Social Trading: Following statt Finanzberatung

Valeria Nickel, 16.11.2018

Das Zeitalter der sozialen Medien und des „Teilens“ hat auch in der Finanzbranche Einzug gehalten: Auf „Social Trading“-Plattformen folgen Anleger nicht mehr den Empfehlungen eines Fondsmanagers oder Bankberaters, sondern der Community. Social Trading bedeutet, dass erfolgreiche Nutzer auf der Plattform den anderen Einsicht in ihr Portfolio gewähren und so das „Nachhandeln“ von Trades möglich machen. Die anderen Community-Mitglieder können nämlich jeden einzelnen Trade vollautomatisch kopieren, wenn sie die Handelsstrategie gut finden und dieser dann folgen.

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Ein zweiter Ansatz neben dem sogenannten „Copy-Traden“ ist die Erstellung von Zertifikaten. Dafür entwerfen Mitglieder eigene Portfolios, für die sich in einem ersten Schritt genug Investmentwillige finden müssen. Findet ein Vorschlag genügend Fans, wird er in ein Handelszertifikat umgewandelt. Die Community kann von da an dieses Zertifikat kaufen. Dabei werden die Portfolios mittlerweile sowohl von professionellen Vermögensverwaltern als auch von Laien erstellt. Der Nachteil an der Zertifikat-Methode ist das Emittentenrisiko, also die Insolvenz von der Bank, die das Zertifikat herausgibt – unabhängig davon, ob das Zertifikat selbst erfolgreich ist. Deshalb warnen Verbraucherschützer schon seit längerem vor solchen Geldanlagen. Allerdings hat Wikifolio, der führende Plattform-Anbieter für die Zertifikate, nun die Zertifikate auf der eigenen Plattform besichert und damit das Emittentenrisiko reduziert.

Zwei gravierende Nachteile beim Social Trading

Der erste Kritikpunkt: Als Follower weiß man gar nicht, wem genau man da sein Geld anvertraut. Es gibt beispielsweise Social Trader, die nur mit Demokonten erfolgreich sind. Mit Echtgeld scheitern sie, zum Beispiel aufgrund von Spreads, der Slippage oder schlicht und ergreifend aufgrund ihrer Psyche. Außerdem kann es Trader geben, die gar keinen richtigen Plan haben, sondern einfach Portfolios mit allen möglichen Strategien auf verschiedenen Konten anbieten, um zu schauen, was am besten funktioniert. Damit verbunden besteht die Gefahr, dass die Follower allein auf die vergangene Performance der Trader achten und nicht, ob deren Strategie ausgeklügelt ist und auch für die Zukunft taugt.

Es gab dabei schon böse Überraschungen, sprich hohe Verluste bei Anhängern. Doch die Social Trading Plattformen haben darauf reagiert: Follower sind gezwungen, ihr Kapital auf mehrere Trader aufzuteilen, um das Verlustrisiko zu streuen. Außerdem kann man Stop-Loss-Funktionen für seine Konten setzen. Für die Vorzeige-Trader wiederum gibt es Qualifizierungsphasen, in denen sie ihr Know-How unter Beweis stellen müssen.

Das zweite Problem: Die Slippage. Je größer die Fangemeinde eines Investors ist und je später man sich selbst als Follower einklinkt, desto größer ist die Zeitverzögerung bei der Orderausführung, wenn man einen Trade kopiert. In dieser Zeit kann sich der Kurs bereits verändern. Als Slippage bezeichnet man die Ausführung der Order zu einem anderen Preis als erwartet.

Das erklärt, wieso die meisten Anbieter nur den Devisenhandel zur Verfügung stellen, selten auch die wichtigsten Indizes und Rohstoffe: Denn beim Nachtraden von Aktien, insbesondere bei Nebenwerten, sind keine fairen Ausführungen garantiert. Außerdem könnten so beliebte und somit häufig kopierte Trader zu regelrechten Preistreibern an der Börse werden.

Wieso wird man Vorzeige-Trader?

Eine Frage, die sich über kurz oder lang aufdrängt: Warum teilt man als erfolgreicher Trader überhaupt kostenlos seine Handelsstrategie oder sein Portfolio mit anderen Community-Mitgliedern? Wieso arbeitet man nicht direkt bei einem Hedgefonds oder Vermögensverwalter?

Zunächst einmal verdienen die Vorzeige-Trader ein wenig an ihren Followern, denn Plattformen zahlen Performance-Fees oder Beteiligungen am Handelsvolumen. Zudem möchte nicht jeder erfolgreiche Trader angestellt sein und vielleicht lieber selbständig arbeiten. Oder man hat, zum Beispiel als Student, gerade entdeckt, dass man ein ganz gutes Händchen für’s Traden hat und will sich nur ein bisschen ausprobieren. In diesen Fällen ist die „Social Trading“-Plattform ein zusätzliches Einkommen ohne viel Mehraufwand.

Insgesamt betrachtet ist das Social Trading eine positive Entwicklung, die sich perfekt in die „Sharing-Bewegung“ einreiht, in der Fachwissen, Gewinne, Besitz usw. geteilt werden. Experten werden auf einfachem Weg mit Markteinsteigern zusammengebracht. Als Follower muss man seine Anlagen nicht mehr selbst managen und hat gleichzeitig einen transparenten Anlageprozess, weil Anlageentscheidungen unmittelbar publiziert werden und kommentiert werden können. Bisher ist Social Trading zwar noch wenig bekannt, um tatsächlich mit den traditionellen Vermögensverwaltern konkurrieren zu können. Allerdings kann es Kennern gut als eine innovative Depotbeimischung dienen.

Jedoch kann, wie bei allen Geldanlagen, etwas Wissen rund ums Investieren nicht schaden und auch die Risikokomponente sollte nicht zu gering bewertet werden.

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