Social Trading: Wenn die Community den Finanzberater ersetzt

Von Valeria Nickel – aktualisiert am 22.04.2022

Das Zeitalter der sozialen Netzwerke und des „Teilens“ hat auch in der Finanzbranche Einzug gehalten: Auf
Social-Trading-Plattformen folgen Anleger nicht mehr den Handelssignalen, Trading-Empfehlungen und Strategien
eines Fondsmanagers oder Bankberaters, sondern der Community.

Im Folgenden erfahren Sie, wie genau man beim Social Trading investiert und welche Nachteile es gibt. Außerdem
stellen wir Ihnen die bekanntesten Plattformen im Vergleich vor.

Wie investiert man beim Social Trading?

Je nach Plattform können die Nutzer (bzw. Follower) beim Social Trading in unterschiedliche Werte und nach einem
variierenden Modell investieren. Das geschieht häufig über Derivate (wie beispielsweise Zertifikate oder CFDs), mit denen indirekt in einen Basiswert, zum Beispiel Aktien oder Anleihen, investiert wird.

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1 | Copy-Trading

Copy-Trading bedeutet, dass erfolgreiche Trader (auch Signalgeber genannt) auf einer Online-Plattform anderen Followern
Einsicht in ihr Portfolio gewähren. Somit haben Follower die Möglichkeit, den gesamten Handelsaktivitäten der Trader
jederzeit zu folgen. Zudem können Follower, wenn sie möchten, jede Handelsaktivität der Social Trader vollautomatisch
mit eigenem Geld kopieren.

Die Finanzinstrumente, mit denen Copy-Trading-Plattformen wie Etoro oder Zulutrade hauptsächlich operieren, sind CFDs
und Forex-Trading.

  • CFDs (Contracts for Difference) sind Derivate, bei denen Anleger auf steigende oder fallende
    Kurse eines Basiswertes setzen. Da sie meist nur einen geringen Anteil an Eigenkapital investieren, können sie
    sogenannte Leverage-Effekte (dt. Hebeleffekte)
    nutzen. Sie profitieren somit überproportional von steigenden Wertentwicklungen, sind aber ebenso
    überproportional an Verlusten und zum Teil mit Nachschusspflichten beteiligt.
  • Forex-Trading bezeichnet den Handel mit Devisen. Es wird also auf steigende oder fallende
    Währungskurse spekuliert. In der Regel handelt man ein sogenanntes Währungspaar, also etwa Euro und US-Dollar.
    Da die Wertänderungen zwischen den Währungen meist sehr gering sind, wird hierbei ebenfalls mit Hebelprodukten gearbeitet.

Darüber hinaus bieten die Plattformen mittels CFDs auch Investitionen in verschiedene Kryptowährungen an.

2 | Zertifikate

Bei der Social-Trading-Plattform Wikifolio wird über ein eigens entwickeltes Finanzprodukt mittels Zertifikaten in
Aktien, Fonds und ETF investiert.

Signalgeber stellen hierbei zunächst ein Portfolio aus verschiedenen Werten zusammen. Finden sich genügend Follower für
ein Portfolio, so wird dieses mithilfe einer Partnerbank von Wikifolio in ein Indexzertifikat umgewandelt und nimmt dann
am regulären Börsenhandel teil. Anleger können dann an diesem Index partizipieren.

Die Portfolios werden sowohl von professionellen Vermögensverwaltern als auch von
Trading-Laien erstellt.

Wieso wird man Vorzeige-Trader?

Eine Frage, die sich über kurz oder lang beim Social Trading aufdrängt: Warum teilen erfolgreiche Trader überhaupt
kostenlos ihre Handelsstrategie oder ihr Portfolio mit anderen Community-Mitgliedern? Wieso arbeitet man nicht direkt
bei einem Hedgefonds, als Vermögensverwalter oder Broker?

Die Motive können verschieden sein. Zunächst einmal wird Vorzeige-Tradern ein finanzieller Anreiz
geboten, denn Social-Trading-Anbieter zahlen Performance-Fees oder beteiligen die Trader am Handelsvolumen.

Hinzu kommt, dass die Musterdepots die Transaktionen nicht in Echtzeit darstellen und die Social Trader somit
einen Informationsvorsprung behalten.

Wichtig ist außerdem die Reputation: durch einen transparenten, erfolgreichen Tradingverlauf sammeln
professionelle Analysten immer mehr Ansehen und damit auch potentielle Kunden.

Zudem möchte nicht jeder erfolgreiche Trader angestellt sein, sondern vielleicht lieber selbständig
arbeiten
.

