Sichere Geldanlage

Wieso Sie mit „sicheren“ Geldanlagen Ihr Vermögen riskieren

Valeria Nickel, 16.11.2018

Vielen Anlegern geht es heutzutage nicht darum, ihr Vermögen in großem Stil zu mehren. Sie wollen es hauptsächlich erhalten – also keine Verlustrisiken eingehen. Deshalb stehen Geldanlagen, die das Label „sicher” tragen, bei Sparern hoch im Kurs. Doch lohnt sich die typisch deutsche Risikoaversion und Liebe für die sichere Geldanlage in Zinstal-Zeiten überhaupt?

Um diese Frage zu klären, sollte man sich zunächst einen Überblick darüber verschaffen, welche Anlageformen als „sicher” gelten. Denn „sichere” Geldanlagen haben viele Gesichter.

1 | Sparverträge

Der Sparvertrag ist ein Sammelbegriff für verschiedene Anlage-Angebote von Banken – wie zum Beispiel den Sparbrief, der oftmals synonym zum Sparvertrag verwendet wird. Beim Sparbrief existiert eine vorab festgelegte Laufzeit von einigen Jahren und ein fester Zinssatz. Zudem kann er eine sogenannte Nachrangabrede enthalten. Das bedeutet, dass die gesetzliche Einlagensicherung nicht greift und dass im Falle eines Zahlungsausfalls zuerst andere Gläubiger vor dem Sparer bedient werden. Für dieses Risiko erhält man einen höheren Zinssatz.

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2 | Sparbücher

Das traditionelle Sparbuch, die älteste Form des Sparkontos, ist in Deutschland trotz niedriger Zinsen immer noch die beliebteste Geldanlageform. Dabei bieten Sparbücher für den Anleger keinen Vorteil gegenüber dem Tages- oder Festgeldkonto, die beide höhere Zinssätze offerieren. Dort sind die Einlagen auch genauso sicher. Trotzdem halten viele Sparer in Deutschland an ihrem Sparbuch fest und verzichten so auf einen höheren Zinsertrag.

3 | Festgeld

Beim Festgeldkonto stellt der Kunde der Bank eine bestimmte Summe zur Verfügung und vereinbart eine feste Laufzeit für die Anlage (Mindestdauer dafür ist bei fast allen Banken 1 Monat). Dann kann er bis zum Rückzahlungstermin nicht mehr auf sein Geld zugreifen. Die Bank wiederum kann den Zinssatz während des Anlagezeitraums nicht mehr ändern.

4 | Tagesgeld

Beim Tagesgeldkonto stellt der Kunde der Bank eine bestimmte Geldsumme über einen unbestimmten Zeitraum (meistens 1-12 Monate) zur Verfügung und bekommt dafür eine Verzinsung. Der Vorteil ist, dass man jederzeit wieder auf sein Erspartes zugreifen kann, ohne eine Kündigungsfrist einhalten zu müssen. Andererseits kann die Bank den Zinssatz aber jeden Tag ändern.

5 | Pfandbriefe

Pfandbriefe sind Anleihen, die von Pfandbriefbanken herausgegeben werden und mit Sicherheiten unterlegt sind. Die meisten Pfandbriefe werden durch Hypotheken besichert, gefolgt von Krediten der Pfandbriefbanken an die öffentliche Hand und Schiffsdarlehen. Diese Sicherheiten werden aus dem Vermögen der Bank ausgesondert, sodass Pfandbriefe weitgehend vor Zahlungsausfällen geschützt sind, sollte die Pfandbriefbank insolvent werden.

6 | Staatsanleihen

Als Staatsanleihen werden langfristige Schuldverschreibungen bezeichnet, die von Staaten ausgegeben werden. Der Staat nutzt die Anleihen, um am internationalen Kapitalmarkt Geld aufzunehmen, das er für den Staatsbetrieb und Investitionen benötigt. Staatsanleihen von Ländern mit solidem Staatshaushalt gelten als die sichersten Wertpapiere der Welt. Sie werden von Rating-Agenturen mit einem AAA-Rating ausgestattet, der höchsten Bonitätsnote.

7 | Unternehmensanleihen

Grundsätzlich verfügt kaum ein Konzern über dieselbe Kreditwürdigkeit wie solide Staaten, daher werden Unternehmensanleihen in der Regel als riskanter angesehen als Staatsanleihen. Jedoch gibt es eine handvoll privater Unternehmen wie den Softwaregiganten Microsoft, den Anbieter von Pflegeprodukten Johnson & Johnson und den Ölkonzern Exxon Mobil, die mit höchster Kreditwürdigkeit bzw. einem AAA-Rating ausgezeichnet sind.

