vermögensverwaltende GmbH

Vermögens­verwaltende GmbH: Fünf Fehler, die Sie vermeiden sollten!

Lana Iliev, 04.05.2020

Die Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH kann vor allem aus steuerlicher Sicht sinnvoll sein. Doch die Steuerersparnisse, die hier ermöglicht werden, gleichen nicht immer die eingebüßte Flexibilität und die Kosten aus, die durch die Gesellschaft entstehen. Lesen Sie hier, was eine vermögensverwaltende GmbH ist, welche Vorteile sie bietet und welche Nachteile sich ergeben.

Sie wissen bereits, was eine vermögensverwaltende GmbH ist und welchem Zweck sie dient? Erfahren Sie mehr über die fünf Fehler, die es zu vermeiden gilt!

Was ist eine vermögensverwaltende GmbH?

Eine vermögensverwaltende GmbH ist eine Kapitalgesellschaft, die zur Organisation von Vermögen und Vermögensgegenständen eingesetzt wird. Dabei sind auch andere Rechtsformen als die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) denkbar, beispielsweise GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), UG (Unternehmensgesellschaft) oder KG (Kommanditgesellschaft).

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Varianten der Nutzung einer vermögensverwaltenden GmbH:

1 | Die vermögensverwaltende GmbH als Tochtergesellschaft einer Holding

Eine Holding (auch Muttergesellschaft) bündelt Beteiligungen an mehreren Gesellschaften und Unternehmen. Dies ermöglicht und erleichtert in vielen Bereichen die ganzheitliche Verwaltung und bringt im Fall der vermögensverwaltenden GmbH einen bedeutenden Vorteil mit sich: Gewinnausschüttungen der Tochtergesellschaft an die Holding müssen nicht versteuert werden.

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2 | Die vermögensverwaltende GmbH zur Verwahrung von Privatvermögen

Eine vermögensverwaltende GmbH kann von Privatpersonen genutzt werden. Die vollständige oder teilweise Einbringung von Privatvermögen in eine vermögensverwaltende GmbH bringt in diesem Fall eine Reihe von Vorteilen mit sich – vor allem steuerlicher Natur. Diese kommen zustande, wenn Vermögensgegenstände wie Immobilien, Aktien oder etwaige andere Wertpapiere an die vermögensverwaltende GmbH übertragen werden. Aus diesem Grund wird die vermögensverwaltende GmbH auch salopp als Spardosen-GmbH bezeichnet.

Eine vermögensverwaltende GmbH kann als Steuervehikel genutzt werden, das eine steuerreduzierende Wirkung hat und damit Gewinne nach Steuern aus Vermögensgegenständen steigern kann. Dennoch amortisiert sich die Nutzung einer vermögensverwaltenden GmbH nicht in jedem Fall.

Der Fokus dieses Artikels liegt auf der Nutzung einer vermögensverwaltenden GmbH als Steuervehikel zur Verwaltung von Privatvermögen.

Welchem Zweck dient eine vermögensverwaltende GmbH?

Die vermögensverwaltende GmbH kann Steuerersparnisse mit sich bringen und ermöglicht die Konzentration sowie Absicherung von Vermögen. Diese Umstände werden zunächst erläutert, bevor es um die fünf Fehler geht, die es zu vermeiden gilt.

Steuerersparnis

Das wohl wichtigste Argument für die Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH sind die Steuerersparnisse, die sich mit ihr realisieren lassen. Je nach Vermögensgegenstand und zugehöriger Besteuerung gestalten sich Steuervorteile durch die GmbH anders.

Immobilien in der vermögensverwaltenden GmbH

Außerordentlicher Beliebtheit erfreut sich dabei die Übertragung von Immobilien an die vermögensverwaltende GmbH, denn hier kann es zu besonders hohen Steuerersparnissen kommen.

Einkünfte, die durch die Vermietung von Immobilien erzielt werden, unterliegen steuerlichen Abzügen. Zwar können Aufwendungen wie Betriebskosten, Darlehenszins, AfA (Absetzung für Abnutzung) und Erhaltungsaufwendungen für die Immobilie geltend gemacht werden. Die überschüssigen Mieteinnahmen unterliegen jedoch der Einkommensteuer und damit auch dem persönlichen Steuersatz, der sich nach der Höhe des individuellen jährlichen Einkommens richtet. Zumindest gilt dies für Privatinvestoren.

Werden Immobilien aus dem Privatvermögen in das einer vermögensverwaltenden GmbH übertragen, kommt nicht die Einkommens-, sondern die Körperschaftsteuer zum Tragen, die sich wie folgt berechnet:

Steuer Steuerlast
Körperschaftssteuer 15 %
Solidaritätszuschlag 5,5 %
Effektive Steuerlast 15,825 %

Bedenkt man, dass der Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer bei 45 % liegt, dann wird deutlich, dass sich eine vermögensverwaltende GmbH gerade für Vielverdiener lohnen kann.

