Total Expense Ratio: Wie hilfreich ist die TER beim Fondskauf?

Von Lana Iliev – aktualisiert am 10.11.2022

Die Total Expense Ratio (kurz: TER) ist eine Kennzahl, die Fondspreise transparent machen, Anlegern den
Fondsvergleich
erleichtern und Kaufentscheidungen unterstützen soll. Doch erfüllt die Total Expense Ratio all diese
Versprechen?

Was ist die Total Expense Ratio?

Total Expense Ratio (TER) lässt sich mit Gesamtkostenquote übersetzen. Sie ist eine Kennzahl, die Privatanlegern
Auskunft über die jährlich anfallenden Kosten eines Investmentfonds oder ETFs gibt. Sie wird häufig kritisiert, da sie
zentrale Kosten wie den Ausgabeaufschlag
(Agio) nicht erfasst.

Seit 1993 gibt es die Total Expense Ratio als Kennzahl. Damals untersuchte das britische
Fonds-Forschungsunternehmen „Fitzrovia“ erstmalig die Kosten von 40.000 Fonds weltweit.

Wozu dient die Total Expense Ratio?

Die Total Expense Ratio soll Kostentransparenz schaffen und die Vergleichbarkeit von Fonds
ermöglichen. Die Kosten eines Investments wiederum spielen bei der Anlageentscheidung eine besonders wichtige Rolle,
denn hohe Kosten schmälern die Rendite. Berücksichtigen und vergleichen Sie beim Erwerb von
Investmentfonds also stets die Total Expense Ratio.

Wie lässt sich die Total Expense Ratio in Erfahrung bringen?

Die Angabe der TER ist seit 2004 verpflichtend für alle in Deutschland zugelassenen Investmentfonds. Das deutsche
Investmentgesetz schreibt dabei vor, dass die TER sowohl in den wesentlichen Anlegerinformationen unter der
Bezeichnung „laufende Kosten“ als auch im Jahresbericht anzugeben ist. Zudem ist die Total Expense Ratio häufig in
einem ausgewiesenen Informationsblatt („Factsheet“) zu finden.

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Wie hoch sollte die Total Expense Ratio sein?

Natürlich gilt: je geringer die Kosten, desto besser die Rendite. Dennoch sind die günstigsten Angebote nicht gleich die
Besten. Der Grund dafür ist, dass eine hohe Gesamtkostenquote nicht zuletzt durch die Verwaltungsgebühren für das
Fondsmanagement zustande kommt. Guter Rat ist teuer: Erfahrene Fondsmanager verlangen aufgrund der Expertise, die sie
vorweisen können, oft hohe Gehälter.

Um zu ermitteln, ob die Höhe der Total Expense Ratio gerechtfertigt ist, sollten Sie verschiedene Fondsangebote
vergleichen
und die Höhe der veröffentlichten Total Expense Ratio zueinander ins Verhältnis setzen. Zudem
sollten Sie die genaue Kostenaufschlüsselung im Verkaufsprospekt berücksichtigen.

Durchschnittliche Höhe der Total Expense Ratio nach Fondstyp

Wie eine Studie des Bundesverbands Investment und Asset Management e.V. (BVI) zeigt, variiert die durchschnittliche Höhe
der TER nach Fondstypen. So fand der Bundesverband heraus, dass sie bei Aktienfonds höher als bei Rentenfonds und offenen Immobilienfonds ist. Am geringsten ist
der Durchschnittswert bei Geldmarktfonds.

Total Expense Ratio nach Fondstyp
Quelle: Handelsblatt

Wie wird die Total Expense Ratio berechnet?

Die Total Expense Ratio ist in Prozent auszuweisen und setzt zwei Werte zueinander ins Verhältnis.