8 | Lebensversicherungen

Die Kapitallebensversicherung ist ein Altersvorsorge-Klassiker. Der Versicherungsnehmer zahlt über Jahrzehnte hinweg in die Versicherung ein und erhält bei Vertragsablauf eine im Versicherungsschein vereinbarte Summe inklusive einer Gesamtverzinsung.

9 | Eigenes Haus/ Bausparvertrag

Die Geldanlage in Sachwerte wie Immobilien ist bei den Deutschen sehr beliebt. Für viele Bürger ist eine schuldenfreie, selbst genutzte Immobilie das Ideal der Altersvorsorge. Diesem Traum geht in der Regel eine lange Finanzierungsphase voraus. Viele Deutsche bereiten den Boden dafür mit einem Bausparvertrag. Dieser ist die Verbindung eines Sparvertrags mit einem Darlehensvertrag zum Bau oder Erwerb von Immobilien. Der Vorteil dabei ist, dass der Sparer sich zu Beginn des Bausparvertrags ein Darlehen mit einem festgelegten Zinssatz sichert, dessen Laufzeit allerdings erst in mindestens 5 Jahren beginnt. Das führt zu einer sogenannten Zinswette: Wenn die Zinsen in den nächsten Jahren steigen, hat man sich ein Darlehen zu günstigeren Konditionen gesichert, als man zu einem späteren Zeitpunkt bei einer Bank bekommen würde. Insgesamt sollte man sich als Sparer jedoch sicher sein, dass man das Immobiliendarlehen auch benötigt und von steigenden Zinsen für Immobilienkrediten ausgehen. Zum Vermögensaufbau lohnt sich ein Bausparvertrag nicht.

10 | Immobilienfonds

Ein Immobilien-Investment kann – gerade in Städten – eine langfristig sichere Geldanlage mit hohem Wertsteigerungspotenzial sein. Für Anleger, die nicht ihr gesamtes Kapital in eine einzige Immobilie investieren möchten, gelten Immobilienfonds als sichere Alternative, da das Risiko auf mehrere Anlagen gestreut wird und daher ein Totalverlust unwahrscheinlich ist. In Fonds wird Kapital gesammelt, das in mehrere Objekte gleichzeitig investiert wird.

11 | Gold

Das seltene Edelmetall gilt als inflationssichere Anlage und Garant für Wertbeständigkeit. Seit seinem Höchststand im Jahr 2011 schwankt der Goldpreis jedoch je nach wirtschaftlicher und politischer Lage der einzelnen Staaten. Er ist zudem abhängig vom Dollarkurs, deshalb unterliegt das Edelmetall indirekt den Währungsschwankungen. Da die Goldreserven weltweit begrenzt sind, wird Gold aber immer einen gewissen Wert haben. Deshalb eignet sich eine Goldanlage auch als Inflationsschutz und als Anlagealternative für ein Worst-Case-Szenario an den Finanzmärkten.

Was heißt „sicher”?

Was qualifiziert all diese Anlageformen als „sicher”? Für Anleger, die in Deutschland bei einem deutschen Institut ihr Geld anlegen – egal in welcher Form (Sparbuch, Festgeld, etc) –, greift zunächst die gesetzliche Einlagensicherung. Sie garantiert die Sicherheit von Beträgen bis 100.000 €. Darüber hinaus sind die Bankinstitute in der Regel noch Mitglied in privaten Einlagensicherungsfonds. Dieser ist abhängig von der Institutszugehörigkeit. Sparkassen sind Mitglied im „Sicherungssystem der Sparkassen Finanzgruppe” und Volksbanken im „Sicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Volksbanken”. Alle anderen sind Mitglied im „Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e.V.”. Dort sind 30 % des haftenden Eigenkapitals der Bank als Sicherungssumme pro Kunde vereinbart. So weit, so gut: Das eigene Solidarsystem der deutschen Banken sowie die gesetzliche Einlagensicherung sind ein wichtiger Grund dafür, dass Bankeinlagen (bis zu einem gewissen Betrag) für die Kunden als „sicher” gelten. Sollte ihrer Bank etwas passieren, springen die anderen ein. Was aber, wenn eine flächendeckende Bankenpleite eintritt? Dann bringen auch die besten Sicherungssysteme nichts. Natürlich ist so ein Szenario unwahrscheinlich – hundertprozentig ausschließen kann man es aber nie.

