Vorsorgevollmacht

Zehn Tipps zur Vorsorgevollmacht

Margit Winkler, 08.06.2020

Bei Notfällen, die zu Geschäftsunfähigkeit und Pflegebedarf führen wie beispielsweise einer Krankheit oder einem Unfall, kommt es immer wieder vor, dass die Hilflosigkeit des Betroffenen ausgenutzt wird. Einfache Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken, sind Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung.

Sowohl Vorsorgevollmacht als auch Betreuungsverfügung und Patientenverfügung werden im Vorfeld durch den Betroffenen ausgestellt und kommen in Notfällen zum Einsatz. Die Vorsorgevollmacht bevollmächtigt dabei einen ausgewählten, geschäftsfähigen Vertreter dazu, in dieser Angelegenheit rechtskräftige Entscheidungen für den Betroffenen zu fällen.

Liegt keine Vorsorgevollmacht vor, schreibt das BGB vor, dass ein Betreuungsgericht einen Vertreter bestimmt. Doch selbst wenn eine Vorsorgevollmacht besteht, ist es für die bevollmächtigten Personen enorm wichtig, dass klare Handlungsanweisungen bestehen, sonst kann es leicht zu Missverständnissen und zur Überforderung kommen.

Hier erfahren Sie von Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung (IGB), Expertin für Vollmachten und Verfügungen, wie Sie sich in Notsituationen durch eine Vorsorgevollmacht vor Missbrauch schützen können und wie Sie sich richtig auf die Erstellung einer Vorsorgevollmacht vorbereiten.

Die Autorin

Margit Winkler (Jahrgang 1963), Geschäftsführerin des Instituts GenerationenBeratung (IGB), ist Expertin in allen Fragen rund um Vollmachten, Verfügungen, Pflege und Testament. Mit ihrem Buch „Vorsorgen: Keine Frage des Alters!“ hat sie einen Leitfaden für Menschen vorgelegt, die die eigene Zukunft nicht dem Zufall überlassen wollen. Das Buch gilt als Standardwerk für die GenerationenBeratung.

Margit Winkler
Über das Institut GenerationenBeratung

Das unabhängige und neutrale Institut GenerationenBeratung (IGB) ist Experte zu Themen der rechtlichen und finanziellen Vorsorge für den Pflege- und Todesfall. Für Privatpersonen erstellt das IGB rechtssichere Vollmachten und verwahrt sie, genauso wie die unterschiedlichsten Verfügungen, die im Bedarfsfall benötigt werden. Finanzdienstleister bildet das IGB zu allen Themen der GenerationenBeratung aus, damit diese ihre Kunden noch besser zu allen Themen der Vorsorge beraten zu können.

Zehn Tipps zur Vorsorgevollmacht mit Missbrauchsschutz

Eine Vorsorgevollmacht ist eine der wichtigsten Vorkehrungen, die privat zu treffen sind. Viele wissen das. Meinen, sie sei nur etwas für Ältere oder haben andere Gründe, es wieder zu vertagen. Das ist menschlich.

Doch eine Vorsorgevollmacht ist absolut notwendig, um zu vermeiden, dass ein Gericht (Betreuungsgericht) im Notfall einen Betreuer bestellt. Häufig kommt es dann zur sogenannten Generalvollmacht für Ehepartner und Kinder oder sonstige Vertrauenspersonen. Sobald der bevollmächtigte Vertreter das Dokument in Händen hält, kann er handeln. Ein Missbrauch kann bis zur Beleihung oder zum Verkauf der Immobilie gehen. Damit dies nicht mit Schrecken für den Vollmachtgeber endet, erfahren Sie hier die zehn wichtigsten Tipps.

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1 | Oberstes Gebot ist die Akzeptanz der Vollmacht

Wenn die Vorsorgevollmacht zum Einsatz kommt, ist die wohl sensibelste Lebensphase eingetreten. Angehörige wie Ehepartner oder Kind kümmern sich um alle Belange des Vollmachtgebers, weil dieser pflegebedürftig ist. Zu dem zeitlichen Aufwand kommt die nicht zu unterschätzende emotionale Belastung, wenn es um die letzte Lebensphase des geliebten Menschen, dem Vollmachtgeber, geht. Wir empfehlen Vollmachten, die ein Anwalt errichtet hat, wegen der hohen Akzeptanz. Zudem hilft der Anwalt im Bedarfsfall auch bei der Durchsetzung der Vollmacht etwa gegenüber Ärzten.

2 | Überreichen Sie bei Erteilung der Vorsorgevollmacht nur die Alltagsvollmacht

Eine Vorsorgevollmacht gilt ab Übergabe des Dokuments. Andererseits muss gewährleistet sein, dass diese im Bedarfsfall vorliegt. Um die bevollmächtigte Person zu informieren und für häufige Alltagssituationen handlungsfähig zu machen, erstellt das Institut GenerationenBeratung automatisch extra Vollmachten für Gesundheit und Kommunikation. Damit ist der Partner oder das Kind bereits von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden und darf Briefe entgegennehmen.

