Familienstiftung

Gründung einer Familienstiftung: Drei Vor- und Nachteile

Ralf Kretzschmar, 30.04.2020

Etwa 95 % der deutschen Unternehmen befinden sich in Familienhand. Ab einem gewissen Zeitpunkt stellt sich dann die Frage der Nachfolge. Findet sich unter den direkten Nachkommen kein geeigneter Nachfolger, bietet sich die Gründung einer Familienstiftung an, um den Zusammenhalt der Familie und des Vermögens zu gewährleisten.

Erfahren Sie hier, was eine Familienstiftung ist, wie sie besteuert wird und welche Vor- und Nachteile sie hat.

Was ist eine Familienstiftung?

Die Familienstiftung ist eine Stiftung, die dauerhaft dem Wohl der Familie dient. Sie verfolgt einen wirtschaftlichen Zweck und ist deshalb im Gegensatz zu anderen Stiftungsformen nicht gemeinnützig.

Die Begünstigten der Stiftung, auch Destinatäre genannt, stehen in einem familiären bzw. verwandtschaftlichen Verhältnis zum Stifter. Sie können Zuwendungen aus den laufenden Erträgen des Stiftungsvermögens, etwa Mieten, Kapitalerträge oder Unternehmensgewinne erhalten.

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Grob lässt sich zwischen privaten und unternehmensbezogenen Familienstiftungen unterscheiden. Von beiden Formen existieren zahlreiche Varianten. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Familienstiftung im unternehmerischen Bereich als Unternehmensträgerstiftung. Die Stifter verwenden sie, um den Fortbestand ihres Vermögens sowie des Unternehmens zu sichern und die Familienangehörigen zu versorgen.

Gründung einer Familienstiftung

Da eine Familienstiftung einen großen organisatorischen und rechtlichen Aufwand mit sich bringt, sollte die Stiftungsgründung genau überlegt sein. An einer gründlichen rechtlichen Beratung in Sachen Stiftungsrecht vor der Gründung führt dabei kein Weg vorbei. Auch bei den anschließenden Schritten der Errichtung einer Stiftung ist eine rechtliche Begleitung ratsam.

In fünf Schritten zur Stiftungsgründung

  • Entwurf eines Stiftungskonzepts und einer Stiftungssatzung. In dieser sind Stiftungszweck sowie Name und Sitz der Stiftung zu benennen.
  • Besetzung der Stiftungsorgane, insbesondere des Stiftungsvorstands und des Stiftungsbeirats. Der Stiftungsvorstand ist dabei das geschäftsleitende Gremium. Ein Stiftungsbeirat kann eingesetzt werden, um eine Kontrollfunktion einzunehmen.
  • Ausstattung der Stiftung mit Kapital, in der Regel mindestens 50.000 € Privat- oder Betriebsvermögen.
  • Versenden des sogenannten Stiftungsgeschäfts. Es handelt sich dabei um den Antrag zur Gründung der Stiftung. Dieser muss schriftlich mit Stiftungssatzung und Vermögenswidmung bei der zuständigen Landesbehörde eingesendet werden.
  • Anerkennung der Stiftung durch die Stiftungsbehörde.

Rendite mit der Familienstiftung erwirtschaften

Generell ist die Ausstattung der Familienstiftung mit einer hohen Kapitalsumme ratsam. Grund dafür ist, dass die Familienstiftung ihre Erträge üblicherweise durch Zinserträge aus als sicher geltenden Staatsanleihen erwirtschaftet. Bei einem geringen Kapitalstock fallen die Zinserträge jedoch zu gering aus, als dass sich die Errichtung einer Stiftung lohnen würde.

Aufgrund der vorherrschenden Nullzinspolitik wenden sich Familienstiftungen allerdings ohnehin zunehmend von Anleihen ab und investieren vermehrt in Aktien und Immobilien.

Eine weitere Möglichkeit in Zeiten der Nullzinspolitik noch an Zinsen zu gelangen, stellt das Immobilien-Crowdinvesting dar. BERGFÜRST vermittelt Investoren Anlagemöglichkeiten mit einer festen Verzinsung von 5,0 % bis 7,5 % p.a. bei einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren.

Besteuerung von Familienstiftungen

Da Familienstiftungen nicht gemeinnützig sind, sind sie auch nicht steuerbefreit. An verschiedenen Stellen der Stiftung fallen deswegen Steuern an. Diese können aber im Vergleich zu anderen Lösungen und je nach Familienkonstellation durchaus auch vorteilhaft sein.

Besteuerung bei der Stiftungsgründung

Bei der Gründung der Stiftung mit dem Stiftungsgeschäft und der damit einhergehenden Übertragung von Vermögenswerten fällt die Schenkungsteuer an. Hier hat die Familienstiftung einen möglichen Vorteil gegenüber einer normalen Privatstiftung.

Die Besteuerung richtet sich dabei nach dem Verwandtschaftsgrad zwischen dem Stifter und den begünstigten Familienmitgliedern. Handelt es sich hierbei nur um den Ehepartner und die direkten Abkömmlinge (Kinder, Enkel), dann kommt die günstige Steuerklasse I zum Einsatz.

Je nach Verwandtschaftsverhältnis können Freibetrag und Steuersatz der Schenkungssteuer erheblich variieren. So beträgt der Freibetrag bei Steuerklasse III 20.000 €, bei der Steuerklasse I kann er hingegen bis zu 500.000 € (für den Ehepartner) betragen. Beachtet werden sollte auch, dass ein hoher Freibetrag nur bei Gründung der Stiftung in Anspruch genommen werden kann. Spätere Zustiftungen unterliegen stets der Steuerklasse III.

