Crowdfunding: Die fünf skurrilsten Geschichten und alles Wissenswerte

Lana Iliev, 29.05.2019

Beim Crowdfunding kann jeder über eine Online-Plattform Geld für ein geplantes Projekt sammeln. Finden sich ausreichend Interessenten bzw. Kapitalgeber, die kleine Geldmengen spenden, können große Summen zusammenkommen.

Auf den entsprechenden Plattformen der verschiedenen Anbieter findet sich eine Großzahl unterschiedlichster Projekte. Unter anderem gibt es dabei auch absurde Crowdfunding-Ideen, die es geschafft haben, überraschend große Geldsummen einzuspielen.

Der Begriff „Crowdfunding“ leitet sich aus dem Englischen ab: „Crowd“ steht für eine Menschenmenge, während „funding“ von dem englischen Substantiv „Finanzierung“ stammt.

Fünf skurrile Crowdfunding Geschichten

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1 | Die Crowd und der Kartoffelsalat

Im Sommer 2014 startete der US-Amerikaner Zack Brown auf der weltweit größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine der wohl bis heute bekanntesten Crowdfunding-Kampagnen. Sein Ziel: 10 $ einzusammeln, um die Zutaten für einen Kartoffelsalat kaufen und zubereiten zu können.

Crowdfunding Kickstarter Kartoffelsalat

Quelle: Kickstarter

Die Crowdfunding-Kampagne, die vermutlich aus einem Scherz heraus entstand, fand innerhalb von 30 Tagen über 6.000 Unterstützer, die Brown mehr als 55.000 € für sein Kartoffelsalat-Vorhaben zukommen ließen. Selbst überrascht von der Dynamik bizarren Internet-Humors, spendete Brown den Großteil des gesammelten Geldes an Obdachlosen-Projekte in seiner Heimatstadt.

2 | Hello, is it me you’re looking for?

Doch der Kartoffelsalat war bei weitem nicht das erste bizarre Crowdfunding-Projekt. Im Jahr 2013 sammelte die spanische Künstlergruppe Hungry Castle über 8.000 $ ein, um einen überlebensgroßen, aufblasbaren Kopf des Sängers Lionel Richie herzustellen.

Insgesamt 211 Personen unterstützten das Vorhaben der Künstlergruppe innerhalb von 26 Tagen. Ausgestellt wurde der fertige Ballonkopf im September 2013 auf einem Musikfestival im Süden Englands.

3 | Dumme Sprüche am Firmament

Auch der US-amerikanische Comedian Kurt Braunohler nutzte im Jahr 2013 Crowdfunding, um sein „Cloud Project“ zu realisieren. Sein Ziel: 4.000 $ einsammeln, um einen Piloten damit zu beauftragen etwas in den Himmel zu schreiben.

Die 257 Unterstützer des Projekts vermachten Braunohler über 6.800 $. Durch ihre Investition erhielten sie zudem ein Stimmrecht bzgl. des Spruchs, der am Himmel erscheinen sollte. Ihre Wahl fiel auf „How do I land?“.

Crowdfunding Kickstarter Flugzeug

Quelle: Kickstarter

4 | TARDIS im Weltall

Ein weiteres Crowdfunding-Projekt, ebenfalls aus dem Jahr 2013, verfolgt die Intention ein britisches Polizei-Notrufhäuschen ins Weltall zu schießen. Das seltsame Geschoss ist dabei TARDIS nachempfunden: Raumschiff und Zeitmaschine in der britischen Science-Fiction-Serie Doctor Who.

Das ambitionierte Projekt fand mehr als 3.000 Unterstützer und wurde mit fast 89.000 $ gefördert. Passiert ist bisher jedoch leider nichts. Den Kommentaren auf der Plattform lässt sich entnehmen, dass einige der Förderer inzwischen das Gefühl haben, Hochstaplern auf den Leim gegangen zu sein.

Kickstarter Crowdfunding

Quelle: Kickstarter

5 | Hermien – die ausgebüxte Kuh

Nicht alle bizarren Projektideen gehören dabei den frühen Jahren des Crowdfundings an. Im Jahr 2018 wurde ein Crowdfunding-Vorhaben in den Niederlanden gestartet, um eine Kuh namens Hermien vor dem Schlachthof zu retten. Hermien büxte im Dezember 2017 aus, als sie in einen Lastwagen geladen werden sollte und versteckte sich fortan in einem nahegelegenen Wald. Die Geschichte von der Flucht fand Anklang auf Twitter, wo sich Nutzer unter dem Hashtag #JeSuisHermien für die Freiheit der eigenwilligen Kuh einsetzten.

