CFDs – Was sind CFDs und welche Chancen und Risiken gibt es?

Annette de los Santos, 20.06.2018

CFDs (Contracts for Difference) sind in aller Munde. Von Banken und anderen Finanzierungsinstituten als Non Plus Ultra angepriesen, von namhaften Wirtschaftszeitschriften verteufelt. Deshalb beschäftigt sich dieser Beitrag eingehend mit der Funktionsweise von CFDs. Hierbei werden die Vor- und Nachteile von CFDs aufgezeigt, um dem potenziellen Anleger anhand objektiver Kriterien die Entscheidung zu erleichtern, ob er sich an diese Instrumente heran wagt oder lieber nicht.

Die Autorin hat zu diesem Zweck im Selbstversuch anhand einer Demoversion den Handel mit CFDs getestet und festgestellt, dass es einiger Übung bedarf, um mit diesen Instrumenten sinnvoll umzugehen.

Was sind CFDs?

Rechtlich gesehen sind CFDs Inhaberschuldverschreibungen des Emittenten, also einer Bank oder eines Finanzierungsinstitutes.

Wirtschaftlich betrachtet sind CFDs Derivate, d.h. ihr Preis hängt von einem Basiswert ab. Anstatt direkt in den Basiswert zu investieren, also beispielsweise eine Aktie zu kaufen, handeln einige Akteure mit CFDs. Dabei können sie sowohl auf steigende Kurse des Basiswerts (sog. Long-Position) als auch auf fallende Kurse (Short-Position) setzen.

Wie bei Börsentermingeschäften ist für jede einzelne Handelsposition eine Sicherheitsleistung zu hinterlegen, die sogenannte Margin (Hinterlegungssumme). Sie soll die Glattstellungskosten bis zum nächsten Börsentag, also overnight, absichern. Bei CFDs z.B. der Commerzbank liegt die Margin zwischen 2 % und 5 %, je nach Basiswert. Jeder Emittent legt seine eigenen Margins pro Basiswert fest. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Margin sehr gering ist (z.B. bei einigen britischen Banken). Diese CFDs sind „unsauber”, weil die Banken die Orders häufig zeitversetzt ausführen, um über den Kurs und den Spread mehr zu verdienen. Dadurch werden die CFDs deutlich riskanter für den Anleger. Margins unter 2 % sind unseriös und derartige Produkte nicht zu empfehlen – die niedrigen Margins dienen ausschließlich dem Zweck des emittierenden Finanzinstitutes, möglichst viele Kunden anzulocken.

Vor Orderaufgabe wird die jeweilige Margin des relevanten Basiswerts dem Anleger angezeigt. Diese Sicherheitsleistung wird sofort dem Konto belastet und ist damit cashwirksam.

Beispiel

Goldkurs 1.337 €, Anleger kauft ein CFD. Die Margin beträgt 5 %. Das Verhältnis ist immer 1:1, d.h. es gibt kein Bezugsverhältnis wie bei verschiedenen anderen Derivaten, wie Optionsscheinen, Knockouts oder Mini Futures. Normalerweise würden folglich 1.337,00 € dem Konto belastet werden, also sofort cashwirksam sein. Tatsächlich werden dem Anleger aber nur 5 %, also 66,85 € belastet. Der Emittent finanziert dem Anleger in diesem Beispiel folglich 95 % des Investments vor. Beim DAX ist die Margin sogar noch geringer. Sie beträgt beispielsweise bei der Commerzbank 2 %. Dem CFD-Konto des Anlegers wird zunächst nur die Margin in Höhe von x % des investierten Betrags cashwirksam belastet. Den restlichen Investitionsbetrag „leiht” ihm der Emittent. Im obigen Beispiel hat der Anleger für seine Investition 5 % Eigenkapital aufgewendet, 95 % sind Fremdkapital (des Emittenten). Dieser „Hebeleffekt” kann dazu verführen, mehr CFDs zu kaufen als der Anleger sich eigentlich „leisten” kann.

