Social Trading: Following statt Finanzberatung

Valeria Nickel, 17.06.2019

Das Zeitalter der sozialen Medien und des „Teilens“ hat auch in der Finanzbranche Einzug gehalten: Auf Social-Trading-Plattformen folgen Anleger nicht mehr den Trading-Empfehlungen und Anlagestrategien eines Fondsmanagers oder Bankberaters, sondern der Community.

Copy-Trading

Social Trading oder Copy-Trading bedeutet, dass erfolgreiche Trader auf einer Online-Plattform anderen Nutzern und Tradern Einsicht in ihr Portfolio gewähren und so das Nachhandeln bzw. Kopieren (engl. copy) von Trades ermöglichen. Die anderen Community-Mitglieder können jeden einzelnen Trade vollautomatisch kopieren, wenn sie die Handelsstrategie gut finden und dieser Strategie folgen möchten.

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Zertifikate

Ein zweiter Ansatz neben dem sogenannten Copy-Trading ist die Erstellung von Zertifikaten. Dafür entwerfen Trader eigene Portfolios, für die sich in einem ersten Schritt genug Investmentwillige finden müssen. Findet ein Vorschlag im Social-Trading-Netzwerk genügend Fans, wird er in ein Handelszertifikat umgewandelt. Die Community kann von da an dieses Zertifikat kaufen. Dabei werden die Portfolios mittlerweile sowohl von professionellen Vermögensverwaltern als auch von Trading-Laien erstellt.

Risiken von Social-Trading-Zertifikaten

Der Nachteil an der Zertifikat-Methode ist das Emittentenrisiko: Ist die Bank, die das Handelszertifikat herausgibt, gezwungen, Insolvenz anzumelden, bedeutet das Verluste für die Anleger – unabhängig davon, ob das Zertifikat selbst erfolgreich ist und Gewinne generiert.

Verbraucherschützer warnen Anleger aufgrund der Risiken des Social Trading schon seit längerem vor dieser Geldanlage.

Wikifolio, führender Anbieter für Zertifikate im Bereich Social Trading, besichert seine Produkte auf der eigenen Plattform, um damit das Emittentenrisiko zu reduzieren.

Zwei gravierende Nachteile beim Social Trading

Neben den genannten Anlegerrisiken zeichnet sich das Social Trading durch weitere Nachteile aus, derer sich Anleger bewusst sein sollten:

1 | Wer sind die Trader?

Der erste Kritikpunkt: Als Follower (engl. jemand, der etwas folgt) weiß man gar nicht, wem genau man da sein Geld anvertraut. Es gibt beispielsweise Social Trader, die nur mit Demokonten erfolgreich sind. Mit Echtgeld scheitern sie, zum Beispiel aufgrund von Spreads, der Slippage oder schlicht und ergreifend aufgrund ihrer Psyche. Außerdem kann es Trader geben, die über keinerlei Trading-Erfahrungen verfügen, sondern einfach Portfolios mit allen möglichen Strategien auf verschiedenen Konten anbieten, um zu schauen, was am besten funktioniert. Damit verbunden besteht die Gefahr, dass die Follower allein auf die vergangene Performance der Social Trader achten und nicht, ob deren Trading-Strategie ausgeklügelt ist und auch für die Zukunft taugt.

Es gab dabei schon böse Überraschungen, sprich hohe Verluste bei Followern der falschen Trader. Doch die Social-Trading-Plattformen haben darauf reagiert: Follower sind gezwungen, ihr Kapital auf mehrere Trader aufzuteilen, um das Verlustrisiko zu streuen. Außerdem lassen sich Stop-Loss-Funktionen für Social-Trading-Konten setzen. Für die Vorzeige-Trader wiederum gibt es Qualifizierungsphasen, in denen sie ihr Know-How unter Beweis stellen müssen.

2 | Die Slippage

Das zweite Problem: Als Slippage bezeichnet man die Ausführung der Order zu einem anderen Preis als erwartet. Je größer die Fangemeinde eines Traders ist und je später man sich selbst als Follower einklinkt, desto größer ist die Zeitverzögerung bei der Orderausführung, wenn ein Trade kopiert wird. In dieser Zeit kann sich der Kurs bereits verändern. So können für Anleger Verluste entstehen, denn als Trader (ver)kaufen sie dann nicht mehr zum erwarteten Preis.

Das erklärt, wieso die meisten Anbieter ihren Anlegern nur Forex Trading bzw. Devisenhandel zur Verfügung stellen. Seltener werden die wichtigsten Indizes und Rohstoffe angeboten: Denn beim Nachtraden von Aktien, insbesondere bei Nebenwerten, sind keine fairen Ausführungen garantiert. Außerdem können beliebte und somit häufig kopierte Trader so zu regelrechten Preistreibern an der Börse werden.

Zu den führenden Social-Trading-Anbietern zählen die Plattformen Wikifolio, eToro, Ayondo und Zulutrade.

Wieso wird man Vorzeige-Trader?

Eine Frage, die sich über kurz oder lang aufdrängt: Warum teilen erfolgreiche Trader überhaupt kostenlos ihre Handelsstrategie oder sein Portfolio mit anderen Community-Mitgliedern? Wieso arbeitet man nicht direkt bei einem Hedgefonds, Vermögensverwalter oder Broker?

Zunächst einmal verdienen die Vorzeige-Trader ein wenig an ihren Followern, denn Social-Trading-Anbieter zahlen Performance-Fees oder Beteiligungen am Handelsvolumen. Zudem möchte nicht jeder erfolgreiche Trader angestellt sein und vielleicht lieber selbständig arbeiten. Oder Trader haben, zum Beispiel als Student, gerade entdeckt, dass sie ein ganz gutes Händchen für’s Traden haben und wollen sich nur ein bisschen ausprobieren. In diesen Fällen ist die Social-Trading-Plattform ein zusätzliches Einkommen ohne viel Mehraufwand.

Social Trading: Eine Alternative zur Finanzberatung?

Insgesamt betrachtet ist das Social Trading eine positive Entwicklung, die sich perfekt in die „Sharing-Bewegung“ einreiht, in der Fachwissen, Gewinne, Besitz usw. geteilt werden. Erfahrene Trader werden auf einfachem Weg mit Markteinsteigern zusammengebracht. Als Follower wiederum muss man seine Anlagen nicht mehr selbst managen und hat gleichzeitig einen transparenten Anlageprozess, weil Anlageentscheidungen unmittelbar publiziert und kommentiert werden können.

Bisher ist Social Trading zwar noch zu unbekannt, um tatsächlich mit den traditionellen Vermögensverwaltern konkurrieren zu können. Allerdings kann es Kennern gut als eine innovative Depotbeimischung dienen. Jedoch kann, wie bei allen Geldanlagen, etwas Wissen rund ums Investieren nicht schaden und auch die Risikokomponente sollte nicht zu gering bewertet werden.

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