Robo Advisor

Robo Advisor: Die 12 besten Anbieter im Vergleich

Valeria Nickel, 08.06.2020

Robo Advisor – der Begriff erinnert an Roboter, Sensoren und Greifarme. Robo Advisor sind jedoch keine physischen Roboter, sondern Computerprogramme, die Anleger beraten, wie sie ihr Geld investieren sollen.

Eigentlich steht eine funktional vergleichbare Technologie professionellen Vermögensverwaltern schon seit Jahrzehnten zur Verfügung. Doch erst seit wenigen Jahren können auch Privatanleger über das Internet auf diese Funktionen zugreifen.

Sie wissen bereits, wie Robo Advisor funktionieren? Dann springen Sie gleich zu unserem Vergleich der zwölf größten deutschen Robo Advisor.

So funktionieren Robo-Advisor

Die einzelnen Robo Advisor unterscheiden sich zum einen dadurch, wie viel Entscheidungsfreiraum sie dem Anleger lassen und zum anderen dadurch, wie sie das Geld anlegen. Das Grundprinzip ist aber bei jedem Robo Advisor ähnlich und lässt sich in vier Schritten zusammenfassen:

  1. Fragebogen: Die Anlegerinnen und Anleger beantworten verschiedene Fragen zu Anlagesumme, Alter sowie Risikotragfähigkeit und werden anschließend einer bestimmten Risikoklasse zugeordnet.
  2. Investmentvorschlag: Anschließend errechnet der Robo Advisor einen Vorschlag, wie das Vermögen investiert werden könnte. Dabei wählt das Computerprogramm anhand der beantworteten Fragen eine passende Anlagestrategie sowie geeignete Anlageklassen aus. Je nach Risikofreudigkeit können sich etwa die Anteile von Anleihen und Aktien im Portfolio verändern – mehr Aktien bedeuten dabei mehr Risiko.
  3. Investment: Hat sich der Anleger für einen Vorschlag entschieden, dann übernimmt der Robo Advisor die Anlage selbst. In der Regel arbeiten die Plattformen dafür mit einer Partnerbank zusammen. Andernfalls können Sie die vorgeschlagenen Finanzprodukte selbst über ein eigenes Depot ordern.
  4. Rebalancing: Durch die Wertschwankungen der einzelnen Positionen kann es dazu kommen, dass die ursprüngliche Anlagestruktur (zum Beispiel das Verhältnis von Anleihen und Aktien) nicht mehr gegeben ist. Durch regelmäßiges Rebalancing wird die gewünschte Anlagestruktur langfristig aufrechterhalten.

Das investierte Geld können Anleger sich schnell und unkompliziert auszahlen lassen. Anschließend wird es innerhalb der nächsten Tage auf das Bankkonto überwiesen.

Von der Komplettlösung bis zur Anlageempfehlung

Wie automatisiert die jeweiligen Schritte sind, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Grob lassen sich Robo Advisor in drei Kategorien aufteilen:

  • Full-Service: Diese Anwendungen bieten eine Komplettlösung für die Vermögensverwaltung an. Sie vereinen Anlagevorschlag, Portfolio-Vermittlung und die Verwaltung des Depots.
  • Half-Service: Die Servicetiefe ist auch hier sehr weitgehend, aber der Anleger muss jeder Depotumschichtung zustimmen. Das bedeutet für ihn zwar mehr Aufwand, gleichzeitig aber auch mehr Kontrolle.
  • Self-Service: Diese Anwendungen sind lediglich Online-Berater und geben nur Anlageempfehlungen. Hier hat der Anleger die Investitionsentscheidungen komplett selbst in der Hand.

Wie investieren Robo Advisor?

Mit Blick auf die Art und Weise, wie Robo Advisor ihr Geld anlegen, lassen sich aktive und passive Robo Advisor unterscheiden.

Robo Advisor mit passivem Risikomanagement

Die meisten Robo Advisor arbeiten dabei mit einem passiven Risikomanagement. Sie reagieren nicht auf das aktuelle Marktgeschehen, sondern behalten gemäß der sogenannten Buy-and-Hold Strategie die ursprüngliche Vermögensaufteilung bei.

