Rürup-Rente: So sorgen Selbstständige leicht fürs Alter vor

Artikel von Mauritius Kloft; aktualisiert am 02.09.2022

Im Gegensatz zur Riester-Rente dürfte die Rürup-Rente den meisten Deutschen ziemlich unbekannt sein. Möglich zwar, dass Sie einmal davon gehört haben. Doch was steckt genau dahinter?

Die Rürup-Rente richtet sich vorwiegend an Arbeitnehmer, die im Regelfall nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und nicht riestern können. Die Rürup-Rente ist dabei steuerlich gefördert. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie sinnvoll die Rürup-Rente ist – und wer von den Regelungen profitieren kann.

Was ist die Rürup-Rente genau?

Die Rürup-Rente ist Teil der privaten Altersvorsorge. Sie ist vor allem für Selbstständige und Freiberufler gedacht. Diese sind im Regelfall nicht pflichtversichert in der Rentenversicherung oder in einem berufsständischen Versorgungswerk, sind nicht Riester-förderberechtigt und müssen sich um ihre Altersvorsorge selbst kümmern.

Doch auch Beamte oder Angestellte können in die Rürup-Rente einzahlen. In welchem Fall das für Sie Sinn ergeben kann, lesen Sie weiter unten. Die Rürup-Rente ist dabei im Grunde eine kapitalgedeckte Form der Altersvorsorge, je nachdem mit oder ohne garantierte Leistungen. Sie wird steuerlich gefördert, Zulagen wie bei der Riester-Rente gibt es indes nicht. Weil die Rürup-Rente zur Basisversorgung gerechnet wird, nennt man sie auch Basisrente.

Die Rürup-Rente hat ihren Namen von ihrem Erfinder: Bert Rürup. Anders als Walter Riester, der die nach ihm erfundene Privatrente entwickelte, war Rürup kein Minister, sondern Regierungsberater. Wirtschaftswissenschaftler Rürup konstruierte das gleichnamige Altersvorsorgemodell in seiner Zeit als Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Dem „Rat der Wirtschaftsweisen“ gehörte er von 2000 bis 2009 an, die Basisrente gibt es seit 2005.

Welche Varianten der Rürup-Rente gibt es?

In der Rürup-Rente unterscheidet man drei verschiedene Modelle. Ein Überblick:

Klassische Basisrente

Das Modell lässt sich mit der klassischen privaten Rentenversicherung vergleichen. Versicherungsnehmer vereinbaren mit Ihrem Anbieter einen Garantiebetrag, der zum Rentenbeginn stehen soll. Um diesen zu erreichen, legt Ihr Versicherer das Geld sehr risikoarm in zinsgebundene Wertpapiere an. Wegen des aktuellen Niedrigzinsniveaus ist Ihre Rendite entsprechend gering.

Fondsgebundene Basisrente

Wenn die Rürup-Rente auf einem Fondssparplan basiert, Sie also regelmäßig in einen Investmentfonds einzahlen, ist Ihre Rendite entsprechend höher – gleichzeitig aber auch Ihr Risiko. Schließlich legen Sie Ihr Geld am Aktienmarkt an. Eine Garantierente gibt es hier meistens nicht. Ihr Versicherer berechnet Ihnen lediglich einen Rentenfaktor, eine Art Hochrechnung für die spätere Rentenzahlung.

Wie bei der fondsgebundenen Rentenversicherung ohne Rürup-Förderung gilt jedoch: Die Kosten sind bisweilen sehr hoch. Denn Sie müssen zum einen den Anbieter für den Vertrieb der Police bezahlen, als auch die Fondsgesellschaft für das Managen des Investmentfonds. Nur wenige Anbieter haben kostengünstige ETF im Angebot, bei denen kein Fondsmanager bezahlt werden muss.

Rürup-Sofortrente

Diese Option eignet sich, wenn Sie kurz vor dem Rentenbeginn stehen. Bei der Sofortrente zahlen Sie eine hohe Einmalsumme in den Rürup-Vertrag ein und sparen so Steuern. Kurze Zeit später, beim Renteneintritt, bekommen Sie diese dann in Form der Sofortrente ausgezahlt. Allerdings sind die Renditechancen hier ebenfalls begrenzt – weil der Anbieter kurz vor Rentenbeginn nicht mehr auf den Kapitalmarkt setzt, sondern Ihr Geld in risikoarme, zinsgebundene Anlagen steckt.