Die Resonanz war dabei so groß, dass selbst ein Mitglied des niederländischen Königshauses (ebenfalls über Twitter) den Vorschlag unterbreitete, eine Crowdfunding-Kampagne für die Rettung von Hermien zu starten. Ein solches Projekt wurde daraufhin ins Leben gerufen und nahm nach eigenen Angaben um die 50.000 € ein. Das eingenommene Geld soll an eine Aufnahmestelle für Kühe gespendet werden, die sich bereit erklärt hat Hermien aufzunehmen.

Kuh Hermien

Quelle: YouTube / Hans Wolters

Crowdfunding: Ein Internetwitz?

Keineswegs. Zwar sprechen die angeführten Beispiele dafür, dass Crowdfunding als Finanzierung für absurde Ideen Karriere macht, faktisch handelt es sich dabei jedoch eher um Ausnahmen. Das Prinzip des Crowdfundings oder der Schwarmfinanzierung (viele Menschen sammeln durch kleine Spenden große Geldmengen) ist ein alter Hut: Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Sockel der Freiheitsstatue in New York durch 160.000 Einzelspenden finanziert.

Die Vernetzung von Einzelpersonen durch das Internet erleichtert heutzutage das Akquirieren und die Organisation von großen Spendergruppen. Im Jahr 2008 wurde die erste Crowdfunding-Plattform mit dem Namen Indiegogo gegründet. Der Schwerpunkt lag hier zunächst auf der Finanzierung von Filmen, die Plattform wurde jedoch recht schnell auch für anderweitige Projektideen und Vorhaben genutzt.

Im Jahr 2009 kam mit Kickstarter die zweite Crowdfunding-Plattform hinzu, mit dem Ziel kapitalsuchenden Künstlern und Erfindern eine Möglichkeit zu bieten, ihre Projekte zu finanzieren. Eines der Produkte, das auf dieser Finanzierungsplattform ihren Anfang fand, war beispielsweise die Virtual Reality Brille Oculus Rift.

Im Folgejahr wurde in Dresden mit Startnext die erste deutsche Crowdfunding-Plattform gegründet. Startnext ermöglicht die Finanzierung von Ideen, Projekten sowie Startups und gilt bis heute als Marktführer unter den Crowdfunding-Plattformen in Deutschland. So ermöglichte der Crowdfunding-Anbieter Startnext unter anderem den Gründern der Flüchtlingsuniversität Kiron die erste Finanzierung.

Funktionsweise von Crowdfunding

In der Regel werden auf einer Internetplattform unterschiedliche Crowdfunding-Projekte vorgestellt. Als Investor bzw. Geldgeber muss man sich auf der Plattform registrieren, die das Projektvorhaben vermittelt, für das man sich interessiert. Anschließend kann man das Projekt – oder auch mehrere Projekte – auswählen und sofort den gewünschten Betrag investieren. Entweder bekommt der Projektinitiator und Kapitalsuchende dieses Geld direkt oder durch einen Treuhänder nach Erreichen der Funding-Schwelle – also des Geldbetrages, der mindestens notwendig ist, damit das Projekt realisiert werden kann.

Sollte die Schwelle nicht erreicht werden, erhalten die Investoren ihre Gelder wieder zurück. Die Finanzierungsplattformen unterstützen die Investoren während des gesamten Prozesses mit Infomaterialien auf der Website und per Telefon. Außerdem kann man über die meisten Finanzierungsplattformen auch bereits vorab mit dem Initiator des Projekts in Kontakt treten und offene Fragen klären.

Wie aus Crowdfunding das Crowdinvesting wurde

Zu Beginn lag der Fokus von Crowdfunding-Plattformen auf der Finanzierung einzelner Ideen, Projekte und Aktionen. Die Crowd, die als Kapitalgeber diese Vorhaben mit Geldspenden unterstütze und ermöglichte, wurde entweder mit dem geförderten Produkt oder Prototyp, kleineren Geschenken, Ehrung als Unterstützer durch Namensnennung oder auch (z.B. bei gemeinnützigen Projekten) gar nicht belohnt.