Kosten


/


Ø Fondsvolumen


 = Total Expense Ratio (TER)

Zunächst werden Kosten einbezogen, die im Verlauf eines Jahres vom Sondervermögen oder Fondsvermögen
beglichen wurden. Der Begriff Sondervermögen beschreibt dabei das durch die Investmentgesellschaft verwaltete Kapital
der Anleger. Diese Kosten werden ins Verhältnis gesetzt zum Fondsvolumen, also dem durchschnittlichen
Gesamtwert
des Sondervermögens, im selbigen Zeitraum.

Für die Berechnung der Total Expense Ratio werden die Zahlen des vorangegangenen
Geschäftsjahres
herangezogen. Somit kann die Total Expense Ratio zukünftig von dem zum
Kaufzeitpunkt angegebenen Wert abweichen.

Beispielberechnung

Angenommen, ein Fonds verwaltet ein Volumen von einer Millionen Euro und die Fondskosten für den Betrieb beliefen sich
im vergangenen Jahr insgesamt auf 30.000 €. Die Total Expense Ratio liegt dann bei 3 %.



30.000 €


/


1.000.000 €


 = 0,03

Angenommen, ein Anleger möchte Fondsanteile im Wert von 10.000 € erwerben. So kann er davon ausgehen, dass die
Investmentkosten für den Fonds für ihn ungefähr 300 € pro Jahr betragen werden.

10.000 € x 0,03 = 300 €

Welche Kostenfaktoren werden durch die Gesamtkostenquote erfasst?

Die TER setzt sich stets aus unterschiedlichen Kostenbestandteilen zusammen. Jede Fondsgesellschaft ist gesetzlich dazu
verpflichtet, in die Total Expense Ratio einbezogene Gesamtkosten im Verkaufsprospekt aufzuschlüsseln.
Üblicherweise enthält sie die folgenden Positionen.

Verwaltungskosten und Managementgebühren

Dieser Posten umfasst die Vergütung der Fondsmanager, die für das Portfoliomanagement, und ihre Expertise entlohnt
werden. Auch die Gewinnmargen der Fondsgesellschaften sind hier enthalten.

Bei aktiv verwalteten Investmentfonds beträgt die Managementgebühr durchschnittlich zwischen 1,5 % und 2,5 %
gemessen am Fondsvermögen. Bei passiv gemanagten Fonds liegen sie im Durchschnitt unterhalb der Ein-Prozent-Marke.

Die Verwaltungsgebühren für passiv verwalteten Fonds sind deutlich geringer, da es sich um ETF bzw. Indexfonds
handelt. Sie basieren auf einem festgelegten Index, der vorschreibt, wie investiert werden soll und damit ein
kostenintensives Management überflüssig macht.

Depotbankgebühr

Aus aufsichtsrechtlichen Gründen ist es dem Fondsmanagement nicht gestattet, Wertpapierdepots anzulegen und zu
verwalten. So wird üblicherweise eine Depotbank damit beauftragt, die Verwaltung zu übernehmen. Die Gebühren dafür
belaufen sich auf circa 0,1 % bis 0,3 % des Fondsvermögens.

An dieser Stelle sind die Depotgebühren gemeint, die direkt auf Fondsebene beglichen werden. Die Total Expense
Ratio umfasst nicht die von einzelnen Anlegern zu zahlenden Bankgebühren.

Prüfungskosten

Fondsgesellschaften sind per Gesetz dazu verpflichtet, einen jährlichen Rechenschaftsbericht durch einen
Wirtschaftsprüfer erstellen zu lassen.

Veröffentlichungskosten

Zusätzlich enthält die Total Expense Ratio Werbekosten, die durch den Fondsvertrieb entstehen. Darunter fallen
beispielsweise Druckkosten, Geldmittel für die Herstellung von Prospekten und Broschüren sowie Werbemittel wie etwa
Fernsehspots, Anzeigen, Webauftritt oder Sponsorings.