3 | Machen Sie den Bevollmächtigen handlungsfähig

Wenn plötzlich das Kind alle Entscheidungen treffen muss, braucht es eine Grundlage. Daher empfehlen wir Übersichten über Vermögen, Versicherungen, Renten und wichtige Anschriften zu hinterlegen. Dies muss nicht ständig aktualisiert werden. Es geht darum, dass die bevollmächtigte Person einen Überblick erhält. Es gab bereits häufig den Fall, dass die bevollmächtigte Person erst zu spät eine Versicherungsleistung, wie etwa das Tagegeld einer Pflegeversicherung, abgerufen hat, weil sie davon keine Kenntnis hatte.

4 | Generalvollmacht ist nicht zwingend nötig

Eine Vorsorgevollmacht soll den Alltag für den Vollmachtgeber regeln. Wählen Sie nur die Bereiche, die dann entschieden werden müssen. Schauen Sie genau hin, wenn es um die Veräußerung von nichtbeweglichen Vermögensgegenständen (Immobilien), Haftungsbefreiung und Untervollmachten geht. Diese Möglichkeiten geben eine enorme Machtfülle an die bevollmächtigte Person.

5 | Regeln Sie die Finanzen selbst

Wenn die Vorsorgevollmacht zum Einsatz kommt, sind häufig sofort Handlungen in Bezug auf die Finanzen gefragt, etwa bei Entscheidungen zu Pflegeheim und ambulantem Dienst. In der Situation von Alleinstehenden mit mehreren bevollmächtigen Kindern kommt es oft zur Überforderung bei Finanzentscheidungen für Vater oder Mutter. Daher kann man nur anraten, mit der Vorsorgevollmacht selbst konkret festzuhalten, wie im Pflegefall zu verfahren ist: Welches Vermögen wird aufgebraucht? Welche Versicherung besteht dafür?

6 | Verzichten Sie auf die notarielle Form für Immobilienverkauf

Auch für Hausbesitzer ist es nicht erforderlich, eine notarielle Form zu wählen: Denn so können sich die Bevollmächtigten jederzeit das Haus übertragen oder darauf eine Grundschuld eintragen und Darlehen aufnehmen. Es wird nicht geprüft, ob ein Zusammenhang mit den Interessen des Vollmachtgebers besteht. Der Sinn der Vorsorgevollmacht ist die Regelung des Alltags – nicht die Entscheidung über die Immobilie.

7 | Machen Sie mit weiteren Verfügungen Ihren Willen klar

Die Vollmacht ist das rechtliche Instrument, das es der bevollmächtigten Person erlaubt, Handlungen für den Vollmachtgeber durchzuführen. Da der Lebenspartner den Vollmachtgeber mit seinen Gewohnheiten sehr gut kennt, ist es für ihn am einfachsten zu handeln. Doch auch er wird beispielsweise bei der Patientenverfügung an seine Grenzen kommen. Im Grunde ist es nur eine Frage der Fairness und um unnötige Konflikte zu vermeiden, dass man mit folgenden Verfügungen den eigenen Willen festhält:

  • Patientenverfügung
  • Pflege- und Trauerverfügung
  • ggf. Sorgerechts- und Haustierverfügung

8 | Missbrauchsschutz mit professioneller Verwahrung

Da die Vollmacht im Bedarfsfall binnen weniger Stunden vorliegen muss, etwa bei einem Unfall, ist die richtige Verwahrung ausschlaggebend. Liegt die Vorsorgevollmacht nicht vor, kommt es doch zur gerichtlichen Betreuung.

In den wenigsten Fällen leben Vollmachtgeber und bevollmächtigte Personen in einem Haushalt, sodass der Bevollmächtigte umgehend auf die Vorsorgevollmacht zugreifen kann. Zudem berichten immer wieder Anwälte davon, dass Urkunden, die von Personen gefunden werden, die nicht bevollmächtigt sind, verschwinden. Dem kann durch die sichere Verwahrung einer Vorsorgevollmacht (z.B. durch das Institut GenerationenBeratung) vorgebeugt werden, denn die Herausgabe erfolgt erst im Bedarfsfall.

Vorsorgevollmachten sollten zudem auch im Zentralen Vorsorgeregister (ZVR) der Bundesnotarkammer registriert werden. Das Vorsorgeregister wird im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz geführt. Im ZVR findet keine Hinterlegung der Vorsorgevollmacht statt, sondern lediglich eine Registrierung.

9 | Flexibel in der Gestaltung der Bevollmächtigten

Vorsorgevollmachten werden häufig erst Jahre oder Jahrzehnte nach ihrer Erstellung gebraucht. Da können sich die Beziehungen zu den Personen ändern, zumal jede Vollmacht auf Vertrauen baut. Durch eine einfache Vernichtung bzw. einen Austausch der Vollmachtdokumente bei der Verwahrstelle ändert der Vollmachtgeber seinen Willen.

10 | Aktualität schützt vor Missbrauch

Professionelle Unterstützung mit einem regelmäßigen Update Service erleichtert die Aktualität der Vorsorgevollmachtunterlagen. Gerade weil diese Thematik die große Zahl der Babyboomer betrifft, wird es immer wieder Gesetzesänderungen geben. Dies macht eine Anpassung an die Vollmacht nötig.