Besteuerung des Stiftungsvermögens und der Ausschüttungen

Ertragsteuerlich wird die Familienstiftung mit der Körperschaftsteuer in Höhe von 15 % besteuert. Hinzu kommt die sogenannte Erbersatzsteuer. Diese besondere Erbschaftsteuer für Familienstiftungen ist im § 1 Abs. 1 des Erbschaftsteuergesetzes (ErbStG) definiert.

Der Fiskus erhebt die Erbersatzsteuer, damit Familien über den Weg einer Stiftung nicht die normale Erbschaftsteuer vermeiden. Das Vermögen von Familienstiftungen wird deswegen alle 30 Jahre mit der Erbersatzsteuer belastet. Dabei wird fiktiv von einem Erbfall an zwei Kinder ausgegangen. Das bedeutet, dass der Freibetrag 800.000 € und der Steuersatz zwischen 7 % und 30 % beträgt.

Beispielrechnung: Beträgt das Stiftungsvermögen zum Stichtag der Erbersatzsteuer 1,8 Mio. €, so müssen nach Abzug des Freibetrags 1 Mio. € versteuert werden. Der Steuersatz für diese Summe beträgt 19 %. Somit müssen 190.000 € des Stiftungsvermögen an das Finanzamt abgeführt werden.

Eine Möglichkeit, die steuerliche Belastung durch die Erbersatzsteuer zu verringern, ist die Gründung einer Stiftung für jedes einzelne Kind. Somit kann von mehreren Freibeträgen profitiert werden.

Die Ausschüttungen an die Destinatäre werden ebenfalls besteuert. Die genaue Regelung ist hier rechtlich nicht unumstritten und hängt auch von der jeweiligen Struktur der Stiftung ab. Generell kann jedoch gelten, dass die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge in Höhe von 25 % fällig wird (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer).

Vorteile und Nachteile von Familienstiftungen

Auch wenn die Familienstiftung nicht steuerbefreit ist, kann sich die Gründung aufgrund mehrerer Faktoren lohnen:

Vorteile von Familienstiftungen

  • Schutz des Familienvermögens und des Unternehmens: Mit einer Familienstiftung haben Unternehmer die Möglichkeit, ihr Vermächtnis über den Tod hinaus zu erhalten. Zum einen ist die Zersplitterung des Vermögens in der Familie, etwa durch Erbschaft oder Scheidung, nicht möglich. Zum anderen wird einer Zerschlagung des Unternehmens vorgebeugt, da Stiftungen keine Anteile ausgeben, die aufgekauft werden können. Somit bietet die Stiftung einen effektiven Vermögensschutz.
  • Langfristige Erbschaftsplanung: Die Familienmitglieder sind mit Gründung der Stiftung verbindlich über das Stiftungsvermögen abgesichert. Mögliche Erbschaftsstreits können durch die klare Struktur der Stiftung im Vorhinein und zu Lebzeiten des Stifters entschärft werden. Der Stifter kann außerdem den Anspruch von Kindern oder Eltern auf sein Erbe (sogenannter Pflichtteilsanspruch) umgehen, wenn er das Vermögen zehn Jahre vor seinem Tod auf die Stiftung überträgt.
  • Mögliche steuerliche Vorteile: Je nach spezifischer Ausgestaltung der Stiftung können sich steuerliche Vorteile ergeben. Vorteilhaft erscheint etwa die Besteuerung durch die Körperschaftsteuer im Vergleich zu Gesellschaftsformen wie z.B. einer GmbH, bei der die Gewerbesteuer anfällt.

Auch mit einer vermögensverwaltenden GmbH kann die Gewerbesteuer entfallen, wenn die entsprechende Gesellschaft keine Dienstleistungen anbietet.

Nachteile von Familienstiftungen

  • Unflexible Gesellschaftsform: Familienstiftungen bieten Stabilität, sind aber auch dementsprechend unflexibel. So kann zum Beispiel die Satzung (und der darin enthaltene Zweck der Stiftung) nur schwerlich verändert werden. Auch die Trennung von unrentablen Unternehmensteilen aus der Stiftung oder die gesamte Liquidation des Unternehmens sind kompliziert.
  • Staatliche Beaufsichtigung: Familienstiftungen unterliegen wie andere Stiftungen auch der jeweiligen Stiftungsaufsicht der Länder.
  • Erbersatzsteuer: Die zusätzliche Belastung durch die Erbersatzsteuer stellt einen weiteren Nachteil der Familienstiftung dar. Immerhin ist diese alle 30 Jahre stattfindende Besteuerung im Gegensatz zu einem tatsächlichen Erbfall jedoch planbar.

Fazit

Die Familienstiftung ist in erster Linie kein Vehikel, um Steuern zu sparen. Vielmehr eignet sie sich als Institution, die sowohl das Familienvermögen als auch die Absicherung der nachfolgenden Generationen über den Tod des Stifters hinaus gewährleistet. Stifter sollten aber im Auge behalten, dass die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht unflexibel ist.

Vor allem bei Unternehmerfamilien kann sich eine Stiftung dennoch lohnen: Zwar kann auch sie einen Streit um Erbschaften nicht verhindern, im besten Fall bewahrt die Familienstiftung aber dennoch den Familienfrieden.

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