Crowdfunding: Rendite & Risiko

Crowdfunding Projekte: Das sollten Investoren wissen

Valeria Nickel, 17.10.2018

Wie viel kann ich bei einem Crowdfunding-Projekt investieren?

Was den Anlagebetrag angeht, ist er für natürliche Personen gesetzlich auf 10.000 € gedeckelt. Eine andere Grenze ist das im Vorhinein angegebene Projekt-Volumen an sich: Wenn nur 2.000 € eingesammelt werden sollen, kann man nicht nach Belieben mehr investieren. Im Übrigen gilt: Je höher Ihr Finanzierungsbeitrag, desto besser.

Je nach Crowdfunding-Plattform oder Projekt gibt es oft Mindestanlagebeträge. Beim Crowdinvesting bewegen sich diese zwischen 10 und 500 €, bei kleineren reward-based Projekten sind diese grundsätzlich geringer, wenn überhaupt vorhanden.

Was passiert, wenn ein Crowdfunding-Projekt nicht zustande kommt?

Der Betrag, der mindestens notwendig ist, um das Crowdfunding-Projekt zu realisieren, heißt Funding-Schwelle. Wenn diese Schwelle bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht überschritten wird, gilt das Funding als gescheitert und alle Crowd-Anleger bekommen ihr Geld zurück. Dies ist gängige Praxis, egal für welche der 4 Crowd-Finanzierungsarten man sich entscheidet. Wird die Funding-Schwelle innerhalb des vorhergesehenen Zeitraums erreicht, ist das Crowdfunding-Projekt grundsätzlich zustande gekommen.

Was passiert, wenn ein Crowdfunding-Projekt scheitert?

Ein erfolgreich finanziertes Projekt sollte selbstverständlich so umgesetzt werden, dass die Spender oder Investoren am Ende ihre Belohnung bzw. Zinsen erhalten können. Trotzdem können verschiedene Umstände dazu führen, dass ein Projekt scheitert.

Bei guten Crowdfunding-Plattformen ist dieser Fall in den AGB geregelt. Denn ein Scheitern bedeutet nicht der Totalausfall des Investments.

Es ist meist immer noch Kapital da, das verwaltet werden muss. Beispielsweise können die Projektinitiatoren dazu verpflichtet werden, so gut wie möglich und mit vertretbarem Aufwand das Projekt zum Abschluss zu bringen. Der Projektinitiator muss transparent aufzeigen, was bereits geleistet wurde, wie die Funding-Beiträge verwendet wurden und dass sorgfältig darauf hingearbeitet wurde, das Projekt erfolgreich abzuschließen.

Kommt es dennoch zum Totalausfall, wird das verbleibende Kapital auf die Gläubiger aufgeteilt. An diesem Punkt ist es von großer Wichtigkeit anhand welches Finanzproduktes in das Crowdinvesting-Projekt investiert wurde:

  • Sind die Investoren Halter von partiarischen oder qualifizierten Nachrangdarlehen, werden sie erst nach allen anderen Gläubigern aus der Insolvenzmasse bedient – vorausgesetzt natürlich es ist noch etwas übrig.
  • Haben die Investoren hingegen in ein besichertes Bankdarlehen investiert, so wie es bei Bergfürst üblich ist, werden sie im Falle einer Insolvenz an erster oder zweiter Stelle bedient.

Wann ist eine Investition in Crowdfunding-Projekte sinnvoll?

Wer ein Crowdfunding-Projekt entdeckt, das ihm – beispielsweise, weil es in der Nachbarschaft umgesetzt wird oder ein persönlich wichtiges Thema anspricht – besonders am Herzen liegt, kann jederzeit sinnvoll in dieses Projekt investieren. Denn dann geht es nicht vorrangig um eine Belohnung für die Unterstützung, also den wirtschaftlichen Erfolg des Projekts. Vielmehr kann eine Investition in Projekte, die einem persönlich wichtig sind, auch ohne Gegenleistung sinnvoll sein, wenn man dadurch seiner Umwelt etwas Gutes tut. Wer sich eher für Crowdfunding-Projekte mit materiellen Gegenleistungen interessiert, sollte am besten in Projekte investieren, mit deren Themen bzw. Branchen er sich auskennt. Eine selbstbestimmte Investitionsentscheidung kann man am sinnvollsten mit genügend Hintergrundinformation treffen.