Andere, private Trader sind zum Beispiel Studierende oder Spätberufene, die noch
nicht so ein großes Vermögen angesammelt haben, um alleine von ihm leben zu können. Haben sie entdeckt, dass sie ein
gutes Händchen für’s Traden haben, wollen sie sich beim Social Trading ein bisschen ausprobieren. In diesen Fällen
bietet die Social-Trading-Plattform ein zusätzliches Einkommen ohne viel Mehraufwand.

Diese Gebühren entstehen beim Social Trading

Bei Wikifolio fällt eine Gebühr von 0,95 % pro Jahr für den Besitz eines Zertifikats an. Hinzu kommen Gebühren, die
abhängig von der Performance des Depots sind und zwischen 5 % und 30 % betragen. Diese werden nach dem
High-Watermark-Prinzip berechnet. Das bedeutet, die Performancegebühr fällt beim Erreichen eines neuen
Jahreshöchststandes des Indizes an und wird dann zwischen Plattform und Trader aufgeteilt.

Bei den anderen Plattformen wie Etoro und Zulutrade verdienen die Plattformen, indem die Trader eine indirekte Gebühr
zahlen, den sogenannten Spread. Es handelt sich vereinfacht gesagt um eine Provision, die Plattform und
Händler bei jedem Trade verlangen.

Der Spread bezeichnet die Differenz zwischen dem Ankaufs- und Verkaufskurs des Maklers. In der Regel liegt der
Ankaufskurs (auch Briefkurs) etwas höher als der zugrundeliegende Wert und der Verkaufskurs (auch Geldkurs)
etwas darunter. Die Differenz zum Kurs ist dann jeweils die Gebühr, die die Plattform und der Händler
einstreicht.

Die Spreads variieren je nach gehandelten Werten sehr stark, sodass es nicht möglich ist, generelle
Aussagen zu machen, wie hoch sie sein dürfen. Ein Vergleich der verschiedenen Plattformen in dieser Hinsicht
rentiert sich aber auf jeden Fall.

Vergleich der Social-Trading-Plattformen

Anbieter Mindestanlagebetrag Handelbare Werte Anlagemodell Gebührenmodell
Wikifolio 100 € Aktien, Fonds, ETFs Indexzertifikate Zertifikatsgebühr (0,95% p.a.) und Performancegebühr (5,00 % – 30,00 % p.a.)
Etoro 200 € CFDs, Forex (Devisen), Aktien, Kryptowährungen Copy Trading Spread
Zulutrade 250 € Forex Copy Trading Spread

Der Markt hat sich in den letzten Jahren ein wenig konsolidiert: Die Plattform Ayondo musste im August
2019 Insolvenz anmelden, nachdem die Zahl der Nutzer und die Handelsumsätze zuvor stark gesunken waren. Ayondo hatte
wohl vor allem mit neuen Regularien auf europäischer Ebene zu kämpfen, welche die Werbung für CFD-Trading eingeschränkt
hatten.

Viele Plattform bieten den Anlegern ein Demokonto an. Dort können sie sich
spielerisch mit der Funktionsweise der Plattform vertraut machen.

Vier Nachteile beim Social Trading

Nicht nur auf die Gebühren, sondern auch auf folgende vier Nachteile sollten Anleger achten, die sich am Social Trading
ausprobieren möchten:

1 | Die Trader

Der erste Kritikpunkt: Als Follower weiß man gar nicht unbedingt, wem man da genau sein Geld anvertraut. Es gibt etwa
Social Trader, die nur mit Demokonten erfolgreich sind. Mit Echtgeld scheitern sie, zum Beispiel aufgrund von Spreads,
der Slippage oder schlicht und ergreifend aufgrund ihrer Psyche, etwa weil ihnen der Erfolg zu Kopf steigt.

Außerdem kann es Trader geben, die über keinerlei Trading-Erfahrungen verfügen, sondern einfach Portfolios mit allen
möglichen Strategien auf verschiedenen Konten anbieten, um zu schauen, was am besten funktioniert. Damit verbunden
besteht die Gefahr, dass die Follower allein auf die vergangene Performance der Social Trader achten und nicht, ob deren
Strategie ausgeklügelt ist und auch für die Zukunft taugt.

Wenn Follower also einem Trader folgen, der kein professioneller Vermögensverwalter ist, sollten sie auf
Transparenz achten. Überprüfen Sie vor allem, ob der Trader oder die Traderin in der Vergangenheit
Strategiewechsel oder auch Kursverlust offen kommuniziert hat.

2 | Das Herdenverhalten

Eine stete Gefahr beim Social Trading ist es, einer zu großen Gruppe von Anlegern zu vertrauen, ohne die Strategie des
Traders genau zu überprüfen. Marktveränderungen und bestimmte Probleme können somit konsequent ausgeblendet werden. Die
Erfahrung zeigt, dass es in solchen Fällen zu bösen Überraschungen kommen kann – und hohen Verlusten für die Anleger.