Weitere Ängste bei der Vorsorgevollmacht und ihre Lösungen

Neben der Angst vor dem Missbrauch, gibt es noch weitere Gründe, weswegen man die Errichtung der Vorsorgevollmacht gerne vertagt. Hier sind die häufigsten Probleme dargestellt und wie leicht man diese lösen kann.

Die richtige Person benennen

Errichten Sie in Partnerschaften immer die Vorsorgevollmacht, um füreinander da zu sein. Eine Vorsorgevollmacht soll nichts anderes als den Alltag regeln, beispielsweise Briefe entgegennehmen oder mit dem ambulanten Dienst Verträge abschließen. Wer jemanden hat, der auch nur teilweise unterstützt, kommt damit recht weit.

Sorge ums Haus

Um den Alltag zu regeln, ist es nicht notwendig, die Immobilie verkaufen oder beleihen zu dürfen. Die anwaltliche Vorsorgevollmacht ist das Instrument, das rechtssicher ist und die Immobilie nicht gefährdet. Wer seinem Partner die Befugnis zur Veräußerung von Immobilien erteilen will, lässt diese Vollmacht einfach beglaubigen.

Gleichbehandlung der Kinder

Die bevollmächtigte Person sollte jemand sein, der den Vollmachtgeber gut kennt und aufgrund seiner Persönlichkeit dessen Willen durchsetzt. Deswegen werden nicht alle Kinder infrage kommen und die Familie tut gut daran, miteinander darüber zu sprechen.

Vier-Punkte Plan zur Vorbereitung einer Vorsorgevollmacht

Lesen Sie hier, wie die Errichtung der Vorsorgevollmacht in vier Schritten leicht gelingt und Sie bestimmen, welcher Umfang der Vollmacht für Sie sinnvoll ist.

Schritt 1 | Person/en bestimmen

Bei Eheleuten, Eltern-Kind-Verhältnissen oder ähnlichen Beziehungen sind Vertrauenspersonen da. Die meisten von uns haben Personen, die zumindest Briefe annehmen dürfen oder von der Schweigepflicht der Ärzte entbunden werden. Sonst gibt es die Möglichkeit, eine Person als Betreuer vorzuschlagen, wobei hier das Gericht kontrolliert.

Schritt 2 | Umfang benennen

Häufig ist die Vorsorgevollmacht eine umfängliche Generalvollmacht, weil die bevollmächtigte Person Entscheidungen in allen Lebensbereichen treffen soll.

Schritt 3 | Machtfülle eingrenzen

Überlegen Sie nachfolgend den Umfang, denn eine Vorsorgevollmacht dient der Organisation des Alltages.


Gesundheit
Mit einer Vorsorgevollmacht legen Sie fest, ob der Bevollmächtigte über Untersuchungen, Heilbehandlungen oder anderweitige medizinische Behandlungen entscheiden darf. Sie bestimmen zudem, ob die bevollmächtigte Person Bettgitter oder sonstige freiheitsentziehende Maßnahmen bei stationärem Krankenhausaufenthalt oder in einem Pflegeheim erlauben darf.

Versicherungen und Vermögen
Sie legen fest, ob die bevollmächtigte Person Verträge kündigen und über Vermögen verfügen darf. Geschenke im üblichen Umfang für Geburtstag, Hochzeit und ähnlichem werden üblicherweise erlaubt. Laut Gesetz ist der Verkauf, die Übertragung oder das Beleihen von Immobilien hingegen nur möglich, wenn ein Notar oder die Betreuungsbehörde beglaubigt bzw. beurkundet.

Insichgeschäft
Die bevollmächtigte Person darf sich wie der Kontoinhaber oder wie bei einer Bankvollmacht verhalten.

Untervollmacht
Für beratende Berufsgruppen sehr sinnvoll. Bei allgemeiner Untervollmacht kann die bevollmächtigte Person an jede beliebige Privatperson die Vollmacht weitergeben.

Haftungs­befreiung
Die bevollmächtigte Person ist nur dem Vollmachtgeber zur Rechenschaft verpflichtet und er übernimmt mögliche Kosten, die ihr in diesem Zusammenhang entstehen.

Schritt 4 | Weitere Verfügungen und Übersichten

Als Patient, für Pflege und Trauer, bei Kindern und auch bei Haustieren bringen Sie Klarheit und Handlungsanweisung für die bevollmächtigte Person. Übersichten zu Vermögen, Renten, Versicherungen, Kennwörter und wichtigen Personen helfen der bevollmächtigten Person bei der Umsetzung Ihrer Belange.

Das Institut GenerationenBeratung unterstützt Sie in Angelegenheiten der Vorsorgevollmacht und bei der eigentlichen Erstellung der rechtssicheren Vollmachten durch kooperierende Anwälte. Darüber hinaus stellt das Institut GenerationenBeratung mit einem professionellen Verwahrservice sicher, dass die Vollmacht für den Bedarfsfall vorliegt und immer aktuell bleibt.

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