welche aktien kaufen

Welche Aktien kaufen? – Tipps für Anleger

Lana Iliev, 16.10.2017

Heutzutage kann jeder ohne viel Aufwand Aktien handeln und so Geld an der Börse verdienen. Benötigt wird lediglich ein Depot und etwas Startkapital. Sind diese beiden Voraussetzungen erfüllt, stellt sich unweigerlich die Frage: Welche Aktie soll ich kaufen? Zunächst sollte man sich als Anleger darüber bewusst sein, dass es keine prinzipiell ,,guten” oder ,,schlechten” Aktien gibt. Ob eine Aktie die richtige ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab: Passt sie in das individuelle Portfolio? Welche Faktoren beeinflussen den Aktienkurs und wie wird sich dieser in Zukunft entwickeln? Ist jetzt der ,,richtige” Zeitpunkt für den Kauf oder lohnt es sich zu warten?

Welche Aktienstrategie sollten Sie verfolgen?

Zunächst sollte man als Anleger eine individuelle Aktienstrategie für den Aktienhandel festlegen, die zum persönlichen Anlageverhalten passt: wollen Sie hohe Risiken eingehen, um die Rendite zu maximieren? Möchten Sie chancenorientiert anlegen? Oder ist Ihnen die Sicherheit Ihrer Geldanlage am wichtigsten?

Ohne feste Strategie fehlt die nötige Kontrolle, um langfristig mit Aktien Gewinne zu erzielen. Somit sollte bei jedem Aktienkauf die individuelle Aktienstrategie berücksichtigt werden, um ein einheitliches Portfolio aufzubauen. Natürlich muss ein Portfolio nicht nur starr eine Risikoklasse abbilden. Viele Anleger kombinieren zum Beispiel riskantere Aktien mit sicheren Anleihen und erreichen so ein mittleres Gesamtrisiko.

Wie finden Sie die richtigen Aktien für Ihr Portfolio?

1. Eigenanalyse von Aktien für das Aktienportfolio

Wer den Aktienmarkt eigenständig analysieren will und sich selbstständig sein Aktienportfolio zusammenstellen möchte, sollte mindestens über grundlegende betriebs – bzw. volkswirtschaftliche Kenntnisse verfügen. Darüber hinaus spielen beim Aktienhandel Informationen und Wissen eine wichtige Rolle. Folgende drei Aspekte sollte man als Anleger stets im Auge behalten:

a. Performance börsennotierter Unternehmen

Wie ein Unternehmen performt hat logischerweise unmittelbare Auswirkungen auf dessen Aktienkurs. Um sich gründlich zu informieren, sollten neben den Pressemitteilungen vor allem die Geschäftsberichte der betreffenden Unternehmen analysiert werden. Diese können meist online auf der jeweiligen Investor Relations Präsenz eingesehen werden. Alternativ kann man die Geschäftsberichte in der jeweiligen Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit anfordern. Sie enthalten neben dem von Wirtschaftsprüfern geprüften Jahresabschluss (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung) auch den ebenfalls geprüften Lagebericht, der analytisch und prognostisch orientiert ist. Zusätzlich liefert das Unternehmen detailliertere und zusätzliche Erläuterungen im Geschäftsbericht auf. Derartige Recherchen erfordern neben soliden Kenntnissen und Erfahrungen vor allem viel Zeit. Hilfreich kann auch der zusätzliche Austausch über eine Anleger-Community sein.

b. Innovationen & Trends

Neben der bisherigen Performance börsennotierter Unternehmen, spielen für ihre zukünftige Entwicklung langfristig vor allem ihre Innovationskraft sowie allgemeine zukünftige Marktrends eine Rolle. Ein gutes Beispiel ist der Schuhhersteller Crocs Inc., dessen Kunststoffschuhe vor einigen Jahren einen weltweiten Hype auslösten. Die Anleger, die frühzeitig nach Markteinführung beim Anblick der Schuhe ihr Potenzial erkannten, haben ein Wertpapier gekauft, dessen Kurssteigerungen sich als sehr lukratives Investment entpuppt haben. Somit sind Branchenkenntnisse und Beobachtung weltweiter Marktentwicklungen und Trends beim Aktienkauf äußerst wichtig und runden die eigene Einschätzung ab. Um sich ausgiebig zu informieren und den Durchblick zu behalten, sollten seriöse Fachzeitschriften zurate gezogen werden.