In jedem Modell ist es möglich, weitere Konditionen mit abzuschließen. Ein Klassiker ist eine Todesfallregelung, etwa eine Hinterbliebenenrente. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben viele Versicherer im Angebot. Allerdings kosten solche Zusatzversicherungen extra. Sie sollten sich also darüber klar werden, welche Konditionen Ihre Versicherungspolice wirklich enthalten soll.

Wie greift der Steuervorteil bei der Rürup-Rente?

Die Besteuerung bei der Rürup-Rente ist etwas kompliziert – daher gehen wir sie Schritt für Schritt durch. Grundsätzlich gilt: Die Besteuerung der Basisrente folgt dem Steuerprinzip der gesetzlichen Rente. Beiträge sind als Vorsorgeaufwendungen absetzbar, dafür müssen Sie auf die Rente im Alter Steuern zahlen. Es greift die nachgelagerte Besteuerung.

Lassen Sie uns zunächst einmal die Besteuerung der Rürup-Beiträge betrachten. Hierbei gilt: Der maximal mögliche Beitrag in die Rürup-Rente liegt im Jahr 2022 bei 25.639 €, gemeinsam veranlagte Ehepaare oder Lebenspartner können den doppelten Betrag, also 51.278 €, einzahlen. Theoretisch können Sie auch noch mehr in den Rürup-Vertrag überweisen, das ergibt aus steuerlicher Sicht jedoch keinen Sinn. Die förderfähige Höchstsumme richtet sich nach der Beitragsbemessungsgrenze zur knappschaftlichen Rentenversicherung und ändert sich jedes Jahr.

Allerdings können Sie nicht den gesamten Rentenbeitrag als Altersvorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung absetzen – sondern im Jahr 2022 nur 94 %. Bis zum Jahr 2025 steigt der absetzbare Anteil auf 100 % an.

Tabelle: Anstieg der abzugsfähigen Rürup-Beiträge


Jahr

Förderfähiger Höchst­betrag

Absetzbare Vorsorge­aufwendungen

Maximal absetzbare Vorsorge­aufwendungen
2022 25.639 € 94 % 24.101 €
2021 25.787 € 92 % 23.724 €
2020 25.046 € 90 % 22.541 €
2019 24.305 € 88 % 21.388 €
2018 23.712 € 86 % 20.392 €
2017 23.362 € 84 % 19.624 €

Wenn Sie als pflichtversicherter Arbeitnehmer in die Rürup-Rente einzahlen, werden die Beitragszahlungen in die gesetzliche Rente steuerlich angerechnet. Und zwar sowohl der Arbeitnehmeranteil als auch der Arbeitgeberanteil des Rentenbeitrags. 18,6 % des Bruttoeinkommens werden folglich vom förderfähigen Höchstbeitrag abgezogen. So will der Gesetzgeber ausschließen, dass Sie zweimal von der Absetzbarkeit von Sonderausgaben für die Altersvorsorge profitieren.

Diese Steuerregeln greifen bei der Auszahlung der Basisrente

Nach Rentenbeginn müssen Sie auf die Rentenzahlungen des Rürup-Vertrags dann Ihren persönlichen Einkommensteuersatz zahlen. Wie groß der steuerpflichtige Anteil der Rente ist, hängt vom Jahr des Renteneintritts ab – und bleibt dann ein Leben lang gleich.

So lag der Besteuerungsanteil der Rente vor 2006 bei 50 %, seitdem steigt er von Jahr zu Jahr an. Bei einem Renteneintritt im Jahr 2040 soll er bei 100 % liegen. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs muss die Regierung jedoch die Rentenbesteuerung anpassen und den steuerpflichtigen Anteil der Rente nach hinten verschieben, damit er erst im Jahr 2060 bei 100 % liegt.