Doch die Social-Trading-Plattformen haben darauf reagiert: Follower sind gezwungen, ihr Kapital auf mehrere Trader
aufzuteilen, um das Verlustrisiko zu streuen. Außerdem lassen sich Stop-Loss-Funktionen für
Social-Trading-Konten setzen. Für die Vorzeige-Trader wiederum gibt es Qualifizierungsphasen, in denen sie ihr Know-How
unter Beweis stellen müssen.

3 | Die Slippage

Das dritte Problem steht in Verbindung mit dem Herdenverhalten: die Slippage. Als Slippage bezeichnet
man die Ausführung einer Order zu einem anderen Preis als erwartet.

Je größer die Fangemeinde eines Traders ist und je später man sich selbst als Follower einklinkt, desto länger ist die
Zeitverzögerung bei der Orderausführung, wenn ein Trade kopiert wird. In dieser Zeit kann sich der Kurs
bereits verändern. So können für Anleger Verluste entstehen, denn als Trader kaufen sie dann nicht mehr zum erwarteten
Preis.

Das erklärt, wieso die meisten Anbieter ihren Anlegern nur Forex-Trading bzw. Devisenhandel zur Verfügung stellen.
Seltener werden die wichtigsten Indizes und Rohstoffe angeboten: Denn beim Nachtraden von Aktien, insbesondere bei
Nebenwerten, sind keine fairen Ausführungen garantiert. Außerdem können beliebte und somit häufig kopierte Trader so zu
regelrechten Preistreibern an der Börse werden.

4 | Das Emittentenrisiko

Der Nachteil an der Zertifikat-Methode, wie sie von Wikifolio angeboten wird, ist das Emittentenrisiko:
Ist die Bank, die das Handelszertifikat herausgibt, gezwungen, Insolvenz anzumelden, bedeutet das einen Totalverlust für
die Anleger – ganz unabhängig davon, ob das Zertifikat selbst erfolgreich ist und Gewinne generiert. Grund dafür ist,
dass das investierte Kapital der Anleger in diesem Fall nicht als Sondervermögen gilt und in die Insolvenzmasse
einfließt.

Dieses Risiko wurde lange nicht weiter beachtet. Die Pleite der Bank Lehman Brothers im Jahr 2008 (sowie die
darauffolgende Finanzkrise) hat jedoch gezeigt, dass es nicht zu vernachlässigen ist.

Wikifolio, führender Anbieter im Bereich Social Trading, besichert seine Produkte deshalb über die
eigene Plattform, um damit das Emittentenrisiko zu reduzieren.

Social Trading: Eine Alternative zur Finanzberatung?

Insgesamt betrachtet ist das Social Trading eine positive Entwicklung, die sich perfekt in die „Sharing-Bewegung“
einreiht, in der Fachwissen, Gewinne, Besitz usw. geteilt werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Trader mit
Expertenwissen werden auf einfachem Weg mit unerfahrenen Investoren zusammengebracht.

Als Follower wiederum muss man seine Anlagen nicht mehr selbst managen und profitiert von einem transparenten
Anlageprozess, weil Anlageentscheidungen unmittelbar publiziert und kommentiert werden können.

Auf einige Punkte sollten Follower aber dennoch achten: So sollten sich die Gebühren im Rahmen halten, denn diese können
die Rendite stark schmälern. Zudem sollten sie möglichst auf seriöse Trader setzen und nicht nur der Herde folgen.
Besonders der CFD-Handel ist höchst riskant und führt bei den meisten Anlegern zum Verlust des angelegten Geldes.

Kennern kann das Social Trading somit als innovative Beimischung für ihr Depot dienen. Jedoch kann, wie bei allen
Geldanlagen, etwas Wissen rund ums Investieren nicht schaden und auch die Risiken sollten nicht zu gering bewertet
werden.

Sollten Sie neben einem Wertpapierdebot auch noch Wert auf feste Zinsen legen, dann könnte das
Crowdinvesting in Immobilien eine sinnvolle
Ergänzung sein. Hierbei schließen sich viele kleine Anleger zu einer Crowd zusammen, um in große
Immobilienprojekte zu investieren. Auf die Anlagemöglichkeiten, die BERGFÜRST vermittelt, erhalten Sie
feste Zinsen zwischen 5,0 % und 7,0 % p.a. bei einer Laufzeit zwischen einem und fünf Jahren.
Somit profitieren Sie auch unabhängig von der Börsenstimmung von guten Renditen.

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