Small Caps – Everybody’s Darling oder nur etwas für Mutige?

Annette de los Santos, 12.07.2017

Was sind Small Caps?

Wie auch Large Caps und Mid Caps erfolgt die Einordnung eines Unternehmens bzw. einer Aktie als Small Cap (Cap = kurz für market capitalization) nach der Marktkapitalisierung. Sie wird mit folgender Formel berechnet:

Aktienkurs × Anzahl frei handelbarer Aktien = Börsenwert des Unternehmens

Small Caps zählen ebenso wie Mid Caps zu den sog. Nebenwerten. Deutsche Nebenwerte müssen nicht notwendigerweise in einem Börsenindex gelistet sein. An dieser Stelle betrachten wir nur Small Caps, die in Deutschland entweder im SDAX (abgeleitet von Small Cap) oder im TecDAX gelistet sind.

Allgemein werden Unternehmen mit einem Börsenwert von bis zu 500 Mio € zu den Small Caps gerechnet. Im SDAX sind allerdings bereits Small Caps mit 100 Mio € Börsenwert vertreten.

Im SDAX sind die 50 kleinen Unternehmen gelistet, die nach Marktkapitalisation und Börsenumsatz auf die MDAX Unternehmen folgen. Wie bei allen anderen deutschen Aktienindizes können nur Unternehmen im Prime Standard berücksichtigt werden. Der Prime Standard stellt besondere internationale Transparenzanforderungen sicher, wie z.B. die Veröffentlichung englischsprachiger Quartalsberichte.

Im SDAX gibt es eine breite Streuung nach unterschiedlichen Branchen. Im Gegensatz dazu sind im TecDAX hauptsächlich kleine Technologieunternehmen gelistet. Die Wechseldynamik ist bei diesen Indizes naturgemäß größer als bei DAX und MDAX.

Chancen und Risiken von Investitionen in SDAX und TecDAX

Viele der im SDAX und TecDAX gelisteten Small Caps sind noch relativ jung, Vergleichszahlen aus der Vergangenheit fehlen, Planungen hängen von unwägbaren Faktoren ab. Auch die üblichen Analysekennzahlen sind auf Small Caps häufig nicht anwendbar. Anleger können ihre Investitionsentscheidung daher selten auf Expertenanalysen stützen. Sie müssen sich eher auf Themen wie Bedarfsanalysen, Absatzmärkte, Zukunftsperspektiven der Produkte und Qualität des Managements fokussieren.

Entsprechend der in der Anlaufphase nicht unerheblichen Gewinn- und auch Kursschwankungen kann der Einstieg zum falschen Zeitpunkt zu hohen zwischenzeitlichen Verlusten führen. Anleger brauchen dann ein langes Durchhaltevermögen und kurzfristige Renditeerwartungen erfüllen sich nicht. Wegen der meist geringen Kapitaldecke unterliegen Small Caps zudem einem höheren Insolvenzrisiko.

Andererseits bieten sich auch hohe Renditechancen bei Small Caps. Der US-Kapitalmarktforscher Jeremy Siegel hat über vier Jahrzehnte die Renditen von amerikanischen Small- und Large Caps verglichen. Die Small Caps schnitten dabei mit 14,8 % Rendite p.a. besser ab als Large Caps mit etwa 12 % Rendite p.a.

Es gibt allerdings Experten, die der Auffassung sind, dass die viel gepriesenen Renditechancen so groß gar nicht sind, wie sie häufig behauptet werden. Bei den deutschen Indizes schnitt in letzter Zeit der MDAX (Mid Caps) besser ab als Large- und Small Caps.

Die Performance von Small Caps

Einen großen Dämpfer bekamen die Investoren in Small Caps, als im Jahr 2000 die Internetblase platzte. Unter den Small Caps, die in den deutschen Indizes gelistet sind, gibt es allerdings sehr solide Unternehmen, die seit Jahren am Markt etabliert sind und gute bis hervorragende Wachstumschancen haben. Im Folgenden finden Sie dazu eine kleine Übersicht mit Beispielen von Small Caps, die sich in den letzten 2 Jahren gut entwickelt haben.

Kursanstieg ausgewählter Small Caps im Vergleich

Aktie Kurs (€), Jan. 2015 Kurs (€), Jan. 2017 Kursgewinn (%) Index
SIXT 37,5 50,0 33,3 SDAX
Grammer 40,0 60,0 50,0 SDAX
Jenoptik 12,0 25,0 100,0 TecDAX
Wirecard 40,0 52,0 30,0 TecDAX

Quelle: consorsbank.de – Kurschart der Einzelaktien. Die genauen Kurse können daher geringfügig abweichen.

Andere Unternehmen, wie z.B. Jungheinrich, SMT Scharf oder LPKF Laser & Electronics performten in den letzten 2 Jahren deutlich schlechter als in früheren Jahren bzw. mussten deutliche Kursschwankungen und gleichbleibende oder sinkende Kurse hinnehmen. Es ist also nicht pauschal von einem Segment voller Gewinner zu sprechen.

Fazit zur Geldanlage in Small Caps

Insgesamt sind Small Caps für sicherheitsorientierte Anleger wegen der beschriebenen Risiken nicht geeignet. Renditeorientierte, risikobewusste Anleger sollten nach Expertenmeinung nicht mehr als 15 % bis 20 % ihrem Aktienportfolio beimischen. Um das Risiko besser zu streuen, empfehlen sie überdies das Investment in Indexfonds (ETFs) gegenüber einem Direktinvestment in Einzelaktien vorzuziehen. Ein langfristiger Anlagehorizont und die Diversifikation verringern zusätzlich das Risiko von Verlusten.

Bild-Copyright: Aysezgicmeli / Shutterstock.com