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Was ist Wealth Management?

Ralf Kretzschmar, 23.09.2020

Vermögensverwaltung, Asset Management, Private Banking – die Bezeichnungen im Bereich des Wealth Managements sind unübersichtlich. Erschwerend kommt hinzu, dass keine verbindlichen Definitionen existieren. Lesen Sie hier, was unter Wealth Management zu verstehen ist, wer diese Dienstleistung anbietet und welche Folgen die Digitalisierung in diesem Bereich mit sich bringt.

Was ist Wealth Management?

Im deutschsprachigen Raum bezeichnet Wealth Management eine langfristige Anlageberatung und Vermögensverwaltung für sehr vermögende Privatpersonen. Hierbei werden dem Anleger individuell zugeschnittene Finanzdienstleistungen über verschiedene Lebenszyklen hinweg angeboten.

Im Kontext von Privatanlegern bedeutet der Begriff Vermögensverwaltung (engl. Asset Management), dass nicht nur eine Anlageberatung stattfindet. Stattdessen übernimmt ein Wealth Manager (mit dem Kunden abgestimmt) die ganze Kontrolle für den angelegten Betrag. Gemeinhin bezeichnet der Terminus Vermögensverwaltung aber auch das Geschäft mit institutionellen Anlegern wie Stiftungen und Versicherungen, also einen Bereich, der nicht vom Private Banking abgedeckt wird.

Warum möchten Sie Geld anlegen?

Zwischen Private Banking und Wealth Management besteht keine klare Abgrenzung – die Bezeichnungen sind austauschbar. Häufig findet sich noch der Begriff Private Wealth Managements als eine gehobene Form des Wealth Managements. Auch hier gibt es aber keine klare Grenze: Je nach Institut wird von Private Wealth Management erst gesprochen, wenn das angelegte Vermögen 1 bis 5 Mio. € übersteigt.

Für wen eignet sich Wealth Management?

Die Kunden, die Wealth Management in Anspruch nehmen, sind zumeist Vermögensmillionäre. Die Bezeichnung High Net Worth Individuals (HNWI) hat sich in diesem Bereich eingebürgert. Im World Wealth Report der Investmentbank Merill Lynch und dem Unternehmensberater Capgemini werden als HNWI US-Dollar-Millionäre bezeichnet. Besonders begehrt bei den Banken sind Superreiche bzw. Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI), dazu zählen laut World Wealth Report Vermögende ab 30 Mio. $.

Die Verwaltung des Vermögens im Falle der Geschäftsunfähigkeit lässt sich einfacher und vor allem auch ohne einen Wealth Manager bewerkstelligen: Mit einer Vorsorgevollmacht kann für alle Fälle vorgesorgt werden.

Über welche Qualifikationen verfügen Wealth Manager?

Der komplexen Vermögensstruktur von HNWI entsprechend müssen Wealth Manager über ein breites Finanzwissen verfügen: Sie erarbeiten Anlagestrategien, leisten steuerliche und rechtliche Beratung und stehen den Kunden auch während Erbschaftsstreitigkeiten sowie in Stiftungs- und Versicherungsfragen zur Seite.

Wealth Manager haben deshalb zumeist eine kaufmännische Ausbildung oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Häufig verfügen sie auch über eine zusätzliche berufliche Qualifikation als Certified Financial Planner (CFP) oder Chartered Financial Analyst (CFA). Wealth Manager zeichnen sich aber mindestens ebenso durch ihre guten Umgangsformen aus und nicht zuletzt ihre Fähigkeit, absolute Diskretion bewahren zu können.

Wer bietet Wealth Management an?

Wealth Management oder Private Banking war in Deutschland lange Zeit das Geschäft von Privatbanken, die als kleine, diskrete Häuser einen engen Kontakt zum Kunden unterhielten und ein großes Vertrauen aufbauen konnten. Heute bieten aber nicht mehr nur Privatbanken Wealth Management an, denn deren Anzahl ist in Deutschland während der letzten Jahrzehnte stark zurückgegangen. Als bekannt und relevant im Bereich Wealth Management gelten heute in Deutschland nur noch fünf Institute: Metzler und Hauck & Aufhäuser in Frankfurt, M.M. Warburg und Berenberg in Hamburg und das Bankhaus Lampe in Bielefeld.

An die Stelle der Privatbanken sind nun die deutschen Filialen von ausländischen Banken – wie UBS, BNP Paribas oder JPMorgan – und Großbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank getreten, die ihrerseits um wohlhabende Privatkunden konkurrieren.

Auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben das Wealth Management schon seit längerer Zeit für sich entdeckt. Sie setzen aber häufig schon niedrigere Anlagebeträge als 1 Mio. € für eine individuelle Beratung an.

Das Family Office als Alternative zur Bank

Infolge der Finanzkrise von 2009 kam es zu einem Vertrauensverlust in Banken. In den Folgejahren kam es zu einem Gründungsboom von Family Offices. Der zentrale Unterschied zur Vermögensverwaltung bei Banken ist hier, dass die Wealth Manager von der Anlegerfamilie angestellt sind. Die Anleger, meist große Unternehmensfamilien, haben so eine stärkere Kontrolle über das eigene Vermögen und die Investitionen als bei einer Bank. Aufgrund der hohen Personalkosten lohnt sich die Gründung einer solchen Gesellschaft aber erst bei sehr großen Familienvermögen ab etwa 250 Mio. €.

Neben dem Single Family Office von einer einzigen Familie existieren auch Multi Family Offices, die das Vermögen von mehreren wohlhabenden Familien verwalten. Die Betreuung dieser Unternehmen umfasst neben Finanzberatung und -management oft auch persönliche Dienstleistungen wie Lifestyleberatung und Reiseplanung der Familienmitglieder. Voraussetzung ist hierbei ein Mindestvermögen von 15 Mio. €.

Digitalisierung des Wealth Managements

Die Privatbanken geraten aber nicht nur durch Family Offices, sondern auch durch die Digitalisierung zunehmend unter Druck. Vor allem sogenannte Robo-Advisor treten in Konkurrenz zu Wealth Managern. Diese Robo Advisor berechnen mithilfe von Algorithmen eine Investitionsstrategie, die persönlich auf die Anleger zugeschnitten ist. Robo-Advisor sind bei reichen Anlegern vor allem aufgrund Ihrer Transparenz beliebt, da Kosten und die aktuelle Performance der Investitionen in Echtzeit verfolgt werden können.

Klassische Wealth Manager bei einer Privatbank können hingegen mit Ihrer engen und umfassenden persönlichen Beratung punkten. Sie können sich jedoch nicht mehr allein auf Ihre überlegenen Investmentstrategien und ein internationales Expertenteam verlassen. Ein zeitgemäßes Wealth Management muss also bei der Kundenkommunikation und Anlageplanung auf die Digitalisierung reagieren.

Bild-Copyright: kudla / shutterstock.com

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