Crowdfunding in Deutschland

Artikel von Valeria Nickel; aktualisiert am 07.04.2022

Wie hoch ist das Crowdfunding-Volumen in Deutschland und Europa insgesamt?

Im Jahr 2016 wurden deutschlandweit 145,2 Mio € über Crowdfunding finanziert (Quelle:
Crowdfinanzierung in Deutschland, Ausgabe Nr. 1/2017, fuer-gruender.de). Bezüglich des Crowdfunding-Volumens in Europa
informiert eine Studie der Cambridge Universität nur für das Jahr 2015:
In dem Zeitraum wurden europaweit insgesamt über 5 Mrd € über Crowdfunding finanziert.
Dabei ist der europäische Crowdfunding-Markt 2015 gegenüber 2014 bereits um 92 % gewachsen, so dass das
Marktvolumen 2016 noch größer sein dürfte. In Europa bietet Deutschland den drittgrößten Markt nach Großbritannien und
Frankreich.

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Seit wann gibt es Crowdfunding in Deutschland?

Die ersten Crowdfunding-Plattformen in Deutschland starteten 2010. Pioniere waren dabei Plattformen wie
Startnext und Visionbakery. Im Bereich des Crowdinvestings für Startups war Seedmatch der
Vorreiter. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl weiterer Crowdfunding-Plattformen in Deutschland.

Was ist der Unterschied zwischen Deutschland und den USA beim Crowdfunding?

Die USA sind die Erfinder des Crowdfundings, daher hat der Trend dort früher begonnen. Es gibt dort
deshalb auch jetzt schon Crowdfunding in Großprojekte, es werden also immense Summen eingesammelt. Dies
setzt wichtige Wachstumsimpulse. In Deutschland werden noch vergleichsweise kleine Projekte über diese Form finanziert.
Zudem gibt es einen anderen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund: In Deutschland ist die
private Förderung von neuen Ideen und Unternehmen noch nicht so weit verbreitet, da viele Projekte, zum Beispiel im
Kultur- oder Kreativbereich, über öffentliche Förderung finanziert werden. In den USA dagegen ist die öffentliche
Förderung kaum ausgeprägt. Deshalb leisten die Crowdfunding-Plattformen hierzulande regelrechte Pionierarbeit im Bereich
der privaten Finanzierung. Eine Schwachstelle der USA ist, dass die Erfolgsquote der Projekte dort
niedriger ist als in Deutschland.

Was unterscheidet das Crowdfunding in Deutschland von anderen Ländern?

Von Land zu Land sind die gesetzlichen Vorgaben, die den Rahmen für das Crowdfunding vorgeben, ganz
unterschiedlich. Ob Grenzen für Emissionsvolumina, die Palette an möglichen Finanzinstrumenten, persönliche
Zeichnungsgrenzen für die Privatanleger oder die Pflicht, einen Wertpapierprospekt zu erstellen – vor allem was die
Pflicht, einen Wertpapierprospekt zu erstellen, angeht, legen nicht alle Länder gleich strenge Maßstäbe an. Das führt
dazu, dass sich Crowdfunding unterschiedlich schnell ausbreitet. Da Großbritannien zum Beispiel sehr günstige
Konditionen bietet, befindet es sich vom jährlich eingesammelten Gesamtvolumen sowie der Zahl der angebotenen Projekte
auf Platz 1 in Europa. Deutschland folgt nach Frankreich auf Platz 3.

Kann ich auch aus Deutschland am Crowdfunding in Österreich teilnehmen?

Sucht man im deutschsprachigen Raum nach Crowdfunding-Projekten, kann es gut sein, dass man auch auf österreichischen
oder schweizerischen Plattformen landet. Für natürliche Personen mit Wohnsitz in Deutschland ist es ohne Weiteres
möglich, sich an den ausländischen Projekten zu beteiligen. Einzige Stolperfalle: Die Einkommensteuer.
Wer in Deutschland wohnt und in Österreich investiert, muss diese trotzdem zahlen. Eine Besteuerung in beiden Ländern
wird durch das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Österreich verhindert.

Woher kommt das Crowdfunding-Prinzip?

Die ersten Crowdfunding-Projekte tauchten vor rund 10 Jahren in den USA auf.
Der Antrieb kam vor allem aus der Musikszene. Denn zu dieser Zeit machten Bands immer weniger
Gewinn mit ihren CDs, weil immer mehr Alben illegal aus dem Internet heruntergeladen wurden. Deshalb fehlte
manchen Künstlern das Geld, um neue Songs in einem professionellen Studio aufzunehmen.

Hinweis

Der Einfachheit halber wird immer der Oberbegriff Crowdfunding verwendet. Alternative Bezeichnungen
wären Crowdinvesting, Crowdlending,
Crowdfinancing oder Schwarmfinanzierung.

Die Lösung: Die Musiker fragten einfach die eigenen Fans nach kleinen Geldbeträgen, um damit
neue Musik produzieren zu können. Dies funktionierte sehr gut, da die Fans natürlich unbedingt neue Alben ihrer
Lieblingsband hören wollten und darüber hinaus die Hemmschwelle bei kleinen Beträgen nicht so groß ist. Seit über 10
Jahren verbreitet sich dieses Prinzip nun immer weiter – auf andere Branchen, andere Menschen und andere Projekte.

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