Passive Robo Advisor investieren vor allem in ETFs (Exchange Traded Funds). Diese Fonds, die passiv einen Index nachbilden und nicht aktiv gemanagt werden, ermöglichen eine leichte und kostengünstige Risikostreuung. Ihre Gesamtkostenquote (TER) beträgt durchschnittlich nur 0,3 % p.a.

Robo Advisor mit aktivem Risikomanagement

Immer mehr Robo Advisor bieten allerdings auch ein aktives Risikomanagement an. Bei diesem Ansatz reagiert der Robo Advisor dynamisch auf die aktuelle Marktsituation und schichtet das Depot dementsprechend um. In einigen Fällen greift auch ein hausinterner Analyst in das Depot ein.

Vorteilhaft ist bei diesem Management die Möglichkeit, schnell auf Marktentwicklungen zu reagieren. Mit den häufigen Umschichtungen steigen in der Regel aber auch die Kosten des Robo Advisors.

Aktive Robo Advisor setzen zudem häufiger auf aktiv gemanagte Fonds. Dadurch steigen die Gebühren weiterhin, denn aktiv gemanagten Fonds sind weitaus teurer als ein ETF.

Auch eine nachhaltige Geldanlage ist bei einigen Anbietern möglich. Die Robo Advisor Visualvest, Vividam und Liqid bieten zum Beispiel verschiedene ökologische Portfolios an. Häufig handelt es sich hier um eine Auswahl von aktiv gemanagten Fonds.

Die größten deutschen Robo Advisor im Vergleich

Weltweit finden sich die größten Robo Advisor in den USA: Die Anbieter Vanguard, Charles Schwab und Betterment verwalten insgesamt ein Anlagevolumen von etwa einer Billion Euro.

Dagegen mutet das verwaltete Vermögen durch Robo Advisor in Deutschland mit 12 Mrd. € deutlich bescheidener an (Stand 2019). In Deutschland heißen die wichtigsten Anbieter Cominvest, Easyfolio, Growney, Quirion, Liqid und Scalable.

Je nach Anbieter fallen jeweils verschiedene Mindestanlagesummen und Servicegebühren an. Zusätzlich zu diesen Gebühren sollten Anleger auch noch mit Produkt- oder Fondskosten in Höhe von 0,2 % bis 0,9 % rechnen. Ein Großteil der Anbieter hat außerdem Sparplan-Produkte im Angebot.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick (geordnet nach der Mindestanlagesumme).

Name Servicegebühr Sparplan Einmalanlage ab
Liqid 0,15 % bis 0,90 % 100.000 €
Scalable Capital 0,75 % ab 50 € 10.000 €
Ginmon 0,75 % ab 50 € 5.000 €
Quirion 0,48 % ab 10.001 € ab 30 € 5.000 €
Whitebox 0,35 % bis 0,95 % ab 5 € 5.000 €
Cominvest 0,95 % 3.000 €
Fintego 0,30 % bis 0,90 % ab 50 € 2.500 €
WeltSparen 0,33 % ab 50 € 2.000 €
Oskar 0,80 % bis 1,00 % ab 25 € 1.000 €
Visualvest 0,60 % ab 25 € 500 €
Easyfolio 0,65 % ab 10 € 100 €
Growney 0,39 % bis 0,99 % ab 0 € 0 €

Quelle: finanzen.net / Brokervergleich (Stand: 20. Januar 2020)

Während Wealth Manager erst bei Anlagesummen im Millionenbereich beratend tätig werden, sind Robo Advisor mit ihren Mindestanlagesummen von meist einigen Tausend Euro also durchaus für Privatanleger geeignet.

Wer investiert mit einem Robo Advisor?

Laut einer Studie der Deutschen Bank ist der durchschnittliche Robo-Advisor-Kunde männlich (zu 90 %) und investiert jährlich etwa 1.000 € bis 1.500 € in die digitale Vermögensverwaltung. Mit einem Durchschnittsalter von etwa 50 Jahren und einem mittleren Einkommen von 50.000 € im Jahr gehören Robo-Advisor-Investoren nicht, wie man vermuten könnte, zu den jüngeren, digital affinen Generationen Y bis Z.