Wertpapiere in der vermögensverwaltenden GmbH

Anders als Immobilien unterliegen die Gewinne, die mit dem Handel von Wertpapieren erwirtschaftet werden, nicht der Einkommensteuer sondern der Abgeltungssteuer, die sich wie folgt zusammensetzt:

Steuer Steuerlast
Abgeltungssteuer 25 %
Solidaritätszuschlag 5 %
ggf. Kirchensteuer 8 % bis 9 %
Effektive Steuerlast 26,375 %
bis 27,99 %

Seit der Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009 ist es Privatinvestoren nicht mehr möglich, Aufwendungen für Werbungskosten in tatsächlicher Höhe abzusetzen. Für eine vermögensverwaltende GmbH gilt dies jedoch nicht. Hier ist es sehr viel einfacher Werbungskosten geltend zu machen. So lässt sich der zu versteuernde Betrag aus Kapitalerträgen verringern und die Steuerlast letztlich reduzieren.

Ein weiterer Vorteil, der sich durch eine vermögensverwaltende GmbH ergibt, ist, dass Sie auf BERGFÜRST Investitionen über 25.000 € tätigen können. In diesem Fall tritt der Anleger als juristische Person in Form der GmbH und nicht mehr als natürliche Person auf. So fällt er nicht unter das Kleinanlegerschutzgesetz und kann auch größere Beträge auf BERGFÜRST investieren.

Konzentration von Vermögen

Neben den genannten Steuerersparnissen kann eine vermögensverwaltende GmbH auch genutzt werden, um Vermögensgegenstände unter mehreren natürlichen Personen aufzuteilen. So kann der gemeinsame Erwerb von Vermögensgegenständen durch mehrere Investoren erleichtert werden oder aber Vermögen innerhalb einer Familie gebündelt und die Nachfolge bzw. die Aufteilung des Erbes gesichert werden.

Um die Verwaltung von Vermögensgegenständen im Falle einer Geschäftsunfähigkeit zu regeln, braucht es nicht zwingend eine vermögensverwaltende GmbH. Hier kann auch eine Vorsorgevollmacht hilfreich sein.

Absicherung von Vermögen

Durch die Aufteilung in Privat- und Betriebsvermögen wird eine Unabhängigkeit der Vermögensgegenstände erreicht. Erwirtschaftet die Gesellschaft Verluste, betrifft dies nicht das Privatvermögen der Gesellschafter. Umgekehrt bleibt das Betriebsvermögen von Verlusten der einzelnen Gesellschafter unberührt.

Fünf Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten

Die Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH ist nicht in jedem Fall sinnvoll, denn den genannten Vorteilen steht eine Reihe von Nachteilen gegenüber. Sollten Sie die Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH in Betracht ziehen, sollten Sie unbedingt die folgenden fünf Fehler vermeiden. Schlimmstenfalls kommt Sie die Gesellschaft teuer zu stehen und die eingesparten Steuern gleichen Ihre Ausgaben nicht aus.

Eine vermögensverwaltende Gesellschaft ist ein äußerst komplexes Konstrukt, dass nicht ohne die professionelle Beratung eines Steuerberaters realisiert werden sollte.

1 | Mit einer vermögensverwaltenden GmbH gewerblich agieren

Ein heikler Punkt bei der vermögensverwaltenden GmbH ist die Gewerbesteuer. Jede Kapitalgesellschaft ist zunächst gewerbesteuerpflichtig. Die Gewerbesteuerlast kann jedoch gemindert werden. Eine solche Minderung der Gewerbesteuer erfolgt für Gesellschaften, die nicht gewerblich agieren. Eine vermögensverwaltende GmbH darf also keine Dienstleistungen anbieten. Werden hier Fehler gemacht, muss die Gewerbesteuer entrichtet werden und die erhofften Steuerersparnisse werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zunichte gemacht.

Bezüglich einer Minderung der Gewerbesteuer und Rahmen, in welchem eine vermögensverwaltende GmbH nicht gewerblich agiert, sollten Sie sich unbedingt mit einem Steuerberater abstimmen.

2 | Betriebs- und Privatvermögen nicht ausreichend separieren

Eine weitere Schwierigkeit in der vermögensverwaltenden GmbH liegt in der Gewinnausschüttung. Denn die GmbH tritt als eigenständige juristische Person auf und von ihr erwirtschaftete Gewinne sowie Vermögensgegenstände gehören zum Betriebsvermögen. Die Gesellschafter besitzen lediglich Anteile an der vermögensverwaltenden GmbH und nicht das sich in ihr befindliche Kapital, Immobilien oder Wertpapiere.

