Crowdfunding: Rendite & Risiko

Crowdfunding in Deutschland

Valeria Nickel, 16.11.2018

Wie hoch ist das Crowdfunding-Volumen in Deutschland und Europa insgesamt?

Im Jahr 2016 wurden deutschlandweit 145,2 Mio € über Crowdfunding finanziert (Quelle: Crowdfinanzierung in Deutschland, Ausgabe Nr. 1/2017, fuer-gruender.de). Bezüglich des Crowdfunding-Volumens in Europa informiert eine Studie der Cambridge Universität nur für das Jahr 2015:
In dem Zeitraum wurden europaweit insgesamt über 5 Mrd € über Crowdfunding finanziert.
Dabei ist der europäische Crowdfunding-Markt 2015 gegenüber 2014 bereits um 92 % gewachsen, so dass das Marktvolumen 2016 noch größer sein dürfte. In Europa bietet Deutschland den drittgrößten Markt nach Großbritannien und Frankreich.

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Seit wann gibt es Crowdfunding in Deutschland?

Die ersten Crowdfunding-Plattformen in Deutschland starteten 2010. Pioniere waren dabei Plattformen wie Startnext und Visionbakery. Im Bereich des Crowdinvestings für Startups war Seedmatch der Vorreiter. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl weiterer Crowdfunding-Plattformen in Deutschland.

Was ist der Unterschied zwischen Deutschland und den USA beim Crowdfunding?

Die USA sind die Erfinder des Crowdfundings, daher hat der Trend dort früher begonnen. Es gibt dort deshalb auch jetzt schon Crowdfunding in Großprojekte, es werden also immense Summen eingesammelt. Dies setzt wichtige Wachstumsimpulse. In Deutschland werden noch vergleichsweise kleine Projekte über diese Form finanziert. Zudem gibt es einen anderen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund: In Deutschland ist die private Förderung von neuen Ideen und Unternehmen noch nicht so weit verbreitet, da viele Projekte, zum Beispiel im Kultur- oder Kreativbereich, über öffentliche Förderung finanziert werden. In den USA dagegen ist die öffentliche Förderung kaum ausgeprägt. Deshalb leisten die Crowdfunding-Plattformen hierzulande regelrechte Pionierarbeit im Bereich der privaten Finanzierung. Eine Schwachstelle der USA ist, dass die Erfolgsquote der Projekte dort niedriger ist als in Deutschland.

Was unterscheidet das Crowdfunding in Deutschland von anderen Ländern?

Von Land zu Land sind die gesetzlichen Vorgaben, die den Rahmen für das Crowdfunding vorgeben, ganz unterschiedlich. Ob Grenzen für Emissionsvolumina, die Palette an möglichen Finanzinstrumenten, persönliche Zeichnungsgrenzen für die Privatanleger oder die Pflicht, einen Wertpapierprospekt zu erstellen – vor allem was die Pflicht, einen Wertpapierprospekt zu erstellen, angeht, legen nicht alle Länder gleich strenge Maßstäbe an. Das führt dazu, dass sich Crowdfunding unterschiedlich schnell ausbreitet. Da Großbritannien zum Beispiel sehr günstige Konditionen bietet, befindet es sich vom jährlich eingesammelten Gesamtvolumen sowie der Zahl der angebotenen Projekte auf Platz 1 in Europa. Deutschland folgt nach Frankreich auf Platz 3.

Kann ich auch aus Deutschland am Crowdfunding in Österreich teilnehmen?

Sucht man im deutschsprachigen Raum nach Crowdfunding-Projekten, kann es gut sein, dass man auch auf österreichischen oder schweizerischen Plattformen landet. Für natürliche Personen mit Wohnsitz in Deutschland ist es ohne Weiteres möglich, sich an den ausländischen Projekten zu beteiligen. Einzige Stolperfalle: Die Einkommensteuer. Wer in Deutschland wohnt und in Österreich investiert, muss diese trotzdem zahlen. Eine Besteuerung in beiden Ländern wird durch das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Österreich verhindert.

Woher kommt das Crowdfunding-Prinzip?

Die ersten Crowdfunding-Projekte tauchten vor rund 10 Jahren in den USA auf. Der Antrieb kam vor allem aus der Musikszene. Denn zu dieser Zeit machten Bands immer weniger Gewinn mit ihren CDs, weil immer mehr Alben illegal aus dem Internet heruntergeladen wurden. Deshalb fehlte manchen Künstlern das Geld, um neue Songs in einem professionellen Studio aufzunehmen.

Hinweis

Der Einfachheit halber wird immer der Oberbegriff Crowdfunding verwendet. Alternative Bezeichnungen wären Crowdinvesting, Crowdlending, Crowdfinancing oder Schwarmfinanzierung.

Die Lösung: Die Musiker fragten einfach die eigenen Fans nach kleinen Geldbeträgen, um damit neue Musik produzieren zu können. Dies funktionierte sehr gut, da die Fans natürlich unbedingt neue Alben ihrer Lieblingsband hören wollten und darüber hinaus die Hemmschwelle bei kleinen Beträgen nicht so groß ist. Seit über 10 Jahren verbreitet sich dieses Prinzip nun immer weiter – auf andere Branchen, andere Menschen und andere Projekte.

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