicht unmittelbar in den Basiswert investieren. Gewinne werden lediglich über Rückzahlungen generiert, die von der Wertentwicklung des Basiswertes abhängen.

Letztendlich besteht für Emittenten keinerlei Verpflichtung anfallende Kosten auszuweisen. Neben der Gebührenstruktur der Zertifikate sind jedoch auch die Funktionsweise und die Risiken der komplexen Finanzprodukte selbst für erfahrene Anleger oft schwer durchschaubar.

Zertifikate – Ein Finanzinstrument für Profis

Zertifikate sind komplexe Derivate, die zwar sinnvoll sein können, um Risiken abzusichern, für unerfahrene Anleger aber generell nicht zu empfehlen sind, denn sie enthalten oft unkalkulierbare Risiken.

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