Aus diesem Grund lassen sich Gewinne nicht ohne weiteres in das Privatvermögen der Gesellschafter überführen, denn sie müssen von jedem Gesellschafter persönlich versteuert werden. Dabei kommt das Teileinkünfteverfahren zur Anwendung, wenn der entsprechende Gesellschafter mit mindestens einem Prozent an der GmbH beteiligt ist.

Somit müssen sich Gesellschafter gegenüber der GmbH wie unbeteiligte natürliche Personen verhalten. Das bedeutet, dass Vermögensgegenstände, die aus der Gesellschaft in Privatvermögen überführt werden, rechtmäßig versteuert werden müssen. Wird dies unterlassen, kann der Verdacht verdeckter Gewinnausschüttungen und Steuerbetrugs entstehen.

Unter dem Gesichtspunkt des langfristigen Vermögensaufbaus führt die zusätzliche Besteuerung bei Gewinnausschüttungen dazu, dass sich eine vermögensverwaltende GmbH erst durch die Thesaurierung von Gewinnen innerhalb der Gesellschaft wirklich auszahlt.

Thesaurierung beschreibt das Unterlassen von Gewinnausschüttungen. Gewinne werden dabei meist einbehalten, um sie erneut anzulegen.

Die Komplikationen, die mit Gewinnausschüttungen aus der Gesellschaft einhergehen, tragen dazu bei, dass eine vermögensverwaltende GmbH in ihrer Flexibilität im Vergleich zu Privatvermögen besonders eingeschränkt ist.

3 | Die Gründungskosten der vermögensverwaltenden GmbH unterschätzen

Bei der Gründung einer GmbH entstehen Kosten, denn es wird ein Notar benötigt. Zudem sind eine Satzung bzw. ein Gesellschaftsvertrag nötig. Zusätzlich muss eine Stammeinlage mit einer Mindesthöhe von 25.000 € geleistet werden. Außerdem fallen mit der Übertragung von Immobilien aus Privatvermögen an die GmbH erneut Grunderwerbssteuer und weitere Notarkosten an.

4 | Laufende Verwaltungskosten der vermögensverwaltenden GmbH unterschätzen

Auch über die Gründung hinaus fallen für die Verwaltung einer vermögensverwaltenden GmbH laufende Kosten an, die stets bedacht werden sollten. So muss jährlich statt einer simplen Überschussrechnung, wie es bei Privatanlegern verlangt wird, eine Bilanzierung erstellt werden. Zudem müssen zum Jahresabschluss eine Körperschaftssteuer- sowie eine Gewerbesteuererklärung eingereicht werden. Für diesen buchhalterischen Mehraufwand lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater – doch dieser muss ebenfalls bezahlt werden.

Darüber hinaus gibt es für Unternehmen im Gegensatz zu Privatpersonen keine kostenlosen Depots. Auch hier gehen also zusätzliche Kosten mit der vermögensverwaltenden GmbH einher.

5 | Auf steuerfreie Immobilienverkäufe verzichten

Ein weiterer Nachteil der vermögensverwaltenden GmbH kommt beim Verkauf von Immobilien zum Tragen, denn die Spekulationsfrist gilt nicht für Unternehmen. Die Veräußerung einer Immobilie durch eine Kapitalgesellschaft wird somit stets besteuert, während Privatpersonen nach dem Ablauf der Frist von zehn Jahren keine Spekulationssteuer auf den Immobilienerlös entrichten müssen.

Die Übertragung von Immobilien in eine vermögensverwaltende GmbH rentiert sich also nur, wenn es sich dabei um ein Objekt handelt, das eine hohe Mietrendite abwirft und dessen Verkauf nicht sobald geplant ist.

Warum möchten Sie Geld anlegen?

Für wen lohnt sich die vermögensverwaltende GmbH?

Letztlich lässt sich festhalten, dass eine vermögensverwaltende GmbH nicht für jeden und in jedem Szenario sinnvoll ist. Die Gründung der GmbH lohnt sich erst, wenn der zu erzielende Steuervorteil die Kosten für die Gesellschaft ausgleicht. Dies ist erst der Fall, wenn das persönliche Einkommen der Gesellschafter in spe deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Doch der persönliche Steuersatz ist nicht das einzige Kriterium, dass über die Sinnhaftigkeit einer vermögensverwaltenden GmbH entscheidet. Auch die Zusammensetzung des Vermögens und die Frequenz, in der das Vermögen umgeschichtet werden soll, spielen eine Rolle. Zudem lohnt sich die Gründung einer Gesellschaft nur, wenn die dauerhafte Thesaurierung der Erträge geplant ist. Sind Sie auf regelmäßige Gewinnausschüttungen aus Ihrem Vermögen angewiesen, rentiert sich eine vermögensverwaltende GmbH meist nicht.

Sinn und Unsinn einer vermögensverwaltenden GmbH hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher individueller Kriterien ab und sollten deshalb immer von einem Steuerberater beurteilt werden.

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