c. Politische Ereignisse & rechtliche Änderungen

Neben der Performance einzelner Unternehmen und der Entwicklung ganzer Branchen, können sich politische Ereignisse und rechtliche Änderungen ebenfalls auf Aktienkurse auswirken. Hierzu gehören beispielsweise Zins- und Währungsentwicklungen, wie beispielsweise der Ölpreis oder anstehende Wahlen bzw. Regierungswechsel. Ein konkretes Beispiel für den Einfluss politischer Ereignisse auf Aktienkurse sind die Kursverluste, die viele britische Aktien nach dem Brexit Referendum erlitten. Um hier keine bösen Überraschungen zu erleben, sollte man als Anleger stets über wichtige Termine des tagespolitischen Geschehen informiert sein. Dafür sollten seriöse Quellen genutzt werden, beispielsweise große Tageszeitungen wie Handelsblatt, Financial Times oder FAZ.

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2. Aktienempfehlungen und Analysen von Fachleuten

Aktualität spielt somit eine besonders wichtige Rolle beim Aktienhandel: jede Aktie unterliegt Kursschwankungen, die von einer Vielzahl von komplexen Faktoren beeinflusst werden. Deshalb ist es nicht verkehrt sich mit Experteneinschätzungen auseinanderzusetzen. Aktien-Newsletter, Platowbrief, Börsenseiten, Finanzportale und spezialisierte Fernsehsender wie ntv, N24 und Bloomberg TV bieten regelmäßig Börseninfos und Aktienempfehlungen namhafter, erfahrener Experten.

Experte ist jedoch nicht gleich Experte und man sollte nicht auf jeden Tipp hören, der einem über den Weg läuft. Bei den berühmten Aktientipps, die im Internet kursieren, sollten Sie sehr vorsichtig sein. Häufig wird damit geworben und anschließend muss ein kostenpflichtiger Newsletter abonniert werden, um die “todsicheren” Tipps zu erhalten. Da ist das Geld beim Kauf von renommierten Fachzeitschriften und Tageszeitungen weitaus sinnvoller investiert. Außerdem gibt es “die eine einzig wahre Aktie” nicht, denn jeder Anleger sollte seine eigene Anlagestrategie verfolgen. Bei einer Buy and Hold Strategie mit einem entsprechend langen Anlagehorizont spielen aktuelle Geschehnisse und kurzfristige Trends z.B. nur eine untergeordnete Rolle. Hier geht es vor allem um die langfristigen Aussichten des Unternehmens.

Auch die regelmäßig in renommierten Wirtschaftsmagazinen angepriesenen Aktientipps in Form der “TOP Aktien des Jahres xx” sollten kritisch hinterfragt und plausibilisiert werden. Dabei sollte zunächst auf die Konvergenz mit der eigenen Anlagestrategie geachtet werden: passen Fristigkeit, Branche und Region in das eigene Portfolio? Passt die Aktie zum eigenen risiko-, chancen- oder sicherheitsorientierten Anlageverhalten? Darüber hinaus sollte beachtet werden auf welcher Basis die Einschätzung bzw. Empfehlung erfolgt: liegen dem Empfehlenden ausreichende und vor allem zukunftsbezogene Daten vor?

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3. An soliden Großinvestoren orientieren

Falls Sie einen eher langfristigen Anlagehorizont haben, können Sie sich an bekannten und soliden Großinvestoren orientieren, wie z.B. den US Unternehmern & Milliardären Warren Buffett, Bill Gates oder George Soros. Natürlich sind auch diese und ihre Beteiligungsgesellschaften nicht vor Irrtümern gefeit, verfügen jedoch über sehr viel Wissen, Erfahrung und exzellente Fachleute. Von Warren Buffets Holding Berkshire Hathaway Inc. gibt es sogar einen Ableger (WKN A0YJQ2), dessen Aktien auch für Kleinaktionäre erschwinglich sind. Wie bei allen Aktien wirken sich negative Marktentwicklungen natürlich auch hier kursmindernd aus. Der Anleger sollte also auch bei dieser Strategie stets gut informiert sein und schlechte Phasen aussitzen können.