Doch Vorsicht: Wird die Position geschlossen, wird der gesamte Investitionsbetrag von 100 % Betrag cashwirksam und somit fällig. Dem CFD-Konto des Anlegers werden im obigen Beispiel die restlichen 95 % belastet. Bei einer positiven Entwicklung des CFD mit entsprechenden Gewinnen ist dies kein Problem. Falls allerdings ein Verlust entstanden ist, muss der Anleger einen hohen Betrag (im obigen Beispiel 95 %) aufwenden, um diesen Verlust glattzustellen.

Falls der Emittent dies vorsieht, kann sogar eine Nachschusspflicht eintreten. Nachschusspflicht bedeutet, dass der Investor über die Margin hinaus Geld nachschießen muss, um ggf. entstandene Kursverluste auszugleichen. Dieser Fall tritt dann ein, wenn die Maintenance Margin des Emittenten erreicht bzw. unterschritten ist. Die Maintenance Margin bezeichnet die Mindesthöhe der Sicherheitsleistung, die zur Aufrechterhaltung der Position auf dem CFD-Konto vorgehalten werden muss. Es findet dann ein sog. Margin-Call statt, d.h. der Investor wird zur Hinterlegung weiterer Mittel aufgefordert. Folgt der Anleger dieser Aufforderung nicht, wird die Position automatisch geschlossen.

Folgendes Beispiel soll dies illustrieren:

Beispiel

A kauft am Freitag einen CFD auf 100 Aktien der XY AG zum Kurs von 100 €. Das Investitionsvolumen ist folglich 10.000 €. Der Anleger muss eine Margin von 10 %, also 1.000 € hinterlegen. Am Montag darauf ist der Kurs der Aktie um 20 % gesunken (sog. Opening Gap). Um die Maintenance Margin aufrechtzuerhalten, wird A aufgefordert, 10 % des Kursverlustes von insgesamt 2.000 € also 200 € nachzuschießen. Tut A dies nicht, wird die Position geschlossen und A realisiert einen Verlust von 2.000 € aus diesem Geschäft.

Bei stark negativen Kursentwicklungen und hohen Investitionsvolumina können die Nachschusspflichten bei den Anlegern zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und darüber hinaus führen. Es ist schon vorgekommen, dass Investoren Privatinsolvenz anmelden mussten, weil sie ihren Nachschusspflichten nicht mehr nachkommen konnten.

Es gibt Emittenten, die diese Nachschusspflicht ausschließen. Wenn Sie den Handel mit CFDs in Betracht ziehen, achten Sie unbedingt darauf, dass keine Nachschusspflicht besteht… dadurch haben Sie schon mal ein wesentliches Risiko ausgeschlossen.

CFDs sind vornehmlich für das sog. Daytrading gedacht, d.h. sie sollten nicht ohne guten Grund über Nacht gehalten werden, denn:

  1. Es fallen Zinsen an, i.d.R. 3,5 % bis 4 % p.a.
  2. Das Risiko von größeren Kursveränderungen nach 22:00 Uhr ist hoch und der Anleger kann nicht mehr gegensteuern. Er muss bis zum nächsten Morgen 8:00 Uhr warten. Da kann es aber schon zu spät sein, um empfindliche Verluste zu vermeiden. Aber auch beim Daytrading ist der Anleger nicht vor dem Totalverlustrisiko gefeit, wenn bei wichtigen Ereignissen die Börsenkurse plötzlich in den Keller rutschen. Dies war jüngst am Tag nach der Volksabstimmung für den Brexit der Fall, ebenso wie im März 2011, als das Atomkraftwerk in Fukushima explodierte.

Das Risiko zu 2. besteht allerdings ebenso bei Hebelprodukten wie Optionsscheinen, Knockouts und Mini Futures und auch diese verzinsen sich über Nacht, was sich täglich in einer geringen Kursveränderung des Hebelprodukts zu Ungunsten des Anlegers niederschlägt.

Warum werden CFDs gehandelt?