Bei Anleihen gilt: Sie sind so sicher wie der Schuldner, der sich das Geld beim Anleger geliehen hat. Ist es ein Schuldner mit hoher Bonität – beispielsweise die Emittenten von Staats- und Unternehmensanleihen, die von Ratingagenturen mit einem AAA-Rating ausgezeichnet sind – ist die Sicherheit der Rückzahlung so gut wie garantiert. Dass diese Emittenten trotzdem überraschend pleitegehen, ist jedoch auch trotz hoher Ratings möglich. Sogar Staaten können trotz konstanter Steuereinnahmen bankrott gehen.

Schließlich gibt es die Realsicherheiten wie Gold oder Immobilien, die etwas Greifbares darstellen. Ganz gleich wie stark ihr Preis fällt – man behält trotzdem etwas „in der Hand”, das einen gewissen Wert hat. Würde jedoch jeder Gold oder Immobilien im Überfluss besitzen, so könnte man diesen Wert nicht realisieren. Niemand würde einem Geld für das Gold oder das Haus geben. So ist auch hier der Begriff „sicher” nur relativ.

Es gibt, zusammenfassend gesagt, gewisse Faktoren, die Anlagen als „sicher” qualifizieren: Sicherungssysteme, die Reputation und Bonität desjenigen, der das Geld der Anleger annimmt und die Greifbarkeit des Anlagegegenstandes. Überall bleibt jedoch trotzdem ein gewisses Restrisiko. Daher gibt es keinen über alle Zweifel erhabenen Königsweg für eine krisensichere Geldanlage.

Die Gefahr von „sicheren” Geldanlagen

Restrisiko hin oder her: Können „sichere” Geldanlagen das Vermögen tatsächlich in ähnlichem Maße gefährden wie risikoreiche Anlagen? Je risikoärmer die Geldanlage ist, desto weniger Rendite erhalten Sie. Vor allem in Niedrigzinsphasen ist dies ein Problem, denn dann wird die Rendite verschwindend gering. Im derzeitigen Zinsumfeld haben Tagesgeld, Festgeld und Sparbücher eine sehr kleine Verzinsung, die gen 0 % geht. Selbst Bundeswertpapiere und viele ausländische Staatsanleihen weisen nicht mehr so starke Renditen auf wie in den vergangenen Jahren. Das Problem dabei:

Eine Kapitalanlage sollte zumindest die Inflationsrate wieder ausgleichen. Dies ist bei den meisten „sicheren” Geldanlagen nicht mehr der Fall. Das bedeutet, dass selbst wenn Ihr Sparvermögen zunimmt, sinkt Ihre tatsächliche Kaufkraft. Das angesparte Geld wird Jahr für Jahr weniger wert, Ihr Vermögen schrumpft.

„Sicherheit” ist zurzeit also nicht zu empfehlen – sie gefährdet das Vermögen. Anleger müssen vielmehr aus ihrer Komfortzone herauskommen und ein höheres Risiko in Kauf nehmen, um ihr Vermögen zu erhalten.

Ein Mix aus verschiedenen Geldanlageprodukten hilft, der Inflation ein Schnippchen zu schlagen. Flexibilität, hohe Zinsen und eine kurzen Anlagedauer sollten dabei eine große Rolle spielen.

Für Privatanleger, die von der Wertbeständigkeit von Immobilien profitieren wollen, aber bereit sind, für eine höhere Renditechancen ein höheres Risiko einzugehen, empfehlen sich alternative Anlageformen wie das Immobilien Crowdinvesting. Dabei schließt man sich über eine Internetplattform wie BERGFÜRST mit anderen Anlegern zusammen und bringt die notwendige Investitionssumme gemeinsam auf. Die Laufzeiten der Investitionen sind meist kurz, wodurch das Kapital der Anleger flexibel bleibt. Begünstigt wird dies zudem durch die Option, mit Ihren Anteilen zu handeln. Aufgrund der geringen Mindestbeteiligungssummen ist zudem ähnlich wie bei Immobilienfonds eine gute Risikostreuung möglich: Der Investor kann in mehrere Immobilienprojekte gleichzeitig investieren. Das Crowdinvesting ist daher eine gute Möglichkeit, aktiv dem Vermögensverfall gegenzusteuern.

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