Werbekosten werden von den Fondsanlegern getragen. Bedenken Sie, dass hohe Vertriebskosten in einer höheren
Gesamtkostenquote resultieren und damit die Rendite der Anleger schmälern.

Sonstige Betriebskosten

Letztendlich entstehen weitere, teilweise nicht absehbare Betriebskosten für Investmentfonds wie beispielsweise
Anwaltskosten oder Gebühren für etwaige Dienstleistungen.

Die Höhe der sonstigen Betriebs-, Veröffentlichungs- und Prüfungskosten betragen zusammen durchschnittlich bis zu
0,3 % gemessen am Gesamtvolumen des Fonds. Doch gerade die Veröffentlichungs- bzw. Werbekosten variieren sehr
stark.

Abhängig vom Herkunftsland eines Fonds divergieren die in der Total Expense Ratio berücksichtigten Positionen
stark.

Die Total Expense Ratio enthält diese Kostenfaktoren


Kostenfaktor

Ø Kosten / Fondsvermögen
Verwaltungskosten 1,5 % – 2,5 %
Depotbankgebühr 0,1 % – 0,3 %
Prüfungskosten, Veröffentlichungs­kosten

und sonstige Betriebskosten
< 0,3 %

Welche Kosten werden durch die Gesamtkostenquote nicht erfasst?

Der Begriff der Gesamtkostenquote ist leider nicht im wörtlichen Sinne zu verstehen – denn für Anleger fallen weitaus
mehr Kosten an, als bei Berechnung der TER berücksichtigt werden.

Transaktionskosten

Transaktionskosten auf Fondsebene sind kein Bestandteil der Total Expense Ratio. Damit sind Kosten gemeint, die durch
den Kauf und Verkauf von Wertpapieren entstehen. Dazu zählen zum Beispiel Courtagen (Maklergebühren),
Börsenumsatzsteuern oder Ordergebühren, die beim Börsenhandel entstehen und mit jedem Handel („Trade“) zu entrichten
sind.

Die Höhe der Transaktionskosten hängt davon ab, mit welcher Frequenz das Management das Portfolio umschichtet. Generell
handelt es sich hier jedoch um einen der größten Gebührenposten eines Fonds. Bei Aktienfonds liegen die
Gesamtkosten für Transaktionen im Durchschnitt beispielsweise zwischen 0,5 % und 3 % gemessen am Wert des
Fondsdepots.

Einer der größten Kritikpunkte an der Total Expense Ratio ist, dass die Einbeziehung der Transaktionsgebühren
nicht gesetzlich vorgeschrieben ist.

Laut Investmentgesetz sind Fonds lediglich dazu verpflichtet, die Transaktionsgebühren gesondert im Verkaufsprospekt zu
erläutern und darauf hinzuweisen, dass diese nicht durch die Total Expense Ratio erfasst werden.

Performanceabhängige Verwaltungsvergütung

Erfolgsabhängige Vergütungen für das Fondsmanagement, auch „Performance Fees“ (Performancegebühren) genannt, sind in der
Total Expense Ratio ebenfalls nicht enthalten. Dabei konnte in den letzten Jahren ein Anstieg in der Anzahl der Fonds
beobachtet werden, die ihren Fondsmanagern solch performanceabhängige Boni bieten.

Agio

Die Total Expense Ratio umfasst keinerlei Kosten, die auf Anlegerebene entstehen. Das ist vor allem der Ausgabeaufschlag
oder Agio, bei dem es sich um eine Art Vertriebsprovision handelt. Dieser Kostenaufschlag fällt beim Fondserwerb
einmalig an. Die Höhe des Agios beträgt zwischen null und sieben Prozent.

Erwerben Sie Fondsanteile als Wertpapiere über die Börse, entfällt der Ausgabeaufschlag. Im Gegenzug fallen
Ordergebühren an, deren Höhe je nach Broker variiert.