CFD’ werden gehandelt, um auch mit verhältnismäßig geringen Beträgen Geld zu verdienen. Beim Daytrading sitzt der Trader in der Regel den ganzen Tag vor dem Tradingprogramm und möchte dabei natürlich möglichst viel Geld verdienen. Würde er jetzt mit beispielsweise 1.000 € in eine „normale” Einzelaktie investieren und diese legt an diesem Tag um 1 % zu, so hat der Trader am Ende des Tages gerade einmal 10 € verdient. Dass dieses Ergebnis weder ausreichend noch befriedigend ist, versteht sich von selbst. CFDs bieten die Möglichkeit, auch mit kleineren Beträgen ansehnliche Gewinne zu erzielen, da hier mit einem Hebel gearbeitet wird. Angenommen der Hebel hat den Faktor 10, so verzehnfacht sich der erzielte Kursanstieg. In unserem aktuellen Beispiel würde der Trader dann aus den genannten 1.000 € und dem Kursanstieg von 1 % einen Gewinn von 100 € erzielen. Aber Vorsicht: Der Hebel gilt natürlich auch für Kursverluste! Achten Sie daher darauf, dass bei dem CFD keine Nachschusspflicht besteht.

Worauf werden CFDs gehandelt?

Wie andere Zertifikate auch, können CFDs auf Rohstoffe wie Gold, Aktien, Indizes und Währungen gehandelt werden. Beim Öl werden die CFDs auf den Future gehandelt und nicht auf den sog. Spot, d.h. den gerade tagesaktuellen Kurs. Der CFD ist aber nicht entsprechend der Laufzeit des Futures befristet, sondern läuft 6 bis 8 Wochen vorher bereits aus.

Beim DAX ist beides möglich, Spot und Future. Dies genau zu unterscheiden ist sehr wichtig, um zu entscheiden, welche Kurse man als Investor beachten und ggf. als Kaufkurs, Verkaufskurs, Limit oder Stop Loss festlegen sollte.

Wie funktioniert die Ordererteilung bei CFDss?

Beim CFD-Handel geht man bezogen auf einen bestimmten Basiswert immer entweder long oder short. Das heißt, es ist nicht möglich – wie beim Roulette – gleichzeitig auf Rot oder Schwarz zu setzen. Bei anderen Zertifikaten könnte man auf denselben Basiswert sowohl ein Put- als auch ein Call-Produkt erwerben. Ob dies wirtschaftlich sinnvoll wäre, ist eine andere Frage. Wenn man beim CFD gleichzeitig long und short geht, wird die Position vom System sofort geschlossen und zu dem aktuell relevanten Kurs abgerechnet. Dadurch können dem Anleger Verluste entstehen.

Komponenten eines CFD

Komponenten des CFD sind:

  • Basiswert: Produkt, auf das der CFD gehandelt wird (Rohstoffe, Aktien, Indizes, Währungen)
  • Spread: Er bezeichnet die Differenz zwischen An-und Verkaufskurs, also Brief-und Geldkurs. Der Spread ist höher als z.B. bei Knockouts oder Mini Futures. Der Spread unterscheidet sich zudem je nach Basiswert. Er beträgt ca. 0,40 € pro Stück CFD
  • Margin: Sicherheitsleistung, die hinterlegt werden muss, in % vom Kurs des Basiswerts × Anzahl der vom Anleger gehandelten CFDs. Anders ausgedrückt handelt es sich um den Eigenkapitalanteil des Anlegers bei Kauf eines CFDss
  • Zinssatz: Der Zins wird nur bei offenen Overnight Positionen berechnet, untertägig findet keine Zinsbelastung statt

Was Sie vor einer Geldanlage in CFDs unbedingt beachten sollten

Falls Sie neugierig geworden sind und sich an CFDs heranwagen möchten, sollten Sie 2 Dinge unbedingt beherzigen:

  1. Arbeiten Sie unbedingt zunächst längere Zeit mit einer Demoversion, bis Sie sich sicher genug fühlen, CFDs real zu handeln
  2. Wählen Sie einen Emittenten, bei dem keine Nachschusspflicht besteht
  3. Investieren Sie nur sog. „Spielgeld” in CFDs, d.h. finanzielle Mittel, deren Verlust für Sie wirtschaftlich gut verkraftbar ist

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