4. Unterbewertete Titel

Analysten legen ihr Augenmerk oft auf, ihrer Auffassung nach, unterbewertete Titel. Hier ist es wichtig langfristig zu planen. Denn es kann Zeit in Anspruch nehmen, bis sich der angenommene ,,innere Wert” auch in entsprechenden Steigerung des Kurses manifestiert. Gerade Anleger, die nicht das Geld oder die Nerven haben, unter Umständen einige Jahre zu warten, bis die Aktie sich wieder erholt bzw. bis ihr Verkauf einen Gewinn bringt, sollten hier zögerlich agieren. Zudem erfordert der richtige Blick für solche Titel ein fundiertes Fachwissen mit Blick auf diverse Kennzahlen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Aktienkauf?

Der Zeitpunkt spielt eine ausschlaggebende Rolle bei der Entscheidung für den Kauf einer Aktie. So kann es Sinn machen bestimmte Ereignisse wie zum Beispiel den Ausgang einer Wahl abzuwarten, bevor man eine Aktie kauft. Auch für die Ermittlung des richtigen Zeitpunkts sind gute Informationen und fundiertes Wissen Gold wert. Wie bereits in den vorstehenden Ausführungen erwähnt, nutzen Sie am besten seriöse Fachzeitschriften, Fernsehsender, Analysen führender Experten und Ratingagenturen sowie Tageszeitungen als Informationsquellen. Den ,,richtigen” bzw. optimalen Zeitpunkt zu erwischen ist jedoch quasi unmöglich, das man nie exakt vorhersehen kann, wie sich ein Kurs entwickelt.

Da auch die besten Experten keine Hellseher sind, sollten Sie aber nicht nur auf Analysen führender Experten vertrauen, sondern eigene Einschätzungen und Informationen, die Sie beispielsweise aus Geschäftsberichten erhalten können, einbeziehen. Nicht zuletzt spielt auch das eigene “Bauchgefühl” eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zudem sollten Sie das Verhalten anderer Marktteilnehmer intensiv beobachten.

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Wann ist der falsche Zeitpunkt für den Aktienkauf?

Leichter als einen guten Zeitpunk für einen Aktienkauf zu benennen, ist es, die Frage zu beantworten, wann man nicht (mehr) in eine Aktie einsteigen sollte. Nämlich dann, wenn die Aktie “heißgelaufen” ist, wie Börseninsider es nennen. Auf den bereits mit 200 Stundenkilometern fahrenden Zug aufzuspringen, kann sehr riskant sein. Häufig folgt auf die Hausse (nachhaltiger Anstieg eines Aktienkurses) eine Baisse (anhaltender starker Kursrückgang) oder zumindest eine Seitwärtsbewegung (Kurs bleibt unverändert). Jedoch sind dies auch nur Erfahrungswerte und man weiß nie wie hoch der Kurs tatsächlich noch steigt.

Warren Buffett sagte dazu einmal sinngemäß: Wer eine Aktie kauft, weil der Kurs steigt, ist töricht. Buffett wurde zu einem der reichsten Menschen der Welt, indem er Aktien von zu niedrig bewerteten Unternehmen kaufte und diese dann über Jahre hielt, während die Kurse immer höher kletterten.

Welche Alternative gibt es, wenn Sie sich die Einschätzung von Aktien nicht zutrauen?

Wem die Eigenanalyse von Aktientiteln zu komplex und zeitintensiv erscheint, kann sein Geld in Aktienfonds oder ETFs anlegen. Bei einem Aktienfonds übernimmt ein professionelles Management aktiv die Aktienkäufe und -verkäufe. Ein ETF wird hingegen passiv gemanagt und bildet einem Index nach, wie beispielsweise den Dax. Hier entfallen aufwendige Recherchen und fachkundige Einschätzungen einzelner Aktientitel. Dabei sind ETF deutlich kostengünstiger als aktiv verwaltete Fonds.

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