Crowdfunding: Die fünf skurrilsten Geschichten und alles Wissenswerte

Artikel von Lana Iliev; aktualisiert am 07.04.2022

Beim Crowdfunding kann jeder über eine Online-Plattform Geld für ein geplantes Projekt sammeln. Finden sich
ausreichend Interessenten bzw. Kapitalgeber, die kleine Geldmengen spenden, können große Summen zusammenkommen.

Auf den entsprechenden Plattformen der verschiedenen Anbieter findet sich eine Großzahl unterschiedlichster
Projekte. Unter anderem gibt es dabei auch absurde Crowdfunding-Ideen, die es geschafft haben, überraschend
große Geldsummen einzuspielen.

Der Begriff „Crowdfunding“ leitet sich aus dem Englischen ab: „Crowd“ steht für eine Menschenmenge, während
„funding“ von dem englischen Substantiv „Finanzierung“ stammt.

Fünf skurrile Crowdfunding Geschichten

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1 | Die Crowd und der Kartoffelsalat

Im Sommer 2014 startete der US-Amerikaner Zack Brown auf der weltweit größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine
der wohl bis heute bekanntesten Crowdfunding-Kampagnen. Sein Ziel: 10 $ einzusammeln, um die Zutaten für einen
Kartoffelsalat kaufen und zubereiten zu können.

Crowdfunding Kickstarter Kartoffelsalat

Quelle: Kickstarter

Die Crowdfunding-Kampagne, die vermutlich aus einem Scherz heraus entstand, fand innerhalb von 30 Tagen über 6.000
Unterstützer, die Brown mehr als 55.000 € für sein Kartoffelsalat-Vorhaben zukommen ließen. Selbst überrascht
von der Dynamik bizarren Internet-Humors, spendete Brown den Großteil des gesammelten Geldes an Obdachlosen-Projekte
in seiner Heimatstadt.

2 | Hello, is it me you’re looking for?

Doch der Kartoffelsalat war bei weitem nicht das erste bizarre Crowdfunding-Projekt. Im Jahr 2013 sammelte die spanische
Künstler der Gruppe Hungry Castle über 8.000 $ ein, um einen überlebensgroßen, aufblasbaren Kopf des Sängers Lionel
Richie herzustellen.

Insgesamt 211 Personen unterstützten das Vorhaben der Künstlergruppe innerhalb von 26 Tagen. Ausgestellt wurde der
fertige Ballonkopf im September 2013 auf einem Musikfestival im Süden Englands.

3 | Dumme Sprüche am Firmament

Auch der US-amerikanische Comedian Kurt Braunohler nutzte im Jahr 2013 Crowdfunding, um sein „Cloud Project“ zu
realisieren. Sein Ziel: 4.000 $ einsammeln, um einen Piloten damit zu beauftragen etwas in den Himmel zu schreiben.

Die 257 Unterstützer des Projekts vermachten Braunohler über 6.800 $. Durch ihre Investition erhielten sie zudem
ein Stimmrecht bzgl. des Spruchs, der am Himmel erscheinen sollte. Ihre Wahl fiel auf „How do I land?“.

Crowdfunding Kickstarter Flugzeug

Quelle: Kickstarter

4 | TARDIS im Weltall

Ein weiteres Crowdfunding-Projekt, ebenfalls aus dem Jahr 2013, verfolgt die Intention ein britisches
Polizei-Notrufhäuschen ins Weltall zu schießen. Das seltsame Geschoss ist dabei TARDIS nachempfunden: Raumschiff und
Zeitmaschine in der britischen Science-Fiction-Serie Doctor Who.

Das ambitionierte Projekt fand mehr als 3.000 Unterstützer und wurde mit fast 89.000 $ gefördert. Passiert ist bisher
jedoch leider nichts. Den Kommentaren auf der Plattform lässt sich entnehmen, dass einige der Förderer inzwischen das
Gefühl haben, Hochstaplern auf den Leim gegangen zu sein.

Kickstarter Crowdfunding

Quelle: Kickstarter

5 | Hermien – die ausgebüxte Kuh

Nicht alle bizarren Projektideen gehören dabei den frühen Jahren des Crowdfundings an. Im Jahr 2018 wurde ein
Crowdfunding-Vorhaben in den Niederlanden gestartet, um eine Kuh namens Hermien vor dem Schlachthof zu retten. Hermien
büxte im Dezember 2017 aus, als sie in einen Lastwagen geladen werden sollte und versteckte sich fortan in einem
nahegelegenen Wald. Die Geschichte von der Flucht fand Anklang auf Twitter, wo sich Nutzer unter dem Hashtag
#JeSuisHermien für die Freiheit der eigenwilligen Kuh einsetzten.