Der Begriff Crowdinvesting leitet sich neben der Vorsilbe „Crowd“ von dem englischen Verb „invest“, zu deutsch „investieren“, ab.

Relativ bald entstand mit der Gründung von ProFunder in den USA im Jahr 2009 jedoch auch das Crowdinvesting. Hier steht das Crowdfunding als Investitionsmöglichkeit im Mittelpunkt und es geht um die Rendite, die Geldgeber als Anleger erzielen können. So wird es Anlegern ermöglicht, Venture Capital für die Gründer von Startups bzw. jungen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Als Gegenleistung erhalten die Geldgeber eine Gewinnbeteiligung an dem jeweiligen Unternehmen. Meist werden die Unternehmensbeteiligungen dabei mit partiarischen Nachrangdarlehen, stillen Beteiligungen oder Genussscheinen realisiert.

Da es sich beim Crowdinvesting um eine Form der Geldanlage handelt, sind Anbieter verpflichtet das Kleinanlegerschutzgesetz zu berücksichtigen und Projekte werden durch die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) geprüft.

In Deutschland wird inzwischen jedoch am meisten im Bereich Immobilien-Crowdinvesting investiert. Im Jahr 2018 betrug das Volumen erfolgreich finanzierter und abgeschlossener Projekte bei Immobilien ganze 210,7 Millionen €. Das sind über 100 Millionen € mehr als im Bereich der Unternehmensfinanzierung.

Die Schwarmfinanzierung von Immobilien bietet Anlegern die Möglichkeit, Mezzanine-Kapital für Bauprojekte bereit zu stellen. So investieren die Geldgeber in den Sachwert Immobilien und profitieren von der Expertise erfahrener Immobilieninvestoren. Bei BERGFÜRST erhalten Anleger als Gegenleistung für den Erwerb von Anteilen an Immobilienprojekten einen festen Zinssatz zwischen 5,0 % und 7,5 % pro Jahr bei einer Laufzeit von einem bis fünf Jahren.

Crowdfunding: Verschiedene Arten und Unterformen

Inzwischen gibt es zahlreiche Unterformen und Spielarten des Crowdfunding. Dabei lassen sich ausgehend von dem Nutzen für die Geldgeber grundsätzlich vier Arten unterscheiden:

Bezeichnung Erklärung Plattform (Beispiel)
Crowdfunding

Spendenbasiertes Crowdfunding (Donation): Es wird für einen gemeinnützigen Zweck gespendet und die Investoren der Kampagne erhalten keine materielle Belohnung.

Gegenleistungsbasiertes Crowdfunding (Reward): Die Crowd fördert mit ihrem Kapital ein Produkt oder Kulturgut, dass sie im Anschluss erhält bzw. konsumieren möchte.

Startnext
Crowdinvesting Beteiligungsbasiertes Crowdfunding: Die Geldgeber eines Projekts werden mit einer Gewinnbeteiligung oder der Verzinsung des eingesetzten Kapitals belohnt. BERGFÜRST
Crowdlending Kreditbasiertes Crowdfunding, P2P-Kredite: Anleger vergeben Kredite an Privatpersonen und erhalten dafür Zinsen. auxmoney

Das Crowdfunding-Prinzip wird in immer mehr Bereiche übertragen und genutzt, um weitere Problemstellungen zu lösen. Meist wird dabei die Vorsilbe ‚Crowd‘ übernommen, um auf den Ursprung zu verweisen.

So entstehen stets neue Formen und Spielarten der Schwarmfinanzierung, die sich zwangsläufig nicht in der hier aufgeführten Kategorisierung einordnen lassen. Liebe Vegetarier seien Sie stark, denn ein Beispiel dafür ist das sogenannte Crowdbutching, bei dem Rinder verkauft werden. Diese werden jedoch erst geschlachtet, wenn bereits alle Teile des Tieres über eine Online-Plattform an Endverbraucher verkauft wurden.

„Butching“ leitet sich von dem englischen Verb „to butch“, zu deutsch schlachten, ab.

So soll garantiert werden, dass das Fleisch verzehrt wird und nicht der Überflussgesellschaft zum Opfer fällt und im Müll landet. Zudem kann der Endverbraucher nachverfolgen, woher das bestellte Fleisch kommt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde.

Weitere Informationen zum Thema Crowdfunding

 

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