Bedenken Sie beim Erwerb außerdem etwaige Provisionen, die Bankberater für die erfolgreiche
Fondsvermittlung erhalten. Die dem Finanzprofi in Aussicht gestellten Provisionen werden letztendlich vom Anleger (also
Ihnen) gezahlt und können sich zudem negativ auf die Beratungsziele auswirken.

Disagio

Der Rückgabeabschlag, auch Disagio genannt, wird von manchen Fondsgesellschaften für die Rücknahme von Anteilen
verlangt. Der Rückgabeabschlag kann bis zu mehrere Prozentpunkten betragen und wird in der Gesamtkostenquote nicht
berücksichtigt.

Weitere Anlegerkosten

Darüber hinaus entstehen auf Anlegerebene noch weitere Kosten, die nicht auf Fondsebene beglichen werden. Beispielsweise
für die Führung eines Depotkontos und gegebenenfalls auch Transaktionsgebühren für Kauf und Verkauf über die Börse.

Zusätzliche Gebühren für ETFs

Indexfonds müssen Lizenzgebühren für die nachgebildeten Indizes entrichten. Diese spezielle Gebühr wird nicht durch die
Total Expense Ratio abgebildet.

Diese Gebühren sollten Sie neben der Total Expense Ratio im Blick haben

  • Transaktionskosten (im Verkaufsprospekt ausgewiesen)
  • Performance Fees für die Verwaltung
  • Ausgabeaufschlag bzw. Agio beim Erwerb
  • Rückgabeabschlag bzw. Disagio bei der Rückgabe
  • Depotgebühren der eigenen Bank
  • Erwerb über die Börse: Ordergebühren
  • ETF: Lizenzgebühren für Indizes

Neben den Fondskosten sollten auch Fondsvolumen sowie Rendite und Kursentwicklung
in der Vergangenheit
eine tragende Rolle für Ihre Kaufentscheidung spielen.

Wie hilfreich ist die Total Expense Ratio beim Fondskauf?

Die TER ist eine Kennzahl, die auf einer international einheitlichen und damit vergleichbaren Berechnungsformel basiert.
Doch sie erfasst nicht wirklich die gesamte Kostenstruktur eines Fonds, auch wenn die Bezeichnung Gesamtkostenquote dies
suggeriert.

Die TER verschafft Anlegern keine ausreichende Transparenz, denn die in der Berechnung nicht berücksichtigten
Gebühren machen einen großen Teil der anfallenden Investmentkosten aus.

Letztendlich lässt sich die Total Expense Ratio dennoch zum Vergleich unterschiedlicher Fonds heranziehen und kann so
aufschlussreich für die Kaufentscheidung sein. Dennoch sollte sie niemals alleine und stets im Zusammenhang mit weiteren
Kostenfaktoren betrachtet werden.

Auch die Gesamtperformance des Fonds in der Vergangenheit sollte in die Kaufentscheidung
einfließen. Ist die Wertentwicklung eines Fonds besonders gut, können sich höhere Kosten auszahlen.

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Welche Alternativen gibt es zur Total Expense Ratio?

Neben der TER wurden weitere Kennzahlen entwickelt, die Anlegern einen Überblick über Fondskosten verschaffen sollen.

Real Total Expense Ratio (RTER oder realTER)

Diese Kennzahl schließt neben den in der TER enthaltenen Kostenfaktoren der Depotbankgebühr, Verwaltungs- und
Veröffentlichungskosten zusätzlich auch Transaktionsgebühren, performanceabhängige Vergütungen und weitere auf
Fondsebene entstehende Kosten ein.

Total Cost of Ownership (TCO)

Die Total Cost of Ownership erhebt darüber hinaus den Anspruch, jegliche Kosten für den Fondsbesitz zu
berücksichtigen. Also auch diejenigen auf der Anlegerebene. Hier wird es jedoch problematisch, da diese auf der
individuellen Ebene sehr stark variieren können und einheitliche Definitionen teilweise nicht möglich sind.

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