Neben Steuern müssen Basisrentner auch Beiträge in die Krankenversicherung zahlen, auch Zahlungen an die Pflegeversicherung sind nötig – wie bei der gesetzlichen Rente werden also Sozialabgaben fällig. Allerdings können Selbstständige ordentlich Geld sparen, wenn sie sich in der Krankenversicherung der Rentner versichern. Das ist jedoch nur möglich, wenn sie auch freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse zahlen.

Welche Nachteile hat die Rürup-Rente?

Da die Rürup-Rente als Basisversorgung konstruiert ist, gilt sie nicht als besonders flexibel. Zentraler Nachteil: Sie binden sich an den Vertrag. Denn es ist nicht möglich, die Rürup-Police zu kündigen – auch nicht mit Verlusten, die Sie hinnehmen müssten. Stattdessen können Sie den Rürup-Vertrag aber dauerhaft beitragsfrei stellen. Dann sparen Sie sich immerhin die monatlichen Beiträge in die Basisrente, die Verwaltungskosten müssen Sie bei einer Beitragsfreistellung weiter tragen.

Ebenso gibt es bei der Basisrente kein Kapitalwahlrecht. Das bedeutet: Sie können sich die Rürup-Rente folglich nicht auf einmal auszahlen lassen. Sie muss stattdessen als monatliche Leibrente ausgezahlt werden, ähnlich wie die gesetzliche Rente. Der Rentenbeginn bei der Rürup-Rente liegt seit 2012 frühestens beim 62. Lebensjahr. Den genauen Beginn der Auszahlungsphase vereinbaren Sie jedoch mit Ihrem Versicherer.

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Hinterbliebenenschutz müssen Sie extra abschließen

Außerdem ist die Rürup-Rente nicht vererbbar oder übertragbar. Sollten Sie sterben, kommen wie bei der Lebensversicherung oder einer privaten Rentenversicherung mehrere Optionen zum Tragen.

Sterben Sie noch in der Ansparphase, zahlt der Versicherer an Ihre Erben bzw. eine bezugsberechtigte Person eine Rente aus den eingezahlten Beiträgen und Erträgen. Diese sogenannte Beitragsrückgewähr müssen Sie aber mit abschließen, was höhere Kosten bedeutet. Sterben Sie in der Rentenphase, kann Ihren Angehörigen eine Hinterbliebenenrente gezahlt werden – für eine bestimmte Dauer, die Rentengarantiezeit. Doch diese müssen Sie ebenfalls extra abschließen.

Doch es gibt auch Vorteile der Basisrente. Neben der Steuerersparnisse als zentrales Plus ist das Rürup-Vermögen sicher, wenn Sie Hartz IV beziehen. Anders als etwa ein privater ETF-Sparplan werden die Beiträge in die Basisrente nicht mit dem Arbeitslosengeld II verrechnet.

Für wen lohnt sich die Rürup-Rente?

Für Selbstständige und Freiberufler kann die Rürup-Rente durchaus eine Variante sein, fürs Alter vorzusorgen. Das gilt allerdings nur, wenn Sie dauerhaft ein hohes Einkommen erzielen. Denn in dem Fall können Sie auch hohe Beiträge in die Rürup-Rente leisten und entsprechend von den Steuervorteilen in der Ansparphase profitieren.

Junge Selbstständige sollten sich den Abschluss eines Rürup-Vertrags hingegen gut überlegen. Denn die Policen sind sehr unflexibel. Auch ist es möglich, dass Sie nicht in Ihrem gesamten Erwerbsleben selbstständig tätig sind. Dann können Sie den Rürup-Vertrag nicht kündigen und sich den Betrag vorzeitig auszahlen lassen.

Angestellte und Beamte können zwar auch von den Steuervorteilen profitieren. Das gilt aber höchstens für Gutverdiener.

In jedem Fall gilt: Sie sollten individuell prüfen, wie sinnvoll die Basisrente wirklich ist. Oftmals kann ein ETF-Sparplan sinnvoller sein, weil Sie sich die Kosten eines Rürup-Vertrags sparen und deutlich flexibler sind. Allerdings verzichten Sie auch auf die Steuervorteile der Basisrente.

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