Die Resonanz war dabei so groß, dass selbst ein Mitglied des niederländischen Königshauses (ebenfalls über Twitter) den
Vorschlag unterbreitete, eine Crowdfunding-Kampagne für die Rettung von Hermien zu starten. Ein solches Projekt wurde
daraufhin ins Leben gerufen und nahm nach eigenen Angaben um die 50.000 € ein. Das eingenommene Geld soll an eine
Aufnahmestelle für Kühe gespendet werden, die sich bereit erklärt hat Hermien aufzunehmen.

Kuh Hermien

Quelle: YouTube / Hans Wolters

Crowdfunding: Ein Internetwitz?

Keineswegs. Zwar sprechen die angeführten Beispiele dafür, dass Crowdfunding als Finanzierung für absurde Ideen Karriere
macht, faktisch handelt es sich dabei jedoch eher um Ausnahmen. Das Prinzip des Crowdfundings oder der
Schwarmfinanzierung (eine Finanzierungsform, bei der viele Menschen durch kleine Spenden eine große Menge an Geld
sammeln) ist ein alter Hut: Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Sockel der Freiheitsstatue in New York durch
160.000 Einzelspenden finanziert.

Die Vernetzung von Einzelpersonen durch das Internet erleichtert heutzutage das Akquirieren und die Organisation von
großen Spendergruppen. Im Jahr 2008 wurde die erste Crowdfunding-Plattform mit dem Namen Indiegogo gegründet. Der
Schwerpunkt lag hier zunächst auf der Finanzierung von Filmen, die Plattform wurde jedoch recht schnell auch für
anderweitige Projektideen und Vorhaben genutzt.

Im Jahr 2009 kam mit Kickstarter die zweite Crowdfunding-Plattform hinzu, mit dem Ziel Musikern, Künstlern und Erfindern
ohne Eigenkapital eine Möglichkeit zu bieten, ihre Projekte zu finanzieren. Eines der Produkte, das auf dieser
Finanzierungsplattform ihren Anfang fand, war beispielsweise die Virtual Reality Brille Oculus Rift.

Im Folgejahr wurde in Dresden mit Startnext die erste deutsche Crowdfunding-Plattform gegründet. Startnext ermöglicht
die Finanzierung von Ideen, Projekten sowie Startups und gilt bis heute als Marktführer unter den
Crowdfunding-Plattformen in Deutschland. So ermöglichte der Crowdfunding-Anbieter Startnext unter anderem den Gründern
der Flüchtlingsuniversität Kiron die erste Finanzierung. Noch ein Jahr darauf, im Jahr 2011, startete mit Seedmatch eine
weitere bekannte Crowdfunding-Plattform

Funktionsweise von Crowdfunding

In der Regel werden auf einer Internetplattform unterschiedliche Crowdfunding-Projekte vorgestellt. Als Anleger
bzw. Geldgeber muss man sich auf der Plattform registrieren, die das Projektvorhaben vermittelt, für das man
sich interessiert. Anschließend kann man das Projekt – oder auch mehrere Projekte – auswählen und
sofort den gewünschten Betrag investieren. Entweder bekommt der Projektinitiator und Kapitalsuchende dieses Geld
direkt oder durch einen Treuhänder nach Erreichen der Funding-Schwelle – also des Geldbetrages, der mindestens
notwendig ist, damit das Projekt realisiert werden kann.

Sollte die Schwelle nicht erreicht werden, erhalten die Anleger ihre Gelder wieder zurück. Die
Finanzierungsplattformen unterstützen die Anleger während des gesamten Prozesses mit Infomaterialien auf der
Website und per Telefon. Außerdem kann man über die meisten Finanzierungsplattformen auch bereits vorab mit dem
Initiator des Projekts in Kontakt treten und offene Fragen klären.

Wie aus Crowdfunding das Crowdinvesting wurde

Zu Beginn lag der Fokus von Crowdfunding-Plattformen auf der Finanzierung einzelner Ideen, Projekte und Aktionen. Die
Crowd, die als Kapitalgeber diese Vorhaben mit Geldspenden unterstütze und ermöglichte, wurde entweder mit dem
geförderten Produkt oder Prototyp, kleineren Geschenken, Ehrung als Unterstützer durch Namensnennung oder auch (z.B. bei
gemeinnützigen Projekten) gar nicht belohnt.