Mensch oder Maschine – wer hat die Nase vorn?

In den letzten Jahren haben Robo Advisor bei der Geldanlage immer mehr an Bedeutung gewonnen. Sogar bei großen Vermögensverwaltungen (z.B. bei Family Offices) finden sich vermehrt die automatisierten Anlagestrategien im Portfolio. Doch kann die Anwendung tatsächlich bessere Entscheidungen treffen als der Mensch?

Vorteile der Robo Advisor

  • Schnelligkeit & niedrige Einstiegshürden: Mit wenigen Klicks legt man seine Anlagepräferenzen fest und bekommt direkt die passende Anlagestrategie geliefert. Somit kann man ohne langes Beratungsgespräch sehr schnell investieren (eine Identifikation per POSTIDENT ist aber in der Regel notwendig).
  • Niedrige Kosten: Da der einmal erstellte Algorithmus die Investitionsempfehlungen berechnet und kein Finanzberater für seine aufgewendete Zeit bezahlt werden muss, liegen die Gebühren für die Investments bei höchstens 1 %.
  • Gute Renditen: Die Plattform Brokervergleich vergleicht seit 2015 die Performance verschiedener Robo Advisor anhand der Benchmark unterschiedlicher ETF. Nach Gebühren und Steuern konnte keines der Robo-Advisor-Depots die Rendite der ETF schlagen (Stand: Januar 2020). Dennoch erreichen die meisten Robo Advisor eine durchschnittliche Rendite von 4,0 % bis 5,0 % p.a. – auch wenn die Ergebnisse von Jahr zu Jahr stark variieren.
  • Absicherung vor der Insolvenz: Zwar sind die meisten Robo-Advisor-Anbieter Startups, die sich erst in der Finanzdienstleistungsbranche etablieren müssen. Dennoch müssen Anleger keine Angst vor deren Insolvenz haben. Denn das Geld, das die künstlichen Anlageberater in Fonds investieren, zählt zum Sondervermögen und ist so im Falle einer Insolvenz geschützt.

Nachteile der Robo Advisor

  • Begrenzte Beratung: Robo-Advisor sind bei ihren Beratungsleistungen sehr eingeschränkt. Sie geben nur Empfehlungen für den Aufbau eines Portfolios, beantworten aber keine generellen Fragen. Zum Beispiel ob eine langfristige oder kurzfristige Geldanlage für den Anleger sinnvoller ist und welche die richtigen Schritte für seine Altersvorsorge sind.
  • Schwer einschätzbares Risikoprofil: Das Risikoprofil einer Person ist mit einem kurzen Fragebogen, den die Robo Advisor verwenden, nur schwer zu bewerten. Im Gegensatz zu einem Finanz- oder Honorarberater kann ein Robo Advisor auch nicht einschätzen, ob der Kunde alle Anlage-Informationen genau gelesen, verstanden und sich genügend Zeit für seine Anlageentscheidung genommen hat.
  • Keine Haftung: Meistens weisen die Anbieter der Robo Advisor darauf hin, dass sie rechtlich gesehen keine Beratung anbieten, sondern nur zwischen dem Kunden und der Depotbank vermitteln. Im Falle einer reinen Vermittlung gibt es kein Beratungsprotokoll und später auch keine Haftung für die ausgesprochenen Empfehlungen.

Robo Advisor im Überblick

Aufgrund der begrenzten Beratungsmöglichkeiten und der oft nicht übernommenen Haftung ist Anlegern bei Investitionen in Robo Advisor ein gewisses Grundwissen der Börse zu empfehlen. Sollten Sie mit diesen Faktoren umgehen können, dann sind Robo Advisor mit ihren geringen Gebühren und guten Renditen eine attraktive Anlagemöglichkeit.

Aber Achtung: Ein selbst zusammengestelltes Portfolio aus Tages- und Festgeld, Aktien, Immobilien und ETFs ist meist erheblich günstiger. Deshalb sollte man erst einmal prüfen, ob man seine Geldanlage nicht lieber ganz selbst in die Hand nehmen kann.

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