Family Office: Fünf Vorteile gegenüber klassischen Banken

Ralf Kretzschmar, 23.10.2019

Family Offices waren bis vor zwanzig Jahren nur einem kleinen Kreis von Finanzexperten bekannt. Seither und verstärkt durch die Finanzkrise von 2007 gab es einen Gründungsboom: Mittlerweile gibt es in Deutschland über 400 Family Offices.

Lesen Sie hier, was genau ein Family Office ist und warum sie immer beliebter werden.

Was ist ein Family Office?

Der Begriff Family Office bezeichnet eine Institution, deren Aufgabe die individuelle und langfristige Verwaltung und Sicherung des Vermögens einer wohlhabenden Familie ist.

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Was macht ein Family Office?

Um diesen Zweck zu erfüllen, sind Family Offices auf ganz unterschiedlichen Feldern tätig, die auf die Wünsche der jeweiligen Familie zugeschnitten sind. Sie leisten unter anderem

  • generationenübergreifende Vermögens- und Nachfolgeplanung,
  • Mediation zwischen Familienmitgliedern,
  • Buchführung,
  • Steuer- und Rechtsberatung,
  • Risikomanagement bei der Geldanlage.

Den individuellen Bedürfnissen der Familie bzw. des Vermögensinhabers entsprechend stellen Family Offices unterschiedlich spezialisierte Mitarbeiter ein und bauen ein Netzwerk aus Experten auf. Nicht selten übernehmen Family Offices auch noch weitere persönliche Dienstleistungen, etwa die Reiseplanung von Familienmitgliedern, individuelle Hilfe bei Formalitäten wie der Vorsorgevollmacht, Haushalts- und Immobilienverwaltung oder Aufgaben in der Familienstiftung.

Single und Multi Family Offices

Für den Begriff „Family Office“ existiert keine gesetzliche Definition. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Organisationsformen, in denen Family Offices strukturiert sind.

Single Family Office

Bei Single Family Offices (SFO), die das Vermögen einer Familie betreuen, lassen sich zwei Formen unterscheiden. Meistens sind sie entweder

  • als embedded SFO in das Familienunternehmen integriert, oder werden
  • als Gesellschaft wie z.B. eine GmbH separat davon geführt.

Die Gründung eines Single Family Office lohnt sich aufgrund hoher Personalkosten erst ab einem sehr großen Familienvermögen von etwa 250 Mio. €.

Multi Family Office

Ab einem geringeren Mindestvermögen von 15 Mio. € können wohlhabende Familien ihr Vermögen von einem sogenannten Multi Family Office (MFO) verwalten lassen.

Multi Family Offices entstehen oft aus einem Single Family Office, das sich nach einer gewissen Zeit für weitere Vermögensinhaber geöffnet hat. So bieten sie verschiedenen wohlhabenden Familien ihre gesammelte Erfahrung und ihr Expertenwissen an.

Family Offices sind aber auch unabhängig von einer Familie bzw. eines Vermögensinhabers entstanden. Es handelt sich dann um Dienstleister, die sich auf die Verwaltung des Vermögens von wohlhabenden Familien spezialisiert haben. Im Gegensatz zu Single Family Offices erreicht die Betreuung durch Multi Family Offices dabei nicht den gleichen Grad an individueller Beratung.

Warum sind Family Offices so beliebt?

Die steigende Beliebtheit von Family Offices hat mehrere Ursachen. Sie lässt sich unter anderem mit der allgemeinen Konzentration der Vermögen und einer besseren Regelung von Familienstreitigkeiten im Rahmen einer gemeinsamen Gesellschaft erklären.

Ein wichtiger Faktor ist zweifellos der Vertrauensverlust in Banken und deren Vermögensverwaltung, insbesondere nach der Finanzkrise von 2007 bis 2009. In der Folge wollten wohlhabende Familien ihre Finanzen enger an sich binden. Die bankenunabhängige Vermögensverwaltung verspricht daneben weitere Vorteile.

Vorteile von Family Offices gegenüber Banken

  1. Bessere Kontrolle über das zu verwaltende Vermögen
  2. Keine versteckten Gebühren und häufig geringere Kosten
  3. Keine konkurrierenden Interessen zwischen Bank und der Familie bei der Investition
  4. Förderung des Familienzusammenhalts und langfristige Konzentration des Kapitals
  5. Effizientere und individuellere Steuerung des Vermögens

Konflikt zwischen Family Offices und Banken

Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Definition verwenden in letzter Zeit auch immer mehr Banken und Anbieter von Finanzdienstleistungen den Begriff „Family Office“ und bieten darunter Wealth Management für wohlhabende Familien an.

Einigen Single Family Offices ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge, weshalb sie 2014 den Verband unabhängiger Family Offices (Vufo) gegründet haben. Sie befürchten, dass Banken, aber auch Wirtschafts- und Steuerberater unter dem Label „Family Office“ vor allem ihre eigenen Produkte vertreiben wollen.

Dadurch entstehende Interessenkonflikte möchte der Verband vermeiden, indem er Family Offices als unabhängig und nicht als Teil einer größeren Institution versteht. Family Offices sollten zudem nur in Ausnahmefällen Provisionszahlungen von Dritten annehmen und stattdessen allein auf Honorarbasis arbeiten.

Wie investieren Family Offices?

Im Rahmen des Global Family Office Reports aus dem Jahr 2019 wurden weltweit 360 Family Offices zu ihrem Anlageverhalten befragt. Folgende Übersicht zeigt anteilig die häufigsten Anlageklassen:

Die beliebtesten Anlagen von Family Offices

Family Office Anlagen 2019


Quelle: Global Family Office Report 2019 , Stand: September 2019

Demnach investieren Family Offices einen Großteil ihres Vermögens, beinahe ein Drittel, in Aktien aus Industrie- und Schwellenländern. Nach Aktien folgt das sogenannte außerbörsliche Eigenkapital (Private Equity) als zweitgrößte Anlageklasse. Global entfallen auf Private Equity 19 % der Anlagen von Family Offices, davon 8 % auf Private Equity Fonds.

Family Offices wenden sich dabei zunehmend jungen Gründern zu, um sich mit Risikokapital (Venture Capital) an Startups zu beteiligen. Die investierenden Unternehmerfamilien sind hier oft im Vorteil, weil sie den Markt aus eigener Erfahrung gut einschätzen können. Außerdem ist es in ihrem Interesse, früh an technologischen Innovationen in ihrer Branche beteiligt zu sein.

Neben Aktien und Private Equity gehören Immobilien für Family Offices mit durchschnittlich 17 % zu den drei wichtigsten Anlageklassen. Tendenziell ist hierbei eine Abkehr der Family Offices von Büroimmobilien hin zu Wohnimmobilien zu konstatieren. Trotz des umkämpften Marktes in guten Metropollagen sind letztere bei Family Offices zunehmend beliebt. Laut der Umfrage möchten 34 % der Familien im kommenden Jahr mehr in Immobilien investieren.

Eine Geldanlage in Wohnimmobilien ist auch mit Crowdinvesting möglich. Anleger können etwa auf unserer Plattform BERGFÜRST bis zu 25.000 € in ein Immobilienprojekt investieren. Sie erhalten eine feste Verzinsung zwischen 5,0 % und 7,5 % p.a. in halbjährlicher Auszahlung bei Laufzeiten zwischen einem Jahr und fünf Jahren.

Bild-Copyright: Marian Weyo / shutterstock.com

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