Der Begriff Crowdinvesting leitet sich neben der
Vorsilbe „Crowd“ von dem englischen Verb „invest“, zu deutsch „investieren“, ab.

Relativ bald entstand mit der Gründung von ProFunder in den USA im Jahr 2009 jedoch auch das Crowdinvesting. Hier steht
das Crowdfunding als Investitionsmöglichkeit im Mittelpunkt und es geht um die Rendite, die Geldgeber als Anleger
erzielen können. So wird es Anlegern ermöglicht, Venture Capital für die Gründer von Startups bzw. jungen Unternehmen
zur Verfügung zu stellen. Als Gegenleistung erhalten die Geldgeber eine Gewinnbeteiligung an dem jeweiligen Unternehmen.
Meist werden die Unternehmensbeteiligungen
dabei mit partiarischen Nachrangdarlehen, stillen
Beteiligungen oder Genussscheinen realisiert.

Da es sich beim Crowdinvesting um eine Form der Geldanlage handelt, sind Anbieter verpflichtet das
Kleinanlegerschutzgesetz zu berücksichtigen und Projekte werden durch die BaFin (Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht) geprüft.

In Deutschland wird inzwischen jedoch am meisten im Bereich Immobilien-Crowdinvesting investiert. Im Jahr
2020 betrug das Volumen der erfolgreich finanzierten Projekte insgesamt bei Immobilien 254,9 Millionen €. Das waren
ungefähr 200 Millionen € mehr als im Bereich der Unternehmensfinanzierung.

Die Schwarmfinanzierung von Immobilien bietet Anlegern die Möglichkeit, Mezzanine-Kapital für Bauprojekte bereit zu stellen.
So investieren die Geldgeber in den Sachwert Immobilien und
profitieren von der Expertise erfahrener Immobilien-Investoren. Anleger erhalten auf Immobilien-Anlagen, die BERGFÜRST vermittelt, einen festen Zinssatz
zwischen 5,0 % und 7,0 % pro Jahr bei einer Laufzeit von einem bis fünf Jahren.

Crowdfunding: Verschiedene Arten und Unterformen

Inzwischen gibt es zahlreiche Unterformen und Spielarten des Crowdfunding. Dabei lassen sich ausgehend von dem Nutzen
für die Geldgeber grundsätzlich vier Arten unterscheiden:

Bezeichnung Erklärung
Crowdfunding Spendenbasiertes Crowdfunding (Donation): Es wird für einen gemeinnützigen Zweck
gespendet und die Investoren der Kampagne erhalten keine materielle Belohnung.

Gegenleistungsbasiertes Crowdfunding (Reward): Die Crowd fördert mit ihrem Kapital
ein Produkt oder Kulturgut, dass sie im Anschluss erhält bzw. konsumieren möchte.

Plattform (Beispiel): Startnext

Crowdinvesting Beteiligungsbasiertes Crowdfunding: Die Geldgeber eines Projekts werden mit einer
Gewinnbeteiligung oder der Verzinsung des eingesetzten Kapitals belohnt.

Plattform (Beispiel): BERGFÜRST

Crowdlending Kreditbasiertes Crowdfunding, P2P-Kredite: Anleger vergeben Kredite an
Privatpersonen und erhalten dafür Zinsen.

Plattform (Beispiel): auxmoney

Das Crowdfunding-Prinzip wird in immer mehr Bereiche übertragen und genutzt, um weitere Problemstellungen zu lösen.
Meist wird dabei die Vorsilbe Crowd übernommen, um auf den Ursprung zu verweisen.

So entstehen stets neue Formen und Spielarten der Schwarmfinanzierung, die sich zwangsläufig nicht in der hier
aufgeführten Kategorisierung einordnen lassen. Liebe Vegetarier seien Sie stark, denn ein Beispiel dafür ist das
sogenannte Crowdbutching, bei dem Rinder verkauft werden. Diese werden jedoch erst geschlachtet, wenn
bereits alle Teile des Tieres über eine Online-Plattform an Endverbraucher verkauft wurden.

„Butching“ leitet sich von dem englischen Verb „to butch“, zu deutsch schlachten, ab.

So soll garantiert werden, dass das Fleisch verzehrt wird und nicht der Überflussgesellschaft zum Opfer fällt und im
Müll landet. Zudem kann der Endverbraucher nachverfolgen, woher das bestellte Fleisch kommt und unter welchen
Bedingungen es produziert wurde.

Weitere Informationen zum Thema Crowdfunding

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