Was sind die 3 wichtigsten Erfolgsfaktoren für Crowdfunding-Projekte?

Etwa die Hälfte der gestarteten Crowdfunding-Projekte wird erfolgreich finanziert, die andere Hälfte erreicht ihr Wunschkapital nicht. Was unterscheidet die gescheiterten Vorhaben von den erfolgreichen? Diese 3 Faktoren wirken sich besonders darauf aus, ob ein Unternehmen die gewünschte Summe zusammenbekommt oder nicht:

  1. Prägnante Idee, die viele Menschen anspricht: Als potentieller Unterstützer sollte man auf einen Blick verstehen, worum es geht und wofür Geld gesammelt wird. Außerdem sollte es ein attraktives Projekt sein, für das man gerne einen Geldbeitrag leistet.
  2. Pitch-Video, das die Macher und das Projekt vorstellt: Dies ist anschaulicher und ansprechender als ein langer Text, den ein potentieller Anleger meist überhaupt nicht bis zum Ende lesen wird.
  3. Kommunikation: Seine Idee muss man verbreiten. Vor allem lohnt es sich, die entsprechende Interessengruppe zu identifizieren und gezielt anzusprechen. Dies passiert aber meist bereits automatisch durch die Auswahl der geeigneten Plattform.

Wie hoch ist aktuell die Erfolgsquote von Crowdfunding-Projekten?

Im Jahr 2016 lag die Erfolgsquote von Crowdfunding-Projekten auf deutschen Plattformen bei knapp 54 % (Quelle: Crowdfinanzierung in Deutschland, Ausgabe Nr. 1/2017, fuer-gruender.de). Erfolgreich heißt in diesem Fall erfolgreich finanziert – das bedeutet, dass das Projekt den Geldbetrag von der „Crowd“ eingesammelt hat, den es von vornherein anstrebte. Die Zahl der erfolgreich zurückgezahlten Projekte ist schwer festzustellen, da einerseits aufgrund der über mehrere Jahre dauernden Laufzeiten erst wenige Projekte fällig waren. Nur bei Startups gab es bereits die ersten Pleiten. Andererseits liefern viele Plattformen keine verlässlichen Informationen über die gescheiterten Startups.

Welche Projekte wurden mit Crowdfunding finanziert?

Es gibt verschiedenste Projekte aus allen möglichen Bereichen, die bereits durch Crowdfunding finanziert wurden. Am bekanntesten sind Start-Up-Finanzierungen. Auch kleine kulturelle und kreative Projekte sind sehr beliebt – von Märchenbüchern bis Onlinemagazinen für kurvige Frauen. Daneben verbreiten sich vor allem soziale Projekte, die beispielsweise Flüchtlinge auf ihrem Weg in Arbeit und Ausbildung unterstützen. Auch Sportstätten und ökologische Projekte sind beliebte Crowdfunding-Objekte. Gewinnorientierte Anleger investieren vor allem in Immobilienprojekte, die die Start-Ups mittlerweile überholt haben.

Für welche Projekte eignet sich welches Crowdfunding-Modell?

Es gibt 4 verschiedene Crowdfunding-Arten. Das „reward-based“-Modell erhalten die Unterstützer eher symbolische Gegenleistungen. Diese Form eignet sich vor allem für kulturelle, kreative, gesellschaftliche, ökologische und sportliche Projekte, da hier am Ende ein Produkt entsteht, mit dem auf verschiedene Weisen die Unterstützer honoriert werden können.

Hinweis

Der Einfachheit halber wird immer der Oberbegriff Crowdfunding verwendet. Alternative Bezeichnungen wären Crowdinvesting, Crowdlending, Crowdfinancing oder Schwarmfinanzierung.

Beim „equity-based“ Crowdfunding beteiligen sich die Anleger durch Finanzinstrumente an den Projekten und erwarten eine dementsprechende Rendite. Diese Form eignet sich deshalb vor allem für Investitionen in Start-Ups und Immobilien, da hier – wenn das Projekt erfolgreich ist – hohe Gewinne anfallen können. Das dritte Modell ist das „lending-based“ Crowdfunding, das sich vor allem für kleine Kredite an Privatleute, die dies für private Anschaffungen benötigen, eignet. Soziale Projekte, bei denen keine Gewinne oder Produkte am Ende stehen, ist das „donation-based“ Crowdfunding der richtige Weg, da die Spender hier keine Gegenleistung erwarten.

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