Was ist Wealth Management?

Artikel von Ralf Kretzschmar; aktualisiert am 06.04.2022

Vermögensverwaltung, Asset Management, Private Banking – die Bezeichnungen im Bereich des Wealth Managements
sind unübersichtlich. Erschwerend kommt hinzu, dass keine verbindlichen Definitionen existieren. Lesen Sie hier,
was unter Wealth Management zu verstehen ist, wer diese Dienstleistung anbietet und welche Folgen die
Digitalisierung in diesem Bereich mit sich bringt.

Was ist Wealth Management?

Im deutschsprachigen Raum bezeichnet Wealth Management eine langfristige Anlageberatung und
Vermögensverwaltung für sehr vermögende Privatpersonen. Hierbei werden dem Anleger individuell zugeschnittene
Finanzdienstleistungen über verschiedene Lebenszyklen hinweg angeboten.

Im Kontext von Privatanlegern bedeutet der Begriff Vermögensverwaltung (engl. Asset Management),
dass nicht nur eine Anlageberatung stattfindet. Stattdessen übernimmt ein Wealth Manager (mit dem Kunden abgestimmt) die
ganze Kontrolle für den angelegten Betrag. Gemeinhin bezeichnet der Terminus Vermögensverwaltung aber auch das Geschäft
mit institutionellen Anlegern wie Stiftungen und Versicherungen, also einen Bereich, der nicht vom Private Banking
abgedeckt wird.

Warum möchten Sie Geld anlegen?

Jetzt Anlegertest machen

Zwischen Private Banking und Wealth Management besteht keine klare Abgrenzung – die
Bezeichnungen sind austauschbar. Häufig findet sich noch der Begriff Private Wealth Managements als
eine gehobene Form des Wealth Managements. Auch hier gibt es aber keine klare Grenze: Je nach Institut wird von
Private Wealth Management erst gesprochen, wenn das angelegte Vermögen 1 bis 5 Mio. € übersteigt.

Für wen eignet sich Wealth Management?

Die Kunden, die Wealth Management in Anspruch nehmen, sind zumeist Vermögensmillionäre. Die
Bezeichnung High Net Worth Individuals (HNWI) hat sich in diesem Bereich eingebürgert. Im World
Wealth Report der Investmentbank Merill Lynch und dem Unternehmensberater Capgemini werden als HNWI
US-Dollar-Millionäre bezeichnet. Besonders begehrt bei den Banken sind Superreiche bzw. Ultra High Net Worth
Individuals (UHNWI)
, dazu zählen laut World Wealth Report Vermögende ab 30 Mio. $.

Die Verwaltung des Vermögens im Falle der Geschäftsunfähigkeit lässt sich einfacher und vor allem auch ohne
einen Wealth Manager bewerkstelligen: Mit einer Vorsorgevollmacht kann für alle Fälle
vorgesorgt werden.

Über welche Qualifikationen verfügen Wealth Manager?

Der komplexen Vermögensstruktur von HNWI entsprechend müssen Wealth Manager über ein breites
Finanzwissen
verfügen: Sie erarbeiten Anlagestrategien, leisten steuerliche und rechtliche Beratung und
stehen den Kunden auch während Erbschaftsstreitigkeiten sowie in Stiftungs- und Versicherungsfragen zur Seite.

Wealth Manager haben deshalb zumeist eine kaufmännische Ausbildung oder ein
wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Häufig verfügen sie auch über eine zusätzliche berufliche
Qualifikation als Certified Financial Planner (CFP) oder Chartered Financial Analyst (CFA). Wealth Manager zeichnen
sich aber mindestens ebenso durch ihre guten Umgangsformen aus und nicht zuletzt ihre Fähigkeit, absolute Diskretion
bewahren zu können.

Wer bietet Wealth Management an?

Wealth Management oder Private Banking war in Deutschland lange Zeit das Geschäft von Privatbanken, die
als kleine, diskrete Häuser einen engen Kontakt zum Kunden unterhielten und ein großes Vertrauen aufbauen konnten. Heute
bieten aber nicht mehr nur Privatbanken Wealth Management an, denn deren Anzahl ist in Deutschland während der letzten
Jahrzehnte stark zurückgegangen. Als bekannt und relevant im Bereich Wealth Management gelten heute in Deutschland nur
noch fünf Institute: Metzler und Hauck & Aufhäuser in Frankfurt, M.M. Warburg und Berenberg in Hamburg und das
Bankhaus Lampe in Bielefeld.

An die Stelle der Privatbanken sind nun die deutschen Filialen von ausländischen Banken – wie UBS, BNP
Paribas oder JPMorgan – und Großbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank getreten, die
ihrerseits um wohlhabende Privatkunden konkurrieren.

Auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben das Wealth Management
schon seit längerer Zeit für sich entdeckt. Sie setzen aber häufig schon niedrigere Anlagebeträge als
1 Mio. € für eine individuelle Beratung an.

Das Family Office als Alternative zur Bank

Infolge der Finanzkrise von 2009 kam es zu einem Vertrauensverlust in Banken. In den Folgejahren kam es zu einem
Gründungsboom von Family Offices. Der zentrale
Unterschied zur Vermögensverwaltung bei Banken ist hier, dass die Wealth Manager von der Anlegerfamilie
angestellt
sind. Die Anleger, meist große Unternehmensfamilien, haben so eine stärkere Kontrolle über das
eigene Vermögen und die Investitionen als bei einer Bank. Aufgrund der hohen Personalkosten lohnt sich die Gründung
einer solchen Gesellschaft aber erst bei sehr großen Familienvermögen ab etwa 250 Mio. €.

Neben dem Single Family Office von einer einzigen Familie existieren auch Multi Family
Offices
, die das Vermögen von mehreren wohlhabenden Familien verwalten. Die Betreuung dieser
Unternehmen umfasst neben Finanzberatung und -management oft auch persönliche Dienstleistungen wie Lifestyleberatung
und Reiseplanung der Familienmitglieder. Voraussetzung ist hierbei ein Mindestvermögen von 15 Mio. €.

Digitalisierung des Wealth Managements

Die Privatbanken geraten aber nicht nur durch Family Offices, sondern auch durch die Digitalisierung zunehmend unter
Druck. Vor allem sogenannte Robo-Advisor treten in
Konkurrenz zu Wealth Managern. Diese Robo Advisor berechnen mithilfe von Algorithmen eine Investitionsstrategie, die
persönlich auf die Anleger zugeschnitten ist. Robo-Advisor sind bei reichen Anlegern vor allem aufgrund Ihrer
Transparenz beliebt, da Kosten und die aktuelle Performance der Investitionen in Echtzeit verfolgt werden können.

Klassische Wealth Manager bei einer Privatbank können hingegen mit Ihrer engen und umfassenden persönlichen Beratung
punkten. Sie können sich jedoch nicht mehr allein auf Ihre überlegenen Investmentstrategien und ein internationales
Expertenteam verlassen. Ein zeitgemäßes Wealth Management muss also bei der Kundenkommunikation und Anlageplanung auf
die Digitalisierung reagieren.

Bild-Copyright: kudla / shutterstock.com