Micro Caps

Was sind Micro Caps?

Annette de los Santos, 12.07.2017

In den USA werden als Micro Caps Aktien von Unternehmen bezeichnet, die eine Marktkapitalisierung von 50 bis 300 Mio US$ erreichen. Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung unter 50 Mio US$ werden als Nano Caps bezeichnet.

In Deutschland sind Micro Cap-Aktien mit einer so geringen Marktkapitalisierung, dass sie häufig weder im SDAX noch im TecDAX notiert sind. Die Grenzen sind nicht genau festgelegt, aber die Marktkapitalisierung ist deutlich geringer als in den USA.

Auch Penny Stocks gehören von ihrer Marktkapitalisierung her in der Regel zu den Micro Caps. Sie werden aber nicht zu den Micro Caps im engeren Sinne gezählt, da sie in unregulierten Märkten mit unregelmäßigen Kursfeststellungen gehandelt werden und häufig auch betrügerische Machenschaften zu beobachten sind.

Micro Caps sind hingegen aufstrebende junge Unternehmen mit gutem bis sehr gutem Wachstumspotenzial und dem Bestreben baldmöglichst an der Börse gelistet zu werden. Im Hinblick darauf sind sie bemüht, bei der Veröffentlichung ihrer Daten höchstmögliche Transparenz sicherzustellen. Aber auch etablierte Unternehmen mit robustem Geschäftsmodell können wegen ihrer geringen Marktkapitalisierung zu den Micro Caps zählen. Teilweise sind sie zu einem nicht unerheblichen Teil noch in Familienbesitz, sodass nur ein Teil der Aktien frei handelbar ist.

Klassische Start Up Unternehmen gehören oft zu den Micro Caps, sofern ihre Aktien frei handelbar sind.

Wo werden Micro Caps gehandelt?

Micro Caps werden in den USA noch nicht über offizielle Börsenindizes, sondern über verschiedene Broker als OTC’s (Over-The-Counter) gehandelt, z.B. über OTC Link LLC, Pink Sheets LLC oder OTCBB. Der wesentliche Marktanteil von Micro Caps liegt in den USA. Sie sind in den USA im Russell Microcap Index erfasst. auf US Aktien spezialisiert ist die Firma Lynxbroker in Amsterdam. Auch in Australien und Indien sind Microcaps im Markt gut vertreten. In Deutschland sind sie hingegen eher unterrepräsentiert.

Vor- und Nachteile von Micro Caps

Wegen ihrer hohen Volatilität und geringen Marktliquidität werden Micro Caps zuweilen als „Zockerpapiere“ bezeichnet. Betrachtet man allerdings die Nähe von Micro Caps zu Private Equity Investments, dann ist die Liquidität von Micro Caps gegenüber diesen bedeutend höher und bietet Zugang zu Unternehmen in einer möglichst frühen Entwicklungsphase.

Bei US-amerikanischen Micro Caps ist vor allem zu beachten, dass diese 90 % ihres Umsatzes im heimischen Markt generieren. Ein Investment setzt deshalb eine sehr gute Kenntnis des Heimatmarktes voraus.

Bei der kritischen Beurteilung von europäischen Micro Caps wird häufig vergessen, dass kleine Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 10 Mio € bis 150 Mio € mehr als die Hälfte aller börsennotierten Unternehmen in Europa stellen. Darunter sind auch viele etablierte Unternehmen. Von Analysten bleiben sie dennoch häufig unbeachtet. Mit Standardwerten beschäftigen sich im Schnitt 16 Analysten, bei Micro Caps ist es lediglich einer.

Bei aller Vorsicht kann es sich also lohnen, gezielt nach Micro Caps mit guter Ertragskraft, beherrschender Marktstellung und guten Wachstumschancen zu suchen. Wem die Suche nach geeigneten Micro Caps zu aufwändig ist, der kann sich auch an entsprechend spezialisierten Fonds beteiligen.

Beispiel für ein deutsches Micro Cap

Ein Beispiel für ein Micro Cap Unternehmen ist die Bauer AG. Es handelt sich hier um ein Bau- und Maschinenbauunternehmen mit Sitz im oberbayrischen Schrobenhausen, dass 1790 gegründet wurde und fast 11.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Marktkapitalisierung ist niedrig. Dennoch scheint das Unternehmen gut aufgestellt zu sein. Eine genaue Analyse kann hier also interessant sein.

Bild-Copyright: Gustavo Frazao / Shutterstock.com

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